1. bookTom 61 (2003): Zeszyt 1-2 (January 2003)
Informacje o czasopiśmie
License
Format
Czasopismo
eISSN
1869-4179
Pierwsze wydanie
30 Jan 1936
Częstotliwość wydawania
6 razy w roku
Języki
Niemiecki, Angielski
Otwarty dostęp

Wissenschaftsforum: Zukunft Rhein-Main Erfolgsfaktoren regionaler Wirtschaftsentwicklung

Data publikacji: 31 Jan 2003
Tom & Zeszyt: Tom 61 (2003) - Zeszyt 1-2 (January 2003)
Zakres stron: 118 - 123
Informacje o czasopiśmie
License
Format
Czasopismo
eISSN
1869-4179
Pierwsze wydanie
30 Jan 1936
Częstotliwość wydawania
6 razy w roku
Języki
Niemiecki, Angielski

Am 4. November 2002 veranstaltete das Rhein-Main-Institut (RMI) dieses Forum im Christoph-Lichtenberg- Haus der TU Darmstadt mit Unterstützung des Kreises Groß-Gerau und des Amerikahauses Frankfurt. Das Rhein-Main-Institut fördert eine ihrer sozialen, ökologischen und politischen Verantwortung verpflichtete Wissenschaft und Forschung. Es ist ihm ein besonderes Anliegen, Ansatzpunkte, Strategien und Instrumente für eine am Leitbild der Nachhaltigkeit in sozialer, ökologischer und ökonomischer Hinsicht orientierte Regionalentwicklung zu untersuchen und auf diese in der Öffentlichkeit aufmerksam zu machen.

In der Begrüßung bezeichnet Prof. Dr. Martin Führ (FH Darmstadt / RMI) als Ausgangspunkt der Veranstaltung die Beobachtung, dass die Konkurrenz der Nationen untereinander nicht mehr so ausgeprägt vorhanden ist wie früher. Die Gestaltung der ökonomischen Rahmenbedingungen ist nicht mehr so souverän, wie es die nationale Politik noch immer einschätzt, sondern sie ist mittlerweile stark europäisch geprägt. Die Nationalökonomie hat zwar lange Zeit den Diskurs geprägt, die Regionen gewinnen aber an Bedeutung und rücken vor die Nationen in den Vordergrund. Als Aufgabe des Wissenschaftsforums steht die Frage der Wohlstandsentwicklung einer Region, für die Kriterien bezüglich einer erfolgreichen Gestaltung entwickelt werden sollen.

Fragestellungen für die Zukunft der Rhein-Main-Region und die Grundregeln des Wissenschaftsforums erläutert Oleg Cernavin (BC Forschungsgesellschaft Wiesbaden/RMI):Ziel des Wissenschaftsforums und seiner Veranstaltungen ist eine Verbesserung der regionalökonomischen Kompetenz der Akteure insbesondere unter Berücksichtigung der Wettbewerbsfähigkeit Themen und Perspektiven hierfür sind der Wandel der Arbeit, der Technologie, der Arbeitsformen und der Wertschöpfung. In diesen Bereichen findet eine wesentliche Veränderung durch die Computerisierung der Arbeitsmittel statt; durch die Zunahme der Wissensgenerierung bei Produktionsabläufen gewinnen humane und soziale Ressourcen immer mehr an Bedeutung.

Die Qualität der Arbeit ist also zunehmend abhängig von der Qualität des Lebensumfeldes. Das bedeutet, dass die Lebensqualität des regionalen Umfeldes wichtiger für die Reproduktionsqualität und damit zu einem Standortfaktor wird; ebenso beeinflusst ein bestimmtes Innovationsklima die Wertschöpfung einer Region. Die Attraktivität eines Standortes erhält dadurch andere Dimensionen der Wettbewerbsfähigkeit. Die Orientierung an der sozialpolitischen Agenda der EU beispielweise, die ökologische Dimension, die soziale Dimension und die Qualität des Raumes an sich sind Qualitätskriterien, die im Wissenschaftsforum konkretisiert und ausgefüllt werden sollen. Der erste Schritt ist die Betrachtung von Clustern und Netzwerken in ihrer regionalen Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit.

Über die Bedeutung von Clustern für die regionale Wirtschaftsentwicklung referiert Dr. Claas van der Linde (Harvard Business School, Boston und Universität St. Gallen): Cluster zählen zu den Schlüsselgrößen der zukünftigen Wirtschaftspolitik in Europa und der Welt. Die Produktivität (hier pro Kopf berechnet) gibt an, wie eine Region oder Nation ihre Human-, Kapital- und Naturressourcen nutzt. Bei der Wettbewerbsfähigkeit, die sich über die Produktivität bemisst, kommt es weniger darauf an, in welchen Industrien sich eine Nation oder Region dem Wettbewerb stellt, sondern wie sie es tut. Öffentliche und private Akteure spielen verschiedene aber zusammenhängende Rollen bei der Schaffung eines produktiven Umfelds. Die Ursachen der Wettbewerbsfähigkeit liegen wesentlich in der Innovationsfähigkeit und betreffen Unternehmensstrategien und Arbeitsweisen; sie liegen also vorrangig auf der mikroökonomischen Ebene. Daneben ist aber auch auf makroökonomischer Ebene für ein „solides politisches und rechtliches Umfeld“ zu sorgen.

Um die Zusammenhänge zwischen Produktivität und mikroökonomischem Geschäftsumfeld abzubilden, entwickelten van der Linde und Porter ein Modell in Form eines „Diamanten“, der die vier Einflussfaktoren „Firmenstrategie und Wettbewerb“, „Faktorbedingungen“, „Nachfragebedingungen“ sowie „verwandte und unterstützende Branchen“ darstellt. Der wichtigste Faktor in Bezug auf die Wettbewerbsfähigkeit ist der Wettbewerb der lokal ansässigen Unternehmen. Wenigstens bei einem Faktor sollten vorteilhafte Bedingungen herrschen bzw. geschaffen werden; andernfalls ist nicht mit einer Cluster-Entwicklung zu rechnen.

Die unterschiedlichen Wesensmerkmale von Clustern werden deutlich z.B. bei dem Rennwagencluster in Großbritannien mit einer Vielzahl von vor- und nachgelagerten Branchen, beim kalifornischen Weincluster mit seinen Beziehungen zu anderen Branchen sowie beim italienischen Schuhcluster oder dem Öl- und Gascluster in Houston. Cluster können in diesem geografischen Kontext definiert werden als „eine an einem Ort konzentrierte Gruppe von Unternehmern und verwandten Institutionen, deren Aktivitäten in einem bestimmten Feld miteinander verwandt sind oder einander ergänzen.“

Die Vorzüge von Clustern sind eine erhöhte Produktivität und Effizienz sowie die Stimulierung von Innovationen, wobei die exportierenden Cluster (z.B. Finanzdienstleistungen) auf Grund ihrer Dynamik und Innovationsfähigkeit die lokalen Cluster (z.B. Bäcker) in ihrer volkswirtschaftlichen Relevanz deutlich übertreffen. Es ist nicht zu befürchten, dass es bei fortschreitender Globalisierung grundsätzlich zu einem Zurückdrängen regionaler Cluster kommt. Vor allem wissensbasierte Cluster unterliegen den Effekten der Globalisierung weniger, da Wissen immer eine lokale Basis hat und vom direkten, persönlichen Austausch der Akteure lebt.

Van der Linde und Porter erarbeiteten eine Clusterstudie, in der 375 Berichte, Artikel und Studien zu insgesamt 833 Clustern ausgewertet wurden. Wichtigstes Ergebnis der Studie ist, dass wettbewerbsfähige Cluster immer auf allen vier Einflussfaktoren basieren. Vor allem die Cluster, die sich dabei primär auf Firmenstrategie und Wettbewerb konzentrieren, sind gegenüber anderen Clustern wettbewerbsfähiger. Die weniger wettbewerbsfähigen Cluster stützen sich dagegen primär auf Faktorbedingungen wie niedrige Löhne und günstigen Zugang zu Rohstoffen und vernachlässigen weitgehend Strategie und Wettbewerb. Darüber hinaus werden Aussagen zu Möglichkeiten und Grenzen von Clusterpolitik gemacht: Lediglich einer der untersuchten Cluster sich hat auf Grund staatlichen Einflusses entwickelt. Ansonsten sind die Faktorbedingungen, die Nachfrage und unterstützende Industrien ausschlaggebend für die Entstehung von Clustern. Dennoch hat die staatliche Einflussnahme eine Bedeutung, insbesondere im Rahmen der Gestaltung von beständigen und berechenbaren makroökonomischen und politischen Rahmenbedingungen sowie in der Verbesserung der allgemeinen Produktionsfaktoren und der Schaffung von übergeordneten Anreizen für den Wettbewerb.

Die Förderung von Clustern ist eine Aufgabe des Staates. Zur Unterstützung der Clusterentwicklung ist die Schaffung und Implementierung eines handlungsorientierten langfristigen Wirtschaftsentwicklungsprozesses sinnvoll. Dabei wird bei der Clusterpolitik im Unterschied zur Industriepolitik nicht eine Branche gezielt gefördert, sondern es wird durch eine Förderung der Produktivität die Wettbewerbsfähigkeit erhöht. Vorteile, die sich für die Firmen aus der Clusterpolitik bzw. aus der Zugehörigkeit zu Clustern ergeben, sind eine erhöhte Effizienz und Flexibilität, ein verbesserter Zugang zu Inputs, ein verbessertes Marketing, verbesserte Informationen und damit schnellere Innovationsmöglichkeiten.

In der Diskussion herrscht weitgehend Übereinstimmung, dass Cluster als Phänomen sehr alt sind, aber als regionalökonomische Sichtweise neue Impulse geben können. Der Staat kann dabei wichtige Unterstützung leisten, aber kaum initiativ wirken. Voraussetzung für eine sinnvolle Unterstützung sind eingehende Stärken-Schwächen-Analysen. Die räumliche Nähe innerhalb der Cluster beschleunigt Entwicklungen. Der Vorteil der vorgestellten Studie ist die große Anzahl der untersuchten Fälle: ihr Nachteil ist, dass den Quellen keine standardisierten Untersuchungsmethoden zu Grunde liegen und die publizierten Aussagen nur bedingt vergleichbar sind.

Im ersten Zwischenfazit formuliert Dr. Kilian Bizer (FB Wirtschaftswissenschaften TUD, Forschungsgruppe Institutionenanalyse FHD (SOFIA)) Fragen und Kriterien für eine Regionalentwicklung der Zukunft: Ein Beispiel für eine Clusterentwicklung im südhessischen Raum ist der Bereich Content-Management. Hierbei stellen meist kleine, mittelständische Betriebe (freie Agenturen) zusammen mit einigen großen Betrieben wie T-Online oder Software AG, die in dem Bereich führend sind, Leistungen im Online-Bereich zur Verfügung. Hinzu kommt, dass die Fachhochschule Dieburg hierzu seit einem Jahr neue Studiengänge (Onlinejournalismus, Online-PR und Informationsrecht) anbietet. Darüber hinaus gibt es Kooperationsbeziehungen zwischen Firmen und Hochschulen.

Die Clusteranalyse ist bislang vorrangig deskriptiv und damit von relativ geringem Wert, um daraus politische Vorgaben und Instrumente abzuleiten. Offene Fragen im Zusammenhang mit Clustern sind:

Zur Bedeutung der räumlichen Nähe bei der Clusterentwicklung im Zusammenhang mit dem Einsatz der neuen Medien: Wie groß ist der Einfluss neuer Medien auf die Cluster?

Zur Ausrichtung an der Nachhaltigkeit: Wie wirken Cluster in der Region auf alle anderen Ziele, die auch in der Region verfolgt werden, oder auf das ökologische Potenzial? Besteht nicht die Gefahr, dass eine Region von der Fehlentwicklung eines Clusters bzw. von einer einseitigen Förderung eines Clusters negativ betroffen sein kann?

Zum sozialen Kapital: Ist es das soziale Kapital, das in Netzwerken bzw. in persönlichen Beziehungen gebraucht wird, oder braucht man soziales Kapital, das sozusagen marktfähig ist?

Anhand der Ergebnisse der bisherigen Diskussion ergeben sich folgende Kriterien zur Regionalentwicklung:

Bestimmung der relevanten Akteure;

Identifikation bestehender Clusteransätze;

Analyse deren Entwicklungsmöglichkeiten;

Abschätzung der Risiken und Zielkonflikte;

Abstimmung gemeinsamer Initiativen mit öffentlichen Organisationen;

Kooperationen mit Kommunen, die als Standorte in Frage kommen.

Als Beispiel für eine unternehmerische Cluster-Initiative stellt Dr. Wulf Brämer (Heraeus Holding GmbH und Geschäftsführer Materials Valley e.V.) Entwicklungsstrategien für das „Materials-Valley“ als Cluster im Rhein-Main-Gebiet vor. Das Rhein-Main-Gebiet hat mehr als Banken, Flughafen und Messe zu bieten, hier sind auch weltweit bekannte Firmen der Bereiche Materialwissenschaft und Materialtechnologie angesiedelt. Materialien beeinflussen die menschliche Entwicklung, nicht umsonst sind viele Epochen nach den hauptsächlich verwendeten Materialien benannt: Steinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit usw. Auch die gegenwärtigen technologischen Entwicklungen sind direkt von Entwicklungen in Materialwissenschaft und Materialtechnik abhängig, wie z. B. Biotechnologie, Computertechnologie, IT oder Life-Science. Es gab Anlass, etwas gegen die Isolation der Firmen im breiten Feld der Materialtechnologie zu unternehmen, zumal diese bei ihren Entwicklungen in hohem Maß auf Interdiszipli- narität angewiesen sind. So wurde im Februar 2002 der Verein „Materials Valley“ e.V. gegründet als Netzwerk zwischen Firmen untereinander, Firmen und Kunden sowie Firmen und Wissenschaft. Er besteht aus Vorstand, thematischen Arbeitsgruppen und etwa 80 Mitgliedern. Besonderes Gewicht wird auf privates, unkompliziertes Sponsoring von Firmen und Institutionen gelegt. Die Palette der Mitglieder ist breit gestreut von der Gummi-Industrie über Graphite, Glas, Dünnschliff-Technologie, Edelmetalle, Magnetwerkstoffe und Flüssigkristalle bis zu Dental-Werkstoffen. Die Aktivitäten des Vereins bestehen wesentlich aus Vortragsveranstaltungen (z.B. Materialforum Rhein-Main), Workshops und Projektseminaren.

Zu den starken Triebfedern für Entwicklungen und Innovationen gehören in der Industrie die Konkurrenz und die persönlichen Kontakte. Diese sollen durch die Clusterbildung unterstützt werden; Cluster können nicht konstruiert werden, sondern es müssen Eliten angesiedelt werden.

In der Diskussion werden einige Anfangsschwierigkeiten deutlich: Die Kooperation mit TU und FH sind noch zu entwickeln, und die enorme Branchen-Bandbreite der Firmen wird auf Dauer zu strukturieren sein. Neben der Nutzung von Synergismen ist es das Ziel der Cluster-Initiative, die Region Rhein-Main in der Welt zu vermarkten.

Als weiteres Zwischenfazit formuliert Prof. Dr. Rolf Sternberg (Wirtschafts- und Sozialgeographisches Institut, Universität Köln) Fragen und Kriterien für eine Regionalentwicklung der Zukunft. Er definiert den Begriff „Cluster“ in diesem Zusammenhang als „räumliche Ballung verwandter Wirtschaftszweige mit intensiven intraregionalen Verflechtungen“. Im Hinblick auf regionale Entwicklung sind drei Fragen zu untersuchen:

Sind Cluster Erfolgsursachen für eine regionale Wirtschaftsentwicklung? Nicht per se. Die Kombinationen von Clustern und positiven regionalen Entwicklungen können alle Felder einer 2x2-Matrix einnehmen; es ist aber die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass Cluster positiv Einfluss nehmen,

wie Wissen entsteht und diffundiert, wobei Hintergrundwissen wichtiger ist als solches aus Lehrbüchern oder dem Internet;

durch Agglomerationseffekte beim räumlichen Neben- und Miteinander von Firmen verschiedener Größen und Branchen;

durch Arbeitskräftepools und durch das Angebot spezialisierter Dienstleister.

Welche Kriterien müssen innerhalb einer Region für positive Auswirkungen von Clustern erfüllt sein? Cluster kann man nicht bilden, sie müssen erst einmal existieren. Dann sind Kriterien für ihren Erfolg:

die signifikante Größe für die regionalwirtschaftlichen Akteure;

die Lebendigkeit der Cluster: Sie müssen sich ständig erneuern, innovativ sein und bleiben;

der angemessene Branchenmix: soviel Ähnlichkeit wie möglich, soviel Heterogenität wie nötig;

Kooperationen und Verflechtungen müssen intra- und interregional vorhanden sein sowie ein Mix der verschiedenen Betriebsgrößenklassen.

Wie lässt sich die Clusterbildung politisch unterstützen? Politik kann auf die Bildung von Clustern Einfluss nehmen mit einer intendierten räumlichen Entwicklung (Beispiel Research Triangel Park in North Carolina, Medizintechnik) oder durch implizite Technologieförderung (Silicon Valley, seit den 30er Jahren ortsunabhängige Forschungsgelder von Pentagon und NASA) ohne regionale Entwicklungsabsichten. Wenn die Politik konkrete Cluster fördern will, muss sie zunächst versuchen, originäre und originelle Vorgänge zu identifizieren, die Entwicklungen auslösen können; wenn diese zudem mit den Rahmenbedingungen der Region kompatibel sind, kann eine Förderung sinnvoll sein. Doch die Konkurrenz ist groß: Mittlerweile versuchen viele Regionen in der ganzen Welt Cluster zu installieren.

Jede Region hat komparative Vor- und Nachteile, die aber nicht immer zur Clusterbildung ausreichen. Diese Voraussetzungen müssen durch wissenschaftliche, ehrliche Analysen geklärt werden. Bei der Identifizierung von Möglichkeiten zur Clusterbildung muss auf vorhandene Entwicklungen zurückgegriffen werden. Dabei sollten mehrere Versuche gleichzeitig durchgeführt werden, aber nicht zu viele, weil das die Regionen überfordern würde. Und man soll nicht ungeduldig sein: Die Entwicklung von Silicon Valley hat 50 Jahre gebraucht!

Über Cluster und Netzwerke in der Rhein-Main-Region referiert Prof. Dr. Eike Schamp (Institut für Wirtschaftsund Sozialgeographie, Universität Frankfurt am Main): Stadtregionen sind die Wachstumsmotoren der EU; denn die Region bestimmt die Akteure, die Strukturen und die Ressourcen. Es findet durch zunehmende Verunsicherung auf Grund von globalem oder auch europäischem Wettbewerb eine Lokalisierung innerhalb bestimmter Regionen statt. Die Basis für die folgenden Betrachtungen sind deshalb nicht die Cluster, sondern die Regionen. Cluster benötigen die Infrastruktur der Region. Sie sind zwar ebenso wie Netzwerke aktuelle Konzepte von regionalökonomischer Forschung, viele Fragen bleiben jedoch ungeklärt, z. B. wie längere Wertschöpfungsketten entstehen und worin ihre externen Vorteile bestehen.

Cluster haben ebenso wie Technologien einen Lebenszyklus. Es gibt auch Entwicklungen, die nicht im Interesse der Region sind und Innovationen durch neue Cluster verhindern. Dies ist vor allem bei Vernetzung von Politik und Wirtschaft eine Gefahr. Eine weitere ungeklärte Frage ist, ob man auch den Dienstleistungssektor als Cluster bezeichnen kann.

Ein anderes interessantes Konzept der Regionalökonomie stellen Netzwerke dar. Es handelt sich dabei um soziale Beziehungen mit gewisser Stabilität und ein Vertrauensverhältnis auf freiwilliger Basis. Neue Ideen und Technologien verbreiten sich über Netzwerke; kein Unternehmen kann allein Neuerungen hervorbringen, dazu sind Kooperationen und soziale Beziehungen notwendige Voraussetzungen. Die abschließende Frage ist, was die Stadtregion aus der Betrachtung aus der Cluster-Perspektive lernen kann. Dies können Überlegungen in Richtung eines Portfolios von Clustern sein, der Sicherung der notwendigen Infrastruktur, der Förderung regionaler Netzwerke oder einer Regionalmarke. Städte können Treffpunkte für Experten und Startpunkte für Netzwerke sein. Nur durch die Schaffung einer weichen Infrastruktur, also von Orten für Experten, ist es möglich, das Wissen voranzutreiben.

In der Diskussion wird noch einmal auf die Bedeutung einer ehrlichen Bestandsaufnahme vor und eines langen Atems bei regionalökonomischen Förderprogrammen hingewiesen. Zudem ist davon auszugehen, dass die externen Möglichkeiten, Cluster zu steuern, eng begrenzt sind. Es besteht kein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Alter eines Clusters und seiner Flexibilität bzw. Wettbewerbsfähigkeit, auch wenn viele der erstarrten Cluster alt sind.

Als weiteres Zwischenfazit formuliert Dr. Nikolai Lutzky (METROPOLITANA Frankfurt Rhein/Main e.V. /IHK Frankfurt) Fragen und Kriterien für eine Regionalentwicklung der Zukunft: Neben den Branchen- Clustern gibt es auch eine Menge anderer Cluster, die eine Region braucht, z.B. thematische Cluster, die die zukünftigen wirtschaftlichen Aktivitäten beeinflussen. Deutlicher macht das der breiter gefasste Begriff der gesellschaftlichen Netzwerke (z.B. in den Bereichen Wissenschaft, Gesundheitswesen, Naturschutz, Kommunikation oder Sport).

In vielen Themen wie Bildung, Internationalität, Landschaft und Ähnlichem ist die Region Rhein-Main eher rückständig; auch im Hinblick auf gesellschaftliche Netzwerke ist eher eine schwache Entwicklung festzustellen. Dies betrifft die Science Community ebenso wie die Business Community, die es gilt, in die Region zu bekommen. Von korporatistischen Netzwerken wie Kammern und Berufsverbänden sind hohe regionale Niederschläge zu erwarten. Internationale und überregionale Netzwerke werden aber auch immer wichtiger. Nicht zu vergessen sind die virtuellen Netzwerke, die sich im world wide web manifestieren. Die Versuche einer politischen Vernetzung der Rhein-Main-Region sind zahlreich und - mit Ausnahme des Rhein-Main- Verkehrsverbundes - wenig erfolgreich. Allerdings wurden durch die Regionalkonferenz als freiwilligem Zusammenschluss von Bürgermeistern und Landräten einige größere Projekte beschlossen wie die Olympia- Bewerbung, der touristische Internetauftritt oder die Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas.

Die Rolle der METROPOLITANA besteht in der weiteren Vernetzung der Region durch die Bereitstellung einer Plattform für Projekte der Bürgergesellschaft der Rhein-Main-Region. METROPOLITANA konzentriert sich als „Dachmarke“ auf die Themenfelder „Chancen und Dynamik der Wirtschaftsregion“, „Region der Kultur und Wissenschaft“, „Urbanität und Landschaft“ sowie „Gastfreundschaft und Lebensfreude“.

In einem Kurzbeitrag stellt Bärbel Schanker, Geschäftsführerin der Wirtschaftsinitiative Frankfurt Rhein- Main, den unabhängigen Unternehmerverband vor. Es handelt sich um eine Regionalinitiative, bei der ausschließlich Unternehmer Mitglieder sind. Aus dieser Perspektive lassen sich vier Herausforderungen für jetzt und die Zukunft identifizieren:

Management der Initiativen: In diesem Rahmen ist zu klären, wie eine Kooperation der vielen Initiativen der Region, die aus ganz unterschiedlichen Bereichen stammen, zu bewerkstelligen sein wird.

Geldbedarf: Die Wirtschaft wird derzeit von den einzelnen Initiativen immer wieder um Sponsoring angegangen. Die finanzielle Situation der Region ist momentan - abgesehen von der konjunkturellen Situation - besonders prekär, da erhebliche Gelder im Rahmen der Olympiabewerbung und der Bewerbung um die Kulturhauptstadt Europas gebunden sind.

Definition der wichtigen Standortfaktoren für die Region: Die Regionalkonferenz untersucht in ihrem Arbeitskreis Wirtschaftsförderung, welche „Kompetenznetzwerke“ in dieser Region verfolgt werden sollen. Es soll festgestellt werden, welche Kommune die Koordinationsfunktion für die jeweiligen Cluster, wie beispielsweise Medien, IT, Biotech, Gesundheit, Consulting oder Logistic, wahrnehmen kann, damit man sich zukünftig im Ausland mit diesem Cluster besser darstellt. Die „Kompetenznetzwerke“ der Zukunft werden im Wesentlichen Marketing/Medien sein.

Außendarstellung der Region als integriertes Gebilde: Die Region stellt sich heute extern als Region nirgendwo dar.

In einer weiteren Kurz-Stellungnahme stellt Hans-Peter Schmücker (Vorstand der Wirtschaftsjunioren bei der IHK, Darmstadt) aus Sicht des Praktikers dar, wie die Veranstaltung auf ihn gewirkt hat. Er bedauert, dass die Wirtschaft und damit die Praxis auf dem Wissenschaftsforum unterrepräsentiert ist. Neben dem wissenschaftlichen Input muss man auch Schnittstellen zur Praxis finden und die Praxis dafür gewinnen, die Ansätze umzusetzen. Dafür sind z.B. die sechs Kriterien für eine Regionalentwicklung von Herrn Bizer geeignet, weil sie bereits erste Ansätze für eine Umsetzung in der Praxis aufzeigen. Herr Schamp hat entscheidende Fragen gestellt, z.B.: „Wer agiert eigentlich?“ und „Über welche Regionen sprechen wir?“ Diese Fragen beleuchten das Dilemma, in dem sich die Regionalentwicklung befindet; denn eigentlich existieren diese Regionen, wie Darmstadt-Starkenburg oder Rhein-Main, in dem Sinne gar nicht. Will man also etwas bewirken in der Region, dann müssen an erster Stelle die Fragen geklärt werden: „Für wen tun wir das?“ und „Wer tut das?“ Konkret ist zu klären, wer sich dafür verantwortlich fühlt, die vielen Netzwerke zusammenzubringen und zu moderieren. Aufgabe wird sein, eine Bestandsaufnahme der Region vorzunehmen und eine Chancen-Risiko- Analyse im Zusammenhang mit Clustern durchzuführen.

Eckhard Bergmann (Wissenschaftlicher Direktor, Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung) konzentriert sich in seinem Beitrag auf die Frage, was die Regionalpolitik zur Unterstützung von Clustern leisten kann. Regionalpolitik hat u.a. zur Aufgabe, regionale Lebensbedingungen zu gestalten und dabei auch wirtschaftliche Entwicklungspolitik zu betreiben. Dabei sind verschiedene Voraussetzungen zu prüfen:

Welche regionalen Gestaltungsmöglichkeiten sind vorhanden? Es ist immer zu diskutieren, inwieweit die Regionen Resonanzboden für globale Entwicklungen sind und inwieweit sie endogene Möglichkeiten besitzen.

Welche Gestaltungskompetenzen stehen zur Verfügung? Es ist zu fragen, welche Institutionen Politik für Regionen machen sollen. Sind eher verfasste regionale Körperschaften (wie z.B. Hannover) oder eher informelle Kooperationen von Vorteil? Letztere haben große Handlungsoptionen und -Spielräume und sind schnell, erstere bieten mehr Verlässlichkeit und Kontinuität. Insgesamt gibt es aber keine Möglichkeit für eine regionale Steuerpolitik.

Welche Leitbilder können vorgegeben werden? Entscheidend ist die Entwicklungsdynamik einer Region; Clusterpolitik kann immer nur ein Teil der Regionalpolitik sein. Die Frage nach der einzuschlagenden Richtung ist nicht zu beantworten, da Cluster kaum steuerbar sind. Die Politik ist hier auch nicht in erster Linie gefragt, aktiv zu sein, sondern Unternehmen.

Unterstützen kann Regionalpolitik z.B. durch Schaffung von Foren und innovativen Milieus; direkte Kommunikation ist durch Elektronik nicht zu ersetzen. Regionalpolitik als Förderung der Wirtschaft zu verstehen, greift zu kurz; zumindest für die Leitbilddiskussion sind soziale und kulturelle Aspekte und Akteure einzubeziehen. Darüber hinaus ist ein regionales Flächenmanagement möglich; in Konkurrenzsituationen können Eigeninteressen aber auch blockieren. Regionalpolitik muss insbesondere in einem föderalen System eine soziale und ökologische Ausgleichsfunktion für solche Räume übernehmen, in denen Cluster nicht in Frage kommen. Grundlage dabei ist eine kritische und ehrliche Bestandsaufnahme. Dialog und Kommunikation können auf regionaler Ebene gut gebündelt werden. Cluster sind wichtig, sie stellen aber nur einen Bereich der regionalen Entwicklungspolitik dar.

In der Diskussion werden die häufigsten Fehler bei der Zukunftsgestaltung aufgezählt:

Selten werden die wirklichen Stärken einer Region entwickelt, es müssten eher Köpfe als Infrastruktureinrichtungen gefördert werden.

Meistens gibt es keine breit getragene Vision, es fehlt die Vermittlung der Nutzen auch hinsichtlich der Lebensqualität.

Aktivitäten setzen eher symptomatisch als grundlegend an.

Bei der Bevölkerung fehlt oft das Vertrauen in Entwicklungen und Unternehmen.

In seinem Fazit und Ausblick auf die nächsten Foren stellt Prof. Dr. Martin Führ (FH Darmstadt und RMI) fest, dass das Thema Erfolgsfaktoren regionaler Wirtschaftsentwicklung im Laufe der Veranstaltung Zugkraft entwickelt hat:

Alle Beiträge machen deutlich, dass Regionen eine große Relevanz haben; das gehört offensichtlich zum allgemeinen Kenntnisstand.

Die Beiträge stellen Bausteine für ein Analyseraster dar, sie weisen auf die relevanten Faktoren hin. Die klassische ökonomische Perspektive wird verbreitert z.B. um verborgene Dimensionen des Wissensaustausches, die regionale Nähe brauchen.

Die wesentlichen Beiträge zum wirtschaftlichen Erfolg sind:

Anbieten von Räumen zum wissenschaftlichen Austausch und Initiieren von Foren.

Hilfestellungen als Broker auch für Wissenschaft und Kommunikation zu leisten ist wichtiger, als planlos Geld irgendwohin zu pumpen.

Das Bewusstsein einer Region, die Sichtbarmachung von regionalen Kontexten.

Die Stärkung verschiedener Akteure in unterschiedlicher Verantwortung.

Es ist kaum zu steuern, wohin die wirtschaftliche Entwicklung gehen soll. Aber die Kommunikationskultur in der Region ist breiter anzulegen als in der Vergangenheit, und breitere gesellschaftliche Kräfte sollten einbezogen werden, bevor Beschlüsse gefasst werden.

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