1. bookVolume 73 (2015): Issue 4 (August 2015)
Journal Details
License
Format
Journal
eISSN
1869-4179
First Published
30 Jan 1936
Publication timeframe
6 times per year
Languages
German, English
access type Open Access

Miosga, Manfred; Hafner, Sabine (Hrsg.) (2014): Regionalentwicklung im Zeichen der Großen Transformation. Strategien für Ressourceneffizienz, demografischen Wandel und Innovationsfähigkeit. München: Oekom-Verlag, 432 S.

Published Online: 31 Aug 2015
Volume & Issue: Volume 73 (2015) - Issue 4 (August 2015)
Page range: 299 - 300
Journal Details
License
Format
Journal
eISSN
1869-4179
First Published
30 Jan 1936
Publication timeframe
6 times per year
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German, English

Miosga, Manfred; Hafner, Sabine (Hrsg.) (2014): Regionalentwicklung im Zeichen der Großen Transformation. Strategien für Ressourceneffizienz, demografischen Wandel und Innovationsfähigkeit. München: Oekom-Verlag, 432 S

Mit dem Buch „Regionalentwicklung im Zeichen der Großen Transformation" geben Manfred MiosgaundSabine Hafner einen umfangreichen Sammelband heraus, der sowohl konzeptionell als auch empirisch einen Impuls für die Forschung zu und Umsetzung von nachhaltiger Regionalentwicklung leisten möchte. Es werden zum einen aktuelle Ansätze einer innovationsorientierten Regionalentwicklungsforschung kritisch reflektiert und zum anderen konkrete Vorschläge für eine regionale Innovationsstrategie in der Region Augsburg entwickelt. Der Sammelband basiert auf Erkenntnissen und Veranstaltungen des Forschungsprojekts „Strategische Allianz, Demografiemanagement, Innovationsfähigkeit und Ressourceneffizienz am Beispiel der Region Augsburg (ADMIRe A3)", das im Förderprogramm „Innovationsfähigkeit im demografischen Wandel" im Themenfeld „Regionale Aspekte des demografischen Wandels in der Arbeitswelt" vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Zeitraum 2012 bis 2015 gefördert wird.

Als Ausgangspunkt für Forschungsprojekt und Sammelband werden die drei Megatrends Ressourceneffizienz, demografischer Wandel und Innovationsfähigkeit als zentrale Querschnittsthemen und Herausforderungen einer strategischen, nachhaltigen Regionalentwicklung identifiziert. Das Buch knüpft an die Debatten um nachhaltige Raum- und Regionalentwicklung aus den 1990er-Jahren an. Zusätzlich bezieht sich der Sammelband auf die Debatte um eine „Große Transformation" und den entsprechenden Bericht des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), in dem die dringende Notwendigkeit einer post-fossilen Wirtschaftsweise und die Machbarkeit der Wende zur Nachhaltigkeit aufgezeigt werden (WBGU 2011).

Während der WBGU vor allem institutionelle Innovationen, technologische Entwicklungen, Investitionen und internationale Kooperationen für Nachhaltigkeit auf globaler Ebene im Blick hat, richtet sich der Fokus des Sammelbandes auf die regionale Ebene und speziell auf den Wirtschaftsraum Augsburg. Leider wird das im Titel angedeutete Potenzial des Sammelbandes nicht ausgeschöpft, komplementär zum WBGU-Bericht die „Große Transformation" auf die regionale Ebene zu übertragen und konkrete Maßnahmen für die erforderlichen Transformationen in der Region Augsburg vorzuschlagen. Der Fokus des Sammelbandes liegt vielmehr auf der Rolle von Innovation für eine nachhaltige Regionalentwicklung und für die Transformation regionaler Wirtschaftsräume.

Der Sammelband gliedert sich in zwölf Kapitel. Im ersten Kapitel geben Sabine Hafner und Manfred Miosga einen sehr informativen Überblick über Ausgangslage und Inhalte des Sammelbandes (S. 13 ff.). Anschließend widmen sich zwei Kapitel detaillierter der Ausgangslage: Hafner und Miosga beschreiben die Gestaltung des demografischen Wandels, die Steigerung der Ressourceneffizienz und die Verbesserung der Innovationsfähigkeit als zentrale Herausforderungen für eine nachhaltige Regionalentwicklung (S. 45 ff.); Tobias Engelmann et al behandeln Ressourceneffizienz als globalen Trend und Herausforderung für regionale Transformation (S. 79 ff). Nach diesen drei einführenden Kapiteln bilden die Kap. 4 bis 7 das konzeptionelle Rückgrat des Sammelbandes und können als Beiträge der Innovationsforschung zusammengefasst werden. Innovation wird als „Schlüssel zur Transformation" bezeichnet (S. 20). Sebastian Norck beleuchtet in Kap. 4 die Rolle der Region für die Stimulierung der für eine Transformation nötigen Innovationen, die als vielfältige Lernprozesse verstanden werden (S. 121 ff.). Regionale Innovationssysteme sind zwar als räumliche Konzentrationen von Unternehmen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen, Kapitalgebern, Politik, Verwaltung und anderen Akteuren zu verstehen. Die Bedeutung räumlicher Nähe ist jedoch zunehmend zu relativieren und kann durch andere Nähe-Konzepte wie temporäre, kognitive, organisationale, gesellschaftliche oder institutionelle Nähe ergänzt oder sogar ersetzt werden. Norck erläutert, dass die neuere Netzwerk- und Innovationsforschung davon ausgeht, dass das Nähe-Distanz-Verhältnis der Akteure spezifisch austariert werden muss, um technische, organisatorische oder auch soziale Innovationen zu ermöglichen. Hans Joachim Kujath beschäftigt sich in Kap. 5 mit den Dynamiken regionaler Innovationssysteme und weist darauf hin, dass sich Innovationsnetzwerke zunehmend virtualisieren und weniger stark an konkrete Räume gebunden sind (S. 157 ff.). Oliver Ibert und Felix Müller untersuchen in Kap. 6 den Prozess der Wissensgenese entlang von sogenannten Innovationsbiografien (S. 183 ff.). Sie thematisieren ähnlich wie Kujath im vorhergehenden Beitrag, dass sich der Regionalbezug von Innovation im Laufe des Innovationsprozesses verringern kann. In Kap. 7 beschäftigt sich Theresia Wintergerst in Anlehnung an die Arbeiten von Elinor Ostrom mit der Frage, wie es zu kollektivem Handeln kommen kann, und leitet daraus Anforderungen an kooperative Strategien und transformative Netzwerkarbeit ab (S. 217 ff.). Erfolgreiche innovative Kooperationen erfordern, dass sich die handelnden Akteure auf gemeinsame Regeln, Normen und Strategien verständigen und diese in entsprechenden Institutionen verankern. Nach diesen konzeptionellen Beiträgen schlägt Nina Kiehlbrei in Kap. 8 eine Brücke zur Praxis der Regionalentwicklung (S. 253 ff.). Sie beschreibt, wie in acht ausgewählten Regionen Deutschlands mit den im Sammelband behandelten Megatrends umgegangen wird. Anschließend widmen sich die Kap. 9 bis 12 der Region Augsburg. Martin Reimer stellt in Kap. 9 die regionale Ausgangslage und Strukturen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit im Wirtschaftsraum Augsburg dar (S. 291 ff.). Lisa Dallner et al befassen sich in Kap. 10 mit der Rolle der Wirtschaftsförderung als Wegbereiter nachhaltiger Wirtschaftsentwicklung in der Region Augsburg (S. 323 ff.). Tobias Engelmann et al führen in Kap. 11 strategische Allianzen als Instrument zum Management regionaler Transformationsprozesse ein und schlagen ein konkretes Strukturmodell für eine strategische Allianz im Wirtschaftsraum Augsburg vor (S. 349 ff). Abschließend entwickeln Sabine Hafner und Manfred Miosga eine regionale Innovationsstrategie für eine Transformation zur Nachhaltigkeit (S. 375 ff.). Als zusätzlicher konzeptioneller Impuls wird hier auf die Transitionsforschung und die science and technology studies verwiesen.

Insgesamt liegt die Stärke des Sammelbandes darin, dass das Thema auf drei verschiedene Arten bearbeitet wird: theoretisch-konzeptionell, empirisch und als strategischer Beitrag für die Praxis mit konkreten Vorschlägen für die Region Augsburg. Dabei ist besonders der strategische Teil in den letzten beiden Kapiteln interessant. Hier wird ein konkretes Modell für eine strategische Allianz in der Region Augsburg entwickelt, das zum Management regionaler Transformationsprozesse eingesetzt werden kann. Die strategische Allianz umfasst zahlreiche Instrumente und Maßnahmen, die vom Projektteam in einem iterativen Prozess zusammen mit Akteuren vor Ort im Sinne einer transdisziplinären Forschung umgesetzt werden können. Erste Erfahrungen mit dieser regionalen Innovationsstrategie zeigen, dass sie von vielen Schlüsselakteuren akzeptiert ist, aber ihre Unabhängigkeit und Leistungsfähigkeit in einem bereits hochgradig vernetzten Umfeld nicht so einfach zu realisieren ist.

WBGU - Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (2011): Welt im Wandel: Gesellschaftsvertrag für eine große Transformation [Hauptgutachten]. Berlin.WBGU - Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen2011Welt im Wandel: Gesellschaftsvertrag für eine große Transformation [Hauptgutachten]BerlinSearch in Google Scholar

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