1. bookVolumen 69 (2011): Heft 5 (October 2011)
Zeitschriftendaten
License
Format
Zeitschrift
eISSN
1869-4179
Erstveröffentlichung
30 Jan 1936
Erscheinungsweise
6 Hefte pro Jahr
Sprachen
Deutsch, Englisch
Uneingeschränkter Zugang

Infrastruktur und Stadtentwicklung. Technische und soziale Infrastrukturen – Herausforderungen und Handlungsoptionen für Infrastruktur- und Stadtplanung

Online veröffentlicht: 31 Oct 2011
Volumen & Heft: Volumen 69 (2011) - Heft 5 (October 2011)
Seitenbereich: 351 - 352
Zeitschriftendaten
License
Format
Zeitschrift
eISSN
1869-4179
Erstveröffentlichung
30 Jan 1936
Erscheinungsweise
6 Hefte pro Jahr
Sprachen
Deutsch, Englisch

Libbe, Jens; Köhler, Hadia; Beckmann, Klaus J. (2011): Infrastruktur und Stadtentwicklung. Technische und soziale Infrastrukturen – Herausforderungen und Handlungsoptionen für Infrastruktur- und Stadtplanung

Berlin: Deutsches Institut für Urbanistik und Wüstenrot Stiftung. 496 S.

Städtische Infrastruktursysteme – Systeme der technischen Ver- und Entsorgung, der Erbringung von Transportdienstleistungen sowie der Versorgung mit sozialen Dienstleistungen – zählen zu den Grundvoraussetzungen einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Die Preise, die Qualität und die räumliche Verfügbarkeit ihrer Dienstleistungen, öffentliche und private Infrastrukturinvestitionen, aber auch die von ihnen transportierten Stoffströme und naturräumlichen Nutzungsformen beeinflussen die Stadtentwicklung in erheblichem Maße und sind zentraler Bestandteil kommunaler Daseinsvorsorge- und Umweltpolitik. Bedingt durch Kommerzialisierungs- und Privatisierungsprozesse, technische und institutionelle Innovationen der Infrastrukturversorgung, aber auch bedingt durch veränderte kommunale Rahmenbedingungen (etwa demographischer Wandel, kommunale Finanzknappheit, Klimawandel) befinden sich städtische Infrastrukturen in einem tiefgreifenden Wandel.

Diesen Transformationsprozessen städtischer Infrastruktursysteme widmet sich eine neue Publikation des Deutschen Instituts für Urbanistik im Auftrag der Wüstenrot Stiftung. Der tiefgreifende Wandel hat – so die Ausgangsthese der Studie – bedeutenden Einfluss auf die künftige Planung technischer und sozialer Infrastruktur und stellt die Städte vor neue, bislang wenig erforschte Herausforderungen in Infrastrukturplanung und Städtebau. Der Band liefert eine übersichtliche Zusammenstellung der Entwicklungen in den wichtigsten Sektoren der Infrastrukturversorgung, in denen die Kommunen entweder direkt als Leistungserbringer auftreten oder für deren Leistungen sie zumindest eine vergleichsweise weit reichende Gewährleistungsverantwortung übernehmen.

Die Autoren und die Autorin gehen wie folgt vor: Nach einer zusammenfassenden Übersicht definitorischer Grundlagen und der Hauptmerkmale technischer und sozialer Infrastrukturen und der jeweils charakteristischen Entwicklungsphasen wird der Wandel des ordnungspolitischen Rahmens kurz skizziert, und es wird ein Überblick zum Verhältnis von Infrastruktur- und Bauleitplanung in der kommunalen Planungspraxis gegeben. Dem folgt eine fundierte Beschreibung der aktuellen Situation in den relevanten Infrastrukturbereichen sowie eine Zusammenfassung wichtiger Herausforderungen der kommunalen Versorgung mit Infrastrukturdienstleistungen, etwa infolge des demographischen Wandels und veränderter Nachfragemuster, siedlungsstruktureller und sozialräumlicher Entwicklungen, wachsender Investitionsbedarfe und Infrastrukturfolgekosten, des Klimawandels und der Verknappung endlicher Ressourcen. In den folgenden beiden Hauptkapiteln werden die zentralen Problemfelder und Herausforderungen sowie die kommunalen Handlungsoptionen in der Energieversorgung, der Wasserver- und Abwasserentsorgung, im öffentlichen Personennahverkehr, in der Bildung an allgemeinbildenden Schulen sowie in der medizinischen Versorgung durch Hausärzte und kommunale Krankenhäuser einer detaillierten und zugleich sehr übersichtlichen Betrachtung unterworfen. Abschließend werden praxisrelevante Folgerungen für die Infrastrukturplanung und für die Erneuerung städtebaulicher Orientierungen gezogen.

Mit der Untersuchung der komplexen Wechselwirkungen zwischen Stadt- und Infrastrukturplanung und dem Wandel kommunaler Planung im Infrastrukturbereich greift das Buch einen wichtigen Forschungsbedarf auf. Gerade mit der sektorübergreifenden Perspektive und der Zusammenführung von ansonsten fast ausschließlich sektorspezifischen Diskussionssträngen liefert das vorliegende Werk einen wichtigen Beitrag zur aktuellen Infrastrukturdebatte. So ist es den Autoren und der Autorin gelungen, systematisch in übergreifende Entwicklungstrends und sektorale Spezifika der kommunalen Infrastrukturversorgung einzuführen und planerische Handlungsbedarfe und -möglichkeiten der Kommunen aufzuzeigen. Die Debatten in den jeweiligen Sektoren sind gut strukturiert und auf hohem fachlichem Niveau zusammengefasst. Der Band ist daher als Überblickswerk hervorragend geeignet, Informationen und Entscheidungshilfen für die kommunale Planung bereitzustellen. Zugleich ist das gut verständliche und klar strukturierte Werk in besonderer Weise als Lehrbuch für Studierende der Stadt- und Regionalplanung, der Geographie und verwandter Disziplinen zu empfehlen.

Kritisch anzumerken bleiben jedoch folgende Punkte: Erstens hätte durch eine stärkere Berücksichtigung der wissenschaftlichen Debatten zur Stadt- und Infrastrukturentwicklung im anglo-amerikanischen Raum und in anderen europäischen Nachbarländern das Thema noch fundierter behandelt und damit dem Theoriedefizit der deutschen Infrastrukturdebatte besser begegnet werden können. Zweitens erschließt sich der Mehrwert nicht, warum die stark pfadabhängigen und kapitalintensiven technischen Infrastruktursysteme gemeinsam mit sozialen Bildungs- und Gesundheitssystemen untersucht werden. Besonders die Ableitung von übergreifenden Handlungsempfehlungen für die kommunale Planung sozialer und technischer Infrastrukturen wird hierdurch unnötig erschwert. So hätten der Konkretisierungsgrad und der Anwendungsnutzen der „Infrastrukturplanungs-Checkliste“ sowie der Empfehlungen für die Gestaltung von Prozessen der Infrastrukturplanung durch eine Begrenzung auf technische oder soziale Infrastrukturen deutlich erweitert werden können. Schließlich werden die institutionellen und finanziellen Steuerungsressourcen der kommunalen Infrastruktur- und Raumplanung von dem Autorenteam tendenziell überschätzt. Gerade unter den veränderten Rahmenbedingungen (insbesondere der Liberalisierung und Privatisierung der Infrastrukturversorgung, der Haushaltskrise vieler Kommunen, der Einbindung in regionale Zusammenhänge) und dem wachsenden Modernisierungsbedarf im Infrastrukturbereich sollte kritisch überprüft werden, welche Aufgaben effizienter von anderen staatlichen Ebenen, von halbstaatlichen oder von privaten Akteuren wahrgenommen werden können, und welche Aufgaben künftig zum unverzichtbaren Kernbestand kommunaler Daseinsvorsorge- und Umweltpolitik gehören. Diese Kritikpunkte schmälern den Wert der Publikation jedoch nicht, und diese ist als Überblickswerk für die kommunale Planungspraxis und als Lehrbuch uneingeschränkt zu empfehlen.

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