1. bookVolume 71 (2013): Issue 1 (February 2013)
Journal Details
License
Format
Journal
eISSN
1869-4179
First Published
30 Jan 1936
Publication timeframe
6 times per year
Languages
German, English
access type Open Access

Betrachtungen zu einem Kernbegriff der Raumwissenschaften

Published Online: 28 Feb 2013
Volume & Issue: Volume 71 (2013) - Issue 1 (February 2013)
Page range: 1 - 2
Journal Details
License
Format
Journal
eISSN
1869-4179
First Published
30 Jan 1936
Publication timeframe
6 times per year
Languages
German, English

Die Bevölkerung. Sie ist immer wieder Gegenstand von Betrachtungen in der Raumforschung im Allgemeinen und in unserer Zeitschrift „Raumforschung und Raumordnung“ im Speziellen. Wir analysieren ihre Struktur und ihre Entwicklung, teilen sie in Gruppen auf, untersuchen ihr Agieren, sprechen ihr eine Stimme in partizipativen Prozessen zu, fragen, wie sich ihr Verhalten steuern lässt, sinnieren über ihre Rolle bei der Formung der Kulturlandschaft ... Kurz, die Bevölkerung ist stets präsent in den raumbezogenen Wissenschaften. Daher muss es fast verwundern, dass der Begriff selbst bisher noch nicht im Zentrum der wissenschaftlichen Auseinandersetzung in unserer Zeitschrift stand.

In der vorliegenden Ausgabe nun übernimmt Roskamm in seinem Beitrag „Das Objekt der Bevölkerung“ die anspruchsvolle Aufgabe, Begriff und Gegenstand von „Bevölkerung“ – als einem Kernbegriff der Raumwissenschaften – einer wissenschaftsgeschichtlichen Betrachtung zu unterziehen. Dabei sieht er den Begriff „Bevölkerung“ als komplementär zum Raumbegriff, der in den Raumwissenschaften mit großer Selbstverständlichkeit umfangreich aus konstruktivistischer, soziologischer und anderer Sicht betrachtet wird. Roskamm beginnt mit seiner Herleitung bei Michel Foucault und geht unter anderem über Malthus, Marx und Oppenheimer in das 20. Jahrhundert. Die Überleitung vom Bevölkerungsbegriff zu den Bevölkerungswissenschaften und schließlich zur Bevölkerungspolitik zeigt sowohl die zunehmende Diversifizierung der Betrachtungen des Begriffs als auch sein Missbrauchspotenzial auf. Am Ende mahnt Roskamm an, sich als in den Planungswissenschaften Tätiger mit dem Erbe des Konzepts der Bevölkerung auseinander zu setzen, wozu er mit dem vorliegenden Beitrag eine ausgezeichnete Grundlage geschaffen hat.

Holz-Rau und Sicks vergleichen in ihrem Beitrag das alltägliche und das reisebezogene Mobilitätsverhalten von Bewohnern kleinerer Gemeinden und von Großstädten. Hinlänglich bekannt, und durch zahlreise Untersuchungen belegt, ist, dass die täglich zurückgelegten (Pendler-) Distanzen von Bewohnern kleinerer Gemeinden die der Großstädten übersteigen. Weitestgehend unbeachtet ist hingegen das Fernreiseverhalten von Bewohnern kleinerer Gemeinden im Vergleich zu Großstädtern und die Fragestellung, inwieweit sich die Summen der Distanzen im Alltags- und im Fernverkehr der beiden Bevölkerungsgruppen zueinander verhalten. Die dezidierte Untersuchung, die die Bevölkerung nach weiteren soziodemographischen und sozioökonomischen Merkmalen differenziert, kommt zu einem interessanten Ergebnis, das die Wissenschaftler im Titel anschaulich auf den Punkt gebracht haben: „Stadt der kurzen Wege und weiten Reisen“.

Im Vordergrund des Beitrags von Hamm und Jäger steht die Innovationsfähigkeit von Regionen. Als maßgeblicher Motor hierfür wird der Austausch zwischen Wissenschaft (öffentliche Forschungseinrichtungen) und Wirtschaft (private Unternehmen) gesehen. Die Autoren gehen davon aus, dass der hierfür notwendige Wissens- und Technologietransfer stark durch die anwendungsorientierten Fachhochschulen geprägt wird, und fragen, welche (fach-) hochschulseitigen Determinanten den Erfolg der Transferaktivitäten mit Kooperation und Zusammenarbeit beeinflussen können. Hierfür wurden Best-Practice-Beispiele analysiert und im Ergebnis sowohl strategische als auch operative Instrumente abgeleitet, deren Anwendung positive Auswirkungen auf den Austausch zwischen Hochschulen und privater Wirtschaft und somit die Innovationsfähigkeit der Region haben.

Mit politischen Instrumenten der Förderung kleinerer Gemeinden beschäftigen sich Peter, Fengler und Moser in ihrem Bericht aus Forschung und Praxis zum Potenzial der Dorferneuerungsförderung. Für ihre Untersuchungen analysierten sie die Dorferneuerungsprogramme und Förderdaten der Länder Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Hamburg. Ergänzt wurden die Analysen durch eine vertiefende Untersuchung ausgewählter Dörfer. Am Ende zeigt sich, dass der Dorfinnenentwicklung in den Ländern durch landesspezifisch differenzierte Ansätze unterschiedliche Priorität zugemessen wird. Allen Bundesländern gemein jedoch ist die Tatsache, dass der Schwerpunkt der Dorferneuerungsförderung nach wie vor auf der baulichen und weniger auf der sozialen und funktionalen Entwicklung der Dörfer liegt.

Wir hoffen, unseren Leserinnen und Lesern wieder eine bereichernde Zusammenstellung von wissenschaftlichen Beiträgen und Berichten anzubieten und wünschen eine kurzweilige Lektüre.

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