1. bookVolume 71 (2013): Issue 5 (October 2013)
Journal Details
License
Format
Journal
eISSN
1869-4179
First Published
30 Jan 1936
Publication timeframe
6 times per year
Languages
German, English
access type Open Access

The Selfmade Land: Culture and Evolution of Urban and Regional Planning in the Netherlands

Published Online: 31 Oct 2013
Volume & Issue: Volume 71 (2013) - Issue 5 (October 2013)
Page range: 437 - 438
Received: 19 Feb 2013
Accepted: 10 Apr 2013
Journal Details
License
Format
Journal
eISSN
1869-4179
First Published
30 Jan 1936
Publication timeframe
6 times per year
Languages
German, English

van der Cammen, Hans; de Klerk, Len; Dekker, Gerhard; Witsen, Peter Paul (2013): The Selfmade Land: Culture and Evolution of Urban and Regional Planning in the Netherlands

Houten, Antwerpen: Spectrum. 480 S.

Eine kulturhistorische Perspektive auf die niederländische Raumplanung

Die Niederlande seien das möglicherweise am meisten überplante Land Europas, mit einer tief verwurzelten Planungskultur von Ordnung und Effizienz, reklamieren die Autoren von „The Selfmade Land“ gleich zu Beginn des Buches. Obwohl die Niederlande ein relativ kleines Land sind, wird deren Raumplanung in der internationalen Fachliteratur viel beachtet und diskutiert (Faludi und van der Valk 1994; Wesselink et al. 2007; Buitelaar 2010). „The Selfmade Land“ reiht sich somit in eine Anzahl englischsprachiger Fachbücher über die niederländische Raumplanung ein. So behandelt Needham (2007) beispielsweise in „Dutch land-use planning“ bodenpolitische Funktionen und Effekte der niederländischen Planung, Hajer et al. (2010) reflektieren in „Strong Stories – how the Dutch are reinventing spatial planning“ anhand von Praxisbeispielen planungstheoretische Konzepte in den Niederlanden.

Die Autoren von „The Selfmade Land“ nehmen eine kulturhistorische Perspektive auf niederländische Raumplanung ein. Das Buch versteht sich dabei nicht vorrangig als ein wissenschaftliches Fachbuch (S. 12), sondern adressiert mit seinem wissenschaftsjournalistischen Schreibstil ein breiteres planungsinteressiertes Publikum und thematisiert dabei die Kultur und Entwicklung der Raumplanung in den Niederlanden. Bei dem Buch handelt es sich um eine seit 1986 stetig überarbeitete und nun erstmals ins Englische übersetzte und erweiterte Ausgabe von „Ruimtelijke ordening: van grachtengordel to Vinex-wijk“ (van der Cammen und de Klerk 2003). Während die ursprünglichen Versionen des Buches von Hans van der Cammen und Len de Klerk stammen, sind bei der vorliegenden Version des Buches nun zwei weitere Autoren beteiligt: Gerhard Dekker und Peter Paul Witsen.

Fünf Epochen reichlich illustriert und liebevoll erzählt

Das Buch umfasst zwei einleitende, fünf zentrale und ein abschließendes Kapitel. Eingeleitet wird mit einer allgemeinen Beschreibung niederländischer Planungskultur – „a culture of order“ – und dem planungstheoretischen Kapitel „the nature of planning“, das zum Ziel hat, Nicht-Planern ein Verständnis von Raumplanung zu geben. In den folgenden fünf Kapiteln werden die wichtigsten Epochen niederländischer Planung aus kulturhistorischer Perspektive beleuchtet: Das goldene Zeitalter, die industrielle Epoche, die moderne Nation, die urbane Krise und die Informationsgesellschaft. Abgerundet wird das Buch mit einem zusammenfassenden Ausblick: „similar and yet different“.

In den beiden einleitenden Kapiteln wird auf die elementare Bedeutung des Wassermanagements für die niederländische Planung hingewiesen: Water Boards (Wasserbehörden) haben die erste Raumplanung in den Niederlanden betrieben. Die treibende Kraft planerischer Interventionen ist das Streben nach sicheren und profitablen Standorten in einem instabilen Delta. Die Niederländer leiten dabei ein moralisches Recht zur Gestaltung ihrer Umwelt ab – oder wie es der Volksmund ausdrückt: „God made the land but the Dutch made Netherland“.

Im Kapitel „the golden age“ führen die Autoren das Entstehen aktiver Bodenpolitik bis ins 14. und 15. Jahrhundert zurück. Hier werden die weltpolitischen Zusammenhänge in den Kontext der Stadtentwicklungen jener Zeit gebracht. Im Kapitel „the industrial city“ wird gezeigt, wie infrastrukturelle Entwicklungen das Bild der Städte veränderten. Illustriert wird dies mit zahlreichen historischen Karten und Dokumenten über frühe Planungsgesetzgebungen. Im Kapitel „a modern nation“, 1924 beginnend, wird auch auf die Bedeutung von kriegerischen Auseinandersetzungen und die aufkommende Globalisierung im Kontext von Stadtentwicklung hingewiesen. Bemerkenswert ist, wie treffend und geschickt die Autoren Überschriften für die jeweiligen planungskonzeptionellen Ideen der Zeit finden (zum Beispiel: „no little plans“, „the invasion of the countryside“). Im umfangreichsten Kapitel wird auf über 90 Seiten die „urban crisis“ mit all ihren planungstheoretischen Ansätzen (zum Beispiel urban renewal, new urbanity, compact cities) beschrieben und auf gesamtgesellschaftspolitische Prozesse eingegangen. Im Kapitel der letzten und noch andauernden Epoche – „the information society“ – werden die Herausforderungen gegenwärtiger Planung wie beispielsweise schrumpfende Städte oder die Immobilienwirtschaftskrise dargestellt.

Zum Ende des Buches werden fünf Charakteristika niederländischer Planung aufgegriffen und deren weitere Entwicklung wird diskutiert. Die Autoren sehen dabei als zentral an: Die niederländische Planung baue stark auf Beratung und Pragmatismus, technische Maßnahmen seien unerlässlich bei der Gestaltung und Produktion von Landschaften, Planung gestalte nicht nur Raum, sondern auch Gesellschaft und Ökonomie, Planungsinstitutionen genössen einen großen Respekt und Vertrauen, kommunale Selbstverwaltung und Subsidiarität seien Kernprinzipien. Das Aufgreifen und Diskutieren dieser fünf Charakteristika rundet das Buch ab und lädt zum Diskurs über die künftige Entwicklung ein. Für die Zukunft sehen die Autoren, dass Planung immer mehr mit Abschätzungen und Vermutungen statt mit messbaren Fakten zu tun haben wird.

Das Buch schlägt eine Brücke zwischen Raumplanung und Städtebau einerseits und Sozial- und Kulturwissenschaft andererseits. Es wird deutlich wie sehr Raumplanung in gesamtgesellschaftliche Prozesse eingegliedert ist, diese aufgreift und beeinflusst. Dahingehend geht das Buch über eine reine Darstellung niederländischer Planung hinaus und bietet eine spannende und interessante Sichtweise auf raumplanerische Interventionen, die auch für andere Staaten und Kontexte relevant sein kann.

Kein Lehrbuch, aber unumgänglich für ein planungsinteressiertes Publikum

„The Selfmade Land“ ist ansprechend illustriert und zeigt zahlreiche historischen Planungsbeispiele von Stadtentwicklungen. Diese werden in die geschichtlichen und gesellschaftspolitischen Rahmen eingeordnet und es werden wichtige Persönlichkeiten der Raumplanung vorgestellt. Durch den Aufbau und die zugängliche Schreibweise ist das Buch besonders für Nicht-Niederländer gut geeignet, die dortige Planungskultur und das Planungssystem zu verstehen und kontextualisieren. Es ist daher zu begrüßen, dass das bisher nur in niederländischer Sprache verfügbare Buch sich durch die englische Version auch dem internationalen Publikum öffnet. Allerdings bleiben die Autoren in ihrer Beschreibung der Kultur und Entwicklung niederländischer Raumplanung sehr deskriptiv, wenig analytisch und relativ unkritisch. „The Selfmade Land“ ist letztendlich kein Lehrbuch und kein Handbuch für die Planungspraxis, aber es ist relevant für Planungswissenschaften sowie Disziplinen mit Bezug zur Raumplanung. Darüber hinaus eignet es sich in besonderer Weise für alle, die niederländische Planung besser kennen und verstehen lernen wollen.

Buitelaar, E. (2010): Cracks in the myth: Challenges to land policy in the Netherlands. In: Tijdschrift voor Economische en Sociale Geografie 101, 3, 349–356.10.1111/j.1467-9663.2010.00604.xBuitelaarE.2010Cracks in the myth: Challenges to land policy in the NetherlandsTijdschrift voor Economische en Sociale Geografie1013349356Open DOISearch in Google Scholar

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van der Cammen, H.; de Klerk, L. A. (2003): Ruimtelijke ordening. Van grachtengordel to Vinex-wijk. Utrecht.van der CammenH.de KlerkL. A.2003Ruimtelijke ordening. Van grachtengordel to Vinex-wijkUtrechtSearch in Google Scholar

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