1. bookVolume 71 (2013): Issue 5 (October 2013)
Journal Details
License
Format
Journal
eISSN
1869-4179
First Published
30 Jan 1936
Publication timeframe
6 times per year
Languages
German, English
access type Open Access

Städte und Regionen im Standortwettbewerb. Neue Tendenzen, Auswirkungen und Folgerungen für die Politik

Published Online: 31 Oct 2013
Volume & Issue: Volume 71 (2013) - Issue 5 (October 2013)
Page range: 443 - 445
Received: 25 Apr 2013
Accepted: 11 Jun 2013
Journal Details
License
Format
Journal
eISSN
1869-4179
First Published
30 Jan 1936
Publication timeframe
6 times per year
Languages
German, English

Kauffmann, Albrecht; Rosenfeld, Martin T.W. (Hrsg.) (2012): Städte und Regionen im Standortwettbewerb. Neue Tendenzen, Auswirkungen und Folgerungen für die Politik

Hannover: ARL, 320 S. = Forschungs- und Sitzungsberichte der ARL, Bd. 238

Städte und Regionen stehen schon immer im Standortwettbewerb um Ressourcen aller Art, wie im einführenden Beitrag von Martin T. W. Rosenfeld hervorgehoben wird. Auch kann konstatiert werden, dass darüber schon einiges geschrieben wurde (vgl. beispielhaft die Sammelbände, herausgegeben von Paul Cheshire und Ian Gordon (1995) sowie Ron Martin, Michael Kitson und Peter Tyler (2006) oder auch Einzelbeiträge wie der von Roberto Camagni (2002)). Warum dann dieser Sammelband? Ein zentrales Argument ist, dass sich die strukturellen Bedingungen in den letzten gut zwei Dekaden für die Städte und Regionen, insbesondere in Mitteleuropa, deutlich verändert haben und dass diese, zumindest im deutschsprachigen Raum, kaum systematisch und in einer integrierten Perspektive aufgearbeitet worden sind. Bedarf bestehe vor allem aus empirischer Sicht, so Rosenfeld weiter (S. 8), im Hinblick auf die konkreten Implikationen auf der lokalen und regionalen Ebene. Von daher sei das Ziel des Arbeitskreises „Städte und Regionen im Standortwettbewerb“ der Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL) gewesen, diese Lücken ein wenig zu schließen.

Der bereits erwähnte Einleitungsbeitrag benennt drei grundlegende Ebenen, an denen die Veränderungen im Standortwettbewerb für Städte und Regionen festgemacht werden. Die erste umschreibt die neuen Bedingungen für den Wettbewerb zwischen Unternehmen. Als Schlagworte seien die Globalisierung der Märkte oder auch der Bedeutungszuwachs der Standortfaktoren Wissen und lokale „amenities“ (Vorzüge) sowie die Nutzung von Ballungsvorteilen (z. B. in Bezug auf einen diversifizierten Arbeitsmarkt) genannt. Die zweite Ebene umfasst solche Rahmenbedingungen, denen Städte und Regionen in den letzten Jahren zunehmend ausgesetzt sind, wie beispielsweise dem demographischen Wandel, dem begrenzten Handlungsspielraum öffentlicher Haushalte, aber auch den geopolitischen Veränderungen in Europa im Zuge des Wegbrechens des „Eisernen Vorhangs“. Die dritte Ebene spricht die Politik an in ihrem Streben, die Standortqualität durch zahlreiche Förderprogramme (d.h. materielle „incentives“) oder auch strategische Konzepte (wie etwa das der „Metropolregionen“) zu verbessern, um beispielsweise die interkommunale Zusammenarbeit zu mobilisieren.

Einige zentrale Charakteristika der Ebene 1 und 3 werden im Rahmen von jeweils drei so genannten Querschnittsstudien diskutiert. Die Einbeziehung von Beiträgen, die sich auf die zweite Ebene beziehen, hätte sicherlich den Rahmen des Bandes gesprengt. Auch ist dies an anderer Stelle vielfach geleistet worden. Zunächst werden im Beitrag von Lorenz Blume die ökonomischen Rahmenbedingungen und Herausforderungen des Standortwettbewerbs reflektiert und einige interessante Folgerungen für mögliche Erfolgsstrategien regionaler Wirtschaftspolitik abgeleitet. Der Beitrag von Albrecht Kauffmann diskutiert verschiedene hierarchische und nicht-hierarchische Modelle, um den Zusammenhang zwischen sinkenden/steigenden Transportkosten und die Größenverteilung eines Städtesystems aus einer dezidiert regionalökonomischen Perspektive zu beleuchten. Der Beitrag von Helmut Klüter greift einen weiteren Aspekt der ersten Ebene auf, indem er dezidiert kritisch die Fallstricke, Widersprüche und Ungenauigkeiten zerlegt, die sich durch die zunehmende Anwendung von Rankings der Gebietskörperschaften ergeben, um dem Diktat der Vergleichbarkeit und der ständigen Überprüfung der Standortqualität bzw. der stadt-regionalen performance gerecht zu werden. Die abschließenden drei Querschnittsstudien beziehen sich allesamt auf das politische Handeln. Dabei gehen Arthur Benz und Michael Böcher auf die Funktionsweisen, Spielregeln und Grenzen politisch initiierter Leistungswettbewerbe zwischen den Regionen ein. Raymond Saller reflektiert die Veränderungen und maßgeblichen Herausforderungen, denen Städte und Regionen im Wettbewerb um Fördermittel ausgesetzt sind (z. B. Verschuldung des öffentlichen Sektors, Leitprojekte anstatt integrierte Entwicklungspläne, aktive Einbeziehung von nicht-staatlichen Akteuren, Entwicklung einer regionalen Kooperationskultur). Heinrich Mäding diskutiert in seinem Beitrag die strategische Regionsbildung und enttarnt diese vornehmlich als Reflex der Kommunen, um strukturelle und organisatorische Restriktionen zu überwinden und sich im Standortwettbewerb (gemeinsam mit anderen) zu behaupten. Er verweist eindringlich darauf, dass diese Regionsbildungen und die damit geschaffenen neuen Organisationsformen gepflegt werden müssen, wozu wiederum Ressourcen bereitzustellen sind. Obgleich jeder Beitrag für sich äußerst lesenswert ist, kann kritisch angemerkt werden, dass, wie so oft in Sammelbänden, die Beiträge nicht unbedingt miteinander kommunizieren. Insbesondere bei den drei zuletzt genannten wäre dies aufgrund der thematischen Nähe durchaus möglich und wissenswert gewesen, auch um gewisse Wiederholungen zu vermeiden.

Die insgesamt acht Fallstudien (Berlin, Hamburg, Leipzig, Bonn, Linz/Oberösterreich, Kärnten unter besonderer Berücksichtigung der Städte Klagenfurt und Villach, die Bodenseeregion und schließlich der Eifelkreis Bitburg-Prüm) decken unterschiedliche Raumtypen ab (Metropolen, ländliche oder gar periphere Räume, Grenzräume) und werden auf insgesamt 150 Seiten nacheinander beschrieben. Hinzu kommt ein Überblicksartikel, welcher einige wichtige sozioökonomische Indikatoren der Fallbeispiele vergleicht. Bei der Lektüre dieser wird dem Leser schnell klar, dass diese nicht in ein einheitliches Untersuchungsdesign gepresst worden sind, sondern die jeweiligen Bearbeiter anscheinend viel Spielraum hatten, die einzelnen storylines dieser Fallstudien zu rekonstruieren. Dies wird deutlich an den unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten sowie dem Mix aus verschiedenen methodischen Werkzeugen (z. B. statistische Analysen, Experteninterviews, Dokumentenanalysen). Auch wird eingangs darauf hingewiesen, dass bei der Zusammenstellung der Fallstudien auf vorhandenes Material und Recherchen zurückgegriffen werden musste, da keine Ressourcen für zusätzliche empirische Arbeiten vorhanden waren. Diese Freiräume sind einerseits zu begrüßen, da vermutlich dadurch ,das Wesentliche' eingefangen wurde, auf der anderen Seite werden der Verallgemeinerbarkeit bzw. auch der Ableitung von Implikationen für das politische Handeln enge Grenzen gesetzt. Auch fällt auf, dass manche Fallstudien dezidiert kritisch-objektiv verfasst worden sind, bei anderen hat man den Eindruck, dass die kritische Distanz zum Forschungsobjekt nicht unbedingt immer eingehalten wird.

Neben der Analyse der unterschiedlichen lokalen und regionalen Potenzialfaktoren wurde in sämtlichen Fallstudien die Standortpolitik bzw. die strategische Adaptionsfähigkeit der einzelnen Städte und Regionen analysiert. Es wurde also der Frage nachgegangen, inwieweit sowohl organisatorisch als auch inhaltlich auf den veränderten Standortwettbewerb reagiert worden ist. Dabei ergibt sich erwartungsgemäß ein sehr heterogenes Bild, was den unterschiedlichen Pfadabhängigkeiten und vorherrschenden politisch-administrativen Strukturen, institutionellen Kapazitäten und Regierungsstilen geschuldet ist. Auch kann folgende, wenn auch nicht unbedingt überraschende Tendenz herausgelesen werden, dass die Verhandlung und intraregionale Abstimmung ,harter' Standortfaktoren anscheinend eher über ,harte' Institutionalisierungsformen angegangen werden, wohingegen weiche Standortfaktoren in den meisten Fällen eher im Rahmen einer soft governance verhandelt werden. Auch gehen die Fallstudien in der Regel eindringlich auf die von den beteiligten Akteuren vorgenommenen Strategien und Handlungen ein. Leider werden andere Politikoptionen kaum behandelt bzw. die Gründe für die eine oder andere Strategie oder auch politische Entscheidung in der Regel nicht näher erläutert. Folgerichtig wirken diese teilweise alternativlos.

Im abschließenden Beitrag von Martin Rosenfeld werden die Querschnittsstudien und Fallbeispiele ausgewertet und die wichtigsten Argumentationslinien herausgearbeitet sowie Schlussfolgerungen für die künftige (Standort-)Politik und für den weiteren Forschungsbedarf formuliert. Dabei wird deutlich, dass es den insgesamt 23 Autoren, trotz der oben angebrachten Kritikpunkte, gelungen ist, einen wichtigen sowohl theoretisch-konzeptionellen als auch empirischen Beitrag aus dem deutschsprachigen Raum zu dieser Thematik zu liefern. Besonders hervorzuheben sind die acht Fallstudien, die, wie oben angedeutet, die lokalen Spezifika aufgreifen und interessante Einblicke zur Diversität der einzelnen Standortfaktoren ,vor Ort' sowie zur großen Spannbreite der strategisch-inhaltlichen Reflexe in den Städten und Regionen bieten. Auch belegt der Band eindrucksvoll, dass zur Deutung des Standortwettbewerbs von Städten und Regionen ein breites Spektrum der räumlichen Forschung (von regionalökonomischen Studien bis hin zur Politik- und governance-Analyse) einzubeziehen ist.

Camagni, R. (2002): On the Concept of Territorial Competitiveness: Sound or Misleading? In: Urban Studies 39, 13, 2395–2411.10.1080/0042098022000027022CamagniR.2002On the Concept of Territorial Competitiveness: Sound or Misleading?Urban Studies391323952411Open DOISearch in Google Scholar

Cheshire, P.; Gordon, I. (Hrsg.) (1995): Territorial Competition in an Integrating Europe. Aldershot.CheshirePGordonI.1995Territorial Competition in an Integrating EuropeAldershotSearch in Google Scholar

Martin, R.; Kitson, M.; Tyler, P. (Hrsg.) (2006): Regional Competitiveness. London.MartinRKitsonM.TylerP.2006Regional CompetitivenessLondonSearch in Google Scholar

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