1. bookTom 61 (2003): Zeszyt 3 (March 2003)
Informacje o czasopiśmie
License
Format
Czasopismo
eISSN
1869-4179
Pierwsze wydanie
30 Jan 1936
Częstotliwość wydawania
6 razy w roku
Języki
Niemiecki, Angielski
Otwarty dostęp

Rezensionen

Data publikacji: 31 Mar 2003
Tom & Zeszyt: Tom 61 (2003) - Zeszyt 3 (March 2003)
Zakres stron: 223 - 226
Informacje o czasopiśmie
License
Format
Czasopismo
eISSN
1869-4179
Pierwsze wydanie
30 Jan 1936
Częstotliwość wydawania
6 razy w roku
Języki
Niemiecki, Angielski

Hasse, Jürgen (Hrsg.): Subjektivität in der Stadtforschung. - Frankfurt a. M.: Selbstverlag des Instituts für Didaktik der Geographie der Universität Frankfurt a. M. 2002. 313 S., Kt., Abb., Tab., Lit. (= Schriftenreihe des Instituts für Didaktik der Geographie: Natur - Raum - Gesellschaft, Bd. 3)

Die Ordnung einer dreifach geschichteten Gesellschaft der Stadt (Unter-, Mittel- und Oberschicht), die eigentlich schon immer eine Scheinordnung war, ist endgültig dahin. Die Kultur des heutigen großstädtischen Lebens zerfällt in Mikrokosmen. Es gibt kein „Oben“ und „Unten“ mehr, vielmehr ein „Oben“ im „Unten“ und ein „Unten“ im „Oben“. Damit einher geht ein in den Möglichkeiten nahezu unbegrenztes Feld der Mischung von Lebensentwürfen, die kaum mehr klassifizierbar sind. Die gesamtgesellschaftlichen Rahmenbedingungen für den Aufbau von Identität, die Definition von Rollen bzw. die Rahmenbedingungen des sozialen Manövrierens im symbolischen Raum der Gesellschaft haben sich damit von Grund auf verändert.

Identität ist also nicht mehr quasi monolithisch zu denken, sondern eher als ein Patchwork von Identitätsfragmenten. An die Stelle kognitiver Entwürfe und reflexiv abgesicherter Handlungen, deren Ausgangspunkte dem Individuum bewusst sind, treten immer mehr emotionale Tendenzen, Befindlichkeiten und Dispositionen. Dem würde, so der zentrale Ansatzpunkt des Bandes, im städtischen Raum im vergangenen Jahrzehnt mit einem auf Immaterialien gründendem Umgestaltungsprozess entsprochen: einer „atmosphärische Inszenierung und ästhetische Hochrüstung des Städtischen“. Die Konkurrenz des Symbolischen mit dem Stofflich-Materiellen wirkt auf die Möglichkeiten zur Entwicklung von Identitäten ein. Mit der „Entstofflichung“ der Stadt verabschiede sich der Identitätstyp, der sich an der Faktizität und Dynamik des Stofflichen orientierte. An die Seite ökonomisch gesicherter Lebensentwürfe träten gleichwertig sogenannte postmaterialistische Werte.

Aber dort wo nun affektive Tendenzen die Lebens-, Erlebnis- und Erlebensformen der Individuen bestimmen, findet sich früher oder später auch die Kulturindustrie ein, um die identitätsbezogenen Herstellung- und Rezeptionsregeln mit vorzugeben. Dass der Zusammenhang „Stadt“ und „Kultur“ - immer schon auf engste miteinander verwoben - in diesem Band besondere Berücksichtigung finden, ist hervorzuheben und besonders, dass die aktuellen Merkmale dieses Zusammenhangs kritisch diskutiert werden. U.a. wird auf die Konzentration von kulturellen „Aufwertungs- und Revitalisierungsprojekten“ auf bestimmte prominente Orte (zu Lasten anderer Orte) verwiesen und auf die alles beherrschende Bemühung von „Kultur“, im Rahmen der städtischen „Ökonomie der Symbole“ („Events“) dem Zweck der Repräsentation des „Mehrwerts“ der Stadt als Wirtschaftsstandort zu dienen. Allerdings wird auch dazu aufgefordert, „Kultur“ als ein konfliktreiches Feld sozialer Auseinandersetzungen im Alltagsleben zu betrachten, auf dem über Selbst- und Fremdpositionierungen und die (Nicht-)Annahme dominierender Symboliken entschieden werden kann.

Der vorliegende Band beschäftigt sich insbesondere mit dem Stellenwert der Subjektivität in der Stadtforschung, einem ihrer besonders defizitären Forschungsbereiche, und zwar vor dem Hintergrund zweier größerer theoretischer Felder:

Die Beiträge des ersten Teils thematisieren das „sinnliche Erleben im ‘gelebten Raum’ der Stadt“ aus einer phänomenlogisch-philosophischen Perspektive heraus. Stichworte aus den Überschriften der Beiträge sind: Stadt und Atmosphäre; Räume der Urbanität; Stadtaussichten - aisthetische Gelände.

Im zweiten Teil des Bandes wird - von verschiedenen einzeldisziplinären Blickwinkeln aus - die gesellschaftliche Konstruiertheit der Stadt thematisiert, u.a. Aspekte wie metropolitane Identitäten, der Komplex symbolischer Vermittlung und die Entwicklung unterschiedlicher kulturelle Welten. Stichworte aus den Überschriften dieses Teils des Bandes sind: Raumkonstitution durch Kulturentrepreneurs; innerstädtische Restrukturierungsprozesse; kulturtheoretische Konzeption und subjektorientierte Stadtforschung.

Dieser Band zieht mit Bezug aufs Ganze der Stadtforschung aus den dargelegten Entwicklungen die Schlussfolgerung, dass die Lebenssituation von Stadtbewohnern nie wirklich erklärbar, geschweige denn verstehbar sein wird, wenn die „rationalisitische Vereinseitigung des Menschen“ in der Stadtanalyse dominant bleibt und weiterhin die Analyse einer „parallel zum intelligiblen Handeln verlaufende Gefühlsdynamik“, also „die Reflexion der befindlichen Seite konkreten menschlichen In-der-Stadt-Seins“ so wenig wie bisher berücksichtigt wird.

Darüber hinaus geht es in diesem Band immer wieder um Fragen der Herstellbarkeit städtischer Atmosphären, also um zentrale Fragen in Architektur und Stadtplanung. Deren Möglichkeiten und Grenzen kommen im Rahmen einer Reihe von Beispielen zur Sprache. Besonders zu empfehlen ist der vorliegende Band aber nicht nur unter letztgenannten Aspekten.

Gerhard Stiens (Bonn]

Bätzing, Werner: Ökologische und sozioökonomische Anforderungen an das Schwerpunktthema der Alpenkonvention Bevölkerung und Kultur. Herausgegeben vom Umweltbundesamt, Forschungsbericht 200 11 226 UBA 000376. - Berlin 2002.135 S., Abb., Tab., Lit.

Seit 1986 läuft ein in der breiten Öffentlichkeit wenig beachteter Prozess der Bearbeitung einer „Alpenkonvention“, also einer verbindlichen Verpflichtung mehrerer Unterzeichnerstaaten (Gegenwärtig Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien, Frankreich, Slowenien, Liechtenstein, Monaco und EU) eine inhaltliche Konvergenz der Berggebietspolitik aller Staaten mit Alpenanteil anzustreben und zu erreichen. Der Weg zu diesem ehrgeizigen Ziel ist aus verschiedenen Gründen äußerst dornenvoll und hindernisreich. Einmal handelt es sich bei den Beteiligten um souveräne Staaten mit sehr unterschiedlicher Geschichte, Selbstverständnis, politischer Kultur, Sprache sowie politischen und wirtschaftlichen Interessen, die zu einem Konsens kommen sollten. Zweitens ist die relative geographische, wirtschaftliche und politische Bedeutung des jeweiligen Alpenraumanteils in den einzelnen Staaten sehr verschieden - gerade in den großen Staaten spielt der Alpenanteil eine marginale Rolle; die wirtschaftlich und politisch entscheidenden Zentren wie Berlin, Rom, Paris und Brüssel liegen weit von den Alpen entfernt; nur wenige der dort wirkenden Politiker und Beamten verfügen über fundierte Kenntnisse und Erfahrungen mit den Problemen der Alpen, und es dominiert die Ansicht, der Alpenraum habe in erster Linie die Rolle als „Ergänzungsraum“ der außeralpinen Ballungsgebiete zu spielen. Die dritte Hauptschwierigkeit liegt darin, dass der Alpenraum selbst in Bezug auf Topographie, Geologie, Klima, Siedlungsstruktur, Verkehrslage sowie sozioökonomische Verhältnisse, wozu auch Bevölkerungsstruktur, Sprache und Kultur zählen, auch klein- und kleinsträumig äußerst inhomogen ist und sich jeder großräumigen Verallgemeinerung entzieht.

Im Laufe des nun bald 20-jährigen politischen Prozesses haben sich auch Zielsetzung und Arbeitsweise verändert. Ursprünglich stand die Idee einer Alpenschutzkonvention, also eines sektoriellen, konservierenden Umweltschutzinstruments mit dem Ziel, den gegenwärtigen Zustand der Natur zu erhalten, im Vordergrund. Nicht zuletzt auf Grund des wachsenden Widerstands der betroffenen Bevölkerung, die dadurch ihre weiteren Entwicklungsmöglichkeiten gefährdet sah und ein „museales Alpenreservat” ablehnte, erfolgte ein gewisses Umdenken und als neue und viel breiter gefasste Zielsetzung die „nachhaltige Entwicklung“ des Alpenraums. Nach wie vor liegt aber die Federführung des Alpenkonventionsprozesses in den einzelnen Vertragsstaaten in den Händen der Umweltminister. Vor dem Hintergrund dieses Paradigmenwechsels muss die vorliegende Publikation von Prof. Dr. W. Bätzing, Institut für Geographie der Universität Erlangen-Nürnberg, gesehen werden. Bätzing, der früher an der Universität Bern wirkte und Gastprofessuren an den Universitäten in Wien und Genua innehatte, gehört wohl zu den gegenwärtig besten Kennern der Alpen und ihrer Probleme in ihrer ganzen Breite. Das beweist auch diese außergewöhnliche, vielseitige Studie mit dem Schwergewicht auf der Frage, wie neben den ökologischen auch die sozioökonomischen und kulturellen Aspekte des Nachhaltigkeitsprinzips als Teil der „Umweltqualitätsziele“ in die Überlegungen und Vereinbarungen der Alpenkonvention eingearbeitet werden können. In einem ersten Kapitel fasst Bätzing die verschiedenen empirischen Studien von ihm und seinen Mitarbeitern über den Strukturwandel im Alpenraum und die damit verbundenen aktuellen Probleme von Umwelt, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur zusammen. Diese Untersuchungen umfassen die Bevölkerungsentwicklung von 6 123 Alpengemeinden im Zeitraum von 1871 bis 2000 und decken den gesamten Alpenraum ab. Die Gesamtheit der Alpengemeinden lässt sich in 17 Clustern mit je einer typischen Entwicklung und diese Cluster wiederum in fünf Haupttypen zusammenfassen, wobei alle Typen im ganzen Alpenraum verbreitet sind. Insgesamt ergibt sich ein extrem kleinflächiges Mosaik der verschiedenen Entwicklungen; in der Regel zeigen selbst Nachbargemeinden unterschiedliche Entwicklungsgänge. Die Inhomogenität ist so groß, dass selbst Kleinregionen nicht durch eine einheitliche Entwicklung gekennzeichnet werden können. Dieser Befund ist von zentraler Bedeutung für jede regionale Entwicklungsplanung und gilt natürlich auch für die kulturellen Aspekte.

Im folgendem Kapitel befasst sich Bätzing kritisch mit den bisherigen Bemühungen, den Komplex „Bevölkerung und Kultur“ innerhalb des Prozesses der Alpenkonvention einzubetten, und stellt zusammenfassend fest, dass „nicht nur bei den Fachbeamten der Alpenkonvention, sondern auch bei den NGO's und im wissenschaftlichen Bereich es noch relevante Unklarheiten [gebe], wie mit der Thematik Kultur umzugehen sei“. Folgerichtig befasst er sich daher in den beiden folgenden Schwerpunktkapiteln mit „grundsätzlichen Überlegungen zu zentralen Begrifflichkeiten und Inhaltlichkeiten eines Protokolls Bevölkerung und Kultur“ und behandelt „Inhalte, Maßnahmen und Umsetzungsschritte eines Protokolls Bevölkerung und Kultur“. Es ist im Rahmen einer kurzen Rezension nicht möglich, auf die Fülle der Überlegungen und Abwägungen sowie die konkreten Vorschläge für Handlungsziele und vor allem auch Indikatoren näher einzugehen. Das intensive Studium lohnt sich aber für jeden, der den Begriff nachhaltige Entwicklung nicht auf materielle Ziele beschränkt, sondern auch geistig-kulturelle Aspekte als Teil der Lebensqualität mit einbezieht. Bätzing hat dazu einen wesentlichen Beitrag geleistet, der sich nicht auf den Alpenraum beschränken lässt und jedem zu denken geben muss, der sich mit Raumforschung, Raumordnung und Entwicklungsplanung befasst.

Hansjürg Steinlin (Freiburg)

Hake, Günter; Grünreich, Dietmar; Meng, Liqiu: Kartographie. Visualisierung raum-zeitlicher Informationen. 8., vollst. neu bearb. und erw. Aufl. - Berlin, New York: Walter de Gruyter 2002

Die neue Auflage des Standardwerks zur Kartographie ist endlich erschienen, wenn auch mit erheblicher Verzögerung. Der Erstautor Hake ist leider während der Arbeiten an der neuen Auflage verstorben, und der Zweitautor Grünreich hat eine neue berufliche Herausforderung übernommen. Wie schon bei früheren Auflagen wurde durch das neue Mitglied im Autorenteam, Liqiu Meng, die gleitende Übergabe der Verantwortung für das Buch an eine jüngere Generation eingeleitet. Das Buch ist vor allem als Lehrbuch für Studierende der Geowissenschaften gedacht, vor allem in Geodäsie, Kartographie, Geographie und Geoinformatik, aber auch als Handbuch und Nachschlagewerk für alle, die beruflich mit georeferenzierten Informationen umgehen und sie in Graphiken und Karten umsetzen.

In den ersten Kapiteln werden die Grundlagen der kartographischen Informationsdarstellung vermittelt, unter anderem Informationen zur visuellen Kommunikation und kartographischen Modellbildung, zum Zeichensystem, den Gestaltungsmitteln und zur Generalisierung. Für Studierende der Geodäsie mögen die ausführlichen mathematischen Formulierungen zu den Kartennetzentwürfen eine wichtige Information sein, die meisten anderen Geowissenschaftler können sie aber getrost überspringen. Bei der Behandlung der technischen Grundlagen nimmt, dem Zug der Entwicklung folgend, die Informationstechnik, Geoinformatik und Computergraphik einen breiten Raum ein. Allerdings ist die Lebensdauer solcher Informationen erheblich kürzer als die von Aussagen zur visuellen Kommunikation oder graphischen Gestaltung. Viele technische Angaben werden bis zum Erscheinen der nächsten Auflage überholt sein. Es verwundert auch ein wenig, warum die schon lange ausgestorbenen mechanischen Zeichengeräte in dieser Ausführlichkeit beschrieben werden.

Man kann darüber streiten, ob die Trennung in allgemeine und angewandte Kartographie notwendig und gerechtfertigt ist. Denkbar wäre auch, im allgemeinen Teil die Anwendungen als Fallbeispiele im betreffenden Abschnitt zu präsentieren. Eine kurze Darstellung der Geschichte der Kartographie rundet die technischen und wissenschaftlichen Ausführungen ab.

Das Buch ist ein umfassendes Kompendium der wissenschaftlichen und praktischen Kartographie, das Standardwerk im deutschen Sprachraum. Obwohl aus dem Blickwinkel von Geodäten und ihren speziellen Anforderungen an Karten geschrieben, ist es die primäre Wissensbasis und das unverzichtbare Nachschlagewerk für Raumwissenschaftler aller Fachrichtungen in den Fragen der kartographischen Visualisierung und ihres technischen Umfeldes.

Wolf-Dieter Rase (Bonn)

Greiving, Stefan: Räumliche Planung und Risiko. - München: Gerling Akademie Verlag GmbH 2002. 320 S., Abb., Tab., Lit., Abkverz., Sachreg.

Mit der Diskussion um Nachhaltigkeit hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine nachhaltige Entwicklung vorsorgeorientiert sein muss. Der Autor fokussiert diesen Anspruch auf die räumliche Planung. Dabei stellt er nicht Schäden, sondern schadenauslösende Prozesse in den Mittelpunkt seiner Untersuchungen. Er versucht, Antworten darauf zu finden, wie die räumliche Planung prinzipiell besser mit raumbezogenen Risiken umgehen soll und wie der Planungsprozess effektiver durchorganisiert und die praktische Umsetzung rationeller gestaltet werden kann. Bevor konkrete Vorschläge über das Wie herausgearbeitet werden, werden dem Leser die relevanten Begriffe „Gefahr“, „Risiko“ und „Schaden“, deren Bedeutung keineswegs so klar ist, wie man auf den ersten Blick annehmen kann, im Zusammenhang mit Grundlagen der Risikoforschung semantisch und inhaltlich verständlich gemacht.

Der Autor geht davon aus, dass das Vermitteln und der Austausch von Informationen zwischen allen am räumlichen Planungsprozess beteiligten Akteuren hinsichtlich Wahrnehmung, Definition, Bewertung und Umgang mit Risiken die Voraussetzung für eine erfolgreiche politische Bewältigung von Gefahren ist. Er wählt für diese einzufordernde gesellschaftliche Debatte den Begriff „Risikokommunikation“. Von den Problemen der Risikokommunikation führt er dann zu den Problemen des Risikomanagements. Als klärend wird dabei herausgestellt, dass das Risikomanagement nicht nur einzelne Aspekte zur Gefahrenabwehr betrachtet, sondern das System als Ganzes aller gefährlichen Prozesse im gesellschaftlichen Dialog evaluiert. Im Mittelpunkt weiterer Betrachtungen stehen Entscheidungs- und Organisationsprobleme, die im Zusammenhang mit einer Instrumentendiskussion und Aspekten des Planungsrechts geführt werden. Vor diesem Hintergrund werden unterschiedliche Gefahrenbereiche, wie zum Beispiel Hochwasser als ein natürliches Ereignis und technische Störfälle aus dem Betrieb technischer Anlagen vorgestellt und spezifische Maßnahmen und Handlungsoptionen zur Risikosteuerung sowie Strategien für die Planungs- bzw. Genehmigungsträger, auch mit Blick auf eine grenzübergreifende Zusammenarbeit, abgeleitet. In diese Diskussion werden Analyseergebnisse aus internationalen Planungsbeispielen einbezogen. Im Vordergrund stehen dabei supranationale Aktivitäten aus Länderstudien der USA, Niederlande, Schweiz, Südafrika und Bangladesch, denen ein integrativer Ansatz aus der Perspektive eines Raums zugrunde liegt.

Den Schwerpunkt der Arbeit bildet das vom Autor entwickelte Konzept zum Risikomanagement. Im Sinne einer umfassenden Risikokultur verfolgt er mit seinem Konzept ein ganzheitliches und integratives Handeln zur langfristigen Risikovorbeugung. Als Leitbild für alle Entscheidungsträger in Politik und Planung fordert er die „Katastrophenresistenz“ und stellt diesen Begriff im Rahmen der allgemeinen Debatte zur Nachhaltigkeit gleichberechtigt neben die ökologische, soziale und ökonomische Dimension. Der Autor geht dabei von der These aus, dass eine gesellschaftliche Entwicklung nicht als nachhaltig bezeichnet werden kann, wenn mit einem Anwachsen von Risiken zu rechnen ist.

Als Fazit wird für das Risikomanagement ein Handlungsmodell in Form einer Matrixorganisation entwickelt. An der Spitze des Modells steht ein von Raumund Fachplanungen unabhängiges, politisch determiniertes Gremium, das die Koordination der Aktivitäten aller Planungs- und Entscheidungsträger übernehmen soll. In diesem Prozess der strategischen Überlegungen zum Risikomanagement werden ausführlich die Aufgaben der Raumplanung in den Ebenen der Bundesraumordnung bis zur Vorhabengenehmigung diskutiert. Dabei steht die Fragestellung, welche Rolle die Raumplanung im Prozess des Risikomanagements einnehmen soll, im Vordergrund. Der Autor arbeitet dabei heraus, dass die Raumplanung bei der raumbezogenen Bewältigung von Risiken nur für eine, wenn auch bedeutsame, vertikale Ebene in der Matrixorganisation steht, aber nicht die geeignete Instanz ist, um umfassende Risikomanagementkonzepte selbst zu entwickeln. Die Raumplanung hat vielmehr die Aufgabe, das Ziel „Katastrophenresistenz“ in die einzelnen räumlichen Planungsebenen zu transformieren und mit Hilfe des ihr zur Verfügung stehenden Instrumentariums die raumplanerischen Maßnahmen zur Risikominimierung planungsrechtlich abzusichern. In diesem Zusammenhang wird angesichts der erheblichen Defizite bei der Risikowahrnehmung in der Bevölkerung auch die Bedeutung informeller Konzepte herausgestellt, weil diese in Verbindung mit den Instrumenten der staatlichen Förderpolitik und der Versicherungswirtschaft essenziell das Risikobewusstsein und die Akzeptanz für präventive Maßnahmen auf der kommunalen Ebene fördern.

Mit dieser Arbeit wurde der Versuch unternommen, das Risikomanagement als eine Querschnittsaufgabe darzustellen. Die aus der raumordnerischen Sicht vorgenommenen organisatorischen und programmatischen Überlegungen bleiben langfristig aktuell. Sie tragen wesentlich dazu bei, auf allen Entscheidungsebenen den gesamtgesellschaftlichen Diskurs zur Risikominimierung zu forcieren und das Thema „Katastrophenresistenz“ in die politische Agenda einzubringen. Die Arbeit ist allen, die in der Raumplanung, Forschung und Politik Verantwortung tragen, sehr zu empfehlen.

Bernd Siegel (Pirna)

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