1. bookVolume 74 (2016): Issue 1 (February 2016)
Journal Details
License
Format
Journal
eISSN
1869-4179
First Published
30 Jan 1936
Publication timeframe
6 times per year
Languages
German, English
access type Open Access

Editorial

Published Online: 28 Feb 2016
Volume & Issue: Volume 74 (2016) - Issue 1 (February 2016)
Page range: 1 - 2
Journal Details
License
Format
Journal
eISSN
1869-4179
First Published
30 Jan 1936
Publication timeframe
6 times per year
Languages
German, English

Liebe Leserinnen und Leser,

mit dem ersten Heft des 74. Jahrgangs von „Raumforschung und Raumordnung“ gelangen fünf Originalbeiträge zum Abdruck, die sich wieder mit sehr unterschiedlichen raumbezogenen Themenstellungen befassen. Neben lokalen Konflikten in der Energiewende werden computergestützte Einsatzmöglichkeiten der (insbesondere touristischen) Mobilitätsforschung behandelt. Fragen der Klimaanpassung im Bereich der Regionalplanung stehen neben planungspraktischen Einflussfaktoren der Koordination und Kooperation bei der Gestaltung und Entwicklung innerstädtischer Flusslandschaften.

Den Anfang macht aber erneut ein englischsprachiger Beitrag. In dieser Ausgabe erscheint in der Rubrik „Zur Diskussion“ ein Text, der die raumbezogene Forschung mit wirtschafts- und finanzwissenschaftlichen Überlegungen verbindet. Horst Zimmermann untersucht in „Net fiscal flows and the size of cities“ die öffentlichen Finanzströme und insbesondere die Praxis des Finanzausgleichs in Deutschland zwischen den Ländern bzw. zwischen Gemeinden innerhalb von Ländern. Insbesondere widmet er sich der Tatsache, dass die Stadtstaaten bzw. die großen Städte im Rahmen der finanziellen Ausgleichssysteme einen höheren Pro-Kopf-Bedarf zugesprochen bekommen. Er verknüpft diese Betrachtungen mit den Thesen der neueren Regionalökonomie. In einer Skizze des Argumentationsganges wird die Bedeutung von Agglomerationen für das nationale Wirtschaftswachstum betont. Sie tragen weit überdurchschnittlich zu den Einnahmen der übergeordneten Ebenen (Länder, Bundesstaat) bei, aber erhalten verhältnismäßig wenig durch die Ausgaben dieser Ebenen. Vor diesem Hintergrund – so der Autor – ist die Besserstellung der Stadtstaaten im Länderfinanzausgleich und der größeren Städte im kommunalen Finanzausgleich kein willkürliches „Privileg“, sondern ein sinnvoller Beitrag zum Wirtschaftswachstum.

Die „Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel“ von 2008 weist der Regionalplanung eine zentrale Rolle bei der Implementierung von Planungsinhalten zu, die der Anpassung an die Folgen des Klimawandels in Deutschland dienlich sind. Der wissenschaftliche Beitrag von Hanna Christine Schmitt mit dem Titel „Klimaanpassung in der Regionalplanung – Eine deutschlandweite Analyse zum Implementationsstand klimaanpassungsrelevanter Regionalplaninhalte“ prüft deshalb im Rahmen einer Vollerhebung die Regionalpläne auf den Ausweisungsstand von Festlegungen, die potenziell relevant dafür sind, um Maßnahmen der Klimaanpassung auf den Weg zu bringen. Gestützt auf das „Handlungskonzept der Raumordnung zu Vermeidungs-, Minderungs- und Anpassungsstrategien im Hinblick auf die räumlichen Konsequenzen des Klimawandels“ der Ministerkonferenz für Raumordnung (MKRO) und seine sieben klimaanpassungsbezogenen Handlungsfelder wird das Vorhandensein und die Verbindlichkeit von klimaanpassungsrelevanten Festlegungen in den Regionalplänen ermittelt und dargestellt. Neben Vorschlägen für die einzelnen Handlungsfelder zeigt der Beitrag unter anderem auch mit kartografischen Aufbereitungen, wo die deutschen Regionen derzeit stehen und in welchen Handlungsfeldern sie weiteren Ausweisungsbedarf haben.

Der wissenschaftliche Beitrag „Innerstädtische Flusslandschaften als integriertes Handlungsfeld“ von Carolin Galler und Meike Levin-Keitel ist eine Exploration zum Ineinandergreifen von formellen und informellen Aspekten der Raum- und Wassergovernance. Besonders gehen die Autorinnen dabei auf die Relevanz von informellen Strukturen und die Rolle von Planungskultur innerhalb des rechtlich-planerischen Kontextes ein. Anhand von zwei Fallbeispielen (Nürnberg und Regensburg) werden „planungspraktische Einflussfaktoren der Koordination und Kooperation“ erläutert; unter besonderer Berücksichtigung der Planungskulturperspektive wird konkret untersucht, wie Kooperation und Koordination in der Planungspraxis bei der integrierten Entwicklung innerstädtischer Flusslandschaften stattfinden. Der Beitrag schließt mit Vorschlägen, wie integrierte Planungsprozesse unter Einschluss von Überlegungen zur Planungskultur zu gestalten sind und gesteuert werden können.

Der erste Bericht aus Forschung und Praxis von Sören Becker, Andrea Bues und Matthias Naumann kommt aus dem Bereich der angewandten Konfliktforschung. Er greift mit der Energiewende ein auch langfristig bedeutsames Themenfeld auf. Unter dem Titel „Zur Analyse lokaler energiepolitischer Konflikte“ fokussiert er auf zwei selten betrachtete Aspekte bei der Erforschung sozialer Konflikte im Zuge der gesellschaftlichen Transformation zu einer nachhaltigen Energieversorgung: Gemeinwohl und neue Organisationsformen. Vor dem Hintergrund bestehender Literatur zu energiebezogenen Konflikten, die sich häufig eher mit der Darstellung einzelner Fallstudien beschäftigt, ist das hier vorgestellte Analysewerkzeug ein wertvoller Beitrag zu diesem Forschungsfeld. Für die Herleitung des Instruments werden unterschiedliche sozialwissenschaftliche Debattenstränge verknüpft und auf materiell-sachliche, räumliche, zeitliche und akteursbezogene Fragen im Zusammenhang mit auftretenden Konflikten bei der Umsetzung der Energiewende bezogen. Das skizzierte Werkzeug ermöglicht es, lokale Konflikte vergleichend zu analysieren und dadurch die zentralen Facetten und Dimensionen von Energiekonflikten kompakt und systematisch zu erfassen.

Der zweite Bericht aus Forschung und Praxis informiert über einen neuen technischen Ansatz zur Analyse des Mobilitätsverhaltens von Personen, der anschließend durch ein Fallbeispiel erläutert wird. Sven Groß und Anne Menzel halten in „GPS-Tracking in touristischen Destinationen“ zunächst einige der methodischen Herausforderungen fest, die mit der Mobilitätsverfolgung per satellitengestützter Ortung einhergehen. Sie präsentieren anschließend eine selbst entwickelte „neue Software-Anwendung zur Erfassung des Mobilitätsverhaltens am Beispiel von Wanderern im Harz“ (so der Untertitel). Diese verknüpft das GPS-Tracking unter einer Android-Oberfläche mit einem Fragebogen für eine Face-to-face-Befragung. Mit diesem Instrument können zugleich die Wegestrecken und Pausen aufgezeichnet und Personen direkt im Anschluss an die jeweils zurückgelegte Strecke befragt und ihre Antworten auf dem Gerät gespeichert werden. Die ermittelten Tracks inklusive Pausen werden in einer interaktiven Karte dargestellt; damit kann der Interviewer sofort die wichtigsten Wegepunkte ermitteln und den Untersuchungspersonen gezielt zu ihren Eindrücken und Beweggründen Fragen stellen. Die Darstellung von Ergebnissen aus einer beispielhaften Untersuchung mit Wanderern am Brocken illustriert die damit sich eröffnenden Möglichkeiten einer ortgenauen Erfassung von touristischem Mobilitätsverhalten.

In eigener Sache begrüßen wir schließlich unsere neue Kollegin Angelika Krehl vom ILS – Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung in Dortmund im Team der Schriftleitung von „Raumforschung und Raumordnung“. Sie wird uns bei der Bearbeitung der eingereichten Manuskripte, insbesondere bei der Organisation des Begutachtungsverfahrens und bei der gemeinsamen Produktion der Hefte in den nächsten zwei Jahren unterstützen.

Wie immer wünschen wir Ihnen eine erkenntnisreiche Lektüre.

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