1. bookVolume 59 (2001): Edizione 4 (July 2001)
Dettagli della rivista
License
Formato
Rivista
eISSN
1869-4179
Prima pubblicazione
30 Jan 1936
Frequenza di pubblicazione
6 volte all'anno
Lingue
Tedesco, Inglese
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Pubblicato online: 31 Jul 2001
Volume & Edizione: Volume 59 (2001) - Edizione 4 (July 2001)
Pagine: 319 - 323
Dettagli della rivista
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eISSN
1869-4179
Prima pubblicazione
30 Jan 1936
Frequenza di pubblicazione
6 volte all'anno
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Tedesco, Inglese

Schönert, Matthias: Das personelle Innovationspotenzial. Empirische Ergebnisse zur Entwicklung regionaler Disparitäten in der Bundesrepublik Deutschland. Hrsg.: BAW Institut für Wirtschaftsforschung GmbH. - Bremen 2000. 195 S., Kt., Abb., Tab., Lit. = Regionalwirtschaftliche Studien, Nr. 18

Der Autor möchte mit seiner Dissertation einen Beitrag zur Erforschung räumlicher Entwicklungsunterschiede in der Bundesrepublik Deutschland leisten. Im Mittelpunkt seiner Untersuchung steht das regionale Innovationspotenzial. Den Hintergrund bilden gegensätzliche Einschätzungen über den Verlauf der räumlichen Entwicklung und ihrer Zukunftsperspektive: Polarisierung oder Ausgleich regionaler Disparitäten?

Das zweite Kapitel der Arbeit ist den theoretischen Grundlagen gewidmet. Der Autor definiert zunächst den Begriff „Innovation“ und gibt einen Überblick über ausgewählte Innovationstheorien, denen er eine große Bedeutung für die Fragestellungen seiner Arbeit beimisst. Das Spektrum der allgemeinen Innovationstheorien, die sehr knapp dargestellt werden, reicht von Schumpeter über evolutionstheoretische Arbeiten bis hin zur sog. neuen Wachstumstheorie. Sodann werden theoretische Erklärungsansätze thematisiert, bei denen der räumliche Aspekt eine besondere Rolle spielt. Als solche werden die Theorie des Produktlebenszyklus, die Theorie der räumlich-funktionalen Arbeitsteilung, Polarisationstheoretische Ansätze und Theorien regionaler Netzwerke und Milieus in ihren Grundzügen dargestellt. Als Fazit der verschiedenen theoretischen Erklärungsansätze hebt M. Schönert neben der großen Bedeutung von Innovationen die Vielzahl innovationsrelevanter Einflussfaktoren heraus, die sowohl das Unternehmen als auch den Raum betreffen.

Im dritten Kapitel versucht M. Schönert auf der Grundlage einer Vielzahl empirischer Studien, die Einflussfaktoren regionaler Innovationsaktivitäten einzuschätzen. Er konzentriert sich auf Einflüsse, die den Innovationsinput der regionalen Unternehmen ausmachen. Sie bilden das Innovationspotenzial, wobei er zwischen unternehmensbezogenen und raumbezogenen Faktoren unterscheidet. Die unternehmensbezogenen Faktoren werden anhand von beispielhaften empirischen Untersuchungen diskutiert, wobei der Autor nach den drei Analysebereichen Struktureller Wandel, Technologischer Wandel und Organisatorische Aspekte unterscheidet. Zur Diskussion der raumbezogenen Einflussfaktoren greift der Autor auf zumeist jüngere Untersuchungen zurück. Er unterscheidet zwischen den Analysebereichen Agglomerationseffekte, Innovationsinfrastruktur, Innovative Milieus/Netzwerke, Weiche Standortfaktoren und Regionale Innovationspolitiken. Als Fazit hält M. Schönert fest: „Die ausgewerteten empirischen Studien zeichnen ein sehr komplexes Bild regionaler Innovationsaktivitäten, die in hohem Maße durch die spezifische Situation im jeweiligen Untersuchungsraum und durch das Untersuchungsdesign geprägt sind.“

Vor diesem Hintergrund nimmt der Autor folgerichtig eine Einschränkung seines Untersuchungsgegenstandes vor. Er konzentriert die Betrachtung auf die internen Unternehmensmerkmale, die in bisherigen Studien als eine zentrale Determinante betrieblicher Innovationen angesehen werden. Im Fokus steht das personelle Innovationspotenzial, da der Ausbau des hoch qualifizierten Personals und die Ausweitung der FuE-Beschäf- tigung als wesentlicher Bestimmungsfaktor für die Bewältigung des technologischen Strukturwandels gelten kann.

Im vierten Kapitel findet der Leser eine Auswertung verschiedener Studien zu regionalen Unterschieden im personellen Innovationspotenzial. Der Autor beschränkt sich auf Studien, die auf einer ausreichenden Datenbasis beruhen und alle Regionen der Bundesrepublik Deutschland einbeziehen. Die erfassten Studien sind sich alle darin einig, dass ein deutliches Stadt-Land-Gefälle für die Beschäftigten mit höheren Qualifikationen besteht. Innerhalb der Gruppe der Verdichtungszentren schneiden dabei die altindustrialisierten Regionen schwächer ab als hoch verdichtete Regionen, die über eine modernere Wirtschaftsstruktur verfügen. Des Weiteren besteht ein nicht weniger stark ausgeprägtes Süd-Nord-Gefälle im Anteil hoch qualifizierter Beschäftigter. Das Süd-Nord-Gefälle ist ein durchgängiges Muster, das sich nicht nur bei den großen Verdichtungs-räumen, sondern auch bei den anderen Regionstypen nachweisen lässt.

Allerdings besteht Unsicherheit hinsichtlich der Frage der zeitlichen Veränderung dieser Unterschiede. Die Autoren kommen hier zu gegensätzlichen Einschätzungen. Eine weitere Unsicherheit sieht M. Schönert in den empirischen Grundlagen der Studien, da sie nur mit wenigen Beobachtungszeitpunkten auskommen müssen. Für ihn steht daher in Frage, ob sich auf dieser Datengrundlage Erwartungen über die zukünftige Entwicklung der Regionen in der Bundesrepublik treffsicher abschätzen lassen. Dies möchte er mit seinem empirischen Ansatz leisten, der Gegenstand des fünften Kapitels der Arbeit ist.

Die räumliche Abgrenzung seiner Untersuchung orientiert sich an den 89 Raumordnungsregionen, die er jedoch in Anlehnung an Bade - zum Teil abweichend von der Systematik des BBR - in Verdichtungszentren, Verdichtungsumland und periphere Regionen einteilt. Für eine detaillierte Analyse nimmt er vor dem Hintergrund des Süd-Nord-Gefälles eine Auswahl an Regionen vor, wobei die ausgewählten Regionen repräsentativ für den jeweiligen Raumtyp stehen sollen. Die empirische Grundlage der Arbeit ist das Datenmaterial von Bade aus der Beschäftigtenstatistik der Bundesanstalt für Arbeit für den Zeitraum 1976-1997. Das methodische Vorgehen basiert auf einer Zeitreihenanalyse der absoluten und relativen Veränderungsrate ausgewählter Indikatoren zu den Merkmalen Ausbildung sowie Forschung und Entwicklung.

Als Ergebnis seiner empirischen Analyse stellt M. Schönert fest, dass die „Räumliche Dekonzentration der wirtschaftlichen Aktivitäten (.) auch vor der innovationsrelevanten Beschäftigung nicht halt (macht). Darüber hinaus wird durch die Analyse des Entwicklungsverlaufs deutlich, dass es sich bei der großräumigen Dekonzentration um eine zeitlich stabile, über einen langen Zeitraum feststellbare Tendenz handelt.“ (S. 112). Dieser Prozess der großräumigen Dekonzentration setzte nach seinen Ergebnissen zwar bei Forschung und Entwicklung relativ spät ein. Ab Mitte der 80er Jahre wuchs die Zahl der FuE-Beschäftigten in den peripheren Regionen jedoch mit einer Stärke, die selbst die Dynamik des Verdichtungsumlandes übertrifft. (S. 130). Eine Betrachtung dieser Prozesse unter sektoralen Aspekten im sechsten Kapital rundet seine empirischen Ausführungen ab und bestätigt seine Einschätzungen.

Im siebten Kapitel der Arbeit findet der Leser eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse und Handlungsempfehlungen. Eine Konsequenz für eine ausgleichsorientierte Regionalpolitik sieht der Autor darin, dass die Förderlandschaft in Zukunft sehr viel differenzierter zu betrachten sein wird. Dem ist in dieser allgemeinen Form nicht zu widersprechen und wurde bereits in einer Vielzahl von Studien in unterschiedlicher Form thematisiert. Die von M. Schönert im Prinzip geforderte Konzentration der Wirtschaftsfördermaßnahmen auf jene Regionen, die (technologische) Schwächen aufweisen (S. 150), greift jedoch m.E. zu kurz. Denn die Erfahrung der Vergangenheit zeigt, dass eine innovationsorientierte Regionalpolitik nur dann erfolgreich ist, wenn in den Regionen ein Mindestbesatz an innovationsorientierten Unternehmen vorhanden ist. Außerdem lässt seine Forderung die Tatsache außen vor, dass die strukturstarken Verdichtungsräume die gesamtwirtschaftlichen Wachstumspole sind und die Finanzmittel für eine ausgleichsorientierte Politik erwirtschaften. Da diese Räume bevorzugter Standort FuE-treibender Unternehmen sind, müssen diese Räume auch an der FuE-Förderung partizipieren. Auch ist es notwendig, dass in diesen Regionen Wachstumsengpässe durch gezielte Fördermaßnahmen (z.B. Ausbau überlasteter Verkehrssysteme, Rekultivierung industrieller Brachflächen, städtebauliche Maßnahmen) behoben werden.

Hinsichtlich der Aussagekraft der empirischen Ergebnisse sind zudem zwei Einschränkungen zu beachten: Die erste Einschränkung resultiert - und darauf verweist der Autor selbst (S. 149)-aus der von ihm gewählten relativen Betrachtungsweise. So liegt es auf der Hand, dass die hohen relativen Zuwächse der peripheren Regionen bei der FuE-Beschäftigung in vielen Fällen eine Folge des niedrigen Ausgangsniveaus sind (Problem des Basiseffekts). So ist trotz aller staatlicher Ausgleichsbemühungen und räumlicher Dekonzentrationsprozesse die räumliche Verteilung von Forschung und Entwicklung zeitlich stabil, und zwar zu Gunsten der Verdichtungsräume. Dies wird deutlich, wenn man statt der relativen Veränderungsraten den Besatz mit FuE-relevanten Tätigkeiten betrachtet.

Die zweite Einschränkung betrifft das von Bade zur Verfügung gestellte Datenmaterial aus der Statistik der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Denn im Durchschnitt erfasst sie nur rund 80 % aller Erwerbstätigen, wobei der Erfassungsgrad regional sehr stark streut. In der Konsequenz bedeutet dies, dass die Statistik der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten den Prozess der räumlichen Dekonzentration überzeichnet. Dieser Effekt mag zwar bei dem personellen Innovationspotenzial weniger stark zu Buche schlagen als bei einer Betrachtung der Gesamtbeschäftigung. Dennoch ist diese Einschränkung bei der Interpretation der Ergebnisse zu beachten.

In der Gesamtschau bietet die vorliegende Arbeit einen breiten Überblick über die Vielzahl empirischer Arbeiten zu regionalen Unterschieden im personellen Innovationspotenzial. Für stärker theoretisch orientierte Leser wäre sicherlich eine vertiefte Diskussion der ausgewählten theoretischen Erklärungsansätze von Interesse. Vielleicht wünscht sich auch der eine oder andere Leser eine komprimiertere Darstellung der empirischen Ergebnisse. Dennoch bietet die vorliegende Arbeit eine Vielzahl an Informationen und Einschätzungen zum Thema regionale Unterschiede im personellen Innovationspotenzial und kann als eine Anreicherung des vorliegenden Schrifttums verstanden werden.

Michael Zarth (Bonn)

Schmitz, Stefan: Revolutionen der Erreichbarkeit. Gesellschaft, Raum und Verkehr im Wandel. - Opladen: Leske + Budrich 2001.320 S., Kt., Abb., Lit. = Stadtforschung aktuell, Bd. 83

Stefan Schmitz hat ein Buch über den Zusammenhang von Verkehr und Raumentwicklung vorgelegt. Damit fasst er zum Ende seiner über 10-jährigen Tätigkeit im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (früher Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung) die wesentlichen Ideen seiner Arbeit im Bundesamt zusammen und zieht eine eigene inhaltliche Bilanz, von der er auch den Leser dieses Buchs profitieren lässt. Über den gesamten Zeitraum im BBR war für ihn der Zusammenhang von Gesellschaft, Raum und Verkehr „ein roter Faden“ seiner Forschungsarbeiten, der sich jetzt auch in dem 300 Seiten starken Buch als Leitlinie widerspiegelt.

Stefan Schmitz macht in seinem Buch „Revolutionen der Erreichbarkeit“ deutlich, dass Fortbewegung und Kommunikation „das entscheidende Bindeglied zwischen der Gesellschaft samt ihren Ziel- und Wertvorstellungen einerseits und den entsprechenden räumlichen Ausdrucksformen andererseits” (Seite 17) bildet. Er verweist immer wieder auf den Zusammenhang der dauernden Beschleunigung und Verbilligung des Verkehrs auf der einen Seite und den damit verbunden Veränderungen der Raum- und Siedlungsstruktur auf der anderen Seite. Die wachsende Bewegungsfreiheit im Raum korrespondiert mit neuen Formen der Nutzung des Raums.

In einem historischen Rückblick auf die Geschichte des Verkehrs zeigt Stefan Schmitz im zweiten Kapitel seines Buchs, wie die technologische Entwicklung von der dampfgetriebenen Eisenbahn bis zu den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien insbesondere die Standorte in den Städten und ihre Erreichbarkeit verändert hat. Im dritten Kapitel werden die Flexibilisierung der Produktionsbedingungen und Beschäftigungsverhältnisse, die wirtschaftliche und kulturelle Globalisierung sowie die zunehmende Individualisierung als wesentliche gesellschaftliche Faktoren für die räumlichen und verkehrlichen Veränderungen he-rausgearbeitet. Die räumlichen Strukturen sind dann wesentlicher Gegenstand des vierten Kapitels. Die Beschleunigung in unserer Gesellschaft schafft eine neue Geographie aus neuen regionalen Produktionskomplexen, Global Cities und Stadtlandschaften, die die klassische Trennung zwischen Stadt und Land kaum noch sichtbar erscheinen lassen. Im fünften Kapitel werden das Verkehrswachstum und die weitreichenden Veränderungen in den räumlichen Verkehrsverflechtungen thematisiert und über die in den vorherigen Kapiteln erläuterten technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen erklärt. Das abschließende sechste Kapitel versucht, eine handlungsorientierte, in die Zukunft gerichtete Gesamtschau vorzunehmen. Hier wird die Wirksamkeit der räumlichen Leitbilder wie Siedlungsdichte, Nutzungsmischung oder dezentrale Konzentration kritisch hinterfragt und werden die preiswerten und schnellen Verkehrsmöglichkeiten als die eigentlichen Anreize und die wesentlichen erklärenden Größen der Verkehrsnachfrage herausgestellt.

Ein roter Faden des Buchs ist die Ambivalenz des Verkehrs: auf der einen Seite die vielen Vorteile der verbesserten Erreichbarkeit für den Einzelnen und die gesamte Gesellschaft, auf der anderen Seite aber auch die enormen ökologischen Belastungen, die durch das Verkehrswachstum hervorgerufen werden bzw. die uns im weltweiten Maßstab in den nächsten Jahren noch bevorstehen. Stefan Schmitz endet aber nicht in einem Lamento über dieses Spannungsverhältnis. Vielmehr stellt er an das Ende seines Buches die Vision einer nachhaltigen Stadtlandschaft. In einer Siedlungsstruktur, die sich durch eine schwache Polyzentralität und kleinräumige Verflechtungen auszeichnet, ließen sich Verkehrsalternativen wie eine weitere Verbreitung des öffentlichen und nichtmotorisierten Verkehrs, Telekommunikation und ein organisatorisch und technisch optimierter Autoverkehr realisieren. Nach fast 300 Seiten bleibt Stefan Schmitz aber letztendlich doch Realist. Ohne Verhaltensänderungen und Technikeinsatz werden sich solche Siedlungsstrukturen nicht einstellen: „Und immer ist die Einsicht einer Bevölkerungsmehrheit in die Notwendigkeit eines grundsätzlichen Wandels erforderlich“ (S. 286).

Das Buch kann uneingeschränkt zur Lektüre empfohlen werden. Es gibt einen ausgezeichneten Überblick über den Zusammenhang von Verkehr, Gesellschaft und Raum. Auf die Bezüge zwischen Verkehr, Gesellschaft und Raum wird nicht erst am Ende des Buches, sondern bereits in den vorderen Kapiteln eingegangen. Dadurch gelingt es Stefan Schmitz hervorragend, dem Leser diese komplexen Sachverhalte in ihren Beziehungen zu verdeutlichen. Die klare Gedankenführung und die sehr gut verständliche Sprache tragen dazu ein Weiteres bei. So ist das Buch für einen breiten Leserkreis bestens geeignet. Dem Buch ist diese Leserschaft, dem Leser dieses Buch zu wünschen.

Claus-C. Wiegandt (Bonn)

Rodenstein, Marianne (Hrsg.): Hochhäuser in Deutschland. Zukunft oder Ruin der Städte? - Stuttgart: Kohlhammer Verlag 2000.282 S., Abb. Flierl, Bruno: Hundert Jahre Hochhäuser. Hochhäuser und Stadt im 20. Jahrhundert. - Berlin: Verlag Bauwesen 2000.264 S., Abb.

„Sie starrte feindselig auf den Hochhauskaktus Manhattans, der zu Riesenmaßen wuchs, statt zu menschlichen abzunehmen.“ Mit diesen Worten gibt Uwe Johnson die Gefühle des Kindes Marie beim ersten Blick auf New York in seinen „Jahrestagen“ wieder. Dass Wolkenkratzer konträr stehen zu einem menschenwürdigen Leben, dass sie im Wesentlichen nur als Zeichen von Profitopolis fungieren, ist der gebräuchlichste Topos aller Kritik. Obgleich er, bewiesen oder nicht, noch immer im Raum steht, hat sich seit einiger Zeit doch mehrheitlich eine gewisse Faszination des Themas bemächtigt.

Dem geben auch zwei Neuerscheinungen Ausdruck. Sie haben gemein, dass die Bauaufgabe selbst mitnichten - wie sonst weitgehend üblichals die Lösung aller urbanen Probleme des „neuen Jahrtausends“ angeboten wird. Beide gehen weit über eine technische oder ästhetische Betrachtung hinaus, indem sie einmal nicht auf die architektonische oder ingenieurwissenschaftliche Leistung, mithin auf das Hochhaus als Einzelobjekt fokussieren, sondern versuchen, eine rasante internationale Entwicklung beschreibend zu werten und ihre gesellschaftlichen Rückkopplungen zu verdeutlichen. Ihre Schwerpunkte setzen sie jedoch sehr unterschiedlich: Die eine die Sinnfälligkeit von Wolkenkratzern, diesen amerikanischen Exportschlager par excellence, in ausgewählten deutschen Städten hinterfragend, dabei jeweils den besonderen örtlichen Bedingungen Rechnung tragend. Die andere ein profunder Rundumschlag, getragen von kulturkritischer Reserviertheit und doch dem Himmelstürmenden des „Non-Stop“ als neuem globalem Lebensgesetz die Reverenz erweisend. Das erste eine Aufsatzsammlung, die einer Runde mehr oder minder renommierter Autoren aus Planungspraxis und Wissenschaft ein weitgespanntes Forum bietet, das andere Buch ein kleines Kompendium mit ansatzweise enzyklopädischen Qualitäten.

In dem von Marianne Rodenstein edierten Band werden vergleichend die Situation in Städten wie Frankfurt, Stuttgart, Berlin, Hamburg und Köln, München, Leipzig und Düsseldorf analysiert, die unterschiedlichen Planungskulturen offengelegt und die sich daraus ergebenden Perspektiven erörtert. Die Leitfragen der Herausgeberin lauten: „Wie sind die Bürohochhäuser in das Stadtbild eingegliedert worden, welche Kriterien spielten dabei eine Rolle, welche ‚Karrieren‛ haben die Hochhäuser in den verschiedenen deutschen Großstädten gemacht und welche Rolle räumt man ihnen für die Zukunft ein? Warum hat Frankfurt eine Skyline und andere deutsche Städte nicht? Ist Frankfurt nur Vorreiter einer Situation, die bald alle treffen wird, oder gibt es tatsächlich Alternativen zur Hochhausstadt?“ Was zuvorderst lediglich als eine Diskussion im Spannungsfeld zwischen Befürwortern, die auf die Förderung des Stadtimages mit Hochhäusern als Symbol der wirtschaftlichen Dynamik verweisen, und Gegnern, die dadurch den europäischen Stadtmaßstab gesprengt und zerstört sehen, erscheint, entfaltet einen grundsätzlichen Zusammenhang: Ökonomische Bedeutung, städtebauliche Einbindung, (kommunal)politische Voraussetzungen und soziale Folgen, die über Bodenwertsteigerungen vermittelt sind. Die Autoren stehen mehrheitlich der vermeintlichen Vitalität des ‚skyscrapers‛ als Bautyp und Technologieträger genauso reserviert gegenüber wie seiner Instrumentalisierung als unübersehbares Zeichen - wobei sie sich indes bewusst sind, dass die Einflüsse der Hochhäuser auf das jeweilige städtische Leben und die Identität der Stadt nicht übertragbar sind. Was herauskommt, ist schon deswegen interessant, weil es komparatistisch angelegt ist und darüber hinaus Ansätze zu einer Art ‚Soziologie des Hochhauses‛ bietet.

Der Berliner Architekturhistoriker Bruno Flierl hingegen will den Weltprozess der Hochhausentwicklung im 20. Jahrhundert, der seines Erachtens auf die Formel „vom Hochhaus in der Stadt zur Hochhausstadt“ gebracht werden kann, historisch aus den gesellschaftlichen Trends herleiten und fassbar machen. Deswegen unternimmt er eine vergleichende Analyse der Entwicklungen ausgewählter Städte in Nordamerika, Europa und Asien. Dabei ist das Panorama, das Flierl skizziert, so stringent wie kurzweilig. Die Antipoden seiner locker erzählten Geschichte sind New York (die kapitalistische Hauptsadt des 20. Jahrhunderts) und Moskau (die Kapitale sozialistischer Weltveränderung); beide aber sind alt und müde geworden, so dass neuen Helden wie Shanghai und Singapur sie mittlerweile abgelöst haben. Und trotz aller zwischenzeitlichen Anstrengungen, namentlich in London und Paris, ist Europa kein entscheidender Schauplatz, wenngleich Frankfurt am Main doch ein recht gelungenes Stück ‚skycity‛ darstellt. Indes, so banal ist die Geschichte denn doch nicht. Ihre vielen Facetten aber entblättert sie erst bei näherem Hinschauen.

Vor nunmehr 111 Jahren tauchte erstmalig der Begriff skyscraper auf, um die in Chicago soeben entstandenen Bauten zu beschreiben. Das Wort skyline wurde ab 1908 gebräuchlich, um die von den Wolkenkratzern geprägte Silhouette von New York zu charakterisieren, vor allem nachdem im selben Jahr der Singer Tower, seinerzeit mit 168 m der höchste Büroturmbau der Welt, fertiggestellt worden war. Während also in den USA die Hochhäuser zuhauf in den Himmel sprossen, dauerte es, bis das Phänomen seinen Weg über den Atlantik fand. Dafür war dann die europäische Reaktion umso enthusiastischer: Mit rauschhafter Verklärung wurden nach dem ersten Weltkrieg die „wahnwitzigen Bauten bis in die Wolken hinauf’ besungen. Ob in der expressionistischen Lyrik oder im Film „Metropolis“, ob in Malerei und Graphik oder in den Berichten von Reisenden: Allemal wurde das „Neue Babylon“ zum Gegenstand hochemotional imaginierter wie erfahrener Gegenwart. Selbst der stolze Bertolt Brecht bekundete, wenngleich mit ironischem Unterton, Respekt vor den „Riesenbauten Amerikas“, wie ein zeitgenössischer Buchtitel lautete.

Diese Rezeption führte allerdings noch lange nicht zu einem vergleichbaren Bauboom. Die unmittelbare Verwurzelung des Wolkenkratzers in der amerikanischen Ideologie von Fortschritt und Erfolg - manche sprechen ihm sogar „demokratische“ Qualitäten zu, weil er Tatkraft und Durchsetzungsvermögen verkörpere - ist der Grund dafür, weshalb man ihm in Europa noch immer vergleichsweise distanziert gegenüber steht. Ist er dort, wie auch in vielen Städten Ost- und Südostasiens, fast die Regel, bildet er hier die Ausnahme. Dem Europa der gewachsenen Zentren ist die Vorstellung einer „Stadt im Prozess“ mit ständigem Abriss und Neubau genauso fremd wie - zumindest bislang - das uneingeschränkte Bekenntnis zum Primat der Privatwirtschaft. Andererseits kommt kein anderer Bautypus so ausdrücklich in den Genuss der Zuschreibung, „urban“ zu sein. Dabei lässt sich der Wolkenkratzer mit gleicher Berechtigung deuten als ein artifizieller und letztlich antiurbaner Auswuchs, der den widernatürlichen Wald von Metropolis beherrschen möchte, ein verzweifelter Versuch, Kontrolle über die anarchischen Kräfte von Spekulation und Wettbewerb mit eben diesen Kräften zu erlangen - und somit als Wesen, das sich der Stadt gegenüber verschließt, eine Allegorie für Verfremdung, einzigartig in seiner Typologie und pures Zeichen.

Lange, allzulange ging es um das Einzelbauwerk und nicht um den urbanen Kontext. Die öffentliche Hand griff nur ein, um die massive Verschattung der Straßen zu mildern: 1916 wurde in New York, sieben Jahre später in Chicago ein Zonierungsgesetz erlassen. Dadurch entstanden die typischen Rücksprünge (set-backs), die manche Wolkenkratzer als mesopotamische Zikkurate oder aztekische Stufentempel erscheinen lassen. Auf die Notwendigkeit einer sinnvollen Gestaltung der Beziehungen zwischen Hochhaus und Stadt hatte als einer der ersten Louis Sullivan (der „Erfinder“ der die gesamte Architektenwelt bewegenden Formel „form follws function“) hingewiesen. Bereits 1891 hatte er Vorschläge unterbreitet, auf welche Weise es möglich sei, Hochhaus und Stadt so in Übereinstimmung zu bringen, dass individuellen und gesellschaftlichen Interessen Gerechtigkeit widerführe. Dennoch hat sich die Entwicklung allenthalben auf eine eher anarchische Weise vollzogen. Scheinbar uneingeschränkt privaten Verwertungsinteressen gehorchend, schossen an ausgewählten ‚locations‚ der ‚global player‛ die Bauten in die Höhe. Im Zuge dessen habe sich, so Flierl, das Turmhochhaus (gegen das Scheibenhochhaus) durchgesetzt, „weil es keiner neuen Stadtkonzeption bedurfte und sich eben deshalb als das der kapitalistischen Gesellschaft mit Privateigentum an Grund und Boden und mit Konkurrenz der privaten Bauherren adäquate Bebauungselement der Hochhausstadt erwies - vor allem auch in Hinsicht auf den zur Gewinnsicherung erforderlichen Wechsel der Bausubstanz durch Abriss und Neubau.“ Die Clusterbildung der Hochhäuser, d.h. ihre Zusammenballung zu einer Menge mit nicht gestalteten, weder geplanten noch geordneten Beziehungen, war und ist die in diesem Prozess bereits angelegte genuine Folge.

Wenngleich offenkundig wird, dass andernorts weitaus unverkrampfter und selbstverständlicher mit dem Thema umgegangen wird, bleibt der Eindruck, dass das Phänomen Wolkenkratzer hier zu Lande noch längst nicht ausreichend verarbeitet ist. Gekonnt die Balance haltend zwischen Information und Erbauung, zwischen Bild und Text, ist Flierl ein sehr anschauliches Buch gelungen. Und gleichermaßen seien auch die von Marianne Rodenstein zusammengestellten Aufsätze empfohlen, weil sie jenes Kräftefeld ausleuchten, in dem über die Zukunft der Hochhäuser in unseren Städten entschieden wird.

Robert Kaltenbrunner (Bonn)

Schönert, Matthias: Das personelle Innovationspotenzial. Empirische Ergebnisse zur Entwicklung regionaler Disparitäten in der Bundesrepublik Deutschland. Hrsg.: BAW Institut für Wirtschaftsforschung GmbH. — Bremen 2000. 195 S., Kt., Abb., Tab., Lit. = Regionalwirtschaftliche Studien, Nr. 18Schönert, Matthias: Das personelle InnovationspotenzialEmpirische Ergebnisse zur Entwicklung regionaler Disparitäten in der Bundesrepublik Deutschland. Hrsg.: BAW Institut für Wirtschaftsforschung GmbH. — Bremen 2000. 195 S., Kt., Abb., Tab., Lit. = Regionalwirtschaftliche Studien, Nr. 18Search in Google Scholar

Schmitz, Stefan: Revolutionen der Erreichbarkeit. Gesellschaft, Raum und Verkehr im Wandel. 2001. Opladen: Leske + Budrich.SchmitzStefanRevolutionen der Erreichbarkeit. Gesellschaft, Raum und Verkehr im Wandel2001OpladenLeske + Budrich10.1007/978-3-663-11306-5Search in Google Scholar

Rodenstein, Marianne (Hrsg.): Hochhauser in Deutschland. Zukunft oder Ruin der Städtet Stuttgart: Kohlhammer Verlag 2000. 282 S., Abb. Flierl, Bruno: Hundert Jahre Hochhäuser. Hochhauser und Stadt im 20. Jahrhundert. - Berlin: Verlag Bauwesen 2000. 264 S., Abb.RodensteinMarianne(Hrsg.)Hochhauser in Deutschland. Zukunft oder Ruin der Städtet Stuttgart: Kohlhammer Verlag 2000. 282 S., Abb. Flierl, Bruno: Hundert Jahre Hochhäuser. Hochhauser und Stadt im 20. Jahrhundert. - Berlin: Verlag Bauwesen 2000. 264 S., AbbSearch in Google Scholar

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