1. bookVolumen 63 (2005): Heft 4 (July 2005)
Zeitschriftendaten
License
Format
Zeitschrift
eISSN
1869-4179
Erstveröffentlichung
30 Jan 1936
Erscheinungsweise
6 Hefte pro Jahr
Sprachen
Deutsch, Englisch
Uneingeschränkter Zugang

CO2 – Emissionshandel in Europa – Eine erste räumliche Bilanzierung

Online veröffentlicht: 31 Jul 2005
Volumen & Heft: Volumen 63 (2005) - Heft 4 (July 2005)
Seitenbereich: 297 - 307
Zeitschriftendaten
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eISSN
1869-4179
Erstveröffentlichung
30 Jan 1936
Erscheinungsweise
6 Hefte pro Jahr
Sprachen
Deutsch, Englisch
Einleitung

Mit der Ratifizierung durch die Russische Föderation ist das Kyoto-Protokoll am 16. Februar 2005 acht Jahre nach seiner Verabschiedung als globales Regelwerk zur Reduktion von Treibhausgasen in Kraft getreten.

Mit dieser Unterschrift sind die beiden Quoren des Vertragswerks (I. Ratifizierung durch mindestens 55 Vertragsstaaten; II. Beteiligung von 55% der C02-Emissionen der Annex I Staaten im Jahre 1990) erfüllt. Vgl. u. a. www.kyoto-protokoll.de

In dem Protokoll verpflichten sich die Industriestaaten verbindlich, ihre gemeinsamen Emissionen der sechs wichtigsten Treibhausgase - unter anderem Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4) und Lachgas (N2O) - im Zeitraum 2008 bis 2012 um mindestens 5 % unter das Niveau von 1990 zu senken.

Die einzelnen Wirtschaftsräume und Staaten leisten zur weltweiten Reduktion an Treibhausgasen unterschiedliche Beiträge: So werden zum Beispiel die Europäische Union rd. 8 % und Japan und Polen jeweils 6 % ihrer Treibhausgasemissionen reduzieren. Russland wird seine Menge an Emissionen im Vergleich zu 1990 konstant halten. Das Kyoto-Dokument nennt für die USA eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 7 %, die allerdings seitens der USA nichtakzeptiert und umgesetzt wird. Deutschland hat sich im Rahmen der EU-Lastenteilung bereiterklärt, bis 2012 insgesamt 21 % weniger klimaschädliche Gase als 1990 zu emittieren.

Vgl. BMU: Das Kyoto-Protokoll; Ein Meilenstein für den Schutz des Weltklimas. – Berlin 2005, S. 8

Mit Blick auf die instrumentelle Umsetzung und Erreichung der Ziele von Kyoto stehen flexible Mechanismen und die Einführung des Emissionshandels zwischen den Industriestaaten im Mittelpunkt. So wird die immer wieder geforderte Umweltpolitik mit klaren, nachprüfbaren Mengenzielen und ihrer effizienten Erreichung durch handelbare Emissionsberechtigungen Realität.

Die Grundidee einer Umweltpolitik mit Zertifikaten geht auf J. H. Dales zurück: Pollution Property and Prices, An Essay in Policy- Making and Economics. - Toronto 1968, insbesondere Kapitel V „The Property Interface“

Der Emissionshandel ist in Deutschland und Europa zum 1. Januar 2005 gestartet. Auf Basis der EU-Emissionshandelsrichtlinie

Richtlinie 2003/87/EG1

sind die nationalen Grundlagen bezüglich der Zuteilung der Emissionsberechtigungen und der detaillierten Bedingungen des nationalen und grenzüberschreitenden Austauschs von Emissionsberechtigungen entwickelt worden.

Vgl. die Climate Change-Homepage der Europäischen Union im Internet unter: http://europa.eu.int/comm/environment/climat/emission_plans.htm

Mit dieser qualitativ neuen Stufe der Klimapolitik stellt sich aus Sicht der Raumforschung unmittelbar die Frage, ob und in welchem Ausmaß eine neue raumwirksame Politikvariante entsteht. Die innere ökonomische Rationalität einer Klimapolitik mit Zertifikaten

Bonus, Holger: Über Schattenpreise von Umweltressourcen. Jb.f. Sozialwissenschaft. 1972. 23, 342–354

fordert folgende Arbeitshypothese geradezu heraus: Weil die wohlfahrtstheoretische Ableitung der gesamtwirtschaftlichen Effizienz des Emissionshandels auf dem Vorhandensein und der Ausnutzung unterschiedlicher Grenzkosten bei der Vermeidung von (Treibhausgas-) Emissionen basiert, hat die Einführung des Handels mit Treibhausgasemissionsberechtigungen zwangsläufig räumlich differenzierte Auswirkungen.

Dabei darf in einem Emissionshandelssystem der Zukauf von Zertifikaten nicht a priori mit „kaufen müssen“ und negativen ökonomischen Konsequenzen gleichgesetzt werden. Vielmehr ist im Vergleich zu anderen instrumentellen Lösungen von der positiv besetzten Chance auszugehen, Zertifikate kaufen zu können, um die noch höheren individuellen Kosten einer Emissionsvermeidung einzusparen. Auch ist zu sehen, dass die Zuteilung der Emissionsberechtigungen für die erste Handelsperiode 2005 bis 2007 kostenlos erfolgte.

Vor diesem Hintergrund erstreckt sich das Arbeitsprogramm für die Raumforschung von der Beschreibung der regionalen Verteilung der Emissionsberechtigungen über eine Analyse der beteiligten und indirekt betroffenen Branchen bis hin zu qualitativen Einschätzungen über die unternehmerischen Anpassungsprozesse in einer Welt des Emissionshandels.

Vgl. hierzu auch den Beitrag von Horst Zimmermann in diesem Heft, der einen grundsätzlichen Problemaufriss präsentiert. Die Analysen des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung setzen u. a. an diesen Überlegungen an und verwenden mittlerweile vorliegendes empirisches Material. Insofern ergänzen sich diese beiden Ausführungen zum Emissionshandel.Vgl. Kommission der Europäischen Gemeinschaften (2004): Mitteilung der Kommission über Hinweise zur Unterstützung der Mitgliedstaaten bei der Anwendung der in Anhang III der Richtlinie 2003/87/EG über ein System für den Handel mit Treibhausgasemissionszertifikaten in der Gemeinschaft; KOM (2003) 830

Mit dem vorliegenden Beitrag wird eine erste differenzierte sektorale und regionale Analyse des Emissionshandels für die EU- Staaten und für Deutschland vorgestellt. Neben einer Beschreibung der Funktionsweise des Emissionshandelssystems werden außerdem erste Ansätze für weitere raumwissenschaftliche Analysen dieses neuen Klimaschutzinstrumentes präsentiert.

Funktionsweise des Emissionshandels in Europa

Die EU-Emissionshandelsrichtlinie (Richtlinie 2003 /87/ EG) gibt Emissionsziele und den Weg zur Einrichtung des europäischen Emissionshandelssystems vor. Zur Unterstützung der Mitgliedstaaten bei der Vorbereitung des Emissionshandels sind in der Mitteilung der Kommission (KOM 2003, 830) Verfahren und Umsetzungsbedingungen detailliert aufbereitet.

Vgl. Kommission der Europäischen Gemeinschaften (2004): Mitteilung der Kommission über Hinweise zur Unterstützung der Mitgliedstaaten bei der Anwendung der in Anhang III der Richtlinie 2003/87/EG über ein System für den Handel mit Treibhausgase-missionszertifikaten in der Gemeinschaft; KOM (2003) 830

Danach hat jedes Mitgliedsland für die jeweilige Handelsperiode einen Nationalen Allokationsplan (NAP) aufzustellen, der von der Kommission zu genehmigen ist.

Ebda., Vgl. Kommission der Europäischen Gemeinschaften (2004): Mitteilung der Kommission über Hinweise zur Unterstützung der Mitgliedstaaten bei der Anwendung der in Anhang III der Richtlinie 2003/87/EG über ein System für den Handel mit Treibhausgase-missionszertifikaten in der Gemeinschaft; KOM (2003) S. 1: „Mit der Richtlinie 2003/87/EG1 wurde ein gemeinschaftsweites System für den Handel mit Treibhausgasemissions-zertifikaten geschaffen, das ab dem Jahr 2005 gilt. Gemäß Artikel 9 der Richtlinie muss jeder Mitgliedstaat in regelmäßigen Abständen einen nationalen Zuteilungsplan erstellen. Die Pläne müssen auf objektiven und transparenten Kriterien, einschließlich der in Anhang III der Richtlinie aufgelisteten Kriterien, basieren.“

Auf Basis dieser Pläne erfolgen die nationalen Zuteilungen der Emissionsberechtigungen an Unternehmen, welche wiederum das Mengengerüst für den nationalen Handel in der Handelsperiode abstecken.

Dieser Regelungsweg hat in der Praxis dazu geführt, dass es zwar als Meta-Regelung eine EU-Richtlinie gibt, aber zugleich 25 nationale Allokationspläne, die mit ihren nationalen Eigenheiten einzeln zu genehmigen sind. Dies hat entsprechende Harmonisierungsprobleme bei der Erstellung eines konsistenten institutionellen Rahmens für den europäischen Emissionshandel zur Folge: So wurden bei der Aufstellung und Genehmigung der Pläne für die Periode 2005-2007 unterschiedliche Referenzperioden genutzt. Auch wurden die Benchmarks zur Best AvailableTechnology nicht einheitlich gewählt und die verschiedenen Allokationsregeln unterschiedlich ausgestaltet. Abbildung 1 zeigt das System des europäischen Emissionshandels für CO2 in seinen Grundzügen.

Abbildung 1

Grundzüge des europäischen Emissionshandels für Treibhausgase

Quelle: In Anlehnung an Fichtner (2005): www.emissionshandelfichtner.de

Im Rahmen der Primärzuteilung sind die Energiebranche sowie ausgewählte emissionsintensive Branchen direkt betroffen. Da grundsätzlich alle juristischen und privaten Personen am Emissionshandel teilnehmen können, geht der Kreis der Beteiligten weit über die o. g. Branchen hinaus. Dies hat unmittelbar zur Folge, dass Analysen nicht in der Lage sind

Bei gegebener Datenbasis der Deutschen Emissionshandelsstelle beim Umweltbundesamt (DEHSt)

, die tatsächliche regionale Verteilung der Emissionsberechtigungen während der Handelsperioden aufzuzeigen. Es ist vielmehr nur möglich, die Ausgangsverteilung zu Beginn einer Handelsperiode und die hiervon betroffenen Branchen und Anlagen in ihrer regionalen Verteilung zu analysieren.

Ab dem 1. Januar 2005 müssen direkt betroffene Unternehmen über ihre Emissionen Buch führen und am Jahresende über die emittierten Treibhausgase einen Bericht vorlegen, der nach Art einer Rechnungsprüfung von einem Dritten überprüft wird. Gleichzeitig müssen die Mitgliedstaaten sicherstellen, dass sie im Besitz einer ausreichenden Anzahl von Zertifikaten sind, die sie jährlich abgeben können, um sich nicht der Gefahr von Geldbußen auszusetzen. Als erstes Abgabedatum ist der April 2006 vorgesehen. Ein Zertifikat berechtigt zur Emission einer Tonne CO2.

Die Mitgliedstaaten müssen jährlich Ende Februar entsprechend der endgültigen Zuteilung Zertifikate ausgeben, ein nationales Register führen, überprüfte Emissionsdaten erfassen und sicherstellen, dass von jedem Unternehmen eine ausreichende Anzahl von Zertifikaten eingelöst wird. Außerdem muss jeder Mitgliedstaat der Kommission einen ordnungsgemäßen Jahresbericht vorlegen.

Die, Kommission betreibt die europäische Zentralstelle des Registrierungssystems und erstellt jährlich einen Bericht auf Grundlage der Berichte der Mitgliedstaaten. Sie beobachtet das Funktionieren des Emissionshandelssystems genau und prüft die dabei gewonnenen Erfahrungen. Entsprechend den Bestimmungen der Richtlinie wird sie dem Rat und dem Parlament vor dem 30. Juni 2006 Bericht erstatten.

Vgl. EU-Kommission (2004): „Fragen und Antworten der EU-Kommission zum Emissionshandel“, Internet: http://europa. eu.int/rapid/pressReleasesAction.do?reference=MEMO/04/44& format=HTML&aged=1&language=DE&guiLanguage=en.

Neben den nationalen Systemen des Handels mit CO2 ist über das europäische Zentralregister auch eine grenzüberschreitende Flexibilisierung zur Erreichung der CO2-Ziele in der EU möglich. Jeder teilnehmende EU-Staat muss ein nationales Emissionshandelsregister führen. Das Zusammenspiel der nationalen Register verläuft über das europäische Zentralregister in Brüssel (Community Independent Transaction Log - CITL). Transaktionen sind sowohl zwischen den Konten eines nationalen Registers als auch zwischen den Konten in unterschiedlichen Registern der europäischen Mitgliedstaaten möglich. Das Zentralregister als Institution überprüft und bestätigt nationale und internationale Transaktionen, bevor diese ausgeführt werden.

Räumliche Aspekte des CO2-Emissionshandels in der EU

Für die erste Verpflichtungsperiode 2008-2012 (Zielhorizont Kyoto-Protokoll) sind verbindliche Reduktionspflichten für Treibhausgasemissionen der Industrieländer festgelegt. Die EU hat sich auf ein Minderungsziel von8 % während der Jahre 2008 bis 2012, bezogen auf das Niveau von 1990, verpflichtet. Im Rahmen der innereuropäischen Verhandlungen zur Festlegung der europäischen Lastenteilung zur Erreichung des Klimaschutzziels wurden die in Abbildung 2 aufgeführten Ergebnisse erzielt.

Abbildung 2

Europäisches Bürden Sharing (EU 15) im Rahmen des Kyoto-Protokolls

Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Nationaler Allokationsplan. - Bonn 2004

Mit Portugal, Griechenland, Spanien und Irland dürfen vier Länder der EU 15 ihre Treibhausgasemissionen bis 2012 noch deutlich erhöhen, was mit der europäischen Kohäsionspolitik in Einklang steht. Je nach wirtschaftlicher Entwicklung in diesen Ländern können die entsprechend verbrieften Emissionsrechte entweder für weiteres Wirtschaftswachstum mit zusätzlichen Emissionen eingesetzt oder aber auf dem europäischen CO2-Markt angeboten werden. Aus den aufgezeigten Reduktionsverpflichtungen ergeben sich somit erste Anhaltspunkte für mögliche grenzüberschreitende Transfers von Emissionsberechtigungen.

Mit Hilfe des Emissionshandels soll die Erreichung dieser Ziele wesentlich befördert werden. Mitte 2005 waren alle nationalen Allokationspläne von der Kommission genehmigt und Emissionsberechtigungen für rund 6,48 Mrd. t CO2 an 10.881 europäische Anlagen für die Jahre 2005 bis 2007 zugeteilt. Damit ist das Mengengerüst des europäischen Marktes für Treibhausgasemissionsrechte in der ersten Handelsperiode aufgestellt.

In das Handelssystem eingebunden sind Anlagen folgender energieintensiver Branchen, die bestimmte Größenkategorien überschreiten:

Vgl. Richtlinie 2003/87/EG1, Anhang 1

Feuerungen mit mehr als 20 MW thermisch

Mineralölraffinerien

Kokereien

Roheisen / Stahl (über 2,5 t pro Stunde)

Röst- und Sinteranlagen für Metallerz

Zement (mehr als 500 t pro Tag)

Kalk (mehr als 50 t pro Tag)

Glas (mehr als 20 t pro Tag)

Keramik (mehr als 75 t pro Tag)

Zellstoff

Papier (über 201 pro Tag).

Von den insgesamt EU-weit erfassten 10.881 Anlagen haben die meisten ihren Standort in Deutschland (1.849). Mit deutlichem Abstand folgen Italien (1.240) und das Vereinigte Königreich (1.055). Nach Malta mit nur zwei Anlagen entfallen die wenigsten Anlagen auf Zypern (13) und Luxemburg (19). Von den osteuropäischen Beitrittsländern weisen Polen (945) und die Tschechische Republik (477) die höchste Zahl an erfassten Anlagen auf. Hier ist Estland mit den wenigsten Anlagen (43) am Emissionshandel beteiligt, während Lettland, Litauen und Slowenien in etwa doppelt so viele angemeldet haben.

Karte 1 zeigt die europäische Verteilung der Emissionsberechtigungen für CO2, wie sie für die erste Handelsperiode 2005-2007 gültig ist. Außerdem ist erkennbar, welche nationalen Register bereits für internationale Transaktionen verfügbar sind. 23 % der Emissionsberechtigungen - d. h. pro Jahr rund 499 Mio. t - wurden Anlagen in Deutschland zugeteilt. Das Vereinigte Königreich sowie Polen und Italien erhielten nur halb so viele Emissionsberechtigungen. Mit deutlichem Abstand folgen Spanien (175 Mio.) und Frankreich (124 Mio.). Die wenigsten Emissionsberechtigungen verbucht Malta (2,9 Mio.), gefolgt von Luxemburg (3,4 Mio.), Lettland (4,6 Mio.) und Zypern (5,7 Mio.).

Karte 1

Über das Europäische Zentralregister verbundene nationale Register und Zuteilungsvolumen an Emissionsberechtigungen

Der grenzüberschreitende Handel mit Emissionsberechtigungen erfolgt über die Emissionshandelsregister der teilnehmenden Staaten. Mitte Juli 2005 waren die Register von Dänemark, den Niederlanden, Finnland, Schweden, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Österreich, Belgien, Irland und Spanien über das CITL verbunden und für Transaktionen zwischen Handelspartnern verfügbar.

Vgl. DEHSt (2005): Internet: http://www.dehst.de/cln_027/nn_ 76358/DE/Register/Register_node.html_nnn=true

Das bedeutet, dass zwischen diesen Ländern ein grenzüberschreitender Austausch von Emissionsberechtigungen bereits zulässig ist.Die Register der weiteren Mitgliedstaaten werden folgen.

Abbildung 3 dokumentiert, in welchem Ausmaß die europäischen Länder in den Emissionshandel eingebunden sind. Als Indikator dient die Zahl der zugeteilten Emissionsberechtigungen je Erwerbstätigen. Im europäischen Durchschnitt kommen für die gesamte Handelsperiode 2005-2007 auf einen Erwerbstätigen Emissionsberechtigungen über 34 t CO2. Die Wertereihe streut von 14 t für Lettland bis zu 95 t für Estland. Den zweithöchsten Wert weist mit deutlichem Abstand die Tschechische Republik (62 t) auf, gefolgt von Malta (58 t) und Finnland (59 t). Die Bundesrepublik Deutschland (42 t) liegt zusammen mit Ländern wie der Slowakei oder Belgien in einer Gruppe.

Abbildung 3

Emissionsberechtigungen je Erwerbstätigen in der EU

Quelle: eigene Berechnungen auf Basis DEHSt und EU-Kommission

Verteilung der Emissionsrechte für CO2-Emissionen in Deutschland
Institutioneller Rahmen in Deutschland

Für die Umsetzung der Richtlinie 2003/87/EG in Deutschland sind neben dem NAP-Gesetz das Treibhausgas-Emissionshandelsgesetz (TEHG) und das Zuteilungsgesetz (ZuG, 2007) von zentraler Bedeutung. TEHG und ZuG bestimmen, wer unter welchen Voraussetzungen am Emissionshandel beteiligt ist und mit welcher Primärausstattung an Emissionsrechten die einzelnen Akteure in das Handelsregime eintreten. Darüber hinaus wurde das sog. Projekt-Mechanismen- Gesetz (ProMechG) beschlossen, das eine Verknüpfung des EU-Emissionshandels mit den Clean Development- Mechanismen und Maßnahmen des Joint Implementation ermöglicht. Dies bedeutet, dass Unternehmen künftig handelbare Emissionsgutschriften aus Klimaschutzprojekten im Ausland nutzen können. Außerdem werden für die nächste Zuteilungsperiode (2008-2012) der NAP II und das ZuG 2012 sowie das Klimaschutzberichterstattungsgesetz (KSPG) vorbereitet.

Nach derTestphase zwischen 2005 und 2007 ist die erste verpflichtende und entsprechend sanktionierbare Budget-Periode von 2008 bis 2012 definiert. In diesem Zeitraum sind auch die jeweiligen nationalen Kyoto-Ziele zu erreichen.

Die Bundesregierung hat für Deutschland die folgenden zulässigen CO2-Emissionen verbindlich festgelegt: Zwischen dem 1. Januar 2005 und dem 31. Dezember 2007 sind 859 Mio. t CO2 pro Jahr zulässig und für den gleichen Zeitraum 2008-2012 844 Mio. t (Tab. I).

Vgl. ZuG 2007, §4, Abs. 1

Der Zielwert für das Jahr 2012 entspricht dem deutschen Part innerhalb des europäischen Bürden Sharing, seine Emissionen gegenüber1990 um 21 % zu reduzieren. Diese allgemeinen CO2-Reduktionsziele sind auf Sektoren und Jahreswerte bezogen weiter spezifiziert worden.

Von den 2005-2007 insgesamt verfügbaren 503 Mio. Emissionsberechtigungen für Energie und Industrie wurden 495 Mio. über die direkte Zuteilung an Anlagen ausgegeben. Die übrigen Emissionsberechtigungen fungieren insbesondere als Reserve für potenzielle Neuanlagen, die in dieser Zeit in Betrieb gehen.

Zulässige CO2-Emissionen in Mio. Tonnen pro Jahr

Sektoren

Periode 2005-2007

Periode 2008-2012*

Energie und Industrie

503

495

andere Sektoren

356

349

  davon

 – Verkehr und Haushalte

  298

  291

 – Gewerbe, Handel,

Dienstleistungen

  58

  58

Summe

859

844

Die Ziele werden bei Beschluss des Nationalen Zuteilungsplanes für 2008-2012 nach §7 TEHG im Jahr 2006 überprüft.

Quelle: § 4 Zuteilungsgesetz 2007 (ZuG, 2007) und Nationaler Allokationsplan 2004

Die von den Unternehmen beantragte Menge an Emissionsberechtigungen überstieg das zulässige Maximal- Budget zur Zielerreichung für die erste Handelsperiode bis 2007. Pro Jahr lag die beantragte Emissionsmenge ca. 14,1 Mio. t oberhalb der zulässigen Größe von 495 Mio. t. Entsprechend greift die Regelung zur anteiligen Kürzung nach § 4 (4) ZuG, 2007.

Vgl. DEHSt: Emissionshandel in Deutschland: Verteilung der Emissionsberechtigungen für die erste Handelsperiode 2005–2007, Daten und Fakten zur Zuteilung der Emissionsberechtigungen an 1.849 Anlagen. – Berlin 2004, S. 4 ff.

Bei der abschließenden Mengenzuteilung für die erste Handelsperiode musste der sog. Makroplan des Nationalen Allokationsplanes mit dem Mikroplan verknüpft und abgeglichen werden. Für die Anlagenausstattung mit Emissionsberechtigungen wurden

die Emissionen der Basisperiode (2000-2002) ins Verhältnis zu dem für die Periode 2005-2007 definierten Emissionsbudget für die Sektoren Energie und Industrie gesetzt und

unter Berücksichtigung der Sonderzuteilungen (prozessbedingte Emissionen, Early Action, Kraft-Wärme-Kopplung) und der Reserven für Newcomer der Erfüllungsgrad für die nicht prozessbedingten Emissionen ermittelt.

Im Ergebnis führte dies dazu, dass die individuelle Zuteilung für alle Anlagen mit nicht prozessbedingten Emissionen (Zuteilung ohne Sonderregelung) für die Jahre 2005 bis 2007 um 2,35 % niedriger ausgefallen ist als die entsprechenden Emissionen in der Basisperiode.

Vgl. BMU: Nationaler Allokationsplan. – Berlin 2004, S. 52

Das bedeutet, dass der Emissionshandelssektor eine CO2-Minderungsleistung von 2,35% gegenüber den durchschnittlichen Emissionen der Jahre 2000 bis 2002 erbringen muss.

Sektorale Struktur der Emissionsberechtigungen 2005-2007

Branche

Emissionsberechtigungen

abs.

in %

Verbrennung insgesamt

1 169 111 745

78,7

darunter Energiewirtschaft

996 673 647

67,1

  Verbrennung sonstige

173 227 848

11,7

Raffinerie

73 322 757

4,9

Kokerei

25 651 995

1,7

Sinteranlagen

17 620 617

1,2

Eisen/Stahl

58 260 414

3,9

Zement/Kalk

97 446 669

6,6

Glas

13 958 253

0,9

Keramik

7 663 188

0,5

Zellstoff/Papier

19 692 681

1,3

Sonstige

1 702 653

0,1

Insgesamt

1 485 220 722

100,0

Quelle: eigene Auswertung der Anlagen- und Zuteilungsliste der DEHSt vom 28.2.2005

Der überwiegende Teil der bundesweit zugeteilten Emissionsberechtigungen entfällt auf Anlagen zur Verbrennung von fossilen Brennstoffen. Allein der Bereich Energieversorgung (einschl. Stadtwerke) verbucht einen Anteil von 67 %. Außerdem wurden rund 12 % der Berechtigungen an Unternehmen verschiedener Branchen (z.B. Dienstleistungen, Flughäfen) vergeben, die eigene Anlagen zur Energieerzeugung betreiben. Mit deutlichem Abstand folgen die Branchen Kalk/Zement (6,6%), Eisen/Stahl und Raffinerie (4,9%). Kokereien und Sinteranlagen erhielten zusammen gut 3 % aller Emissionsberechtigungen.

Regionale und sektorale Struktur der Emissionsberechtigungen nach Ländern

Für eine erste Einschätzung der raumordnungspolitischen Bedeutung des Emissionshandels ist zunächst die. regionale Verteilung der erfassten Anlagen und zugeteilten Emissionsberechtigungen nach Ländern hilfreich. So wurden rd. 19 % der Emissionsberechtigungen nach dem Early-Action-Prinzip zugeteilt (§ 12 ZuG). Von diesen entfallen beinahe 84 % - absolut 279 Mio. - auf Ostdeutschland, da dort der Aufbau eines neuen Kapitalstocks in den letzten Jahren bereits zu einer merklichen Reduktion der CO2-Emissionen geführt hat. Anlagen, die unter das Early-Action-Prinzip fallen, müssen im Zeitraum 2005-2007 keine Minderungsleistung erbringen.

Betrachtet man die insgesamt zugeteilten Emissionsberechtigungen, so liegt der eindeutige regionale Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen, wo fast ein Viertel der im Emissionshandel erfassten Anlagen verortet ist. Das Land erhielt aufgrund seiner Sektor- und Größenstruktur rd. 44 % aller Emissionsberechtigungen (absolut 653 Mio. oder 1,5 Mio. je Anlage). Bei der Zahl der Emissionsberechtigungen steht Brandenburg mit 160 Mio. an zweiter Stelle, worin sich die Bedeutung der großbetrieblich strukturierten Energiewirtschaft an der brandenburgischen Wirtschaftsstruktur ausdrückt. So wurden je erfasste Anlage durchschnittlich rund 2,1 Mio. Emissionsberechtigungen zugeteilt.

Mit deutlichem Abstand folgen die Länder Niedersachsen (104 Mio.) und Sachsen (99 Mio.). Letzteres belegt zudem bei der durchschnittlichen Zahl der Emissionsberechtigungen je Anlage (1 Mio.) im bundesweiten Vergleich den fünften Platz.

Baden-Württemberg (88 Mio.) und Bayern (78 Mio.) haben zusammen rund 12 % aller bundesweiten Emissionsberechtigungen erhalten, wobei die durchschnittliche Zahl der Emissionsberechtigungen je Anlage merklich niedriger ist als im gesamtdeutschen Durchschnitt. Ein anderes Bild erhält man für das Saarland (53 Mio.) und Bremen (35 Mio.), die gemeinsam mit Nordrhein- Westfalen von den alten Ländern die höchsten Zuteilungen je Anlage aufweisen. Im Saarland (1,7 Mio. EB je Anlage) sind hierfür vor allem Großbetriebe der Energiewirtschaft sowie der Eisen- und Stahlindustrie ursächlich. Bei Bremen (1,2 Mio. EB je Anlage) dürfte insbesondere der Besatz mit Sinteranlagen und Anlagen der Energiewirtschaft eine Rolle spielen.

Abbildung 4

Emissionsberechtigungen in Mio. t nach Early-Action-Sonderzuteilung, nach Ländern

Quelle: DEHSt: Emissionshandel in Deutschland: Verteilung der Emissionsberechtigungen für die erste Handelsperiode 2005-2007, Daten und Fakten zur Zuteilung der Emissionsberechtigungen an 1 849 Anlagen. - Berlin 2004, S. 11

Die Länder Thüringen (12 Mio.) und Mecklenburg-Vorpommern (11 Mio.) sind aufgrund ihrer Wirtschaftsstruktur hingegen deutlich schwächer in den Emissionshandel eingebunden. Auch sind die erfassten Branchen weniger großbetrieblich strukturiert. Auf beide Länder zusammen entfallen in etwa so viele Emissionsberechtigungen wie auf Schleswig-Holstein oder Rheinland- Pfalz.

Bundesweit wurden die meisten Emissionsberechtigungen für Anlagen zur Verbrennung zugeteilt. Ihr Anteil streut von rund 52 % für Thüringen und Bremen bis zu fast 99 % für Mecklenburg-Vorpommern. In diese Kategorie werden alle Verbrennungsanlagen mit einer thermischen Leistung von mehr als 20 MW subsumiert. Die Bandbreite reicht vom Braunkohlekraftwerk über Blockheizkraftwerke bis hin zu Trocknungsanlagen und Anlagen zur Energieerzeugung in Unternehmen. Betrachtet man nur den Bereich der Energieversorgung - d.h. Energieversorgungsunternehmen und Stadtwerke - so streut dessen relativer Anteil an den Emissionsberechtigungen von rund 34 % für Bremen und Niedersachsen über 73 % für Nordrhein-Westfalen bis zu fast 98 % für Berlin.

Karte 2

Sektorale Struktur der Emissionsberechtigungen nach Ländern

Des Weiteren sind einzelne Besonderheiten zwischen den Ländern erkennbar, die sich aus den Unterschieden in der regionalen Wirtschaftsstruktur erklären. So erhielten in Hamburg der Bereich „Raffinerie“ mit 46 % und in Niedersachen der Bereich „Verbrennung in sonstigen Branchen“ mit gut 37 % die meisten Emissionsberechtigungen. Im Saarland (37,5 %) und Niedersachsen (12,2 %) liegt ein weiterer Schwerpunkt auf der Eisen- und Stahlindustrie, und bei Bremen entfallen fast 30 % der Emissionsberechtigungen auf Sinteranlagen. Auf die Herstellung von Kalk und Zement entfallen in sieben Ländern mehr als 11 % der Emissionsberechtigungen. Die Spanne reicht von rund 11 % für Hessen und Baden-Württemberg bis zu gut 26 % für Thüringen.

Karte 3

Emissionsberechtigungen 2005-2007 je Erwerbstätigen nach Raumordnungsregionen

Regionale und sektorale Struktur der Emissionsberechtigungen nach Raumordnungsregionen

Als Indikator für die Einbindung der deutschen Regionen in den Emissionshandel dient zunächst die Zahl der für den Zeitraum 2005-2007 erteilten Emissionsberechtigungen je Erwerbstätigem.

Die für die gesamte Handelsperiode zugeteilten Emissionsberechtigungen wurden auf die Erwerbstätigen aus dem Jahre 2003 bezogen. Alternativ hätte man die Zahl der Emissionsberechtigungen auf das Bruttoinlandsprodukt (2002) beziehen können. Erwartungsgemäß ist das regionale Muster in beiden Fällen identisch (r = 0,99). Im gesamtdeutschen Durchschnitt kommen auf 1 000 Euro BIP rund 0,7 t Emissionsberechtigungen an CO2. Die Wertereihe streut von Emissionsberechtigungen für rund 101CO2 je 1 000 Euro BIP für Lausitz-Spreewald bis zu 0 für Schwarzwald- Baar-Heuberg.

Im gesamtdeutschen Durchschnitt liegt diese Relation bei rund 39; d.h. je Erwerbstätigem wurden Emissionsberechtigungen an CO2 in Höhe von rund 391 vergeben. Ausgehend von diesem gesamträumlichen Durchschnitt werden die Raumordnungsregionen sechs Klassen zugeordnet. In Tabelle 5 ist zusätzlich für die Regionen mit einer hohen Einbindung aufgelistet, welchen Anteil die jeweilige Region differenziert nach Sektoren an den bundesweit zugeteilten Emissionsberechtigungen hat. In der Gesamtschau wird erkennbar, wie die Einbindung der einzelnen Raumordnungsregionen in Abhängigkeit vom regionalen Branchenbesatz variiert und welche Sektoren hierfür ursächlich sind.

Regionaler Konzentrationsgrad der Emissionsberechtigungen nach Sektoren und ausgewählten Raumordnungsregionen

Raumordnungsregion

Emissionsberechtigungen

Regionaler Anteil an den bundesweit zugeteilten Emissionsberechtigungen nach Sektoren in %

je Erwerbstätigen 2003

je 1000 Euro BIP 2003

Energie wirt schaft

sonstige Ver bren nung

Raffi nerie

Kokerei

Eisen/ Stahl

Sinter anlagen

Zement/ Kalk

Glas

Zellstoff u. Papier

Lausitz-Spreewald

445

10,3

12,0

0,3

0,0

0,0

0,0

0,0

0,0

2,4

0,0

Oberlausitz-Niederschlesien

187

5,1

4,6

1,3

0,0

0,0

0,0

0,0

0,0

1,2

0,0

Emscher-Lippe

151

3,0

4,0

0,5

19,2

3,6

0,0

0,0

0,0

7,8

0,0

Duisburg/Essen

131

2,4

4,8

18,6

0,1

85,2

38,2

6,1

0,0

5,4

0,3

Köln

125

2,0

10,9

6,3

20,2

0,0

0,0

0,0

0,0

4,7

6,0

Uckermark-Barnim

124

2,7

0,0

4,5

7,2

0,0

0,0

0,0

0,0

0,0

3,3

Aachen

119

2,3

5,7

1,1

0,0

0,0

0,0

0,0

0,9

7,4

5,6

Oderland-Spree

115

2,6

0,8

0,0

0,0

0,0

0,0

35,8

5,9

0,8

0,0

Halle/S.

113

2,6

2,4

2,0

9,3

0,0

0,0

0,0

4,5

0,0

0,4

Saar

107

2,1

2,8

1,6

0,0

11,2

34,3

0,0

0,0

0,4

0,0

Bremen

107

1,7

2,4

0,4

0,0

0,0

0,0

58,2

0,0

0,0

0,0

Braunschweig

98

1,7

0,9

16,6

0,0

0,0

21,1

0,0

1,4

0,2

0,0

Düsseldorf

95

1,5

12,7

4,6

0,0

0,0

0,3

0,0

7,4

6,1

1,0

Dortmund

87

1,6

4,3

0,4

0,0

0,0

0,0

0,0

0,0

1,3

0,0

Westsachsen

82

2,1

3,8

0,2

0,0

0,0

0,0

0,0

0,0

4,1

3,7

Schleswig-Holstein Süd-West

81

1,4

0,1

1,2

2,7

0,0

0,0

0,0

3,9

0,0

0,3

Ost-Friesland

59

1,2

1,1

0,2

4,1

0,0

0,0

0,0

0,0

0,0

5,3

Quelle: eigene Auswertung der Anlagen- und Zuteilungsliste der DEHSt vom 28.2.2005

Mit Emissionsberechtigungen über 4451CO2 je Erwerbstätigen ist die Region Lausitz-Spreewald von allen deutschen Regionen am stärksten in den Emissionshandel eingebunden. Allein 12 % aller bundesweit für die Energiewirtschaft vergebenen Emissionsberechtigungen entfallen auf diese Region. Mit Oberlausitz- Niederschlesien und Emscher-Lippe (187 bzw. 151 EB je Erwerbstätigen) folgen je eine west- und ostdeutsche Region, deren Einbindung jedoch nur halb so hoch ist wie die von Lausitz-Spreewald. Bei Oberlausitz-Niederschlesien ist der Besatz mit Energiewirtschaft ursächlich und bei Emscher-Lippe sind es zusätzlich Raffinerien, Kokereien und Anlagen zur Herstellung von Glas. So entfallen fast 8 % aller bundesweiten Emissionsberechtigungen für die Glasindustrie auf diese Region.

Insgesamt acht Raumordnungsregionen zählen zur Gruppe mit der Zweithöchsten Einbindung in den Emissionshandel. Die Werte streuen von Emissionsberechtigungen über 1071CO2 je Erwerbstätigen für Bremen bis zu 131 für Duisburg/Essen. Im Fall von Duisburg/ Essen ist vor allem - ebenso wie bei der Region Saar - der Besatz mit Kokereien und Anlagen zur Herstellung von Stahl und Eisen ursächlich. Bei Bremen sind es Sinteranlagen und im Kölner Fall schlagen neben der Energiewirtschaft zusätzlich Raffinerien und Anlagen zur Herstellung von Glas sowie Zellstoff und Papier zu Buche. Von den drei ostdeutschen Regionen aus dieser Gruppe ist Uckermark-Barnim als Raffineriestandort mit Emissionsberechtigungen über 1241CO2 je Erwerbstätigen am stärksten in den Emissionshandel eingebunden. Bei der Region Halle / Saale sind neben Raffinerien zusätzlich AnlagenzurHerstellungvonZement/Kalkentscheidend. Dies gilt auch für Oderland-Spree, wobei hier aber in erster Linie der Besatz mit Sinteranlagen ausschlaggebend ist. Fast 36 % aller bundesweit für diese Anlagen vergebenenEmissionsberechtigungenentfallenauf diese Region.

Mit Ausnahme der Region Westsachsen zählen zur Gruppe mit der dritthöchsten Einbindung in den Emissionshandel nur westdeutsche Regionen. Die Spanne reicht von Emissionsberechtigungen über 59 t CO2 je Erwerbstätigen für Ost-Friesland als Raffineriestandort bis zu 98 für Braunschweig. Auf letztere entfällt gut ein Fünftel aller bundesweit für Eisen und Stahl zugeteilten Emissionsberechtigungen. Mit einem Indikatorwert von 95 Emissionsberechtigungen je Erwerbstätigen folgt Düsseldorf, dessen Einbindung in erster Linie aus dem Besatz mit Betrieben der Energiewirtschaft sowie Anlagen zur Herstellung von Zement/Kalk und Glas resultiert. Anlagen zur Herstellung von Zement/Kalk schlagen neben Raffinerien auch bei Schleswig-Holstein Süd-West zu Buche.

Aus den bisherigen Ausführungen wurde bereits deutlich, dass die in den Emissionshandel einbezogenen Sektoren regional unterschiedlich konzentriert sind. Am höchsten ist der regionale Konzentrationsgrad bei Kokereien, Sinteranlagen und Eisen/Stahl. Demgegenüber ist die regionale Konzentration der Emissionsberechtigungen für Anlagen zur Herstellung von Zement/Kalk, Glas, Keramik sowie Zellstoff und Papier deutlich geringer. Bei der Herstellung von Zement/Kalk fallen die Regionen Münster (12,9 %), Arnsberg (9,7 %) und Düsseldorf (7,4 %) heraus. Bei Glas verbuchen die drei Regionen Oberpfalz, Emscher-Lippe und Aachen zusammen rund ein Viertel aller bundesweit erteilten Emissionsberechtigungen. Bei den Anlagen zur Herstellung von Zellstoff und Papier ist der regionale Konzentrationsgrad mit rund 27 % etwas höher. Als Standorte dieser Branche sind insbesondere die Regionen Altmark aus Sachsen-Anhalt sowie Mittlerer Oberrhein und Ostthüringen zu nennen.

Ausblick auf weitere Analysen

Mit dem Emissionshandelssystem wird angestrebt, politisch gesetzte Klimaschutzziele gesamtwirtschaftlich kostenminimal zu erreichen. Die Einbindung einzelner Branchen und Unternehmen in den Emissionshandel hängt von der Kohlenstoffintensität der eingesetzten Produktionsverfahren und der Substituierbarkeit des Kohlenstoffverbrauchs, dem umwelttechnischen Fortschritt und den künftigen Wachstumsaussichten ab.

In der Makrobetrachtung zeigt sich folgender Zusammenhang zwischen Mengenziel (in Emissionsberechtigungen) und gesamtwirtschaftlicher Produktion:

EB = spezifische Emission je Tonne Output • Outputmenge.

Der betriebs- bzw. produktionsbedingte Ausstoß kann je nach zeitlicher Entwicklung des technischen Fortschritts und der Umsatzentwicklung des betreffenden Unternehmens variieren. Dabei bestimmt der technische Fortschritt die spezifischen Emissionen an CO2: Diese können umso weiter gesenkt werden, desto leichter Brennstoffsubstitutionen in Richtung eines geringeren Kohlenstoffgehalts möglich sind. Produktionsprozesse, die durch ein limitationales Verhältnis zwischen Produktionsoutput und Kohlenstoffinput geprägt sind, können ihre spezifischen Emissionen nur eingeschränkt reduzieren. Dies gilt beispielsweise für die Produktion von Eisen und Stahl.

Vor diesem Hintergrund ist eine erste Einschätzung über zu vermutende Käufer- und Verkäuferbranchen nur möglich auf der Grundlage von Aussagen über den zu erwartenden branchenspezifischen technischen Fortschritt. Außerdem sind branchenbezogene Wachstumsprognosen zu nutzen, um Aussagen über die Outputmengen in die Analyse zu integrieren.

Aber selbst wenn Käufer- und Verkäuferpositionen abgeschätzt werden können, ist die raumwirtschaftliche Inzidenz nicht ausreichend beschrieben. Theoretisch muss sich eine Analyse der entstehenden Zusatzkosten sowie der resultierenden Preiseffekte für die einzelnen Branchen anschließen, um Anhaltspunkte für geänderte Wettbewerbspositionen von Branchen und Regionen zu erhalten.

Um außerdem tatsächlich die Effekte des Emissionshandels oder allgemeiner der Klimaschutzpolitik identifizieren zu können, müssten Entwicklungen im Bereich des sog. autonomen technischen Fortschritts von denen des klimapolitisch induzierten technischen Fortschritts isoliert werden, was in der Praxis kaum möglich sein dürfte.

Mit zunehmender Dauer des Emissionshandels werden sich weitere Anhaltspunkte für empirische Analysen ergeben. Die Impulse des Emissionshandels werden sich über weite Teile der Volkswirtschaften in Europa verteilen. Wenn Mitte 2005 bereits rund 8 Millionen Emissionsberechtigungen gehandelt worden sind, mag das bei einer Gesamtsumme von rd. 1,5 Mrd. zugeteilten Emissionsberechtigungen in Deutschland noch zurückhaltend bewertet werden. Ebenso sind die zu beobachtenden Kursentwicklungen in den ersten Handelsmonaten von 9 € je Tonne CO2 auf zwischenzeitlich über 30 € nur begrenzt interpretationsfähig, weil Lerneffekte und ein vorsichtiges Abtasten im neuen Spiel des Emissionshandels noch dominieren dürften. Auf der anderen Seite scheint das neue marktorientierte Instrument der Klimaschutzpolitik doch bereits die Sensoren der Märkte in einer Form sensibilisiert zu haben, die erkennen lässt, dass eine Internalisierung negativer Effekte des CO2-Ausstoßes in die internationalen Marktentscheidungen gelingen kann.

Abbildung 1

Grundzüge des europäischen Emissionshandels für TreibhausgaseQuelle: In Anlehnung an Fichtner (2005): www.emissionshandelfichtner.de
Grundzüge des europäischen Emissionshandels für TreibhausgaseQuelle: In Anlehnung an Fichtner (2005): www.emissionshandelfichtner.de

Abbildung 2

Europäisches Bürden Sharing (EU 15) im Rahmen des Kyoto-ProtokollsQuelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Nationaler Allokationsplan. - Bonn 2004
Europäisches Bürden Sharing (EU 15) im Rahmen des Kyoto-ProtokollsQuelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Nationaler Allokationsplan. - Bonn 2004

Karte 1

Über das Europäische Zentralregister verbundene nationale Register und Zuteilungsvolumen an Emissionsberechtigungen
Über das Europäische Zentralregister verbundene nationale Register und Zuteilungsvolumen an Emissionsberechtigungen

Abbildung 3

Emissionsberechtigungen je Erwerbstätigen in der EUQuelle: eigene Berechnungen auf Basis DEHSt und EU-Kommission
Emissionsberechtigungen je Erwerbstätigen in der EUQuelle: eigene Berechnungen auf Basis DEHSt und EU-Kommission

Abbildung 4

Emissionsberechtigungen in Mio. t nach Early-Action-Sonderzuteilung, nach LändernQuelle: DEHSt: Emissionshandel in Deutschland: Verteilung der Emissionsberechtigungen für die erste Handelsperiode 2005-2007, Daten und Fakten zur Zuteilung der Emissionsberechtigungen an 1 849 Anlagen. - Berlin 2004, S. 11
Emissionsberechtigungen in Mio. t nach Early-Action-Sonderzuteilung, nach LändernQuelle: DEHSt: Emissionshandel in Deutschland: Verteilung der Emissionsberechtigungen für die erste Handelsperiode 2005-2007, Daten und Fakten zur Zuteilung der Emissionsberechtigungen an 1 849 Anlagen. - Berlin 2004, S. 11

Karte 2

Sektorale Struktur der Emissionsberechtigungen nach Ländern
Sektorale Struktur der Emissionsberechtigungen nach Ländern

Karte 3

Emissionsberechtigungen 2005-2007 je Erwerbstätigen nach Raumordnungsregionen
Emissionsberechtigungen 2005-2007 je Erwerbstätigen nach Raumordnungsregionen

Sektorale Struktur der Emissionsberechtigungen 2005-2007

Branche

Emissionsberechtigungen

abs.

in %

Verbrennung insgesamt

1 169 111 745

78,7

darunter Energiewirtschaft

996 673 647

67,1

  Verbrennung sonstige

173 227 848

11,7

Raffinerie

73 322 757

4,9

Kokerei

25 651 995

1,7

Sinteranlagen

17 620 617

1,2

Eisen/Stahl

58 260 414

3,9

Zement/Kalk

97 446 669

6,6

Glas

13 958 253

0,9

Keramik

7 663 188

0,5

Zellstoff/Papier

19 692 681

1,3

Sonstige

1 702 653

0,1

Insgesamt

1 485 220 722

100,0

Regionaler Konzentrationsgrad der Emissionsberechtigungen nach Sektoren und ausgewählten Raumordnungsregionen

Raumordnungsregion

Emissionsberechtigungen

Regionaler Anteil an den bundesweit zugeteilten Emissionsberechtigungen nach Sektoren in %

je Erwerbstätigen 2003

je 1000 Euro BIP 2003

Energie wirt schaft

sonstige Ver bren nung

Raffi nerie

Kokerei

Eisen/ Stahl

Sinter anlagen

Zement/ Kalk

Glas

Zellstoff u. Papier

Lausitz-Spreewald

445

10,3

12,0

0,3

0,0

0,0

0,0

0,0

0,0

2,4

0,0

Oberlausitz-Niederschlesien

187

5,1

4,6

1,3

0,0

0,0

0,0

0,0

0,0

1,2

0,0

Emscher-Lippe

151

3,0

4,0

0,5

19,2

3,6

0,0

0,0

0,0

7,8

0,0

Duisburg/Essen

131

2,4

4,8

18,6

0,1

85,2

38,2

6,1

0,0

5,4

0,3

Köln

125

2,0

10,9

6,3

20,2

0,0

0,0

0,0

0,0

4,7

6,0

Uckermark-Barnim

124

2,7

0,0

4,5

7,2

0,0

0,0

0,0

0,0

0,0

3,3

Aachen

119

2,3

5,7

1,1

0,0

0,0

0,0

0,0

0,9

7,4

5,6

Oderland-Spree

115

2,6

0,8

0,0

0,0

0,0

0,0

35,8

5,9

0,8

0,0

Halle/S.

113

2,6

2,4

2,0

9,3

0,0

0,0

0,0

4,5

0,0

0,4

Saar

107

2,1

2,8

1,6

0,0

11,2

34,3

0,0

0,0

0,4

0,0

Bremen

107

1,7

2,4

0,4

0,0

0,0

0,0

58,2

0,0

0,0

0,0

Braunschweig

98

1,7

0,9

16,6

0,0

0,0

21,1

0,0

1,4

0,2

0,0

Düsseldorf

95

1,5

12,7

4,6

0,0

0,0

0,3

0,0

7,4

6,1

1,0

Dortmund

87

1,6

4,3

0,4

0,0

0,0

0,0

0,0

0,0

1,3

0,0

Westsachsen

82

2,1

3,8

0,2

0,0

0,0

0,0

0,0

0,0

4,1

3,7

Schleswig-Holstein Süd-West

81

1,4

0,1

1,2

2,7

0,0

0,0

0,0

3,9

0,0

0,3

Ost-Friesland

59

1,2

1,1

0,2

4,1

0,0

0,0

0,0

0,0

0,0

5,3

Zulässige CO2-Emissionen in Mio. Tonnen pro Jahr

Sektoren

Periode 2005-2007

Periode 2008-2012*

Energie und Industrie

503

495

andere Sektoren

356

349

  davon

 – Verkehr und Haushalte

  298

  291

 – Gewerbe, Handel,

Dienstleistungen

  58

  58

Summe

859

844

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