1. bookVolume 61 (2003): Edizione 1-2 (January 2003)
Dettagli della rivista
License
Formato
Rivista
eISSN
1869-4179
Prima pubblicazione
30 Jan 1936
Frequenza di pubblicazione
6 volte all'anno
Lingue
Tedesco, Inglese
Accesso libero

Rezensionen

Pubblicato online: 31 Jan 2003
Volume & Edizione: Volume 61 (2003) - Edizione 1-2 (January 2003)
Pagine: 124 - 128
Dettagli della rivista
License
Formato
Rivista
eISSN
1869-4179
Prima pubblicazione
30 Jan 1936
Frequenza di pubblicazione
6 volte all'anno
Lingue
Tedesco, Inglese

Heeg, Susanne: Politische Regulation des Raums: Metropolen, Regionen, Nationalstaat. - Berlin: Ed. Sigma 2001. 346 S. = Dissertation, Europa- Universität, Frankfurt a.d.O., 2000

Susanne Heeg legt mit diesem Buch ihre Dissertation einer breiteren Leserschaft vor. Vielleicht liegt es an diesem Hintergrund, dass es zunächst schwer fällt, einen Einstieg in das Buch zu finden. Die Autorin gibt dem Leser keinen Leitfaden an die Hand, es gibt keinen erläuternden Vortext zum Warum? und dem Was? und ebenso wenig zum Wie? (Was vor allem irritiert, denn für eine Dissertation hat die Methode zentralen Stellenwert!)

Gleich im ersten Kapitel wird eine Vielzahl von Themen aufgefächert: Dazu gehören die räumliche Maßstabsveränderung im Rahmen unterschiedlicher gesellschaftlicher Entwicklungen, also die notorische Paarung von Globalisierung und Lokalisierung und die räumliche Ebene angemessener strategischer Antworten im Rahmen dieser Prozesse. Die wachsende Metropolenorientierung in der deutschen Raumordnung wird angesprochen sowie Entstaatlichung, Regionalisierung, Wachstumsallianzen, Ausdifferenzierung in geographischer, ökonomischer und politischer Hinsicht. Schließlich gibt es ebenfalls Klärungen, z.B. die Metropolregion.

An verschiedenen Stellen werden dabei Stück für Stück die Untersuchungsfragen angesprochen und entsprechende Perspektiven vorgestellt. Was will dieses Buch letztlich? Es will aufzeigen, wie sich innerhalb eines übergeordneten Entwicklungsmodells (ohne dies abschließend zu benennen) die teilräumliche Regulation von (Bundes-)Land zu Land, von Region zu Region unterscheiden kann. Es will aufzeigen, wie sich Staatlichkeit verändert und welche Folgen dies für Regionen hat. Das Ergebnis: Die neuen Regionen sind Produkte übergeordneter strategischer Orientierungen (S. 314), wenn man will, von Landes Gnaden; die regionalen Entwicklungsstrategien der beiden Fallstudien (Berlin-Brandenburg, Baden-Württemberg) lassen sich auf einer Skala zwischen defensiver und offensiver Flexibilität einordnen, sind jedoch letztlich nur graduell unterschiedlich (S. 303).

Für den Planungspraktiker ergibt sich an dieser Stelle vielleicht die Frage, ob das Buch auch konkrete Hinweise für die Formulierung erfolgreicher Strategien gibt? Das Buch endet mit einer theoretischen Vergewisserung (S. 305 ff.), schlägt vor allem weitere Analysen der regionalen politischen Regulation und ihres Kontextes vor.

Susanne Heeg legt eine sehr stark an der Theorie orientierte Arbeit vor. Sie greift - unter methodischen Gesichtspunkten - zum Mittel der dichten Beschreibung von zwei Fallstudien, d.h. einer mit viel Theorie vorbereiteten qualitativen empirischen Studie. Auf ca. einhundert Seiten werden unterschiedliche theoretische Aspekte entwickelt. Diese Seiten sind z.T. redundant, das Thema der Globalisierung kommt immer wieder vor. Es bleibt hier jedoch unklar, unter welcher Perspektive (laut Angabe interdisziplinär, offensichtlich jedoch stark v.d. geographischen Diskussion beeinflusst) und auf welche Ebenen bezogen jeweils diskutiert wird (Europa, Deutschland, Bundesland, Region). Während Region und Raum eine große Rolle spielen, spricht die Autorin das Thema Zeit (gerade für die Regulationstheorie ein wichtiger Zugang, da verschiedene Perioden unterschieden werden) kaum an.

In diesen Kapiteln wird auch die Unterscheidung in defensive oder offensive Flexibilität vorgenommen. Sie ergibt sich aus einer Betrachtung zweier theoretischer Positionen (Allen Scott und Michael Storper als Vertreter der kalifornischen Schule der Wirtschaftsgeographie auf der einen, Danielle Leborgne und Allain Lipietz als Regulationstheoretiker auf der anderen Seite) und wird zu einem Modell möglicher Extreme räumlicher Entwicklungsstrategien ausgebaut (S. 108 ff.). Wichtige Unterscheidungsmerkmale liegen in der Technologie- und Innovationspolitik, Struktur- und Wirtschaftsförderung, wirtschaftsnahen Infrastruktur sowie in der Frage von unterstützenden Akteursnetzen. Bei genauerer Betrachtung lassen sich beide Varianten vielleicht dadurch unterscheiden, dass die defensive stärker auf exogene Impulse setzt, während die offensive die endogenen Entwicklungspotenziale stärkt, damit räumlich sensibler ist.

Im Anschluss an die Theorie gibt es ein weiteres langes Kapitel zu den räumlichen Verhältnissen und deren Regulation in der BRD, d.h. Entwicklungslinien der Raumordnung in Deutschland (mit Themen wie GRW, Süd- Nord-Gefälle, Vereinigungsproblematik, europäische Integration, Diskussion der europäischen Metropolregionen) werden skizziert. Susanne Heeg stellt einleitend zu diesem Abschnitt fest, die Struktur- und Technologiepolitik allenfalls kursorisch (S. 111) behandeln zu wollen, was sie letztlich auch tut, obwohl sie in ihrem Modell der defensiven vs. offensiven Flexibilisierung einen zentralen Stellenwert hat, also eigentlich eine intensive Bearbeitung dieser Themen zu erwarten gewesen wäre.

Schließlich kommen die beiden Fallstudien zu Berlin- Brandenburg sowie zu Baden-Württemberg. Grundsätzlich gibt es zu beiden Regionen einen Abriss der sozial- und wirtschaftsräumlichen Situation sowie eine Darstellung der räumlichen Regulation, die sich an den Modellmerkmalen defensiver und offensiver Flexibilität orientiert. Beide Fallstudien halten viele Informationen bereit, sind (Stand 2000) ein Fundus zu unterschiedlichen regionalen Aspekten. Berlin-Brandenburg wird in seinen strukturellen Problemen sowie dem Versuch beschrieben, den Speckgürtel zu bändigen oder passend einzubinden, das Thema Konkurrenz überwiegt. Baden-Württemberg ist als eines der Erfolgsmodelle der regionalwissenschaftlichen Diskussion hinlänglich bekannt, auch in seinen krisenhaften Phänomenen. Hier kommt unter anderem die Bildung des Verbandes Region Stuttgart detailliert zur Sprache.

Dieses Buch empfiehlt sich vor allem für Leser, die an theoretischen Diskursen interessiert sind. Auch finden diejenigen, die an der Regulation der räumlichen Verhältnisse in Deutschland insgesamt interessiert sind, in dem historisch orientierten Kapitel 5 einen reichlichen Fundus. Schade nur, dass Susanne Heeg zum Abschluss ihrer Betrachtungen keine Empfehlungen für angemessene regionale Strategien oder Politiken gibt.

Peter Ache (Hamburg)

Klemme, Marion: Interkommunale Kooperation und nachhaltige Entwicklung. - Dortmund 2002. = Dortmunder Beiträge zur Raumplanung 110 (IRPUD) (Blaue Reihe)

10 Jahre nach der Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 im brasilianischen Rio de Janeiro beschreibt Marion Klemme in ihrem Buch zu dem Zusammenhang von nachhaltiger Entwicklung und interkommunaler Kooperation einen besonderen Aspekt der Diskussion um Zukunftsfähigkeit, Dauerhaftigkeit und Beständigkeit innerhalb deutscher Kommunen. Dies ist ein interessanter Ansatz, weil die sozio-kulturellen, ökologischen und ökonomischen Bestandteile einer nachhaltigen Entwicklung für den Stadtentwicklungsprozess oft nur schemenhaft, eher fragmentarisch diskutiert und von den deutschen Kommunen solitär behandelt werden. Ob die Aspekte einer nachhaltigen Entwicklung tatsächlich auch Bestandteil interkommunaler Kooperationsprozesse sein können und welche Gründe für die Vernachlässigung der Aspekte in den Kooperationsprozessen sprechen, beantwortet Marion Klemme auf den knapp 200 Seiten ihrer Arbeit. Die Autorin führt die beiden Konzepte zusammen und diskutiert dabei die Umsetzungschancen sowohl auf theoretischer als auch auf praktischer Ebene. Bei ihr werden nachhaltige Entwicklung und Interkommunale Kooperation als sich ergänzende Konzepte verstanden, die erst in dem integrierten Ansatz der „nachhaltigen interkommunalen Kooperation“ eine zukunftsfähige regionale Entwicklung gewährleisten können.

Es handelt sich bei der jetzt in Buchform erschienen Untersuchung um eine Diplomarbeit, die im Rahmen des Studiums der Angewandten Geographie/Raument- wicklung an der Universität Trier erstellt und kürzlich mit dem Walter-Christaller-Preis 2002 ausgezeichnet wurde. Im einführenden Teil der Arbeit beschreibt die Autorin die theoretischen Grundlagen der jeweiligen Konzepte sowie ihre Entstehungsgeschichte und diskutiert die Machbarkeit einer konzeptionellen Verknüpfung. Diese Arbeitshypothese wird im empirischen Teil mithilfe der Ergebnisse von Expertengesprächen vertiefend belegt. In ihrer historischen Betrachtung zeigt sie, wie durch sich verändernde gesellschaftliche Rahmenbedingungen immer auch neue Problemlösungsstrategien auf kommunaler und regionaler Ebene notwendig werden.

Um Ursachen und Erklärungsansätze für die Vernachlässigung von Aspekten der nachhaltigen Entwicklung in der Interkommunalen Kooperation zu identifizieren, hat die Autorin zunächst Fachinterviews mit Experten aus der Wissenschaft durchgeführt. Hierbei werden zu den zwei Theorieansätzen und ihren praktischen Umsetzungschancen Aussagen auf hoher Abstraktionsebene getroffen. Diesem Spezialwissen wird in einer zweiten Interviewsequenz die konkrete Praxiserfahrung von Akteuren in zwei ausgewählten Fallbeispielen gegenübergestellt. Es treffen mit dem „Aller-Leine-Tal-Projekt“ in Niedersachsen und der interkommunalen Kooperation „Betzdorf/Kirchen(Sieg)‟ in Rheinland-Pfalz zwei sehr verschiedene Entwicklungsstrategien interkommunaler Kooperationen aufeinander. Im Ergebnis stehen völlig unterschiedliche Prozesse, die jedoch auf eine Gemeinsamkeit hinweisen: „Interkommunale Kooperation kann als unverzichtbar für eine regionale Nachhaltigkeit eingestuft werden.“ Es kommt im Wesentlichen darauf an, durch Kommunikations-, Ko- operations-, Lern- und Sensibilisierungsprozesse die abstrakten Nachhaltigkeitsthemen verständlich zu machen, die hoch komplexen Zusammenhänge kommunaler Entwicklungsprozesse zu entzerren und das Spannungsverhältnis zwischen (kommunaler) Hierarchie und (interkommunaler) Kooperation zu lösen.

Die Autorin leitet am Ende aus den Ergebnissen der qualitativen Sozialforschung 18 übersichtliche Handlungsempfehlungen ab, die helfen sollen, Widersprüche zwischen interkommunaler Kooperation und Nachhaltigkeit abzubauen und gleichzeitig die Berücksichtigung nachhaltiger Aspekte bei der Zusammenarbeit von Gemeinden zu ermöglichen. Dabei werden sowohl geeignete Organisationsformen, die Zusammensetzung zu beteiligender Akteure als auch Informations- und Moderationsformen thematisiert. Didaktische und kommunikative Maßnahmen werden ebenso empfohlen wie der Einsatz modernster technischer und medienwirksamer Mittel. Marion Klemme zeigt in ihrem Buch, dass es nach wie vor kaum gelungen ist, die Idee der nachhaltigen Entwicklung bis in die obersten Gremien der Gemeinden zu tragen. Das Thema nachhaltige Entwicklung wird als zu komplex, zu realitätsfremd und abstrakt empfunden, um im Rahmen interkommunaler Kooperationen fruchtbar gestaltet werden zu können.

Die Arbeit bietet dem Leser eine geballte Ladung an aktuellen Informationen rund um die Themen nachhaltige Entwicklung und interkommunale Kooperation. Sehr erfreulich ist die konsequente Betonung des Praxisbezugs in der Arbeit. Nachhaltige Entwicklung und interkommunale Kooperation müssen zusammen gedacht werden. Das Buch ist sowohl für den Akademiker mit wissenschaftlichem Anspruch als auch für den Praktiker mit der Hoffnung auf schnelle, kompakte und umsetzbare Alltagshilfen geschrieben. Es besticht durch eine klare Gliederung und durch zahlreiche Lesehilfen wie Tabellen, Zusammenfassungen am Ende eines jeden Kapitels und unzählige Querverweise sowie Literaturhinweise zur Vertiefung von Themen, die in der Arbeit nur angeschnitten werden können. Anhand von „Info-Boxes“ und kleinen Graphiken gewinnt der Leser einen Überblick. Es bleibt dem Leser überlassen, wie tief er in einzelne Kapitel einsteigen möchte. Eine kurze und prägnante Zusammenfassung am Ende der Arbeit rundet das Buch ab. Insgesamt handelt es sich hierbei um eine sehr gelungene Darstellung der Untersuchung, die insbesondere von Praktikern, Politikern und in der Stadtentwicklung aktiven Akteuren deutscher Kommunen gelesen und ernst genommen werden sollte.

Wolfgang M, ller Rafael Stegen (München)

Simmonds, Roger; Hack, Gary (Eds.): Global City Regions - Their emerging forms. - London, New York: Spon Press 2000.286 S.

Das Buch umfasst zwei Hauptteile : eine Folge von elf Einzelstudien über je eine Großstadtregion und eine Reihe von Artikeln, die sich der vergleichenden Betrachtung von Unterschieden und Gemeinsamkeiten, der historischen Entwicklung und den Zukunftsperspektiven widmen. Diese stammen fast ausschließlich von britischen und amerikanischen Autoren, während die Berichte über die Stadtregionen von Forschern verfasst sind, die in dem jeweiligen Bereich tätig waren.

Die Texte stützen sich auf die Ergebnisse zweier Symposien (1995 und 1997), die auf eine Initiative des Lincoln Institute of Land Policy (Cambridge, Mass.) zurückgehen; sie sind auf die Erfassung und Analyse der Veränderungen gerichtet, die sich innerhalb der drei Jahrzehnte von 1965 bis 1995 in der räumlichen und sozioökonomischen Struktur ausgewählter Stadtregionen vollzogen haben, und auf das Verständnis der jenen zu Grunde liegenden gesellschaftlichen Dynamik. Die Auswahl - ohne New York, London, Paris, deren Fehlen mit dem Vorliegen zahlreicher entsprechender Veröffentlichungen begründet wird - mag ein wenig willkürlich erscheinen: In den USA werden Boston, Seattle und San Diego, in Südamerika Sao Paulo und Santiago de Chile behandelt, in Westeuropa Madrid, die englischen West Midlands um Birmingham und die Randstad Holland - und dann erst wieder am Ostrand Eurasiens Tokio, Taipeh und Bangkok; Mittel- und Osteuropa, Indien und die Volksrepublik China. Afrika und Australien sind nicht vertreten. Die Einwohnerzahlen der erfassten Stadtregionen (1990) reichen von 2,5 Mio. (San Diego) bis zu 30 Mio. (Tokio). Flächenangaben gibt es nur für einen Teil der Regionen; auch hier liegt Tokio mit 8 402 km2 an der Spitze. Der Anteil einer solchen Großstadtregion an der Gesamtbevölkerung des Landes ist am höchsten in den Niederlanden (40 %) und in Chile (34 %).

Auf einen knappen geschichtlichen Überblick - von den frühen Beispielen des Regionalplans für Chicago von 1909 und des Siedlungsverbands Ruhrkohlenbezirk über Abercrombies Greater London Plan von 1944 bis zum Konzept für die Region Paris von 1965 - folgen dann die Berichte über die Großstadtregionen. Sie umfassen je etwa 15 Druckseiten und sind gleichartig gegliedert : Verwaltungsstruktur, wirtschaftlicher, sozialer und räumlicher Wandel, Infrastrukturpolitik, Flächennutzungsplanung. Auch für die erläuternden Karten sind gleichartige Signaturen gewählt - etwa für die Standorte von Handels-, Produktions- und akademischen Einrichtungen, für die Verkehrsinfrastruktur oder für die Wohnbereiche der reichsten und die der ärmsten Bewohnerschichten; so bietet sich dem Leser eine anschauliche Vergleichsbasis.

In zwei weiteren Artikeln legen die Herausgeber eine vergleichende Untersuchung der Einzelfälle vor - einmal mit dem Schwerpunkt Infrastruktur, zum anderen mit dem der politischen Organisation, wobei zwischen „starken“ (zentralistischen) und „schwachen“ (föderalen) Regionalstrukturen unterschieden wird. Als Kriterien dienen die Zuständigkeit für Besitz und Betrieb von Einrichtungen, für Gesetzgebung, Flächennutzungsplanung, Information und für die Schaffung wirtschaftlicher Anreize und Hindernisse.

Der letzte Abschnitt besteht aus neun Essays, die sich auf unterschiedliche Weise mit dem Phänomen der „globalen Stadtregionen“ auseinander setzen - meist im Sinne der Herausarbeitung bestimmter Teilaspekte. So geht es in zwei Artikeln um die wirtschaftliche Rolle solcher Stadtregionen im Rahmen des Weltwirtschaftsgefüges, in zwei weiteren um deren Beziehungen zur virtuellen Welt des „Cyberspace“ - wobei dem an praktisch nutzbaren Erkenntnissen interessierten Leser einige Konstruktionen arg künstlich erscheinen mögen. Auch die möglichen Muster physischer Ausdehnung werden erörtert - ihre Beziehung zum Verkehrssystem wie auch die Rolle der „Edge Cities“, der mehr oder minder eigenständigen Zentren nahe dem Rand der großen Agglomerationen bei denen es sich keineswegs um Glieder eines hierarchischen Systems im Sinne der Zen- trale-Orte-Theorie handelt.

Den Abschluss bildet ein Artikel von Melvin Webber, der vor fast vier Jahrzehnten mit der Schrift „The Urban Place and the Non-Place Urban Realm“ auf den Bedeutungsverlust räumlicher Nähe hingewiesen hatte. Er räumt zwar gewisse negative Begleiterscheinungen der sich immer weiter ausbreitenden Stadt ein, kommt jedoch zu dem Schluss, dass weiterer Flächenverbrauch als Zeichen des Fortschritts anzusehen und nicht aufzuhalten sei. So endet er mit der Aufforderung „In celebration, I propose we all exclaim a loud and joyous Hallelujah!“ - aber auch wenn dabei ein wenig Ironie mitschwingen mag, wird nicht jeder Leser darin einstimmen wollen.

Es ist wohl kein Zufall, dass die Herausgeber ihr Buch mit dieser Note enden lassen - dem Zweifel, ob den dargestellten Entwicklungen nicht doch entgegenzuwirken sei, geben sie wenig Raum, zumal es offenkundig an Gegenmodellen fehlt. Zwar kommt in einem der Artikel der Aspekt der Nachhaltigkeit ins Blickfeld - aber nur insofern, als vor der Erwartung gewarnt wird, der Ersatz physischer Transporte durch Telekommunikation könne Nennenswertes zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen. Indessen hat keines der kritischen Essays ökologische Fragen zum Thema - selbst das Stichwort „ecology“ fehlt in dem zwanzigspaltigen Index. So haftet dem Buch bei aller Fülle der Informationen doch eine deutliche Sehschwäche an.

Gerd Albers (Germering)

Hülsmann, Thorsten: Geographien des Cyberspace, - Oldenburg: BIS-Verlag 2000. III, 118 S., Abb., Lit. = Wahrnehmungsgeographische Studien, Bd. 19

Die Arbeit „Geographien des Cyberspace“ von Thorsten Hülsmann, erschienen in der Reihe „Wahrnehmungsgeographische Studien“, beschäftigt sich mit den Auswirkungen des Internets auf die sozialen Kontakte am Beispiel einiger Individuen.

Dazu wird zunächst dargelegt, was das Internet eigentlich ist, welche Dienste es vereint und wie es entstanden ist. Besonderes Augenmerk legt der Autor hier - vor allem in Hinblick auf die später zu bearbeitende Fragestellung - auf Gesprächsforen und das sog. „Chatten“, also das Führen einer „Unterhaltung“ über das Netz mithilfe entsprechender Software.

Bevor die Fragestellung der Arbeit vorgestellt wird, legt Hülsmann seine Theorie über Räumlichkeit in Zeiten des Internet dar. Dabei sieht Hülsmann den „Cyberspace“ als Erweiterung des physisch-materiellen Raumes, die den Zweck erfüllen kann, ebenfalls zum angeeigneten Erfahrungsraum von Individuen zu werden. Dazu ist es insbesondere notwendig, auf spezielle „Orte“ innerhalb der medialen Netzwerke einzugehen. Dies können u.a. Kommunikationsplattformen sein, an denen soziale Kontakte geknüpft und vertieft werden.

Auf dieser Grundlage formuliert Hülsmann seine Fragestellung: Mithilfe offener Experteninterviews möchte der Autor in Erfahrung bringen, welche Funktion die medialen Räume in der Erlebnis- und Erfahrungswelt von Individuen einnehmen und wie sich mithilfe von Kommunikationsplattformen neue Gemeinschaften bilden. Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang, dass Hülsmann den methodischen Fehler begeht, Geographie zunächst als Handlungswissenschaft zu definieren, um dann zu hinterfragen, ob eine „raumzentrierte“ Geographie unter globalen Bedingungen noch sinnvoll sei (S. 64) - wenn man Geographie so betrachten möchte, so wäre dies zunächst auch eine Frage des verwendeten Raumkonzeptes: Da Hülsmann sich hier (S. 53) jedoch u. a. auf soziale Räume bezieht, die durch Medien wie das Internet jedoch lediglich eine qualitative Änderung bzw. Neuausrichtung erfahren, erübrigt sich die Beantwortung der von Hülsmann formulierten Frage nach dem Sinn der Geographie: Nicht der Raum an sich (im Sinn des physisch-materiellen Raumes) ist zentraler Gegenstand wissenschaftlicher Geographie, sondern die den sozialen Raum konstituierenden sozialen Beziehungen und Handlungen mit Auswirkungen auf den physisch-materiellen Raum.

In seiner Untersuchung befragte Hülsmann Nutzer von sog. „Chatrooms‟, also Orten - besser „Treffpunkten‟ -, an denen über das Internet vermittelte Kommunikation stattfindet, die soziale Beziehungen entstehen lassen kann. Im Rahmen einer „teilnehmenden Beobachtung‟ hat Hülsmann daher zunächst Kontakt zu insgesamt sieben Personen hergestellt, die diese Kommunikationsmöglichkeiten nutzen, um sie anschließend zu interviewen. Als Ergebnis der Untersuchung kann festgehalten werden, dass „Orten“ im Cyberspace eine ähnliche Funktion zukommen kann, wie anderen Treffpunkten, z.B. Cafés, Diskotheken, in der wirklichen Welt, die der Kontaktaufnahme und -pflege dienen. Das Internet dient damit der Erweiterung des persönlichen Erfahrungsraumes, wobei neuartige Beziehungsnetzwerke entstehen können. Die Orte des Cyberspace sind dabei in manchen Fällen der Ausgangspunkt für später vertiefte persönliche Kontakte, z.B. im Rahmen von „Chatter-Treffen“ und werden u.a. durch die Intimität der Kontakte auch für die betreffenden Personen identitätsbildend. Die Möglichkeit, große Distanzen zunächst mit quasi-anonymen Kontakten im Rahmen des Erstkontaktes zu ersetzen, bildet dabei den Grundstein späterer Face-to-face-Kontakte auch über größere Entfernungen hinweg. Den Chatrooms des Cyberspaces kann damit eine gewisse Komplementärfunktion im Vergleich zu „echten“ Treffpunkten zukommen. Interessant wäre es gewesen, genauer zu hinterfragen, von wem diese Möglichkeit der Kontaktaufnahme generell genutzt wird und aus welchem Grund; die beschriebenen Fallbeispiele und ihre „Internetbiographien“ stellen hier sicher nur einen Ausschnitt aus der gesamten Bandbreite dar.

Ingesamt gibt die Arbeit von Hülsmann einen interessanten Einblick in die Art der Nutzung bestimmter Internetdienste und die Art und Weise, wie so neue soziale Beziehungen entstehen können. Dem umfassenden Anspruch des Titels „Geographien des Cyberspace“ wird der Inhalt der Arbeit von Hülsmann jedoch nur ansatzweise gerecht - es sei denn, man bezieht den Plural „Geographien“ darauf, dass verschiedene Personen und ihre „Internetgeographien“ untersucht wurden. Aus diesem Grund wäre ein weniger umfassender Titel sicher wünschenswert gewesen. „Geographien des Cyberspace“ kommt nichtsdestotrotz das Verdienst zu, in einer Art „Erstuntersuchung“ Einfluss und Veränderungen sozialer Kontakte im Zeitalter des Internets untersucht zu haben. Auch die neuartige Verwendung und notwendige Anpassung der Termini „Raum“ und „Ort“ in Bezug auf das Internet stellen eine Bereicherung der deutschen Literatur zum Themenkomplex der Wirkungen des Internets dar.

Christian Langhagen-Rohrbach (Frankfurt a.M.)

Heeg, Susanne: Politische Regulation des Raums: Metropolen, Regionen, Nationalstaat. 2001. Berlin, Ed. Sigma.HeegSusannePolitische Regulation des Raums: Metropolen, Regionen, Nationalstaat2001BerlinEd. SigmaSearch in Google Scholar

Klemme, Marion: Interkommunale Kooperation und nachhaltige Entwicklung. — Dortmund 2002. = Dortmunder Beiträge zur Raumplanung 110 (IRPUD) (Blaue Reihe)Klemme, Marion: Interkommunale Kooperation und nachhaltige Entwicklung. — Dortmund 2002. = Dortmunder Beiträge zur Raumplanung 110 (IRPUD) (Blaue Reihe)Search in Google Scholar

Simmonds, Roger; Hack, Gary: Global City Regions — Their emerging forms. 2000. London, New York, Spon Press.SimmondsRogerHackGaryGlobal City Regions — Their emerging forms2000London, New YorkSpon PressSearch in Google Scholar

Hülsmann, Thorsten: Geographien des Cyberspace. 2000. Oldenburg, BIS-Verlag.HülsmannThorstenGeographien des Cyberspace2000OldenburgBIS-VerlagSearch in Google Scholar

Articoli consigliati da Trend MD

Pianifica la tua conferenza remota con Sciendo