1. bookVolume 69 (2011): Edition 2 (April 2011)
Détails du magazine
License
Format
Magazine
eISSN
1869-4179
Première parution
30 Jan 1936
Périodicité
6 fois par an
Langues
Allemand, Anglais
Accès libre

Siedlungsflächen entwickeln. Akteure. Interdependenzen. Optionen

Publié en ligne: 30 Apr 2011
Volume & Edition: Volume 69 (2011) - Edition 2 (April 2011)
Pages: 137 - 138
Reçu: 02 Mar 2011
Accepté: 08 Mar 2011
Détails du magazine
License
Format
Magazine
eISSN
1869-4179
Première parution
30 Jan 1936
Périodicité
6 fois par an
Langues
Allemand, Anglais

Klemme, Marion; Selle, Klaus (Hrsg.) (2010): Siedlungsflächen entwickeln. Akteure. Interdependenzen. Optionen

Detmold: Verlag Dorothea Hohn, 368 S., zahlreiche Abb.

Welches Bild macht sich die Theorie von der Praxis? Worauf stützen sich die gegenwärtigen Diskussionen über den aktuellen Stand des Planens, Steuerns und Entwickelns? Von diesen beiden Fragestellungen haben sich die Herausgeber Marion Klemme und Klaus Selle vom Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtentwicklung an der RWTH Aachen bei der Konzeption und Zusammenstellung des vorliegenden Sammelbandes mit 18 Einzelbeiträgen leiten lassen. Den Herausgebern geht es vor allem darum, die planungstheoretische Diskussion über die bislang häufig betrachteten Sonderfälle im Städtebau hinaus inhaltlich zu erweitern und auf eine nach wie vor typische Alltagsaufgabe, nämlich die Entwicklung von Siedlungsflächen als Kerngeschäft der Kommunen, zu lenken. Zugleich gilt es zu prüfen, ob die anhand von Sonderbedingungen gewonnenen Aussagen zur stadtplanerischen Steuerung auch für dieses zentrale Handlungsfeld im Rahmen der gemeindlichen Planungshoheit Geltung beanspruchen können.

Der Begriff Siedlungsflächenentwicklung fokussiert freilich nicht nur auf die Entwicklungen an den Orts- und Stadträndern auf der grünen Wiese, sondern schließt auch die „Wiedergewinnung“ von Siedlungsflächen im Bestand, also die Um- und Nachnutzung von brachgefallenen Grundstücken mit ein. Diese Akzentuierung trägt dem zweifellos aktuellen und notwendigen Vorrang der Bestandsorientierung gegenüber der Neuausweisung und erstmaligen Entwicklung von Bauland Rechnung, liegen doch gegenwärtige und zukünftige Handlungsschwerpunkte im Städtebau angesichts der demographischen und wirtschaftlichen Veränderungen, der tatsächlichen Bedarfsentwicklung sowie auch wegen der normativen Vorgaben durch das 30 ha-Ziel der Bundesregierung wohl vielerorts auf der Innenentwicklung.

Das dreiteilige Werk beginnt im „Abschnitt A: Ausgangspunkte“ mit einer Einführung der beiden Herausgeber zum Stand der Diskussion über alltägliche Aufgaben des Städtebaus als Gegenstand empirisch orientierter Forschung. Im „Abschnitt B: Berichte und Analysen“, dem Schwerpunkt des Buches, kommen 18 Wissenschaftler und Praktiker aus dem Städtebau zu Wort und erläutern anhand von Fallbeispielen und planungstheoretischen Beiträgen aus ihrer jeweiligen Sicht innovative Ansätze und Strategien der Siedlungsflächenentwicklung. Das Spektrum reicht von der Darstellung ausgewählter Projekte der Stadtentwicklung, typischer Strategien für die städtebauliche Gesamtentwicklung in wachsenden und schrumpfenden Städten, neuen stadtregionalen Siedlungsflächenkonzepten über methodische Fragen der Bedarfsprognose sowie Folgekostenabschätzungen bis zu Akteurskonstellationen und ausgewählten bodenpolitischen Aspekten. „Abschnitt C: Reflexion und Folgerungen“ unternimmt den Versuch einer übergreifenden planungstheoretischen Würdigung der bisherigen Entwicklungen in der Planungspraxis. Den Schlusspunkt setzen wiederum die beiden Herausgeber, indem sie aus ihren Zuspitzungen hinsichtlich der Siedlungsentwicklung als Gegenstand der Stadtforschung einige zusammenfassende Thesen ableiten.

Es ist den Herausgebern gelungen, die Vielfalt der Einzelaspekte der komplexen Thematik mit einem roten Faden zu verknüpfen, der mit den drei Unterbegriffen „Akteure“, „Interdependenzen“ und „Optionen“ aus dem Untertitel des Buches gespannt wird. Wenngleich sich die einzelnen Beiträge naturgemäß mit ausgewählten Feldern der Siedlungsflächenentwicklung befassen und aus dem Blickwinkel der jeweiligen Autoren recht unterschiedliche Akzentsetzungen und Zugänge aufweisen, so werden die genannten Aspekte der Siedlungsflächenentwicklung als verbindendes Element –wenn auch nicht in gleicher Intensität – durchgängig thematisiert: Es gilt Akteure zu identifizieren, ihre Interessen, Ziele und Handlungslogiken zu verstehen, die Interdependenz mit anderen Akteuren der Siedlungsflächenentwicklung zu erfassen und zu analysieren, insbesondere das Verhältnis von öffentlichen und privaten Akteuren, sowie letztlich die Positionen der einzelnen Beteiligten, vor allem der kommunalen Akteure, zu umreißen.

Mit dem aus planungstheoretischer Sicht besonders interessanten Schwerpunkt der akteursorientierten Betrachtung leistet das Werk zugleich einen wichtigen Beitrag zum theoretischen und methodischen Diskurs in der „Governance“-Diskussion. Danach haben die öffentlichen Akteure aus den Gemeinden zwar nach wie vor eine wichtige, aber keinesfalls mehr eine dominante Rolle, sondern die Siedlungsflächenentwicklung wird als Ergebnis des Handelns vieler öffentlicher und privater Akteure mit unterschiedlichen Interessenlagen betrachtet. Die planerische Abwägung als Kern der gemeindlichen Planungshoheit hat die vielfältigen Aushandlungsprozesse der Akteure einzubeziehen. Dies hat naturgemäß Auswirkungen auf die Strategieauswahl und den Instrumenteneinsatz sowie letztlich auf die Steuerungsfähigkeit der Siedlungsentwicklung.

Die Herausgeber sind sich darüber bewusst, dass der hochgesteckte Anspruch des Buches, den Beitrag öffentlicher Akteure zur räumlichen Entwicklung aufzuhellen, naturgemäß begrenzt wird. Einerseits können Wissenschaftler nur beschränkt in die Praxis eindringen und sind immer auf Darstellungen und Interpretationen der handelnden Akteure selbst angewiesen. Andererseits schränkt die Einbindung in Politik und Verwaltung die Darstellungen der Autoren aus der städtebaulichen Praxis gelegentlich ein.

Insgesamt liefert das Buch durch die geschickte Zusammenstellung der Einzelthemen und die Auswahl der Autoren zunächst eine kompakte und zugleich differenzierte Darstellung zu aktuellen Fragen der Siedlungsflächenentwicklung. Es kann daher allen handelnden Akteuren aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft sowie den an planungstheoretischen Zusammenhängen interessierten Planungswissenschaftlern sehr empfohlen werden, bietet es doch neben kritischen Reflexionen über die Siedlungsflächenentwicklung auch vielfältige neue Einsichten und innovative Anregungen.

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