1. bookTom 72 (2014): Zeszyt 3 (June 2014)
Informacje o czasopiśmie
License
Format
Czasopismo
eISSN
1869-4179
Pierwsze wydanie
30 Jan 1936
Częstotliwość wydawania
6 razy w roku
Języki
Niemiecki, Angielski
Open Access

Thematisierte Welten. Über Darstellungspraxen in Zoologischen Gärten und Vergnügungsparks

Data publikacji: 30 Jun 2014
Tom & Zeszyt: Tom 72 (2014) - Zeszyt 3 (June 2014)
Zakres stron: 265 - 267
Informacje o czasopiśmie
License
Format
Czasopismo
eISSN
1869-4179
Pierwsze wydanie
30 Jan 1936
Częstotliwość wydawania
6 razy w roku
Języki
Niemiecki, Angielski

Steinkrüger, Jan-Erik (2013): Thematisierte Welten. Über Darstellungspraxen in Zoologischen Gärten und Vergnügungsparks

Bielefeld: transcript Verlag, 348 S.

Die raum-und planungswissenschaftliche Auseinandersetzung mit Kunstwelten, künstlichen Erlebniswelten (Hennings/Müller 1998) und postmodernen Ästhetisierungen von Stadträumen (Hasse 1993) erlebte in den 1990er Jahren angesichts von in Deutschland neuartigen Phänomenen wie Center Parcs oder Shopping Malls einen Boom. Gleichzeitig wurden räumliche und landschaftliche Inszenierungen sowie Festivalisierungen als Strategien für die Regional-und Landschaftsentwicklung erprobt – etwa im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Emscher Park oder der EXPO 2000 – und in der Fachöffentlichkeit kontrovers diskutiert (vgl. Häußermann/Siebel 1993; Clemens 2000). Dass die – oftmals kritische – Analyse solcher Prozesse der Etablierung „künstlicher“, gemachter Orte in (vorwiegend) städtischen Räumen bedeutsam geblieben ist, zeigen etwa die Arbeiten zum „Placemaking“ (Pollermann 2014) oder zu „Themenorten“ (Flitner/Lossau 2006). Jan-Erik Steinkrüger trägt nun mit seiner Dissertationsschrift einen weiteren Aspekt zu diesen Debatten bei, ohne sich freilich direkt auf sie zu beziehen. Sein Ansinnen ist kein planungswissenschaftliches, sondern die Verbindung von Historischer Geographie, Freizeit-und Tourismusgeographie mit „Neuer Kulturgeographie“ (S. 16). Über das empirische Feld der Themenwelten möchte er einen Beitrag dazu leisten, den in der internationalen Debatte unter anderem dank der Arbeiten von Denis Cosgrove (z. B. Cosgrove 1984; Cosgrove 2006) etablierten Nexus von Kulturlandschaftsforschung (der Historischen Geographie) und kulturwissenschaftlichen Arbeiten (z. B. der Diskurstheorie) auch im deutschsprachigen Raum herzustellen.

Im Fokus steht dabei das Verhältnis von kollektiven Identitäten und Freizeit-und Erlebniswelten bzw. Themenwelten. Steinkrüger fragt danach, wie sich innergesellschaftliche Verhältnisse in Themenwelten widerspiegeln und welche Rolle in diesem Kontext die Darstellung ‚anderer‘ Kulturen einnimmt. In historisch-geographischer Tradition wird dies durch die Rekonstruktion der geschichtlichen Entwicklung von Themenwelten und ihrer Darstellungspraxis dargelegt. Im Anschluss an eine theoretisch-konzeptionelle Abhandlung des Phänomens „Themenwelten“ gelingt dies anhand von zwei idealtypischen Formen von Themenwelten: den zoologischen Gärten und den Vergnügungsparks. Weil die Darstellung des „Anderen“ reflektiert werden soll, geht es dabei jeweils um die Darstellung Afrikas in den Themenwelten. Themenwelten können offenbar, so zeigen die Ausführungen, verschiedene gesellschaftliche Funktionen erfüllen: als touristische Orte, Pilgerorte und Orte der sozialen In-und Exklusion. „Sie können Orte des Anderen im Eigenen sein, indem in sie das Andere (ob nun als andere Kultur oder das Andere der Kultur) verbannt wird, was in das Außen der Gesellschaft gerückt wird. (…) Themenwelten sind Aushandlungsorte sozialer und kultureller Differenz“ (S. 292).

Steinkrüger mutet dem Leser durch seine Verortung in der Schnittmenge von „Neuer Kulturgeographie“, Historischer Geographie sowie Freizeit-und Tourismusgeographie viel zu, denn jede dieser Geographien verfügt über bestimmte Denktraditionen und inhaltliche Teilaspekte, die in dieser Arbeit vorkommen. Im Umgang mit diesen Traditionslinien und insbesondere den verschiedenen skizzierten Theorien und theoretischen Ansätzen (z. B. Foucaults Konzept der Heterotopie, Bourdieus Habituskonzept, der Landschaftsforschung nach Duncan oder Cosgrove, der Unterscheidung von Disneyisierung und Disneyfizierung von Bryman) ist ein gewisser ‚sympathischer‘ Eklektizismus zu erkennen. Dieser erscheint allerdings aus zweierlei Gründen angemessen: einerseits zur Verbindung der oben genannten Geographien und andererseits zur adäquaten und – aus kulturgeographischer und sozialwissenschaftlicher Sicht – zeitgemäßen Befassung mit dem empirischen Feld der Themenwelten. Dem Autor gelingt es dabei zudem, eine – trotz einiger Flüchtigkeitsfehler – äußerst lesbare Arbeit vorzulegen.

Unter Themenwelten können abgegrenzte (Real-)Räume verstanden werden, in denen ein Thema präsentiert wird. Neben den in der Arbeit erörterten Beispielen kann es sich auch um Themenhotels und-restaurants, Urban Entertainment Center oder Markenerlebniswelten handeln, mithin um relevante Orte in zeitgenössischen Städten und Landschaften. Entscheidend für den nicht-ökonomischen, sondern kulturwissenschaftlichen Blick auf Themenwelten ist Steinkrüger folgend „Differenz“ als bedeutender Faktor für den Erfolg thematisierter Einrichtungen. In Themenwelten werden Dinge gezeigt, die anders sind, als man sie im Alltag an diesen Orten jeweils erwarten würde (S. 55). Themenwelten sind nicht weniger real oder irreal als ihre umgebenden Außenwelten, sondern im Sinne von Baudrillard hyperreal, das heißt voller Repräsentationen, die sich nicht mehr auf etwas Reales beziehen können (S. 58).

Der Autor führt anschließend eine Neuinterpretation von Themenwelten als Kulturlandschaften vor: Es gilt aus seiner Sicht, „Themenwelten als doppelte Landschaften neu zu interpretieren: Themenwelten sind Kulturlandschaften (als Medium), die Landschaften (als Darstellungsform) repräsentieren können“ (S. 64). Diese Differenzierung hilft, das Phänomen der Themenwelten zu verstehen, denn die Kulturlandschaft „Themenwelt“ kann dann als Ergebnis der kulturellen Praxis einer Ökonomie verstanden werden, die sich Strategien der Disneyfizierung bedient. Landschaft als Darstellungsform in Themenwelten simplifiziert, reduziert und bereinigt dagegen das Repräsentierte, stellt andere außeralltägliche Kulturen dar (S. 74). Dieser Aspekt der „Landschaftsdopplungen“ (S. 294) erscheint anschlussfähig für die jüngsten raumwissenschaftlichen Debatten über den Landschaftsbegriff und relevant für weitere empirische Untersuchungen zur Konstruktion von Landschaften über das hier gewählte Feld hinaus.

Die in theoretischer Sprache verfassten Überlegungen zum Phänomen „Themenwelten“ werden mit einer diskurstheoretischen Perspektive zu einem methodischen Ansatz zusammengeführt (Kap. 5), der die empirischen Untersuchungen im Feld der historischen Rekonstruktion von Themenwelten lenkt. Das folgende, mit 135 Seiten sehr lange Kapitel „(Kultur-)Landschaften in Themenwelten. Die Beispiele Zoo und Vergnügungspark“ ist mit seiner Quellenvielfalt, seiner lebendigen Sprache und den interessanten Erörterungen eine gelungene Lektüre. Zu kritisieren wäre hier allenfalls der sprachliche Bruch zwischen den theoretischen Kapiteln zuvor und dieser reichhaltigen idiographischen Darstellung, die fast ohne explizite Anklänge an die Theorie (Ausnahme: Kap. 6.1.6 zu „Kultur“ im Zoo und zum Zoo in der Kultur), auch an den skizzierten Landschaftsbegriff, auskommt. Erörtert wird stattdessen beispielsweise die Entwicklung des Zoologischen Gartens aus fürstlichen Menagerien, der Einfluss Carl Hagenbecks auf die Entwicklung des Zoos, die Darstellung von Menschen in Völkerschauen des Zoos sowie als lesenswerte ‚Fallstudie‘ die Erlebniswelt Afrika in der „Zoom Erlebniswelt Gelsenkirchen“. Die Vergnügungsparks werden deutlich kürzer abgehandelt; hier geht es um die Beispiele Coney Islands, Disneyland und Phantasialand. Angesichts der Fülle an weiteren Beispielen für zoologische Gärten und Vergnügungsparks fällt auf, dass es sich um eine rein westliche – im Sinne von US-amerikanische, westeuropäische und westdeutsche – Perspektive handelt.

Die Schlussbetrachtungen im Anschluss an die gelungene ‚Reise‘ durch Raum und Zeit der ausgewählten Themenwelten vermag leider die Arbeit nicht adäquat zusammenzufassen und die entstandene Lücke zwischen theoretisierender und empirienaher Sprache zwischen den Kap. 1 bis 5 bzw. 6 zu schließen. Die Arbeit ist dennoch aus raumwissenschaftlicher Perspektive empfehlenswert, weil sie Themenwelten als relevante Phänomene unserer Zeit (und vergangener Zeiten!) in den Mittelpunkt rückt und interessante theoretische Verbindungen zu diesem empirischen Feld aus einem breiten Kreis relevanter Theorien herstellt. Sie regt damit zum Nachdenken und zu weiteren Forschungsfragen an.

Clemens, C. (2000): Die „Inszenierung“ regionaler Teilräume – ein Beitrag zur Bildung einer Region? In: Raumforschung und Raumordnung 58 (2–3), 201–210.ClemensC.2000Die „Inszenierung“ regionaler Teilräume – ein Beitrag zur Bildung einer RegionRaumforschung und Raumordnung582–320121010.1007/BF03185190Search in Google Scholar

Cosgrove, D. (1984): Social Formation and Symbolic Landscape. London.CosgroveD.1984Social Formation and Symbolic Landscape.LondonSearch in Google Scholar

Cosgrove, D. (2006): Landscape, culture and modernity. In: Cosgrove, D. (Hrsg.): Geographical imagination and the authority of images. Hettner-Lectures 2005 with Denis Cosgrove. Stuttgart, 29–52.CosgroveD.2006Landscape, culture and modernityCosgroveD.Geographical imagination and the authority of images.Hettner-Lectures 2005 with Denis CosgroveStuttgart2952Search in Google Scholar

Flitner, M.; Lossau, J. (Hrsg.) (2006): Themenorte. Berlin. = Geographie 17.FlitnerM.LossauJ.2006Themenorte.BerlinGeographie17Search in Google Scholar

Hasse, J. (1993): Heimat und Landschaft. Über Gartenzwerge, Center Parcs und andere Ästhetisierungen. Wien.HasseJ.1993Heimat und Landschaft. Über GartenzwergeCenter Parcs und andere ÄsthetisierungenWienSearch in Google Scholar

Häußermann, H.; Siebel, W. (1993): Die Politik der Festivalisierung und die Festivalisierung der Politik. Große Ereignisse in der Stadtpolitik. In: Häußermann, H.; Siebel, W. (Hrsg.): Festivalisierung der Stadtpolitik. Opladen, 7–31. = Leviathan Sonderheft 13.HäußermannH.SiebelW.1993Die Politik der Festivalisierung und die Festivalisierung der Politik. Große Ereignisse in der StadtpolitikHäußermannH.SiebelW.Festivalisierung der Stadtpolitik.Opladen 7 31. = Leviathan Sonderheft 1310.1007/978-3-663-10065-2Search in Google Scholar

Hennings, G.; Müller S. (Hrsg.) (1998): Kunstwelten. Künstliche Erlebniswelten und Planung. Dortmund. = Dortmunder Beiträge zur Raumplanung 85.HenningsG.MüllerS.1998Kunstwelten. Künstliche Erlebniswelten und Planung. Dortmund. = Dortmunder Beiträge zur Raumplanung85Search in Google Scholar

Pollermann, K. (2014): Placemaking für Stadt(teil) und Land(schaft) – alter Wein in neuen Schläuchen? Ein Überblick über Begriffsvarianten und Praxisbezüge von Placemaking. In: RaumPlanung 172 (1), 54–57.PollermannK.2014Placemaking für Stadt(teil) und Land(schaft) – alter Wein in neuen SchläuchenEin Überblick über Begriffsvarianten und Praxisbezüge von Placemaking. In: RaumPlanung17215457Search in Google Scholar

Polecane artykuły z Trend MD

Zaplanuj zdalną konferencję ze Sciendo