1. bookVolumen 68 (2010): Edición 5 (October 2010)
Detalles de la revista
License
Formato
Revista
eISSN
1869-4179
Primera edición
30 Jan 1936
Calendario de la edición
6 veces al año
Idiomas
Alemán, Inglés
Acceso abierto

Städtebau als Prozess. Kontinuität durch Transformation

Publicado en línea: 31 Oct 2010
Volumen & Edición: Volumen 68 (2010) - Edición 5 (October 2010)
Páginas: 443 - 444
Detalles de la revista
License
Formato
Revista
eISSN
1869-4179
Primera edición
30 Jan 1936
Calendario de la edición
6 veces al año
Idiomas
Alemán, Inglés

Ingrid Krau ist in das Archiv des Instituts für Städtebau und Wohnungswesen (ISW) in München gegangen und hat die fast 10.000 Vorträge gesichtet, die zwischen 1960 und 2010 an diesem städtebaulichen Fortbildungsinstitut zumeist in München gehalten wurden. sie hat eine gute Auswahl getroffen, viel in diesen Vorträgen gelesen und fleißig exzerpiert und daraus eine ganz eigene Geschichte des jüngeren Städtebaus in Deutschland geschrieben. Es ist auf diese Weise eine ungewöhnliche Jubiläumsschrift zum inzwischen 50-jährigen Bestehen des ISW entstanden. In einer Mischung aus einer Beschreibung der Institutsgeschichte des ISW und einer Verknüpfung von zahlreichen Zitaten aus fast 200 Vorträgen, die von vielen bekannten Persönlichkeiten des Städtebaus stammen, stellt die frühere Institutsdirektorin Ingrid Krau die prägenden Themen des Städtebaus in Deutschland seit Anfang der 1960er Jahre vor.

Das Buch ist klar in drei Abschnitte gegliedert. in einem ersten Teil geht es um die Zeit von 1960 bis 1990, in der der Städtebau in Deutschland in zwei unterschiedlichen Gesellschaftssystemen stattfand. Da das ISW eine Weiterbildungseinrichtung für die Städtebauer der alten Bundesrepublik war, ist leicht verständlich, dass sich dieser Teil auf die westdeutsche Situation bezieht. Im zweiten Teil wird die Situation nach 1990 behandelt. Dabei wird die „Unkalkulierbarkeit der Entwicklung in der Nachwendezeit“ (s. 76) zum roten Faden dieses Teils. Schließlich werden in einem dritten Teil des Buches fünf Beiträge abgedruckt, die im Rahmen von sogenannten Abendforen im ISW in der jüngeren Zeit entstanden sind.

In den beiden ersten Abschnitten kommen viele verschiedene Aspekte des Städtebaus aus den jeweiligen Zeiten zur Sprache. Dies reicht etwa vom grundstücksbezogenen Planungswertausgleich oder der Funktionstrennung in den 1950er und 1960er Jahren über die Einführung von Partizipation und Entwicklungsplanung in den 1960er und 1970er Jahren bis zur Thematisierung der Stadtgestaltung bereits in den 1970er und 1980er Jahren. Oft ist der Leser überrascht, wie vorausschauend einzelne Themen bereits in früherer Zeit im ISW gesehen wurden. in den 1990er Jahren und im letzten Jahrzehnt waren es dann beispielsweise unterschiedliche, teils gegensätzliche Aspekte wie etwa die neue urbane „Entertainment“-Kultur oder auch die Prozessqualität in der Planung, die thematisiert wurden. Die Nennung aller Aspekte, die in dem Buch angesprochen werden, kann bei dem breiten Themenspektrum des ISW an dieser Stelle nicht vollständig sein und bleibt deshalb exemplarisch.

Gerade der zuletzt genannte Aspekt der Planungsprozesse und der Möglichkeiten der Einflussnahme auf Stadtentwicklung liegt Ingrid Krau besonders am Herzen. in einer kurzen Nachbemerkung zu den beiden ersten Teilen betont sie ausdrücklich den Prozesscharakter der Planung und nimmt dabei Bezug auf den Titel ihres Buches. Es heißt hier abgesetzt vom übrigen Text (S. 117): „Alle Bemühungen, die Stadt neu-, um- und weiterzubauen, kurz Städtebau, geschieht in aufwendigem Prozess. Seine Ergebnisse sehen am Ende anders aus, funktionieren anders und zeitigen andere Folgewirkungen als vorgedacht. Er erscheint als Folge betonter Kontinuität in den Handlungsmaximen, des Festhaltens am Bewährten, vorsichtiger Neuerungen in kleinen Schritten. Wo Transformation abrupt verlief, wurde sie nachfolgend abgestraft. Gegenüber einem übermächtigen Strukturwandel entsteht durch diese oft ungeliebten Abweichungen und Verzögerungen letzten Endes jene langfristig wirksame Transformation, die die Stadt wider aller Leitmaximen vielschichtig und anpassungsfähig macht und ihr zu Dauer und Zukunftsfähigkeit verhilft.“

Diese abschließenden Gedanken der beiden ersten Teile des Buches zum Verhältnis von aktiver und zielgerichteter Gestaltung zu den städtischen Entwicklungen, die nicht im Sinne der öffentlichen Entscheidungsträger laufen, werden in dem Buch auch an anderen Stellen angesprochen. So spielen die Aspekte der Stadtgestalt und der Stadtstruktur, der städtebaulichen Leitbilder und der integrierten Stadtentwicklungsplanung, der handelnden Persönlichkeiten und des Selbstverständnisses der Stadtplaner mehrfach in den beiden ersten Abschnitten eine wichtige Rolle und stellen den roten Faden des Buches – und gleichzeitig auch der Geschichte des ISW – dar. Zudem wird in dem gesamten Band deutlich, wie eng im ISW diese Aspekte und die jeweiligen Trends des Städtebaus über die gesamten 50 Jahre in einer Verbindung zur Weiterentwicklung des Städtebaurechts gesehen wurde. Es ist bemerkenswert, wie viele Juristen – sei es aus der Gesetzgebung, der Rechtsprechung oder der vollziehenden Verwaltung – sich im ISW in den letzten Jahren engagiert haben.

Abgeschlossen wird das Buch mit vier Beiträgen von Gerd Albers, Michael Krautzberger, Wolf Reuter und Klaus Selle sowie einem kleinen Beitrag von Ingrid Krau selbst. Die bekannten Persönlichkeiten des Städtebaus waren in den beiden letzten Jahren bei sogenannten Abendforen im ISW zu Gast und haben ihre Vorträge für das Buch in eine Schriftform gebracht. Gerd Albers stellt dabei kurz und prägnant die wichtigsten Stationen des westdeutschen Nachkriegsstädtebaus vor. Michael Krautzberger weist auf einige Zusammenhänge zwischen der Entwicklung des Städtebaurechts und planungspolitischen Strömungen in den letzten Jahren hin. Wolf Reuter beschäftigt sich in stärker theoretischer Weise mit dem Spannungsverhältnis von offenem Diskurs und Macht in der räumlichen Planung; Klaus Selle mahnt schließlich, den Begriff der Planung nicht überzustrapazieren und gleichzeitig die Rolle des Stadtplaners in einem Geflecht von unterschiedlichen Akteuren mit vielen anderen Interessen und Sichtweisen realistisch einzuschätzen. Hieran knüpft schließlich der letzte kleine Beitrag von Ingrid Krau selbst an, in dem sie einige Gedanken zum Verhältnis von Laienästhetik und professioneller Ästhetik entfaltet.

Es ist ein ungewöhnliches Buch entstanden, in dem – moderiert durch Ingrid Krau – eine Vielzahl an bekannten Stimmen zum Städtebau der Nachkriegszeit in den zahlreichen Zitaten zu Wort kommen. Es wird dabei sehr schön deutlich, wie eng ein Fortbildungsinstitut wie das ISW in den letzten 50 Jahren in die Herausbildung städtebaulicher Strömungen eingebunden war und die städtebaulichen Themen der jeweiligen Zeit mitbestimmt hat.

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