1. bookVolume 69 (2011): Issue 4 (August 2011)
Journal Details
License
Format
Journal
eISSN
1869-4179
First Published
30 Jan 1936
Publication timeframe
6 times per year
Languages
German, English
access type Open Access

Cities and the Beginning Urbanization. Henri Lefebvre in Contemporary Urban Studies

Published Online: 31 Aug 2011
Volume & Issue: Volume 69 (2011) - Issue 4 (August 2011)
Page range: 233 - 243
Received: 27 May 2010
Accepted: 13 Jul 2011
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Journal
eISSN
1869-4179
First Published
30 Jan 1936
Publication timeframe
6 times per year
Languages
German, English
Abstract

In recent years, Henri Lefebvre’s theories have gained almost canonical status in urban and spatial studies, particularly in Anglophone countries. Although scholars often quote Lefebvre, his theories, however, tend to confuse due to their complexity and opaque language. By reconstructing his terminology through a close reading, this paper aims to interrogate the characteristics and dynamics of Lefebvre’s terms and their current relevance with regard to empirical and theoretical urban studies. Besides the frequently applied concept of the production of space, Lefebvre’s thesis on the urbanization of society is a prominent part of his works. But ambiguities remain between the terms “city” and “urban” as well as between actual societal realities and virtual possibilities. Following Lefebvre, the “city” is described as a historical condition and as having nearly vanished with industrialization. In contrast, the “urban” is posited as the emergent society consisting of differences, so that the notion of the urbanized society is intrinsically tied to the differential space within which it evolves. The discussion focuses on the dialectical movement between terms as an approach to potential empirical applications in urban and spatial studies. Additionally, this elaboration serves as a basis for continuing the necessary development of Lefebvre’s theories.

Keywords

Schlagwörter

Einleitung

Mit „Reurbanisierung“ werden verschiedene, wiederkehrende Prozesse angesprochen: der Zuzug von Bevölkerung in die Kernstadt, die Wiederentdeckung zentraler Standorte oder auch neu entflammte Urbanitätsdiskurse. Henri Lefebvre allerdings hat das Urbane als eine erst im Entstehen begriffene Form einer völlig neuen Gesellschaft entworfen. Von einer Wiederkehr kann in diesem Kontext trotzdem gesprochen werden: nämlich von einer der Theorien Henri Lefebvres. Insbesondere in angloamerikanischen Stadt- und Raumstudien ist der Rekurs auf seine Arbeiten normal geworden, es gibt neue Sammelbände

Insbesondere ist hier das Buch „Space, Difference, Everyday Life“ (Goonewardena/Kipfer/Milgrom et al. 2008) zu nennen.

und Übersetzungen

2008 erschienen alle Arbeiten zur Kritik des Alltagslebens gesammelt auf Englisch (der dritte Band wurde bis heute nicht ins Deutsche übersetzt); Neil Brenner und Stuart Elden (2009) haben jüngst die wichtigsten Texte zum Staat auf Englisch herausgegeben.

von Büchern und nicht zuletzt haben sich neue politische Bewegungen unter dem Titel „Right to the City Alliance“

Vgl. http://www.righttothecity.org/(letzter Zugriff am 14.05.2010); auch in Hamburg hat sich seit Mitte 2009 eine Bewegung unter dem Titel „Recht auf Stadt“ formiert; vgl. http://www.rechtaufstadt.net/(letzter Zugriff am 14.05.2010).

vernetzt, die auf Lefebvres intellektuelle und politische Gedanken zurückgreifen. Auch in der deutschsprachigen Stadt- und Raumforschung steigt das Interesse an Lefebvre zunehmend an, es schlägt sich hier jedoch nur zögerlich in neueren Forschungsarbeiten und Publikationen nieder. Begriffe Lefebvres wie „Urbanisierung“ oder „soziale Produktion des Raumes“ klingen zwar leicht anschlussfähig, sind jedoch nur im Kontext seines allgemeinen Verständnisses von gesellschaftlicher Entwicklung begreifbar. Ziel des vorliegenden Beitrages ist es, diesen Zusammenhang von Raum und Gesellschaft greifbar zu machen und die Anwendbarkeit für die gegenwärtige Stadtforschung herauszuarbeiten. Mit der Rekonstruktion der Begrifflichkeiten Lefebvres wird Urbanisierung als ein Prozess vorgestellt, der sich durch eine abnehmende Kontrolle und Standardisierung des Alltages sowie durch eine sich vergrößernde politische Selbstbestimmung auszeichnet. Der Begriff wird auf eine Weise aufbereitet, die entlang der Unterscheidung von „Stadt“ und „Urbanem“ den Fokus auf das noch Werdende legt.

Die „Krise“ oder „Utopie“ des Urbanen sind immer wiederkehrende Motive in Diskursen, die mit gesellschaftstheoretischen, planerischen und geographischen Analysen über eine Reurbanisierung einhergehen. Nur was ist das „Urbane“, das wiederkehrt? Lefebvre ist für diese Diskussion nicht nur interessant, weil sein Werk wieder verstärkt rezipiert und somit Teil von Urbanisierungsdebatten wird. Indem er mit dem Urbanen einen bestimmten Typus von Gesellschaft benennt, stehen mit der Analyse des Stadtraums soziale Verhältnisse im Zentrum. Wenn Städte, Gebautes oder Geplantes in den Blick genommen werden, wird letztlich Gesellschaft untersucht, die auf der Produktion des Raumes basiert. Die Art, wie der Raum sich entwickelt, entlang welcher Normen und Interessen er „produziert“ wird, charakterisiert immer die gesamte Gesellschaft. Gesellschaft reproduziert sich nicht im Raum, sondern über den Raum – so eine zentrale These Lefebvres (1991: 404).

Was ist nun der Raum der urbanen Gesellschaft? Dieser Frage widmet sich der nächste Abschnitt des Beitrages. Er ist dreifach untergliedert: Zunächst wird dargelegt, wie Lefebvre „Stadt“ versteht, wenn er sie als historisch thematisiert (2.1), und wie er das Urbane als bisher virtuell begreift und Urbanisierung als Prozess entfaltet (2.2). Mit diesen Begriffsbestimmungen ist die Grundlage für die Erörterung geschaffen, inwiefern die Urbanisierung auf einer spezifischen Produktion des Raumes, des differenziellen Raumes beruht (2.3). Lefebvres spezifisches Verständnis des Urbanen wird im dritten Abschnitt in einen Analyserahmen übersetzt, der auf Veränderungen des Alltages bezogen ist. Insgesamt wird so ein konzeptioneller Beitrag zum Begriff des Urbanen geleistet, dessen Relevanz zugleich in Bezug auf gegenwärtige städtische Bedingungen und deren empirische Analyse resümiert wird (Abschn. 4).

Grundlagen der Urbanisierung im Sinne Lefebvres

Urbanisierung als etwas erst Beginnendes zu verstehen, macht vor allem die Frage brisant, wie räumliche Entwicklung funktioniert und was sie als urban kennzeichnet. Die Dialektik zwischen drei Begriffen ist bei Lefebvre die Basis, um Prozesse zu begreifen: Soziale Verhältnisse bestehen grundsätzlich aus Gegensätzen, die von einem dritten Moment vermittelt werden. Das Dritte erfasst eine Widersprüchlichkeit, indem es Gegensätze nicht als starr erscheinen lässt, sondern sie überwindet und aus ihnen eine Grundlage für Entwicklungen macht. Lefebvre operiert mit einer Dialektik der Triplizität, um ein starres Denken zwischen klaren Widersprüchen zugunsten eines Denkens in Bewegungen aufzubrechen (Lefebvre 1966: 13 ff.). Mit dieser Perspektive spielen in Lefebvres Texten immer auch zukünftige gesellschaftliche Entwicklungen eine Rolle, deren Ausgangslage selbst wiederum nur Ergebnis bisheriger Widersprüche sein kann – also historisch ist. Im Folgenden wird dargelegt, welche historischen Bedingungen Lefebvre für die These der Urbanisierung der Gesellschaft identifiziert und welche Entwicklungen er für möglich erachtet.

„Stadt“ als historische Bedingung

Lefebvres Arbeiten zum Urbanen sind hauptsächlich zwischen 1968 und 1974 entstanden. Die damalige enge Kopplung zwischen staatlicher Regulation und standardisierter Massenproduktion und -konsumtion ist der gesellschaftliche Kontext, auf den sich Lefebvre in seiner Kritik an starker staatlicher Macht und rational-funktionalistischer Planung bezieht. Vor diesem Hintergrund ist auch sein Verständnis von Stadt zu sehen, die „keinem gesellschaftlichen Objekt mehr“ entspricht, aber dennoch „eine historische Existenz [besitzt], die nicht ignoriert werden kann“ (Lefebvre 1972: 65). Am Beispiel von Städten der Antike sowie des Mittelalters verweist Lefebvre auf eine mögliche städtische organische Kohärenz (z. B. zwischen Stadt und Land), in der alles aufeinander bezogen war, wenn auch meistens nicht konfliktfrei. Wegen der Aufeinanderbezogenheit entwickelten sich diese Städte wie ein ‚œuvre‘, das nicht im Detail geplant und standardisiert war. Räume waren eher auf Gebrauch als auf verwertbaren Tausch ausgerichtet. Lefebvre betont jedoch, dass die Kohärenz nicht auf freien Entscheidungen basierte, sondern durch religiöse oder politische Institutionen gebildet wurde. Deswegen benennt er den Raum, in dem organische Beziehungen von einer universellen Idee zusammengehalten werden, als den „absoluten Raum“ (Lefebvre 1991: 234 ff.). Aus dieser Perspektive wird auch nachvollziehbar, warum Lefebvre in den traditionellen Städten kein Vorbild für eine künftige Urbanisierung sieht: „The right to the city cannot be conceived of as … a return to traditional cities“ (Lefebvre 1996: 158, Hervorhebung im Original).

Die Beschreibung von Städten als „œuvres“ wird jedoch als Verlusterzählung dargestellt. Sie gab es einmal in „epochs previous to that of industrialization“ (Lefebvre 1996: 65). Heute aber sind nur noch Reste zu finden, wie beispielsweise in der gewachsenen, nicht funktional völlig durchgeplanten mediterranen Stadt Navarrenx, in der noch ein mittelalterlicher Kern erkennbar ist (Lefebvre 1978: 140 ff.; vgl. Merrifield 2006). Die hier noch zu erkennenden Spuren lassen sich in drei Momenten zusammenfassen: Erstens ist das ‚œuvre‘ eine Art Kunstwerk, noch kein Instrument ökonomischer Rationalität (Lefebvre 1996: 127). Auch wenn dort Machtverhältnisse wirkten, waren diese nicht gezielt auf die Produktion von Objekten im Raum ausgerichtet, die wiederum diese Macht stabilisiert. Die Stadt entstand daher aus den verschiedensten Bedürfnissen gleichzeitig und wurde auf unterschiedliche Weise wahrgenommen. Zur Beschreibung der Vielschichtigkeit nutzt Lefebvre die Metapher der Muschel, deren Struktur langsam und in Bezug auf die direkte Umwelt entsteht (Lefebvre 1996: 100 ff.). Zweitens implizierte „Stadt als œuvre“ den Gebrauchswert als das wesentliche Kennzeichen der Städte der Antike bzw. des Mittelalters. Es ging nicht darum, die Städte auf die Produktion von Waren auszurichten bzw. sie gar selbst als Ware zu verstehen, sondern sie durch das alltägliche Nutzen und Benutzen sich entwickeln zu lassen. Straßen und Plätze waren Räume der Begegnung und Orte der Kommunikation, bestimmte Ereignisse und Rhythmen waren Zeiten, die lediglich dem Vergnügen gelten konnten (Lefebvre 1972: 24 f.; Lefebvre 1996: 126). Daraus resultierend waren die Städte schließlich drittens Zentren des sozialen und politischen Lebens, keine reinen Machtzentren.

Die Ursache für die Auflösung, teils sogar Zerstörung

An Paris zeichnet Lefebvre (1972: 14 f.) diese Entwicklung nach (vgl. Schmid 2005: 133): Von der politischen Stadt (die das Land beherrschte, aber auch davon abhängig war) über die Handelsstadt (die sich durch Handel und Tausch von der Natur emanzipierte) schließlich zur Industriestadt (die fragmentiert ist, z. B. durch die Zerstörung des historischen Stadtbildes unter Haussmann und die Errichtung von Großwohnsiedlungen wie Einzelhaus-Vororten).

der traditionellen Städte sieht Lefebvre in der Ideologie der funktionalen Trennung im modernen Urbanismus: Die moderne Stadtplanung hat die Stadt in funktional spezialisierte Bereiche wie Wohngegenden, Büroviertel, Gewerbegebiete und Vororte zertrennt. Damit wurde das Fundament für weitere Separierungen gelegt, die städtische Kohärenzen zerstören. Die Trennung von Wohn- und Arbeitsplatz verursacht beispielsweise die Auflösung der Kohärenz zwischen verschiedenen Lebensbereichen auf individueller Ebene – Arbeit, Familienleben und Freizeit werden nun als unzusammenhängend und entfremdend erlebt – und des Bedürfnisses nach Kollektivität, deren Existenz erst Städte als Ergebnis von Begegnungen und gemeinsamer Gestaltung möglich macht (Lefebvre 1977a: 38 ff.; Lefebvre 1991: 57). Statt von diesem Raum als „Stadt“ zu sprechen, bezeichnet Lefebvre (1991: 285 ff.) ihn als „abstrakten Raum“. Mit der Planung und Quantifizierung des Raumes für die industrielle Produktion dominiert die Logik dieser Repräsentation andere Dimensionen des Raumes: Mit universellen Konzepten wird festgelegt, wie der Raum gebaut und gestaltet wird; und mit ihnen wird eine unternehmensorientierte Logik etabliert, die auch Imaginationen über den Raum beeinflusst. Die entsprechende Gesellschaft bezeichnet Lefebvre (1972: 10) als die „bürokratisch gelenkte … Konsumgesellschaft“, in der der Konsum über die Produktion des Raumes gelenkt wird. Alltägliche Wege sind genauso vorgegeben wie Möglichkeiten der Freizeitgestaltung und an entsprechende Konsumobjekte gebunden.

Mit diesen Trennungen ist der abstrakte Raum auf eine Effektivität getrimmt, die Städte einerseits morphologisch fragmentiert, sie andererseits jedoch homogenisiert entlang der gleichen wachstumsorientierten, betriebsartigen Produktionslogik, die die Produktion von Waren durch Arbeit und deren Konsumtion in Haushalt und Freizeit vorgibt. Fragmentierung und Homogenisierung sind die widersprüchlichen Prozesse, die die Stadt als œuvre zerstört haben, in dem einzelne Elemente (Menschen, Informationen, Objekte) aufeinander bezogen waren. Die Reichweite dieser Prozesse wird jedoch erst vollends mit dem dazugehörigen dritten, dialektisch vermittelnden Prozess greifbar: Hierarchisierung erzeugt einen abstrakten Raum, der nach Dominanzverhältnissen geordnet ist (Lefebvre 1991: 91; Lefebvre 2008: 133 f.).

Die Beschreibung eines vergangenen Städtischen mag nostalgisch wirken. Sie pointiert allerdings die weit reichende, tauschwertorientierte Regulation des Alltages jedes Einzelnen durch die rationalistische Stadtplanung und konsumorientierte städtische Ökonomie der industrialisierten Gesellschaft. Nach Merrifield (2006: 69) geht so das städtische Bewusstsein verloren. Zwar haben sich Städte mit der Industrialisierung vergrößert und in das Land ausgebreitet, sind aber zur Ware geworden, in der tauschwertorientierte Beziehungen dominieren. Dessen ungeachtet ein Objekt „Stadt“ beschreiben zu wollen – z. B. nach Modellen der Planung oder der Wissenschaft – zielt für Lefebvre in erster Linie auf das Bedürfnis ab, die Stadt auf quantifizierbare Funktionen zu reduzieren und so regulierbar zu machen. Mit dem Begriff „Stadt“ kann deswegen seit der Industrialisierung kein soziales Beziehungsmuster mehr benannt werden. Stadt sei soziologisch gesehen ein „Pseudobegriff. … In anderen Worten: Das ‚wirkliche‘ soziologische Objekt ist in diesem Fall Bild und – vor allem – Ideologie!“ (Lefebvre 1972: 65). Die alten Stadtzentren sind zwar die Bedingung für aktuelle Raumproduktionen, sie sind für Lefebvre jedoch Teil der urbanistischen Ideologie, dienen nur noch dem Tourismus und werden durch Marketing und Werbung kommodifiziert. Das wäre in der urbanisierten Gesellschaft anders: „Urban society … is another world. The urban is based on use value“ (Lefebvre 1996: 131).

Den Prozess des Verschwindens der Stadt als œuvre bezeichnet Lefebvre mit „Implosion-Explosion“: Obwohl Städte mit der Industrialisierung quantitativ wachsen, verkümmert die Stadt qualitativ und löst sich als Objekt auf –sie implodiert (Lefebvre 1972: 20; Lefebvre 1996: 65 ff.). Zugleich wird jedoch schon die Wurzel für die Urbanisierung der Gesellschaft gelegt (Explosion). Industrialisierung und Urbanisierung sind also ein Doppelprozess, in dem die Fragmente des abstrakten Raumes das historische Fundament für den möglichen neuen Raum bilden.

Das Urbane und Urbanisierung bei Henri Lefebvre

Lefebvre ist davon ausgegangen, dass die Gesellschaft sich schon in einer Phase befindet, in der sich in der einen (industriellen) Gesellschaftsform die nächste (urbane) durchsetzt. Das „Urbane“ ist gewissermaßen die Abkürzung für die „vollständig urbanisierte Gesellschaft“. Heute wird vielfach behauptet, die Gesellschaft sei nun urbanisiert – auch in Rekurs auf Lefebvre (z. B. Kofman/Lebas 1996: 34; Merrifield 2006: 76). Doch trotz vieler Veränderungen seit den 1970er Jahren ist diese Feststellung nicht haltbar, wenn Urbanisierung für die Überwindung homogenisierender, fragmentierender und hierarchisierender Raumproduktion steht. Dann würde Raum heute kollektiv gestaltet werden und gleichzeitig individuell und selbstbestimmt benutzbar sein. In allen kapitalistisch geprägten Gesellschaften kann das Urbane im Sinne Lefebvres nur virtuell existieren. Es steht für eine zukünftige Gesellschaft, die zwar bereits reale Wurzeln hat, sich jedoch erst langsam durchsetzt.

Der Begriff des Urbanen ist bei Lefebvre grundsätzlich als Angriff auf die bereits skizzierte Produktion des Raumes durch den technokratischen, funktionalistischen Urbanismus der Moderne zu verstehen. Voraussetzungen des Urbanen verdichtet das folgende Zitat: „It is a mental and social form, that of simultaneity, of gathering, of convergence, of encounter (or rather, encounters). It is a quality born from quantities (spaces, objects, products). It is a difference, or rather, an ensemble of differences” (Lefebvre 1996: 131; Hervorhebungen im Original).

Drei zentrale Merkmale werden hier erwähnt: Gleichzeitigkeit, Begegnung, Differenzen. Differenzen können jeglicher Art sein. Wichtig ist Lefebvre, nicht zu qualifizieren, was die Unterschiedlichkeiten genau charakterisiert. Im Gegensatz zu Besonderheiten sind Differenzen sozial begründet, das heißt, Unterschiede werden erst zu Differenzen, wenn sie zueinander in Beziehung stehen und eine Auseinandersetzung stattfindet (Lefebvre 2008: 111). Diese Auseinandersetzung ist oftmals eine zwischen Gegensätzen; sie ist allerdings urban, wenn sie durch ein Drittes vermittelt wird und wenn so Konflikte tatsächlich artikuliert und verhandelbar werden: „Das Urbane ließe sich somit als Ort definieren, an dem Konflikte Ausdruck finden“ (Lefebvre 1972: 186). Einer dialektischen Logik folgend wird Entwicklung also nicht als Folge sozialer Vereinbarungen, sondern als Folge von transformierten Gegensätzen gedacht. Entsprechend strebt Urbanisierung nicht auf einen stabilen Endzustand zu, sondern zeichnet sich im Gegenteil durch ein stetiges Werden aus.

Veränderungen werden im Urbanen nicht durch institutionelle oder staatliche Regulationen vorgegeben, sondern entstehen im unmittelbaren sozialen Leben, weshalb außerdem Begegnungen konstitutiv sind. Die differenziellen Elemente müssen sich begegnen, um nicht einfach ‚anders‘ zu sein. Begegnungen

Das Spielerisch-Vergnügliche und „intensive Erleben“ im Urbanen, das die große Bedeutung von Begegnungen widerspiegelt, resultiert aus Lefebvres Beteiligung an der „Situationiste Internationale“ sowie seiner Freundschaft zu Guy Debord (dazu Merrifield 2006: 59; Meyer 2007: 214).

wie die Versammlung von Gruppen oder auch die Konfrontation mit visuellen Repräsentationen bedürfen einerseits Orte als physisch-materielle Basis, andererseits Zeitpunkte, an denen sie stattfinden. Gleichzeitigkeit ist somit eine dritte Voraussetzung des Urbanen, durch die Beziehungen und Überschneidungen zwischen Menschen und Objekten erzeugt werden.

Differenzen, Begegnung, Gleichzeitigkeit: Diese drei Merkmale charakterisieren bei Lefebvre den Begriff „Zentralität“, die zur Begegnung von Differenzen über Gleichzeitigkeit führt (Lefebvre 1972: 53, 105). Die daraus resultierende größere Komplexität ist für ihn das qualitative Gegenstück zum quantitativen Wachstum (Lefebvre 1996: 123). Dass Zentralität Konflikte erzeugt, kann grundsätzlich Entwicklungen in verschiedenste Richtungen anstoßen, was auch Gefahren birgt. Eine impliziert schon Zentralität selbst: Einerseits besteht die Wirkmächtigkeit der Zentralität in der Zusammenführung unterschiedlichster Elemente der Gesellschaft. Andererseits besteht jedoch die Tendenz, dass der Zugang zu Zentralität von bestimmten Interessen kontrolliert und damit wieder limitiert wird (Lefebvre 1996: 170). Ein Charakteristikum des Urbanen wäre demnach, dass derartige Limitierungen durch eine dritte Begegnungsweise wieder aufgebrochen werden können und der politisch-rechtliche Rahmen entsprechende Selbstbestimmungen der Nutzenden zulässt.

Feste Mitbestimmungsformen sind folglich im Urbanen nicht vorgegeben, im Gegenteil gibt es nur den Rahmen für Selbstbestimmung (die „autogestion“

Zum Verhältnis von Staat und autogestion vgl. Brenner/Elden (2009: xxiv).

). Das Urbane bedarf daher einer spezifischen „Form“ (Lefebvre 1972: 125 ff.), über die Zentralität entsteht. Form bedeutet, dass nicht der Inhalt definiert werden kann und soll, sondern dass in ihr jeglicher Inhalt zusammenfinden kann, wenn auch auf eine durch die Form bestimmte Weise: „The form of centrality which, as a form, is empty, calls for a content and attracts and concentrates particular objects. By becoming a locus of action, of sequence of operations, this form acquires a functional reality. Around the centre a structure of (mental and/or social) space is now organized, a structure that is always of the moment, contributing along with form and function, to a practice” (Lefebvre 1991: 399, Hervorhebungen im Original).

Urbanisierung im Sinne eines steigenden Bevölkerungsanteils in Städten entspricht nicht der Urbanisierung, die als Praxis durch Relationen ihrer Elemente definiert ist, durch mögliche Beziehungen zwischen Menschen, Objekten, Wissen – samt der inhärenten Konflikthaftigkeit. Inwiefern Beziehungen tatsächlich bestehen, lässt sich mit einem Blick auf Funktion, Struktur und Form als ein weiteres dreiseitiges dialektisches Verhältnis erkennen. Wenn Städte lediglich eine Doppel-Funktion (als politisch-administratives sowie kommerzielles Zentrum) und Doppel-Struktur (als urbanes Erscheinungsbild sowie als breite sozialstrukturelle Zusammensetzung der Bevölkerung) kennzeichnet, diese allerdings nicht durch die Form der Zentralität als das Dritte verbunden sind, ist Urbanisierung noch nicht weit fortgeschritten (Lefebvre 1972: 88). Eine Erörterung, was die urbane Form der Zentralität bewirken würde, verdeutlicht nicht nur das Missverhältnis zwischen heterogener Bevölkerung (als Struktur) und Politik durch Eliten (als Funktion), sondern erzeugt auch eine Grundlage für eine dialektische Bewegung, in der Struktur und Funktion durch das Dritte vermittelt und in mehr Selbstbestimmung transformiert werden würden.

Die Relevanz von Begegnungen weist darauf hin, dass Urbanisierung ein Prozess ist, der durch die alltägliche Praxis erzeugt und in der alltäglichen Praxis erneuert wird: der Alltag ist der Ort der „urbanen Revolution“. Die Verbindung von Alltag und Revolution steht für eine schleichende, aber tief greifende Umwälzung, die an das Urbane als Zukünftiges eine kritische Perspektive knüpft. Es steht für eine Überwindung aktueller Limitierungen an kollektiver Selbstbestimmung sowie an freier Verfügung über Zeit und Raum. Lassen sich im Alltag Anzeichen der Überwindung erkennen, ist der Punkt erreicht, an dem die Urbanisierung beginnt. Diese kulturelle Revolution kann sich aber nur mit der Veränderung von staatlichen Institutionen sowie ökonomischen Produktionsverhältnissen durchsetzen. Wie bereits erwähnt, ging Lefebvre bereits zu seiner Zeit von dieser Phase aus, in der das Urbane im Begriff war sich durchzusetzen – real aber fast noch keinen Einfluss hatte (Lefebvre 1991: 88, 413). Eine Frage, die sich die Stadtforschung heute stellen kann, ist, inwiefern die „Virtualität“ des Urbanen weiterhin gilt und welche Hindernisse die völlige Durchsetzung einer solchen sozialen Praxis blockieren.

Wie dialektische Bewegungen Urbanes bereits erkennen lassen, illustriert Lefebvre (1972: 24 f.) z. B. am „Für und Wider“ der Straße: Sie ist einerseits Ort der Begegnung, hat Gebrauchswert und bietet damit eine Grundlage für das urbane Leben; andererseits sind diese Begegnungen auf der Straße als Durchgangsort oftmals nur oberflächlich und die Straße hat mit dem Zweck der Warenausstellung vor allem Tauschwert. Wenn diese Situation nun über die Straße als Ort der Kommunikation vermittelt wird, kann sie zum politischen Ort des kollektiven Widerstandes werden. Auch wenn dieser vorerst nur lokal bleibt, kann er – an eine Theorie gekoppelt – abstrahiert und mit Bewegungen an anderen Orten vernetzt werden (Merrifield 2002: 87). Eine mögliche Theorie stellt die der Produktion des Raumes bereit, wenn sie an die These der Urbanisierung der Gesellschaft gekoppelt ist. Sie beinhaltet, dass die vollständig urbanisierte Gesellschaft von einer bestimmten Produktionsweise des Räumlichen getragen wird. Im Folgenden wird daher der urbane Raum bzw. genauer: der Raum der vollständig urbanisierten Gesellschaft diskutiert.

Der Raum des Urbanen

Die raumbezogene Triade Lefebvres ist in den deutschsprachigen Raumwissenschaften wohl der bekannteste Part seines Werkes. Statt um die „Dinge im Raum“ geht es um die „Produktion des Raumes“. Kurz zusammengefasst besteht sie aus den dialektischen Beziehungen zwischen

den Repräsentationen des Raumes (dem konzipierten Raum, der aus gezielt entwickelten symbolischen Bildern, Planungen oder auch Leitbildern des Raumes besteht),

der räumlichen Praxis (dem wahrgenommenen Raum, der auf der Materialität des Raumes und den dadurch verursachten Praktiken beruht) und

den Räumen der Repräsentation (dem gelebten Raum, der per definitionem schwer fassbar ist, indem er die Gesamtheit aller räumlichen Vorstellungen und Erfahrungen auch subjektiver Art beinhaltet) (Lefebvre 1991: vor allem 38 f.).

Wie sehen nun diese Beziehungen aus, wenn dabei der Raum des Urbanen entsteht? Was charakterisiert urbane Raumdimensionen? Bevor ich diese diskutiere, bleibt darauf zu verweisen, dass dieser Raum ein differenzieller ist, was auf den Kernaspekt „Differenzen“ verweist, die in einer dreiseitigen dialektischen Beziehung stehen. Bezogen auf die drei Raumdimensionen hieße das beispielsweise, dass in einem konzipierten Raum wie „die tolerante Stadt mit hoher Lebensqualität“ nicht das Höchstpreisverfahren bei Grundstücksvergaben angewandt werden würde, so dass vorwiegend exklusive Neubauten als wahrgenommener Raum entstünden und somit das Gegenteil von dem unterstützt würde, was die Konzeption verspricht. Mit einem Dritten, mit dem Blick auf den gelebten Raum, wird diese ausweglos erscheinende Situation zu einem Prozess, der kritisiert und transformiert werden kann. Der dritte, vermittelnde Begriff hat bei Lefebvre nicht selten einen utopischen Gehalt, mit dem Kritik an bestehenden Verhältnissen einhergeht.

Genau wie Urbanisierung aus der Industrialisierung hervorgeht, geht der differenzielle Raum aus dem abstrakten hervor. Zwischen den Fragmenten des abstrakten Raumes, durch die Beziehungen zwischen Menschen und Dingen unterbrochen sind, stellt das Differenzielle wieder eine Verbindung her (vgl. Cunningham 2005: 22). Erneute Verbindungen und somit Differenzen selbst würden in der alltäglichen Praxis entstehen, die nicht von Konzeptionen beherrscht wird. Die Folgen wären die totale Autonomie über den Alltag und gleichzeitig ein gesellschaftliches, demokratisches Miteinander: Subjektiv-Ungeplantes einerseits sowie politisch-kollektive „autogestion“ sind die wesentlichen Kennzeichen des Urbanen. So wäre der Raum wieder ein œuvre, das nicht mehr reine Produktivkraft ist, durch den kapitalistische Wellen kontrolliert werden sollen (Brenner/Heeg 1999: 103).

Das Urbane nach Lefebvre ist also kein materieller Raum, braucht allerdings eine materielle Basis. Eine entsprechende urbane räumliche Praxis würde sowohl aus materiellen, von allen benutzbaren Orten der Begegnung bestehen als auch aus Gebäudestrukturen, die z. B. das Wohnen nicht mehr einfach als Funktion, sondern selbstbestimmt gestaltet befördern. Erreichbar wäre das unter anderem durch die Auflösung der funktionalen Trennung und durch kollektivierte Gestalt- und Nutzbarkeit öffentlicher Räume. Darüber hinaus entsteht mit diesem Raum eine Zeitlichkeit, die Benutzen ermöglicht: Die relativ freie Entscheidung über Teilhabe an Rhythmen ist die Basis für das Benutzen des Raums. Diese wahrgenommene Dimension des Raumes steht nun in Beziehungen zu den anderen.

Prägend für soziale Beziehungen ist – vor allem in stark regulierten Räumen – der konzipierte Raum. Urbane Repräsentationen des Raumes, z. B. in Politik und Planung, würden nicht mehr von einer klaren Planbarkeit des sozialen Lebens wie im abstrakten Raum ausgehen, sondern den Raum so entwerfen, dass diese Konzeption keine anderen Vorstellungen und Bilder dominiert. Darüber hinaus wären die Repräsentationen nicht mehr an Effektivität, ökonomischem oder rationalem Mehrwert orientiert. So würde schließlich auch ermöglicht, dass individuelle urbane Räume der Repräsentation entfaltet werden können. Denn obwohl die Repräsentationen des Raumes „the dominant space in any society“ sind (Lefebvre 1991: 38 f.), könnten sie auf eine Weise konzipiert werden, die die Räume der Repräsentation nicht determinieren oder behindern, sondern dass sie Rahmenbedingungen für deren vielschichtige, veränderbare Entwicklung sind. Der gelebte Raum bestünde in der urbanisierten Gesellschaft aus subjektiven Vorstellungen von Räumen, die auch in eine individuelle Praxis überführt werden könnte. Wünsche und Bedürfnisse sind Teil dieser Raumdimension, die nicht unbedingt artikulierbar sind, aber durch ihre vergrößerte Bedeutung in der differenziellen Raumproduktion besser realisiert werden können. Dahinter steht die Vorstellung, dass Begegnungen und intensive Erfahrungen die Passivität der Alltäglichkeit der Industriegesellschaft überwinden. So ist letztlich eine Basis für das aktive Gestalten des differenziellen Raumes gelegt, der den kollektiven, sich gegenseitig unterstützenden und nicht-exkludierenden Charakter des Gestaltens impliziert.

Im differenziellen Raum entstehen weiterhin Konflikte zwischen Objekten, Konzepten und Situationen, was ihn zu einem politischen Raum des Austausches macht. Es gab zwar nie einen Raum, in dem alle Differenzen eliminiert worden sind.

Beziehungen und Situationen, die nicht von dominanten Raumkonzeptionen unterworfen werden konnten, bezeichnet Lefebvre (1991: 233) als „Residuen“. Sie bilden die Samen für Übergänge zu einer anderen Raumproduktion.

Nach Lefebvre (1991: 371) ist der differenzielle Raum im Unterschied zu anderen Räumen allerdings durch „maximale Differenzen“ charakterisiert, die im Gegensatz zu „minimalen Differenzen“ nicht einfach entstehen und aus der Gestaltung des Raumes ausgeschlossen sind, sondern gezielt ermöglicht werden. Alle Dimensionen des differenziellen Raumes sind dementsprechend darauf ausgerichtet, möglichst viele Differenzen zuzulassen, die in Beziehung zueinander stehen und sich bedingen. Diese œuvre-Qualität der urbanisierten Gesellschaft entfaltet sich zudem frei – im Gegensatz zur vorgegebenen, kontrollierten Kohärenz im absoluten Raum – und ist ubiquitär. Urbanes Leben ist nicht auf bestimmte Orte beschränkt.

Für eine Analyse, ob und wie sich die Urbanisierung bereits durchsetzt, kann Urbanisierung zunächst entlang spezifischer Gruppen analysiert werden. Auch wenn nicht an bestimmten Gruppen wie Alten, Kreativen oder Migranten allein die Urbanisierung im Sinne Lefebvres festgemacht werden kann, können bestimmte Gruppen den Prozess befördern – seien es die genannten Gruppen, die auch sonst in Reurbanisierungsdebatten thematisiert werden, seien es soziale Bewegungen (dazu Lefebvre 1991: 379 f.). Fragen nach dem „Wie“ und dem „Wer“ bieten deswegen einen Einstieg in die Analyse, warum die Gesellschaft noch nicht urbanisiert ist.

Zur empirischen Forschung über Urbanisierung: Die Suche nach dem dritten Begriff

Das Urbane als etwas Beginnendes lässt erwarten, dass die Urbanisierung der Gesellschaft eine stetig voranschreitende Entwicklung ist. Sie deutet auch auf die Überwindung des Kapitalismus hin, so dass die These der Urbanisierung sehr vielfältige und tief greifende gesellschaftliche Veränderungen zusammenfasst. Daraus resultieren zwei zentrale Aufgaben für die empirische Forschung, die an Lefebvre orientiert ist: Erstens zieht das Verständnis des Urbanen als Gesellschaftsform ein so großes Themenspektrum nach sich, dass eine einzelne empirische Studie deren Komplexität kaum gerecht werden kann. Vor dem Hintergrund, dass die urbane Totalität jedoch aus (wenn auch verbundenen) Teilen besteht, können aus dem Urbanisierungsprozess Teilaspekte herausgearbeitet werden, die in sich analysierbar sind und im Kontext von Lefebvres Arbeiten interpretiert werden. Es besteht dazu grundsätzlich die Möglichkeit, entweder von aktuell drängenden Problemen bzw. Umbrüchen auszugehen und diese in Bezug auf das Urbane zu interpretieren oder andersherum nach räumlichen Prozessen zu suchen, die möglicherweise der Urbanisierung entsprechen. Zweitens ist das Urbane im Sinne Lefebvres noch immer nicht wirklich, sondern nur möglich. Da empirische Studien sich aber auf aktuelle und vergangene Verhältnisse beziehen müssen, kann der auf die jeweilige Fragestellung zugespitzte Entwurf eines Urbanisierungsprozesses ausschließlich dafür genutzt werden, an das zu untersuchende Problem bzw. Phänomen relevante Fragen zu stellen und die empirischen Ergebnisse entlang des Entwurfs kritisch zu reflektieren. Mögliche Umgangsweisen mit diesen zwei Aufgaben werden im Folgenden an Beispielen skizziert, die aus der Kernfrage hervorgehen, ob eine raum-zeitliche Flexibilisierung des Alltagslebens auf die Urbanisierung der Gesellschaft im Sinne Lefebvres hinweist.

Ausgangspunkte für empirische Analysen lassen sich in jeder Raumdimension finden: neue Querschnittsthemen in Planungsdokumenten, starke Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur oder Entwicklungen lokaler Interessenskoalitionen. Diese Ausgangspunkte sind grundsätzlich als historisch im Sinne von sozial hergestellten, räumlich und zeitlich spezifischen Momenten zu verstehen. Die Flexibilisierung des Alltagslebens hinsichtlich der zeitlichen Tages- und Wochenabläufe, aber auch hinsichtlich der Abgrenzungen von Lebensbereichen wurzelt sowohl in der Tertiärisierung und Spezialisierung der Ökonomie als auch in dem Bedürfnis nach Autonomie über den eigenen Alltag. Einen besonders großen Einfluss hat diese Entwicklung auf Quartiere, in denen sich Menschen mit einem sehr flexibilisierten Alltag konzentrieren. Durch neue Nutzungsmöglichkeiten und veränderte Alltagsabläufe verändern sich lokale Rhythmen, die wiederum neue Nutzer anziehen, allerdings den nicht-flexibilisierten Alltagsabläufen anderer lokaler Bewohner entgegenstehen können. Es stellt sich an diese Phänomene zunächst die Frage, auf welche Weise die drei räumlichen Ebenen zum Tragen kommen und weshalb dieses Verhältnis so entstanden ist. Lefebvre hat selbst der Standardisierung des Alltagslebens als Effekt der Industrialisierung eine hohe Aufmerksamkeit geschenkt, die vor allem durch die Trennung von Lebensbereichen und deren Zuordnung zu spezialisierten Räumen gesteuert wurde. Ist also die Auflösung von Trennungen des abstrakten Raumes ein Zeichen für den differenziellen Raum?

Mit den Überlegungen zur Produktion des Raumes wird klar, dass die Beobachtung individueller Arbeitsbedingungen, Familienverhältnisse oder Freizeitvorlieben nicht genug Auskunft über die Entstehung von Flexibilisierung und deren gesellschaftlicher Relevanz gibt. Erklärbar wird die Entstehung mit der Klarstellung der Beziehungen zwischen drei Momenten, die zunächst Gegensätze, dann aber daraus folgende Bewegungen verdeutlichen. Der dritte Begriff überwindet vermeintlich dichotome Pole (z. B. Lefebvre 1966: 21 ff.; Lefebvre 1974: 355; Lefebvre 1991: 39 f.; vgl. Schmid 2008). Der potenziell utopische Gehalt des dritten Begriffs verbindet die Analyse schließlich mit der Suche nach zukünftigen Möglichkeiten, weshalb Lefebvre sein methodisches Vorgehen als „regressiv-progressiv“ bezeichnete (z. B. Lefebvre 1972: 29). Ausgehend von beobachteten Verhältnissen werden also deren historischräumliche Bedingungen analysiert, um von da aus Möglichkeiten zu erkennen.

Die Geschichte der Raumdimensionen und deren wechselseitigen Beeinflussungen zeigen beispielsweise, dass staatliche Ziele oder ökonomische Restrukturierungen auf unterschiedliche Weise den wahrgenommenen Raum beeinflussen. So bedingen Flächennutzungspläne (als eine spezifische Repräsentation des Raumes) die Möglichkeit, Lebensbereiche wie Wohnen und Arbeiten räumlich konzentrieren zu können, unter anderem durch bauliche Vorgaben für die räumliche Praxis. Darüber hinaus beeinflussen Leitbilder wie „Wachsende Stadt“ oder – wie gegenwärtig in fast jeder Stadt – „Kreative Stadt“ die Vorstellungen von Räumen, die Teil des gelebten Raumes sind. Hamburg und New York sind Beispiele dafür, dass solche Instrumente bestimmte Quartiere besonders im Blick haben: So ist das Schanzenviertel in Hamburg ein Fokus in dem neuen Leitbild „Wachsen mit Weitsicht“

http://www.hamburg.de/leitbild/(letzter Zugriff am 07.05.2010).

, das die Leitbilder der ehemaligen Koalitionspartner CDU („Wachsende Stadt“) und GAL („Kreative Stadt“) vereint, die zwischen 2008 und 2011 regierten, und an dem alle weiteren Stadtentwicklungsprozesse ausgerichtet sein sollen. Und in New York wird unter anderem in Williamsburg (Brooklyn) eine ganz neue Flächennutzungsplanung mit dem „Greenpoint-Williamsburg Rezoning“

Das „rezoning“ bestimmt in New York nicht nur die reine Zuschreibung von Flächennutzungen, sondern enthält auch Planungsleitbilder; vgl. http://www.nyc.gov/html/dcp/html/greenpointwill/greenoverview.shtml (letzter Zugriff am 07.05.2010).

für eine neue Mischnutzung geschrieben.

Diese Beispiele zeigen erstens, dass auch mit der Auflösung starrer Planungsrationalitäten der gelebte und der wahrgenommene Raum gegenüber dem konzipierten nicht gestärkt werden und sich der differenzielle Raum bisher nicht durchsetzen kann. Darüber hinaus wird zweitens deutlich, dass die planungs- und politikbestimmenden Leitlinien vornehmlich auf ökonomisches Wachstum ausgerichtet sind. In den genannten Fällen wird dieses nicht zuletzt auch in den expliziten Bezügen auf die Thesen des Ökonomen Richard Florida (2005) deutlich, der die kreative Stadt deswegen beschreibt, weil die kreativen Menschen seiner Ansicht nach die Grundlage für das ökonomische Wachstum von Städten sind. Die Analyse von Planungsdokumenten kann demnach ein Mittel sein, grundlegende Entwicklungsziele der Politik sowie ökonomische Verhältnisse in der Einflussnahme auf konkrete Orte erkennbar zu machen.

Die methodische Umsetzung von Lefebvre-orientierten Studien kann sehr vielfältig sein und muss je nach Fragestellung angepasst werden (vgl. Macher 2007). Es ist von großer Bedeutung, alle Raumdimensionen separat zu berücksichtigen, allerdings mit dem Ziel, die Beziehungen und eventuelle Dominanzverhältnisse zwischen ihnen zu erörtern. Darin werden Machtverhältnisse und Konflikte deutlich, die eine historische Analyse von Räumen berücksichtigen muss (Schmid 2008: 29). Werden in den Räumen Differenzen zugelassen oder wird vielmehr eine Diversität gefördert, deren Elemente unverbunden und parallel existieren? Und wie dominant ist der konzipierte Raum? Das kann in Bezug auf Flexibilisierungen an Effekten von Repräsentationen wie die „24/7-Stadt“, in der alles zu jeder Zeit möglich ist, analysiert werden. Sie können den Druck erzeugen, selbst jederzeit verfügbar zu sein. Darüber hinaus ist die Beziehung zwischen Form und Inhalt relevant: Ziehen Treffpunkte, Partizipationsmöglichkeiten oder funktionale Öffnungen wirklich einen selbstbestimmten Alltag und kollektive Gestaltungen des Raumes nach sich? Wo werden Konflikte sichtbar und wie können sie überwunden werden? Im Kontext des international intensivierten Städtewettbewerbs ist z. B. aktuell der Widerspruch zwischen dem konzipierten Raum als „tolerante Stadt“ und dem gelebten Raum, aus dem bestimmte Gruppen sich verdrängt fühlen, ein typisches Merkmal von innenstadtnahen Stadtquartieren. An diese Konfliktbeschreibung schließen sich Fragen nach dem Verhältnis von alltäglichen Bedürfnissen und strategischer Planung an: Was wird baulich geplant und werden selbstbestimmte Orte als Drittes darin erstritten, die den Widerspruch zwischen Toleranz und Verdrängung überwinden? Entlang einer solchen Untersuchung kann gezeigt werden, dass partizipativ angelegte Quartierssanierungspläne oftmals trotzdem sehr selektiv sind. Die Beziehungen zwischen den Raumdimensionen zeigen so noch immer die hierarchisierende Beschaffenheit von Raumgestaltungen und damit von Exklusions- und Inklusionsverhältnissen.

In der Regel läuft eine solche Analyse auf die Benennung von Konfliktfeldern und die Kritik an dominanten Strukturen hinaus, die letztlich die Durchsetzung des Urbanen behindern. Diese Kritik ist selbst bereits ein Schritt hin zur Veränderung der analysierten Verhältnisse. Wenn auch Konflikte praktisch manchmal in einfachen Gegensätzen verharren, ist eine Suche nach dem Dritten eine Suche nach Bruchstellen in diesem Dominanzverhältnis: Gibt es z. B. in den Quartieren Orte, die explizit die Auflösung starrer Arbeitsrhythmen befördern und gleichzeitig aus der Kopplung von flexiblen Arbeits- und Lebensstrukturen an ökonomische Produktivität herausfallen? Das Entdecken und Verstehen solcher Orte unterstützt vergleichbare Entwicklungen und damit auch die Urbanisierung der Gesellschaft. Die These Lefebvres (2004: 3), dass Analysen selbst schon praktische Konsequenzen haben, gilt nur dann, wenn Analysen starre Dichotomien nicht reproduzieren, sondern ihre Bruchstellen herausarbeiten.

An dieser Stelle scheint ein wichtiges Moment von Lefebvres Perspektive auf die Gesellschaft durch: die ‚Transduktion‘ als Abgleich des Aktuellen mit dem Möglichen (Lefebvre 1972: 11, 176; Lefebvre 1977b: 131). Im Prinzip stellt Lefebvre mit diesem Begriff die Frage: Wo ist die Diskrepanz zwischen gegenwärtigen Begebenheiten und der vollständig urbanisierten Gesellschaft? Das Verständnis des Urbanen als etwas Zukünftiges (Mögliches), das sich allerdings bereits auf das Gegenwärtige (Aktuelle) auswirkt, stellt auch an empirische Beobachtungen die Aufgabe, das Aktuelle mit dem Möglichen abzugleichen – also transduktiv zu denken. Ein transduktives Denken erfordert eine dauerhafte Wechselwirkung zwischen theoretischen Konzeptionen und empirischen Beobachtungen, was letztlich die Urbanisierung selbst unterstützt (Lefebvre 1996: 160 ff.).

Das Urbane im Sinne Lefebvres und aktuelle Städte

Die Hauptfrage, die sich an Lefebvres These der Urbanisierung der Gesellschaft anschließt, ist die danach, welche Gesellschaft eigentlich gewollt ist und welche Art der Raumproduktion diese Gesellschaft hervorbringen und verstetigen kann. Der stetige Dialog zwischen empirischer Analyse und theoretischer Konzeption gibt darüber Auskunft, welche Bedürfnisse oder Problemlagen aktuell geäußert werden, wie diese entstanden sind und welche Entwicklungsrichtungen möglich sind.

Welche Rolle heutige Städte in diesem Zusammenhang spielen, ist bisher noch unklar geblieben. Denn Urbanisierung „cannot take place without the existence of privileged places and moments“ (Lefebvre 1996: 124). So erscheint es zunächst plausibel, dass Urbanisierung sich in Städten ausweitet. Nicht zuletzt wegen der Erfahrung der Revolten in Paris im Mai 1968 ist für Lefebvre „Urbanisierung“ der Begriff für einen sozialen Wandel geworden, der nur mit unterschiedlichen Gruppen (wie z. B. dem Zusammenschluss von Studierenden und der Arbeiterklasse) sowie mit der Politisierung des Raumes (wie der Rückeroberung zentraler Quartiere) realisiert werden kann (vgl. Elden 2004: 155 f.). Genauso zeigt das Beispiel allerdings auch, dass die angestoßenen Entwicklungen verpufft sind, weil sie nicht dauerhaft die Produktion des Raumes verändern konnten bzw. wollten (Lefebvre 1991: 55; Lefebvre 2008: 109). Für die Analyse von Urbanisierungsprozessen hat das die Konsequenz, dass die Stadt der Ort urbaner Momente sein kann – aber nicht muss. Dass der Raum des Urbanen von sozialen Dynamiken in den heutigen Städten ausgehen und in ihnen vorangebracht werden kann, bleibt zwar denkbar, ist aber nicht notwendigerweise so (Mayer 2009: 363). Das Urbane wird nicht in Abgrenzung zu Land definiert, sondern über die Möglichkeit, Verbindungen zwischen Gruppen und Wissensbeständen zu schaffen und Räume für eine andere Gesellschaft zu politisieren. Dichte, heterogene, öffentliche Orte sind vielleicht prädestiniert als Anknüpfungspunkte, als privilegiert gegenüber anderen können sie allerdings nicht verstanden werden.

Es besteht bei Studien, die sich an Lefebvre orientieren, die Gefahr, den Begriff „Stadt“ auf unterschiedliche, nichtkongruente Weise zu benutzen. Stadtforschung zu betreiben heißt nicht automatisch, urbane Prozesse im Sinne Lefebvres zu analysieren. Denn auch wenn sie physisch und funktional schwer abgrenzbar geworden sind, gibt es gegenwärtig Städte rechtlich, diskursiv oder politisch. Nur als sozialer Raum mit differenziellen Verbundenheiten existieren sie nach Lefebvre nicht mehr bzw. sind verkümmert. Zwei Vorgehensweisen verhelfen zur eindeutigen Unterscheidung andersartiger Stadtbegriffe: Erstens trägt die genaue Definition des Untersuchungsraumes zur Klärung bei. Je nach Fragestellung kann die zu untersuchende Stadt z. B. als administratives Territorium oder als diskursives Konstrukt beschrieben werden. Diese definitorischen Zuordnungen sollten in einer Studie dann durchgehend hergestellt werden. Nebenbei können sich hier auch andere Begriffe wie „Quartier“ oder „Stadtregierung“ als weiterführend erweisen. Und zweitens ist es sinnvoll, in der Bezugnahme auf Lefebvres Entwurf einer entstehenden Gesellschaft durchgehend von dem „Urbanen“ statt von der „Stadt“ oder dem „Städtischen“

Verwechslungen werden auch durch die irreführenden deutschen Übersetzungen von „révolution urbaine“ in „Revolution der Städte“ sowie von „urbanisation“ in „Verstädterung“ gefördert (vgl. Schmid 2005: 114).

zu sprechen. Letztlich ist die hier betonte Unterscheidung eine begriffliche, die jedoch Auswirkungen auf die damit angesprochenen Inhalte hat. Diese Abgrenzung kann auch durch die zusätzliche Konkretisierung unterstützt werden, was der Gegenstand ist, der auf die Urbanisierungstendenz hin untersucht wird. Sind es z. B. ökonomische Produktionsweisen, ist es angemessen, Begriffe wie „aktuelle“ bzw. „urbane“ Produktionsweise zu verwenden, deren Beziehung zu klären und diese wiederum als spezifischen Inhalt in die allgemeine Urbanisierung einzubetten.

Von der vollständig urbanisierten Gesellschaft kann zwar heute noch nicht als Tatsache ausgegangen werden, Samen des Urbanen sind hingegen zu entdecken. Die Rückbettung empirisch beobachtbarer Prozesse, deren analytisch-regressive Analyse, ist daher in doppelter Hinsicht wichtig: Einerseits bewirkt die weiterführende Interpretation der Beobachtungen, dass einzelne Transformationen in die Richtung des Urbanen nicht vorschnell als ‚Beweis‘ der vollständigen Urbanisierung herangezogen werden (auch wenn Differenzialität, Gebrauchswertorientierung oder Aneignungen erkennbar sind). Beispielsweise kann der Zusammenschluss sehr unterschiedlicher Initiativen zu einer gemeinsamen Bewegung als differenziell charakterisiert werden, wie es derzeit unter dem Titel „Recht auf Stadt“ passiert – eine Formulierung, die Lefebvre gleichzeitig als Forderung und Bedürfnis beschreibt, und das mit der Urbanisierung vorangetrieben werden soll (Lefebvre 1996: 185). Wenn aber nicht außerdem das Verhältnis der Raumdimensionen zueinander oder das Alltagsleben der Menschen weitergehend verändert wird, kann nicht unmittelbar der gesamte Raum als differenziell beschrieben und als das Urbane ausgewiesen werden. Andererseits können erste Anzeichen vom Prozess der Urbanisierung zeugen und ihn qualifizieren. Sowohl ihre eigene Reproduktion als auch das Verständnis ihrer Entstehung und Entwicklung schaffen letztlich die Grundlage für die Stabilisierung und Verbreitung urbaner Momente. Eine Bestimmung, ob diese Anzeichen marginal und temporär oder ob sie repräsentativ und stabil sind, ermöglicht, auch kleine lokale Veränderungen als gesellschaftlichen Wandel einzuordnen und gegebenenfalls als Urbanisierung zu verstehen.

Konkrete Veränderungen in diese Richtung sind bereits eingetreten, zeigen allerdings Folgen, die Lefebvre anders eingeschätzt hat: Es gibt beispielsweise mehr Entscheidungsmöglichkeiten, die alltäglichen Lebensbereiche selbst zu arrangieren oder verschmelzen zu lassen. Konsequenzen wie die Subjektivierung gesellschaftlicher Zwänge in Form von Selbstkontrolle oder der eingeschränkte Entscheidungsrahmen für Alltagsgestaltungen durch den Miet- und Wohnungsmarkt wurden von Lefebvre nicht ausreichend antizipiert. Es ist allerdings nicht richtig, wegen solcher Entwicklungen sein Werk als überholt anzusehen. Vielmehr zeigen sie, dass die historische Herausbildung der Einzelprozesse berücksichtigt und der Inhalt der Kritik immer aktualisiert werden muss. Die Fragen nach der Konzeption von Zentralität und nach der Diskrepanz zur realisierten Zentralität im Alltag sowie die Suche nach Ursachen für die dialektische Triplizität als „Erkenntnisweise“ (Lefebvre 1966: 31) führten Lefebvre dahin, Alltäglichkeit als hoch entwickelte Ausbeutung sowie als überwachte Passivität infolge der Industrialisierung zu kritisieren. Die gleichen Fragen können gegenwärtig den hohen Druck auf innenstädtische Quartiere (und damit Verdrängungen) erklären, die die räumliche Konzentration von verschiedenen Lebensbereichen ermöglichen. Die erhöhte Kohärenz von Lebensbereichen wiederum kann nicht ohne die flexibilisierte Ökonomie verstanden werden. Das mögliche Urbane als vermittelnde Ebene zwischen lokalen Lebensverhältnissen und sozialen Institutionen macht außerdem die Perspektive handhabbar, die Veränderungen von Wohnortentscheidungen oder alltäglichen Wegen als Wechselspiel individueller Entscheidungen und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen zu begreifen.

Der bedachte Umgang mit dem Begriff des Urbanen als dem vermittelnden Dritten erleichtert letztlich das prinzipielle Verständnis von räumlichen Entwicklungen. Die Entwicklung des sozialen Raumes durch die Veränderungen der spezifischen Beziehungen zwischen den drei Raumebenen entspricht der Entwicklung der Gesellschaft. Eine kritische Raumanalyse nutzt die Produktion des Raumes daher nicht lediglich als Instrument der Raumbeschreibung, sondern auch als Mittel, mögliche Transformationen der bestehenden sozialen Verhältnisse zu erörtern. Der Entwurf der urbanisierten Gesellschaft mit ihrem differenziellen Raum bietet die Referenzfolie für eine solche Kritik, die sich auf die Diskrepanzen zwischen eben diesem Raum und dem aktuellen Raum richtet. Der Blick auf das Urbane als Beginnendes lässt räumliche Prozesse in ihrer Konflikthaftigkeit greifbar werden, ohne Konflikte auf einfache, dichotome Gegensätze zu reduzieren.

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