1. bookVolume 74 (2016): Edizione 2 (April 2016)
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Formato
Rivista
eISSN
1869-4179
Prima pubblicazione
30 Jan 1936
Frequenza di pubblicazione
6 volte all'anno
Lingue
Tedesco, Inglese
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Resilienz. Strategien & Perspektiven für die widerstandsfähige und lernende Stadt

Pubblicato online: 30 Apr 2016
Volume & Edizione: Volume 74 (2016) - Edizione 2 (April 2016)
Pagine: 167 - 169
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eISSN
1869-4179
Prima pubblicazione
30 Jan 1936
Frequenza di pubblicazione
6 volte all'anno
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Tedesco, Inglese

Kegler, Harald (2014): Resilienz. Strategien & Perspektiven für die widerstandsfähige und lernende Stadt

Basel: Birkhäuser/Gütersloh, Berlin: Bauverlag. 23 Abb., 222 S. = Reihe Bauwelt Fundamente, 151

Das vorzustellende Buch ist Teil einer vergleichsweise jungen und noch sehr übersichtlichen Fachdebatte über resiliente Städte. Der – in hohem Maße durch die Humanökologie geprägte – Begriff der Resilienz kam bereits im Laufe der 1990er-Jahre international in Mode. In dieser Zeit wurde er zunächst ganz allgemein für Phänomene der Widerstandsfähigkeit von sozialen Systemen gegenüber Naturrisiken verwendet. Ab 2005 – mit dem Erscheinen von Werken wie „The Resilient City. How Modern Cities Recover from Disaster“ (Vale/Campanella 2005) und „Resilient Cities. Responding to Peak Oil and Climate Change“ (Newman/Beatley/Boyer 2009) – wurde der Begriff speziell auf Städte übertragen, ging man doch davon aus, dass sich in Städten in der Zukunft unterschiedlichste Krisensituationen erheblich häufen und verdichten würden.

In Deutschland gewann dieser Fachdiskurs ab 2010 an Fahrt. Vorreiter waren der von Müller (2011) herausgegebene Sammelband zu „Urban Regional Resilience“ (erschienen als „German Annual of Spatial Research and Policy 2010“) und das von Kilper (2012) herausgegebene Themenheft „Vulnerabilität und Resilienz in sozio-räumlicher Perspektive“ der Zeitschrift „Raumforschung und Raumordnung“. Rasch folgten weitere Themenhefte und Sammelbände nach – besonders hervorzuheben sind das Themenheft „Resilienz“ in den „Informationen zur Raumentwicklung“ 04/2013 (vgl. Jakubowski/Kaltenbrunner 2013) und der von Beckmann (2013) in der Reihe der „Difu-Impulse“ herausgegebene Band „Jetzt auch noch resilient? Anforderungen an die Krisenfestigkeit der Städte“. Dort diskutierten Autoren unterschiedlichster disziplinärer Provenienz nicht mehr nur Gefährdungen von Städten durch Naturrisiken, sondern auch durch Wirtschaftskrisen, soziale Problemlagen oder Terrorismus. Ferner gehen die Autoren der Frage nach, wie resiliente Städte aussehen müssten, wie sie sich besser schützen und nach Eintritt entsprechender Ereignisse rasch regenerieren könnten. Das von Harald Kegler vorgelegte Buch ist in diesem Kontext die erste deutschsprachige Monographie, die sich dem Gegenstand sehr gründlich aus planungswissenschaftlicher Perspektive zuwendet.

Das Buch ist – wenn man von dem Geleitwort und den Vorbemerkungen absieht – in vier Kapitel gegliedert. Im Rahmen des ersten Kapitels unterscheidet Harald Kegler zunächst zwei Strömungen der Resilienzforschung: eine naturwissenschaftlich geprägte Strömung, die sich überwiegend aus den Forschungen von Ökologen und Psychologen speist, und eine raumwissenschaftlich ausgerichtete, die durch geographische und planungswissenschaftliche Arbeiten konstituiert wird (S. 22). Sorgfältig diskutiert er Begriffskonzeptionen aus beiden Strömungen, um dann seine eigene – raumbezogene – Definition abzuleiten, die auf frühere Forschungsergebnisse der vom Autor selbst gegründeten „Initiative für Raum und Resilienz“ (IRUR) zurückgreift: „Resilienz bedeutet“, nach Kegler, „Maßnahmen zu ergreifen, welche die Krisenfestigkeit von Metropolregionen, Städten, Gemeinden, ländlichen Räumen oder Wirtschaftsgebieten vorbeugend erhöhen […], vorausschauende Maßnahmen, die städtebauliche, infrastrukturelle oder landschaftlich-ökologische Robustheit beinhalten und somit die Verletzlichkeit unserer Städte minimieren beziehungsweise zu ihrer strukturellen Stärke“ beitragen (S. 22). Interessanterweise kommen in dieser Definition auch ländliche Räume in den Blick. Im Zuge von Resilienzbildungen hält Kegler – wie sich später zeigt – sogar Stadt-Land-Kooperationen für vielversprechend. Vor allem seien es nach den bisherigen Forschungen aber kluge und ausgewogene Mischungen aus Robustheit und Fragilität, Kompaktheit und Dezentralität, Autarkie und Austausch, Stabilität und Flexibilität, Redundanz und Vielfalt sowie von Modularität und Komplexität, die resiliente Städte auszeichnen würden (vgl. S. 49–51).

Im zweiten Kapitel des Werkes, in dem wichtige Personen und Institutionen sowohl der internationalen als auch der deutschen Resilienzforschung besprochen werden, stellt Kegler die psychologische Langzeitstudie von Emmy Werner als den Ausgangspunkt für systematische Resilienzforschungen heraus. Werner habe in der „Kauai-Studie“ am Beispiel von benachteiligten Kindern auf Hawaii untersucht, wie diese im Laufe ihrer Biographie trotz widriger Umstände (u. a. Armut, Krankheit der Eltern, Vernachlässigung, Scheidung, Misshandlungen) Resilienz aufbauen. Als weitere wichtige Zentren der internationalen Resilienzforschung benennt Kegler dann: die Forschergruppe um den kanadischen Ökologen Crawford S. Holling; das vor allem von Brian Walker beförderte (ursprünglich in Kanada und Australien verankerte), weltweit agierende Netzwerk der „Resilience Alliance“; die von dem Engländer Rob Hopkins ausgehende „Transition Town“-Bewegung; und nicht zuletzt das „Stockholm Resilience Centre“ in Schweden.

Auch für Deutschland hebt Harald Kegler wichtige Institutionen hervor, die sich durch systematisch angelegte Forschungsarbeiten zu Resilienzbildungen auszeichnen. Dazu gehören nach seinen Beobachtungen das Dresdner „Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung“, das „Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung“ (heute: „Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung“) in Erkner sowie die „NaWis-Runde“, ein Resilienz- und Transformationsforschung betreibendes Netzwerk, bestehend aus der Universität Kassel, der Leuphana Universität Lüneburg, dem „Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie“ sowie dem „Institute for Advanced Sustainability Studies“ in Potsdam.

Den Kern des Buches bilden die ausführlichen Fallstudien im dritten Kapitel. Entlang einer durch den Autor entworfenen Systematik (S. 92) werden die Orte Halberstadt, Bochum, Mühlheim a. d. R. und das südöstlich von Dessau gelegene Ferropolis ausgewählt und in detaillierter Form beschrieben. Für jeden einzelnen Ort schildert Kegler zunächst die dort lange Zeit vorherrschenden Traumata und krisenhaften Problemlagen, die sich als Folgen von jeweils spezifischen Mischungen aus Kriegszerstörungen, De-Industrialisierungsprozessen und weiteren ökonomischen Krisen beschreiben lassen. Im Anschluss an die Krisendarstellungen arbeitet Kegler jeweils heraus, wie die geschwächten Orte im Laufe der Jahrzehnte wieder erstarken konnten und welche Maßnahmen dabei eine Rolle spielten. Neben den unterschiedlichen städtebaulich und stadtökonomisch ausgerichteten Maßnahmenbündeln seien in diesem Zusammenhang immer wieder Planungsmethoden aufgefallen, mit denen gezielt kulturelle Transformationen und neue Identitätsbildungen vorangetrieben wurden, so etwa durch den Einbezug von Künstlerinitiativen oder etwa durch Formen partizipativer Planung.

Kegler kommt vor diesem Hintergrund zu dem Schluss, dass – um nur zwei Aspekte herauszugreifen – „Kunst und Langfristexperimente für die Bildung von transformativem Systemwissen einen erweiternden Stellenwert erhalten“ und „eine Planungskultur zu erkennen ist, die über gängige Verfahren und Strukturen hinausreicht“ (S. 137). Nicht unerwähnt soll übrigens bleiben, dass das Sample der vier Fallstudien zusätzlich durch einen von Ulf Hahne beigesteuerten Exkurs angereichert worden ist, der sich mit Experimenten der Stadt-Land-Kooperation in der Region Mureck in Österreich befasst.

Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Kegler an allen ausgewählten Orten wiederkehrende Beobachtungen von ganz bestimmten Planungspraktiken machen konnte, entfaltet der Autor im vierten Kapitel seine Überlegungen zu einer resilienzorientierten Planungskultur, die er auch als „Planungskunst“ (S. 140) bezeichnet. Diese Planungskultur ist ganz wesentlich durch die Fähigkeit gekennzeichnet, eine „große Transformation“ (S. 141) bzw. einen „Paradigmenwechsel“ (S. 145) einzuleiten. Eine resilienzorientierte Planungskultur geht als Planungskunst jenseits üblicher Trends und Pfade über traditionelle Planungsinstrumentarien hinaus. Sie ist in der Lage, die sonst üblicherweise nüchtern und effizient daherkommenden städtischen Resilienzbildungen für Akteure und Bewohner attraktiv zu machen. Dies gelingt der Planung, indem sie Akteure und Bewohner an der kulturellen Kreation von Resilienz beteiligt, den kulturellen Mehrwert von Resilienz aufzeigt und damit die „Opulenz“ von Resilienzen sichtbar macht (S. 142, 148 ff.). Im Epilog betont Kegler schließlich: „Der Versuch ist es wert, eine solche Kultur zu erlangen. Er verhilft zu Einsichten, um Orientierung zu gewinnen für die Suche nach Strategien und konkreten Schritten in eine Zukunft, die mehr verkörpern soll, als das Überleben zu sichern“ (S. 175).

Insgesamt ist das Buch in einer verständlichen Sprache geschrieben. Es ist übersichtlich gegliedert und überzeugt durch eine logisch-stringente Argumentation. Der Autor ist stets bemüht, seine Überlegungen mit konkreten Beispielen wie auch durch Grafiken zu illustrieren. Schwarz-weiß-Fotografien machen das Buch noch anschaulicher. Harald Kegler hat die wichtigsten Erkenntnisse aus den bisherigen Forschungen zu Resilienz in Städten zusammengetragen, in überzeugender Weise kommentiert und ganz wesentlich durch originelle eigene Überlegungen erweitert. Besonders interessant ist sein Ansatz der Opulenz. Überzeugend ist die Beobachtung, dass die Logik der Resilienz – anders als die des Wachstums – bei Gesellschaftsmitgliedern in der Regel keine Begeisterung auslöst (S. 147). In der Tat kommt es gesellschaftlich nicht gut an, wenn „Suffizienz“ bzw. „Effizienz“ (also eine reine „Bedarfssubstitution“) propagiert wird, da angesichts einer immer noch vorherrschenden Wachstumsorientierung eher „Großzügigkeit“ und maximale Freiheitsgrade erwartet werden.

Daher schlägt Kegler vor, die in Resilienzprinzipien durchaus enthaltenen Aspekte der Opulenz herauszuarbeiten (S. 148 f.). Originell ist auch Keglers Verständnis von Planung. Planung wird als kreative Methode, als „Planungskunst“ (S. 153 f.) beschrieben, als eine Planung, die sich vom Wachstumsdenken weg orientiert und unterschiedlichste alternative Optionen für resiliente Räume kreiert. Gegen Ende seines Werkes bietet Kegler nicht zuletzt Handlungsempfehlungen an, die allerdings insofern auf einer allgemeinen Ebene verbleiben, als sie die Bildung von Forschungsnetzwerken, die Gründung einer Stiftung für Resilienz und die Etablierung einer Resilienz-Politik fordern. Konkrete Empfehlungen für Resilienzbildungen auf der städtischen Ebene und für das damit verbundene Planungshandeln fehlen. Dies täuscht aber nicht darüber hinweg, dass das Buch insgesamt sehr lehrreich und äußerst inspirierend ist. Es ist allen zu empfehlen, die sich mit Fragen der resilienten Stadt beschäftigen.

Beckmann, K. J. (Hrsg.) (2013): Jetzt auch noch resilient? Anforderungen an die Krisenfestigkeit der Städte. Berlin. = Difu-Impulse, 4.BeckmannK. J2013Jetzt auch noch resilient? Anforderungen an die Krisenfestigkeit der StädteBerlin. = Difu-Impulse, 4Search in Google Scholar

Jakubowski, P.; Kaltenbrunner, R. (2013): Einführung. In: Informationen zur Raumentwicklung 04/2013 (Themenheft „Resilienz“), I–II.JakubowskiP.KaltenbrunnerR.2013EinführungInformationen zur Raumentwicklung042013Themenheft „Resilienz“I–IISearch in Google Scholar

Kilper, H. (2012): Vulnerability and Resilience. In: Raumforschung und Raumordnung 70, 4, 257–258. = Schwerpunktheft „Vulnerabilität und Resilienz in sozio-räumlicher Perspektive“.KilperH.2012Vulnerability and ResilienceRaumforschung und Raumordnung704257258= Schwerpunktheft „Vulnerabilität und Resilienz in sozio-räumlicher Perspektive“10.1007/s13147-012-0182-ySearch in Google Scholar

Müller, B. (Hrsg.) (2011): Urban Regional Resilience. How do Cities and Regions deal with Change?. Berlin, Heidelberg. = German Annual of Spatial Research and Policy 2010.MüllerB.2011Urban Regional Resilience. How do Cities and Regions deal with Change?Berlin, Heidelberg. = German Annual of Spatial Research and Policy 2010Search in Google Scholar

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