1. bookVolumen 78 (2020): Edición 1 (February 2020)
    TEMPORÄRE RÄUMLICHE NÄHE – AKTEURE, ORTE UND INTERAKTIONEN
Detalles de la revista
License
Formato
Revista
eISSN
1869-4179
Primera edición
30 Jan 1936
Calendario de la edición
6 veces al año
Idiomas
Alemán, Inglés
Acceso abierto

Book Review: Monheim, Rolf (2019): Innenstadtintegrierte Einkaufszentren – Chancen und Risiken für eine nachhaltige Stadtentwicklung Mannheim: MetaGIS Fachverlag. 27 Tabellen, 40 Abbildungen, 385 Seiten. = Geographische Handelsforschung 27.

Publicado en línea: 06 Nov 2019
Volumen & Edición: Volumen 78 (2020) - Edición 1 (February 2020) - TEMPORÄRE RÄUMLICHE NÄHE – AKTEURE, ORTE UND INTERAKTIONEN
Páginas: 111 - 113
Recibido: 09 Sep 2019
Aceptado: 08 Oct 2019
Detalles de la revista
License
Formato
Revista
eISSN
1869-4179
Primera edición
30 Jan 1936
Calendario de la edición
6 veces al año
Idiomas
Alemán, Inglés

Das Buch „Innenstadtintegrierte Einkaufszentren“ erscheint als 27. Band in der nunmehr schon zwanzigjährigen Geschichte der Buchreihe „Geographische Handelsforschung“, die sich in Monographien und Sammelbänden dem breiten Spektrum relevanter Akteure, Betriebsformen, Governance und Methodenentwicklung vornehmlich der Einzelhandelsforschung angenommen hat. Entsprechend etabliert ist die Reihe, die Wissenschaft und Praxis der deutschsprachigen geographischen Handelsforschung ein verbindendes Forum gibt und damit auch dem vorliegenden Band angemessene Aufmerksamkeit und eine Leserschaft über die eigentliche Wissenschaft hinaus bescheren kann. Der Autor Rolf Monheim publiziert selbst seit Jahrzehnten zum Thema Einzelhandel mit seinen stadtgeographischen Auswirkungen, sodass er nunmehr in einem Spätwerk seine langjährigen Erkenntnisse und verschiedenste lokale Erfahrungen in einer Monographie bündelt.

Der Band führt in eher kurzen Kapiteln ein in das „Konfliktfeld Stadt und Handel“ sowie in die Entwicklung und Typisierung von Einkaufszentren, ehe der Autor zügig auf die Kernfrage seiner Arbeit zusteuert: Welche nachhaltigen Auswirkungen haben (inner)städtische Einkaufszentren und wie lassen sich diese messen? In drei Kapiteln werden diese Wirkungen differenziert dargestellt und aus der Sicht verschiedener Akteursgruppen, lokaler Beispiele und kontextualer Besonderheiten diskutiert, ehe der Autor das Ergebnis in einem kurzen Fazit zusammenfasst.

Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf innenstadtintegrierten Einkaufszentren in Deutschland und somit weder auf Einkaufszentren anderweitiger Raumtypen noch auf tiefgreifenderen Literaturstudien, die über kursorische Hinweise hinaus internationale Entwicklungen abdecken würden. Sowohl im Buchtitel als auch in der Buchgliederung fokussiert der Autor auf den Begriff der Nachhaltigkeit, die er in ökologische, ökonomische, soziale, kulturelle und politische Nachhaltigkeit ausdifferenziert und nachfolgend systematisch und detailliert über vielfältige Kriterien sowohl über Sekundärquellen als auch über eigene empirische Beobachtungen und Erhebungen diskutiert. Ziel ist es, den langfristigen ‚Erfolg‘ eines innerstädtischen Einkaufszentrums in seiner hochgradigen Komplexität unterschiedlichster Akteurgruppen, Diskursströme und technologischer Entwicklungen begreifbar zu machen, den ‚Erfolg‘ eines Einkaufszentrums sowohl aus seiner internen organisatorischen Besonderheit heraus zu diskutieren, als auch seine Auswirkungen und Lernerfahrungen auf das externe innerstädtische Umfeld zu eruieren. Entsprechend interdisziplinär ist die notwendige Herangehensweise, die Kriterien von Architektur, Bautechnik, Verkehrswissenschaft und Immobilienforschung ebenso einbindet wie geographisch ursächlichere Fragestellungen nach Standorttypen, Kundeneinzugsgebieten, atmosphärischen und Wahrnehmungsräumen sowie Planungs- und Abstimmungsprozessen zwischen direkt und indirekt betroffenen Akteurgruppen von Einzelhandelsentwicklungen. Nicht alle vorgestellten Kriterien sind dabei neu. Innovativ ist jedoch die breite Perspektive des Autors, einigen bisher weniger beachteten Kriterien in der Einzelhandelsforschung wie der ökologischen Nachhaltigkeit besonderen Stellenwert zuzuweisen und Quellen unterschiedlichster Autoren und zeitlicher Schnitte aufzubereiten.

So ist es vornehmlich der anerkennenswerte Versuch des Autors, wissenschaftlich fundierte Daten aus ganz unterschiedlichen Quellen zu identifizieren, dass sie als ‚lange Reihen‘ die Einzelhandelsdynamik im Allgemeinen und das Ausmaß der Integration von Einkaufszentren im Besonderen belegen können. In der Regel sind Veröffentlichungen datentechnische Adhoc-Aufnahmen, ohne die Dynamik von Leerstandsentwicklungen, verändertem Branchenmix, neuen Kundenlaufrichtungen, Betriebsformaten oder veränderten Kundenmotiven, Kundenstrukturen und deren Mobilität nachzeichnen zu können. Aufgrund seiner jahrzehntelangen Expertise und der Anstrengungen, auch das letzte thematisch relevante Faltblatt für seine Diskussion zu nutzen, kombiniert der Autor eigene Daten vor allem aus seinen Fallbeispielen Bayreuth und Leipzig mit Sekundärdaten anderer Quellen. Der Aufwand, diese Daten in Tabellen und Graphiken vergleichbar darzustellen und hieraus die quantitativen Konsequenzen von innerstädtischen Einzelhandelsentwicklungen nicht (nur) zu generalisieren, sondern (auch) in lokalen Vergleichen über verschiedene zeitliche Schnitte zu relativieren, macht die Besonderheit dieses Bandes aus. Selbstkritisch wird der Autor zugestehen, dass nicht wenige Quellen eher als ‚weiche‘ Quellen zu charakterisieren sind, hierunter unveröffentlichte Bachelorarbeiten oder Gutachten aus der freien Wirtschaft, wo unklar bleibt, wie und ob unternehmensbezogene Interessen in Form von Auftragsarbeiten immer wissenschaftlichen Standards nach vollkommener Methodentransparenz folgen. Obwohl einige kritische Aussagen zur problematischen Datenerfassung im Einzelhandelssektor im Text eingestreut sind, fehlt ein Kapitel, das die Wertigkeit und die methodische Vergleichbarkeit einer Vielzahl von Quellen einer systematischen Kritik unterzieht. In vielen Tabellen fehlen Verweise auf absolute Werte und damit die Größen der vom Autor verglichenen Stichproben respektive valider Fälle. Weil viele Quellen eher als ‚graue‘ Quellen zu charakterisieren sind, sind sie für Außenstehende nicht ohne Weiteres oder gar nicht beschaffbar. Im Fokus standen zudem vor allem deutschsprachige Quellen.

Vor allem eine systematische Quelle des Europäischen Handelsinstituts Köln (EHI) fehlt. Seit Jahrzehnten gibt das EHI seinen „Shopping Center Report“ heraus, seit einigen Jahren auch als digital geführte und fortlaufend aktualisierte Datenbank, in der nicht nur alle Einkaufszentren aufgeführt, sondern auch der Wandel ihres Branchenmixes, Standorttypen- und Flächenentwicklung sowie die Betreiber der Einkaufszentren dokumentiert werden. Es ist damit die dem Rezensenten bekannteste vollständige und aktuellste Quelle, die die Entwicklung von (innerstädtischen) Einkaufszentren über einen langen Zeitraum nachzeichnen kann. Diese Quelle kann damit nicht nur die Expansion oder Stagnation von Einkaufszentrenentwicklungen belegen, sondern auch der Frage nachgehen, inwieweit sich Einkaufszentren unterschiedlicher Standorttypen (Grüne Wiese und Factory Outlet Center versus Innenstadt) im Wettbewerb zueinander befinden und ob die vorgestellten Einkaufszentren für das innerstädtische Umfeld integrativen oder bedrohlichen Charakter aufweisen. Hier wäre beispielsweise aufgefallen, dass das erwähnte Factory Outlet Center in Wilhelmshaven nicht 2016 eröffnet wurde, sondern nie gebaut worden ist (vgl. S. 25 und 29). Mit diesen Daten hätte sich auch die Möglichkeit geboten, überlappende Einzugsgebiete von Einkaufszentren, deren Ziehkräfte auf innerstädtische Angebote außerhalb von Einkaufszentren – sowohl auf der Makroebene für Deutschland als auch für lokale Fallbeispiele auf der Mikroebene – kartographisch darzustellen, um damit sowohl generalisierende als auch spezifische Entwicklungen von (innerstädtischen) Einkaufszentren zu visualisieren. Auffälligerweise findet sich in dem Band keine einzige Karte, die damit auch das lokale Verständnis der besonders prominenten Fallbeispiele Bayreuth oder Leipzig hätte erleichtern können. So sind gerade am Fallbeispiel Leipzig die innerstädtischen Einkaufszentren gezielte Antworten auf früher einsetzende Entwicklungen auf der grünen Wiese, zuweilen unter dem Dach derselben Einkaufszentrenbetreiber. Auch bleibt die Frage offen, inwieweit innerstädtische Einkaufszentren integrationsoffen für eine Zusammenarbeit in einem gemeinsamen City-Marketing mit der ‚Reststadt‘ sind.

Gerade weil der Einzelhandel so hochgradig dynamisch ist und sich die Quellenlage des Autors vornehmlich auf die Jahre 2000 bis 2010 konzentriert, finden neuere Entwicklungen wie der fast abgeschlossene Niedergang respektive die Monopolisierung innerstädtischer Kaufhäuser auf nur noch eine Marke (Karstadt Kaufhof), die wachsende Multiethnizität von Passantenströmen in den Innenstädten und ihre Auswirkungen auf traditionelle Angebotsmuster sowie der sprunghafte Anstieg des Online-Handels bzw. der Online-Präsentation von Groß- und Kleinformaten noch keine angemessene Berücksichtigung. Weil vor allem Daten zum wirtschaftlichen Erfolg innerstädtischer Einzelhandelsakteure in der Regel nicht flächig vorliegen, bleibt es für die Wissenschaft ein schwieriges Unterfangen, integrativen oder ausgrenzenden ‚Erfolg‘ für unterschiedliche Akteure (im optimalen Fall zeitlich wiederholend) zu messen. Der Autor schränkt dabei die Übertragbarkeit von Erfolg ein, betont er doch immer wieder: „all business is local“ (S. 112), „differenzierte Berücksichtigung des Einzelfalls“ (S. 138), „ortsspezifische Potenziale“ (S. 325). Damit positioniert sich der Autor vor allem gegenüber Veröffentlichungen in der Vergangenheit, deren oft negativ konnotierten Urteile zur Entwicklung innerstädtischer Einkaufszentren als zu generalisiert abgelehnt werden.

Entsprechend ambivalent fällt das Fazit dieses Buches aus: Wie weit lassen sich innerstädtische Entwicklungen und die Konsequenzen innerstädtischer Einkaufszentren (in Deutschland) verallgemeinern? Inwieweit können letztere eine Stadt unverwechselbarer machen („Stadtpersönlichkeit“, S. 325) und über das Kernthema Einzelhandel hinaus auch andere Cityfunktionen wie Wohnen, Arbeiten oder Tourismus aufwerten? Der Autor macht in seinem profunden Werk klar, dass es in dieser Diskussion keine standardisierten Antworten geben kann. Die vorliegende Arbeit zeichnet jedoch die Komplexität auf, die Auswirkungen innerstädtischer Einkaufszentren zu erfassen, sodass der Band auch für zukünftige Analysen vielfältige Ideen vermitteln kann.

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