1. bookVolumen 69 (2011): Heft 2 (April 2011)
Zeitschriftendaten
License
Format
Zeitschrift
eISSN
1869-4179
Erstveröffentlichung
30 Jan 1936
Erscheinungsweise
6 Hefte pro Jahr
Sprachen
Deutsch, Englisch
Uneingeschränkter Zugang

Perspektive Stadt

Online veröffentlicht: 30 Apr 2011
Volumen & Heft: Volumen 69 (2011) - Heft 2 (April 2011)
Seitenbereich: 135 - 136
Eingereicht: 24 Jan 2011
Akzeptiert: 04 Feb 2011
Zeitschriftendaten
License
Format
Zeitschrift
eISSN
1869-4179
Erstveröffentlichung
30 Jan 1936
Erscheinungsweise
6 Hefte pro Jahr
Sprachen
Deutsch, Englisch

Danielzyk, Rainer; Pesch, Franz; Sahnen, Heinz; Trommer, Sigurd (Hrsg.) (2010): Perspektive Stadt

Essen: Klartextverlag, 300 S.

„Brauchen wir ein Buch über Städtebau, in einer Zeit, in der man von Informationen eher überschwemmt wird als Mangel leidet?“ Mit dieser Frage eröffnen die Herausgeber Rainer Danielzyk, Franz Pesch, Heinz Sahnen und Sigurd Trommer den Band „Perspektive Stadt“ und greifen in ihren einleitenden Gedanken einen sehr weit gespannten Bogen grundlegender Themen der Entwicklung der europäischen Stadt auf. In Form von Fragen werden sowohl zentrale Herausforderungen und globale Phänomene sozialer, ökonomischer und ökologischer Art als auch die spezifischen Chancen des Organisationsmodells Stadt bei der Aktivierung aller Kräfte zur Erlangung einer guten Zukunft thematisiert. „Wir müssen lernen, was Stadt ist und bedeutet“, schlussfolgern die Herausgeber – der vorliegende Band soll dazu einen Beitrag leisten. Dabei scheint von Anfang an eine durchaus ungeklärte Ambivalenz des Begriffs Städtebau zwischen baulich-räumlicher Organisation und gesellschaftlich-politischer Entwicklung der Stadt zu bestehen, die in dem Band insgesamt durchscheint.

Der Leser findet im Weiteren ein Arrangement aus 25 Einzelbeiträgen, darunter beachtliche Fachaufsätze und Interviews mit Akteuren der Stadtentwicklung mit sehr unterschiedlicher fachlicher Perspektive und Position, aber auch fünf exemplarische Projektdarstellungen. Ohne dass dies explizit eingeführt wird, besteht sowohl bei den Autoren und Akteuren als auch bei den vorgestellten Projekten eine fast ausschließliche Fokussierung auf das Land Nordrhein-Westfalen, ergänzt durch Seitenblicke in nachbarschaftliche Gefilde, manifestiert vor allem durch einen umfangreichen und sehr illustrativen Beitrag von Wim van den Bergh zum Wohnen in den Niederlanden. Diese Fokussierung erklärt sich sowohl aus der Herkunft der Herausgeber als auch aus der Förderung der Veröffentlichung durch nordrhein-westfälische Institutionen; die Frage, ob dies dem generellen Ansatz einer Betrachtung der europäischen Stadt in ihren vielfältigen Facetten und heterogenen Entwicklungen insgesamt gerecht wird, wäre allerdings noch zu diskutieren.

Die Beiträge des Bandes „Perspektive Stadt“ sind grundsätzlich sinnfällig in die vier Teile Entwicklungen, Herausforderungen, Konzepte und Prozesse gegliedert. Der Teil „Konzepte“ nimmt dabei ungefähr die Hälfte des Gesamtumfangs ein. Insgesamt ist der Zusammenhang der Teile und auch der Beiträge eher locker, was sich noch dadurch verstärkt, dass die Herausgeber auf jegliche Einführung, Kommentierung oder Zusammenfassung der Teile verzichtet haben.

Im ersten Teil gelingt der thematische Bogen noch gut. Unter dem thematischen Dach „Entwicklungen“ wird von Helmut Böhme die städtebauliche Entwicklung der europäischen Stadt nachvollzogen, Walter Siebel greift die europäische Stadt als soziokulturelles Modell der Integration in ihren Entwicklungen, Trends und Perspektiven auf und Achim Dahlheimer beschäftigt sich mit aktuellen, sehr kritischen Überlegungen zu den Handlungsspielräumen der Kommunalpolitik und ihren Abwegen – unter anderem dargestellt am Beispiel des cross-border-leasing. Zwischen dem zweiten – „Herausforderungen“ – und dem unter dem Titel „Konzepte“ stehenden dritten Teil wird die Orientierung dann zunehmend schwieriger. Der zweite Teil ruft als wesentliche Herausforderungen mit den Themen Integration, Klimaschutz, Immobilienmärkte und soziokulturelle Entwicklung ein breites Spektrum sozialer, ökologischer und ökonomischer Herausforderungen auf. Im dritten Teil werden vor allen Dingen (städte-)bauliche und freiraumplanerische Themen diskutiert und in Projekten vorgestellt. Hier sind hochinteressante Artikel zu finden, zum Beispiel in Beiträgen von Christina Simon-Philipp zur Weiterentwicklung von Bildungsstandorten oder von Christa Reicher zur städtebaulichen Nutzungsmischung. Auch die eingefügten Projektdarstellungen, zum Beispiel zur kooperativen Weiterentwicklung eines Gesamtschulstandorts in Gelsenkirchen und zur Konversion eines montanindustriellen Standorts in Baesweiler, sind für sich betrachtet ausgesprochen lesenswert, ein Zusammenhang untereinander und der Bezug zu den eingangs aufgeworfenen Fragen ist aber nur teilweise erkennbar.

Im abschließenden Teil „Prozesse“ gelingt es mit den Beiträgen von Klaus Selle zur Beteiligung an Stadtentwicklungsprozessen und dem den Band abschließenden Aufsatz „Die Region ist die Stadt“ von Dirk Valleé durchaus, die Klammer zu schließen und die sich stellenden Herausforderungen in – maßstabsbezogen sehr unterschiedliche – Verfahrenskontexte zu stellen. Gerade der sehr umfangreiche und programmatische Beitrag von Dirk Valleé führt aber direkt zu der eingangs formulierten Frage, inwieweit für die Prozesse, die heute die Stadtentwicklung prägen, der Begriff Städtebau noch angemessen ist oder ob die von ihm konstatierte Ausrichtung der Arbeitsmärkte, der ökonomischen Strukturen und der alltäglichen Wege der Bewohner auf stadtregionale Zusammenhänge – er verwendet dafür den Begriff der regionalisierten Stadt – nicht eher mit einem regional orientierten Management zu beschreiben ist.

Insgesamt ist der Band „Perspektive Stadt“ in vielen Teilbeiträgen ausgesprochen wertvoll und lesenswert. Er vermittelt durch die collagenartige Form auch einen guten Einblick in die methodische und fachliche Vielfalt (auch Heterogenität und Widersprüchlichkeit) aktueller Fragen der Stadtentwicklung und die Verschiedenheit der Herangehensweisen. Angesichts der in den einleitenden Gedanken formulierten fundamentalen Fragestellungen wäre es aber durchaus wünschenswert gewesen, wenn ein stärkerer Bezug zwischen den Beiträgen gesucht worden wäre und auch an der einen oder anderen Stelle eine zusammenfassende Kommentierung im Sinne einer Einordnung erfolgt wäre.

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