1. bookVolume 70 (2012): Edizione 1 (February 2012)
Dettagli della rivista
License
Formato
Rivista
eISSN
1869-4179
Prima pubblicazione
30 Jan 1936
Frequenza di pubblicazione
6 volte all'anno
Lingue
Tedesco, Inglese
Accesso libero

Zukunftsfähiger Umgang mit Wasser im Raum

Pubblicato online: 28 Feb 2012
Volume & Edizione: Volume 70 (2012) - Edizione 1 (February 2012)
Pagine: 73 - 75
Ricevuto: 21 Oct 2011
Accettato: 14 Nov 2011
Dettagli della rivista
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Rivista
eISSN
1869-4179
Prima pubblicazione
30 Jan 1936
Frequenza di pubblicazione
6 volte all'anno
Lingue
Tedesco, Inglese

von Haaren, Christina; Galler, Carolin (Hrsg.) (2011): Zukunftsfähiger Umgang mit Wasser im Raum

Hannover: Akademie für Raumforschung und Landesplanung. = Forschungs- und Sitzungsberichte der ARL, Band 234. 10 Tab., 11 Abb., 220 S.

Die Bewirtschaftung der Ressource Wasser im Raum ist gegenwärtig großen Umbrüchen ausgesetzt. Zu nennen sind hier die bereits heute spürbaren Auswirkungen des Klimawandels (sich häufende Extremwetter- und Hochwasserereignisse, Dürreperioden usw.) und Megatrends wie demographischer und Strukturwandel, aber auch neue gesetzliche Rahmenbedingungen (EU-Richtlinien). Die Wasserwirtschaft kann die daraus resultierenden Herausforderungen alleine nicht bewältigen. Sie ist aufgrund der hohen Raumbedeutsamkeit des Umweltmediums Wasser und der vielfältigen Verflechtungen und Wechselwirkungen mit anderen Handlungsbereichen auf weitere Akteure und Institutionen angewiesen. Nötig erscheint daher ein abgestimmtes Vorgehen zwischen sektoraler Wasserwirtschaft, weiteren Umweltplanungen sowie der übergeordneten, unterschiedliche Fachplanungen koordinierenden Raumplanung. Damit stellen sich zugleich auch (neue) Fragen der Abstimmung, Arbeitsteilung, Kompetenzabgrenzung und Umsetzung von gewässerbezogener Raum- und Fachplanung.

An dieser Stelle setzt der vorliegende Sammelband einer interdisziplinären Autorengruppe aus der Raum-/Wasserforschung und -praxis an, der Ergebnisse des Arbeitskreises „Wasser und Raumplanung“ der Akademie für Raumforschung und Landesplanung präsentiert. Das in drei Abschnitte gut nachvollziehbar strukturierte Buch widmet sich im ersten Teil den Zusammenhängen, Problemen und Perspektiven von Wasser und Raum. Intensiv betrachtet werden dabei Zielsetzungen, Entwicklung und Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) und der sie ergänzenden EU-Hochwasserrichtlinie (HWRL) (U. Grünewald, J. Schanze). Dargelegt wird, wie diese das Aufgabenspektrum wasserwirtschaftlicher Planung erweitern. Zudem werden die zahlreichen Berührungspunkte zur räumlichen Planung aufgrund des gemeinsamen Regelungsgegenstandes aufgezeigt. Darüber hinaus werden die Konsequenzen aus klimatischen, demographischen, sozioökonomischen, technologischen und organisatorischen Wandlungsprozessen für das Flussgebiets- und Hochwasserrisikomanagement sowie für Wasserinfrastruktursysteme abgeleitet und die Herausforderungen eines künftigen planerischen Umgangs deutlich gemacht (U. Grünewald, J. Schanze, T. Moss, C. von Haaren). Eine zentrale Voraussetzung hierfür liegt nach Meinung der Autoren in einer stärkeren interdisziplinären Herangehensweise in Wassermanagement und Raumplanung durch intensivere ressortübergreifende Abstimmung der für Wasserbelange relevanten Akteure aus Wasserwirtschaft, Naturschutz, Landwirtschaft und Raumplanung.

Im zweiten Abschnitt werden hierfür in Frage kommende Steuerungsoptionen und -hemmnisse diskutiert. Am Beispiel des Einflusses des Klimawandels auf den Gewässer- und Naturschutz werden die Notwendigkeit und der Auftrag an die Planung abgeleitet, angepasste, resiliente Raumstrukturen zu entwickeln und dabei Synergien etwa zwischen Wasserwirtschaft und Naturschutz zu nutzen (G. Overbeck). Auf hohem Reflexionsniveau werden dann die bisherige Kooperationspraxis wasserrelevanter Akteure und Organisationen in Deutschland untersucht (C. von Haaren, T.Moss). Dabei werden durch Analyse von Strukturmerkmalen und Handlungslogiken von Institutionensystemen, Akteuren und (Planungs-)Instrumenten bestehende Defizite (sektoral „versäulte“ Umweltverwaltung, Nichtnutzung von Effizienzgewinnen, unterschiedliche Zeit- und Raumbezüge u. a. m.) ebenso offengelegt wie jeweilige Stärken für die Umsetzung von wasserrelevanten Maßnahmen (z. B. Eignung der Raumplanung für informelle und moderierende Verfahren, Potenzial des Naturschutzes zur Mobilisierung der Bevölkerung). In einem weiteren Schritt werden die Koordinationsregeln bei Planungen und Verfahren von Wasserwirtschaft und Raumplanung beleuchtet (S. Greiving, J. Schanze). Angesichts der nun flächendeckend vorzunehmenden wasserwirtschaftlichen Planung bei der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie wird für die Raumordnung die Forderung aufgestellt, „rechtzeitig eigene Zielvorstellungen zu entwickeln“ und die „wasserwirtschaftlichen Belange einer übergeordneten Abwägung zu unterziehen, deren Ergebnis die Wasserwirtschaft ihrerseits zu beachten hat“ (S. 91), um auch weiterhin ihren überfachlichen Koordinationsanspruch wahrnehmen zu können. Weitere Themen beleuchten zum einen Finanzierungsinstrumente für Gewässerentwicklungsmaßnahmen (R. Hurck), wobei insbesondere Möglichkeiten für die gewässerschonende Bewirtschaftung durch land- und forstwirtschaftliche Nutzer durch sogenannte Agrarumweltmaßnahmen in den Fokus gestellt werden (C. von Haaren), zum anderen die Bedeutung sich fachlich ergänzender, zeitlich und räumlich synchronisierter Umweltinformations- und Monitoringsysteme (C. Galler, H. Gnest) als entscheidende und einheitlich verfügbare Informationsbasis. Der Umgang mit Unsicherheit in Planung und Entscheidung, dessen rechtliche Dimension sowie mögliche Strategien zu dessen Bewältigung sind schließlich Gegenstand eines weiteren Kapitels (S. Greiving). Vorgeschlagen wird unter anderem, angesichts einer sinkenden legitimatorischen Bedeutung des Rechts als Quelle für (mit Risiken behaftete) Entscheidungen einen durch Kooperation und Verhandlung getroffenen Konsens zum funktionalen „Äquivalent rechtlicher Normierung“ (S. 133) im Entscheidungsfindungsprozess zu erheben.

Im dritten Abschnitt werden schließlich ein umfassendes Maßnahmenset für das Flussgebietsmanagement (C. Galler, C. von Haaren), für das Hochwasserrisikomanagement (J. Schanze) sowie für den Umgang mit der Wasserver- und Wasserentsorgungsinfrastruktur (T. Moss) präsentiert. Es werden Empfehlungen zur Umsetzung von Maßnahmen und zur Weiterentwicklung von Institutionen, Prozessen und Instrumenten ausgesprochen. Die wechselseitigen Vorteile einer engen Zusammenarbeit zwischen Wasserwirtschaft, Raum- und Umweltplanung werden dabei transparent gemacht. Den Abschluss bilden die o. g. Handlungsfelder methodisch und organisatorisch ergänzenden adressatenbezogenen generischen Empfehlungen (S. Greiving, C. Galler), welche in einer tabellarischen Übersicht prägnant und anschaulich zusammengefasst werden. Beispiele aus der Praxis (zum Teil aus dem europäischen Ausland) runden den Abschnitt ab und tragen zum besseren Verständnis bei.

Hauptanliegen des Sammelbandes ist es, einen Beitrag zu aktuellen Fragen der künftigen Ausgestaltung des Verhältnisses von Raumplanung und umweltbezogener (Wasser-)Fachplanung zu leisten. Die Autoren plädieren für eine verstärkte Zusammenarbeit sektoraler Planungen zugunsten einer „integrierten Umweltplanung“ (S. 68, 181). Letztere ermögliche einen effizienteren Mitteleinsatz und führe durch die „Koordination multipler Funktionen des Raumes“ (S. 136) zu einer höheren Umsetzungsrelevanz umwelt- und wasserbezogener Maßnahmen. Der Raumplanung komme dabei die Bedeutung zu, Wasser- und Umweltbelange steuernd und moderierend in den gesamträumlichen Kontext einzustellen, raum- und umweltbezogene Daten zentral bereitzuhalten, mit ihrem eigenen Instrumentenset fachplanerische Aussagen mit zusätzlichen Ausweisungen (z. B. Vorranggebiete auf Ebene der Regionalplanung) und Darstellungen (z. B. zum Schutz kritischer Infrastruktur) zu ergänzen. Eine zentrale Herausforderung, auf die mehrfach hingewiesen wird, liegt in der Überwindung einer bislang nicht angemessenen Verlinkung zwischen durch EU-Richtlinien vorgegebenen Regelungsinhalten (auf Flussgebietsebene) und Aspekten der Landnutzung und der Beschaffenheit von Gewässerinfrastruktursystemen (auf lokaler Ebene). Darüber hinaus wird aber auch die steigende Bedeutung informeller Ansätze und neuer Formen staatlicher und gesellschaftlicher Steuerung (Governance) vermittelt. Neben der Möglichkeit, kontroverse Themen oder eine gemeinsame Strategie im Diskurs zu erörtern, können hier getroffene Wertentscheidungen (z. B. wie ein „tolerierbares Risiko“ zu definieren sei) helfen, den Umgang mit unsicheren Zukünften zu erleichtern. Insofern deutet der Band auch einen Wandel von einem stark konditional programmierten, linearen Planungsverständnis hin zu einem eher finalorientierten und adaptierten Management an.

Insgesamt liegt hier eine sehr lesenswerte Publikation vor, die einen tiefen Einblick in Praxis und Herausforderungen des räumlichen Umgangs mit Wasser vermittelt. Sie bietet eine umfangreiche Orientierungshilfe, indem sie die Richtung aufzeigt, wie sich Raum- und wasserbezogene (Umwelt-)Fachplanung angesichts sich ändernder zentraler Rahmenbedingungen aufeinander zu bewegen müss(t)en, und ist Ratgeber, wie dieser Weg zu beschreiten ist. Zugleich hält sie auch interessante Erkenntnisse für die (Water-)Governance-Forschung bereit. Der Band richtet sich daher vor allem an Akteure aus Raumplanung, Wasserwirtschaft und weiteren Umweltfachplanungen in Wissenschaft und Praxis, eignet sich aber auch für den Einsatz in der Lehre und als Informationsbasis für Entscheidungsträger in Politik und Behörden. Hierzu eignet sich die prägnante Zusammenfassung zu Beginn des Buches besonders.

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