1. bookVolume 58 (2000): Issue 2-3 (March 2000)
Journal Details
License
Format
Journal
eISSN
1869-4179
First Published
30 Jan 1936
Publication timeframe
6 times per year
Languages
German, English
Open Access

Rezensionen

Published Online: 31 Mar 2000
Volume & Issue: Volume 58 (2000) - Issue 2-3 (March 2000)
Page range: 254 - 260
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Journal
eISSN
1869-4179
First Published
30 Jan 1936
Publication timeframe
6 times per year
Languages
German, English

Nationalatlas Bundesrepublik Deutschland. Hrsg.: Institut für Landerkunde, Leipzig. - Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag 1999. Bd. I: Gesellschaft und Staat, 164 S.; Bd. 2: Freizeit und Tourismus, 160 S. Elektron. Ausgabe auf CD-ROM (April 2000)

Der erste Band des Nationalatlas Bundesrepublik Deutschland ist Ende 1999 in gedruckter Form erschienen, die elektronische Ausgabe auf CD-ROM folgte im April 2000. Der Nationalatlas wird vom Institut für Landerkunde in Leipzig herausgegeben, unter Mitwirkung von fachlich nahestehenden Instituten und verschiedenen Bundesbehörden. Der Atlas reiht sich ein in die Nationalatlanten vieler europäischer Nachbarn, wenn auch mit etwas Verspätung auf Grund der besonderen politischen Situation vor der deutschen Einigung.

In insgesamt zwölf Banden soll durch die Darstellung einer Auswahl von regional bedeutsamen Faktoren ein repräsentatives Bild der Bundesrepublik Deutschland entstehen. Die Bände werden in etwa halbjährlichen Abstanden auf den Markt kommen, die zugehörige elektronische Ausgabe etwa drei Monate später. Die elektronische Ausgabe soll die Nachteile des Printmediums abschwächen, etwa die statische Präsentation und den Mangel an Aktualität. Es ist vorgesehen, dass in den elektronischen Ausgaben die wichtigsten Karten aus früheren Bänden mit aktuellen Daten auf den jeweils neuesten Stand gebracht werden.

Der vorliegende Band „Gesellschaft und Staat” ist, wenn man so will, auch ein Konzept zum Inhalt und zur Gestaltung des Gesamtwerks. In den vorangestellten Überblicken, den Kapiteln „Deutschland im Spiegel der Geschichte”, „Der deutsche Staat heute” und „Räumliche Gliederung und Raumplanung” wird die historische Entwicklung und der aktuelle administrative Status der Bundesrepublik Deutschland präsentiert. Die Kapitel „Deutschland - eine differenzierte Gesellschaft” und „ Wirtschaft undArbeitswelt“beschäftigen sich mit aktuellen Themen zum Zusammenleben, der Kultur und der Wirtschaft, die in späteren Bänden vertieft werden sollen. Das letzte Kapitel stellt einige Schwerpunkte der internationalen Verflechtungen dar, die unter anderem für das Exportland Deutschland wichtig sind.

Die Autoren aus verschiedenen raumwissenschaftlichen Fachdisziplinen präsentieren die einzelnen Themen des Bandes auf jeweils zwei oder vier Seiten. In der Regel sind die für das Thema bedeutsamen Indikatoren in einer großformatigen Übersichtskarte dargestellt. Ein ausführlicher Text führt in das Thema ein und gibt Erklärungen für die räumliche Verteilung. In Nebenkarten, unter anderem auch für regionale Besonderheiten, in Tabellen, Diagrammen und Fotografien werden zusätzliche Informationen zur Verfügung gestellt. Die Quellennachweise sind am Schluss des Bandes zusammengefasst.

Die kartographische Gestaltung, also grafische Umsetzung der Variablen und Indikatoren in ein gut erfassbares Bild, ist sehr vielfältig, was bei den vielen Autoren nicht verwunderlich ist. Insgesamt sind kaum Verstöße gegen die Regeln der visuellen Transkribierung festzustellen. Das ist in einer Zeit, in der fast alle Karten mit Rechnerunterstützung hergestellt werden, keineswegs selbstverständlich. Manche Karten sind allerdings nur schwer lesbar, weil die Autoren der Versuchung nicht widerstehen konnten, zu viele Sachverhalte in einer Karte unterzubringen, anstatt sich auf eine oder zwei wichtige Variablen zu konzentrieren. Weniger geübten Kartenlesern wird es schwer fallen, mehrere Sachverhalte in einer Karte visuell zu einem Gesamtbild zu verknüpfen. Am Schluss des Bandes sind die wichtigsten Punkte der Gestaltung von thematischen Karten in geraffter Form zusammengefasst. Die graphische und drucktechnische Qualität aller Karten ist hervorragend.

Die elektronische Ausgabe auf CD-ROM kann auf Grund der Beschränkungen des Mediums die hohe graphische Quälitat der gedruckten Version nicht bereitstellen. Die Texte mussten gekürzt werden, die eine oder andere Tabelle, ein Diagramm oder Foto fielen weg. Auf der anderen Seite sind zusätzliche Gestaltungselemente, Informationsmöglichkeiten und Navigationshilfen möglich, die das Printmedium nicht bieten kann. Bei vielen Karten kann der Nutzer Teile auf dem Bildschirm vergrößern und sich die Indikatorwerte von einzelnen

Raumeinheiten anzeigen lassen. Die räumliche Entwicklung über die Zeit kann in einer kartographischen Animation dargestellt werden. Die auf der CD-ROM enthaltenen Animationen, etwa der Wahlergebnisse bei drei Bundestagswahlen, sind allerdings keine überzeugenden Beispiele für diese Darstellungsform. Bei einigen Karten mit Proportionalsymbolen waren vielleicht andere Symbole und Abbildungsfaktoren besser geeignet gewesen.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Der Nationalatlas ist keineswegs mit den Planungsatlanten zu vergleichen, wie sie mit unterschiedlichem regionalem Bezug in den 60er und 70er Jahren entstanden sind. Die Funktion der Planungsatlanten ist heute von den Geo- Informationssystemen übernommen worden. Geo- Informationssysteme können die Planungsgrundlagen mehr zielgruppenspezifisch, besser verknüpfbar und zeitnäher bereitstellen. Die Informationen sind in vielen Fällen direkt über Internet-Verbindungen abfragbar oder können auf CD-ROM bezogen werden, wie etwa INKAR des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung. Der Nationalatlas ist die Momentaufnahme eines Zustandes, der sich in unterschiedlichen Zeiträumen ändert. In der elektronischen Version ist eine Möglichkeit vorhanden, während der mehrjährigen Produktionsphase des Atlasses die wichtigsten Indikatoren auf einem vergleichbaren Stand zu halten.

Es bleibt zu hoffen, dass die Akzeptanz des Nationalatlas, damit die Verkaufszahlen und die weitere finanzielle Unterstützung so hoch sind, dass die geplanten Bände mit der gleichen fachlichen und kartographischen Qualität im vorgesehenen Zeitrahmen produziert werden können.

Wolf-Dieter Rase; Wendelin Strubelt (Bonn)

Erfolgreiches kommunales Standortmarketing durch computergestützte Fuzzy-Logik Systeme?

Wolfertz, Klaus: Strategieentwicklung im kommunalen Standortmarketing. - Göttingen 1999. = Göttinger Wirtschaftsinformatik, Bd. 28

Kommunale Wirtschaftsförderung und Standortmarketing haben gerade auch im Hinblick auf die Verwirklichung des europäischen Binnenmarktes, der weltweiten Deregulierung und Öffnung der Märkte an Bedeutung gewonnen. Die meisten Kommunen Deutschlands verfügen über gute Standortfaktoren, was die ubiquitäre Verfügbarkeit von Infrastruktur (Bildungssystem, Verkehrswege usw.) betrifft. Dies verleitet zu einer Kopie der Aktivitäten auf dem Gebiet des Standortmarketings. Beispielsweise sind die meisten Kommunen geeignete Standorte für High-Tech- Branchen und liegen „im Herzen Europas“. Eine auf einer konkreten Stärken-Schwächen-Analyse basierende Strategieentwicklung des Standortmarketings und damit eine Spezialisierung des Standortes unterbleibt meistens. Dadurch wirkt kommunales Standortmarketing oftmals recht hilflos. Auf diese Weise wird die Chance, sich im europäischen Wettbewerb optimal zu präsentieren, vertan.

Das Ziel der von Klaus Wolfertz vorgelegten Dissertation ist es, auf dieses Manko hinzuweisen und somit einen Beitrag zur Effizienzsteigerung der kommunalen Wirtschaftsförderung zu leisten. „Insbesondere kommt es darauf an, sich über die Qualität des eigenen Standorts im klaren zu sein, die Wünsche und Erfordernisse zu kennen und über das Angebot an Konkurrenzstandorten informiert zu sein.“ (S. 22)

Allerdings ist der Titel etwas irreführend: Es geht weniger um einen Überblick über bewährte Konzepte der Entwicklung einer individuellen Strategie im kommunalen Standortmarketing als vielmehr um die Präsentation einer auf ein „Fuzzy-Logic-System“ gestützten Strategie zur bestmöglichen Vermarktung kommunaler Gewerbegebiete. Mittels einer computergestützten Abwägung von Standortfaktoren soll ein für die Kommune unverwechselbares, attraktives Profil erstellt werden. Denn „aus der Unbestimmtheit des Produkts Kommune, dem Nichtwissen, was den eigenen Standort auf dem Markt eigentlich ausmacht, wen seine Vorteile interessieren könnten und wer seine Nachteile in Kauf nehmen würde, resultieren zwangsläufig unbestimmte Vorstellungen über Zielgruppen und die dementsprechende Ausrichtung von Marketingmaßnahmen.“ (S. 46) Ausgehend von den von den Unternehmen am besten beurteilten Faktoren wird untersucht, ob und inwieweit gerade Kombinationen aus den verschiedenen Stärken des Standortes im Vergleich mit den im Computer gespeicherten Konkurrenten einzigartig und damit unverwechselbar sind. Diese stellen einen besonders erfolgversprechenden Anknüpfungspunkt für Marketingmaßnahmen dar, um die für den Standort optimale Branchenspezialisierung zu erreichen. Anhand der drei niedersächsischen Städte Melle, Bramsche und Bad Sachsa vergleicht er die mit der Fuzzy-Logic-Methode gewonnenen Ergebnisse mit den Resultaten der von den drei Städten im Auftrag gegebenen Studien zur Gewerbeflächenentwicklung und Standortpositionierung. Klaus Wolfertz kommt zum Schluss, dass die Ergebnisse nahezu identisch sind mit den Inhalten der Studien, aber mit einem erheblich geringeren Zeit- und Kostenaufwand gewonnen werden konnten. Ein weiterer Vorteil der computergestützten Strategienentwicklung ist deren Benutzerfreundlichkeit und Aktualität. Über „Updates“ ist sichergestellt, dass eine qualitativ hochstehende Analyse der Wettbewerbssituation, fußend auf der aktuellen Entwicklung, geleistet werden kann.

Der theoretische Teil leidet an Verallgemeinerungen, die so sicher nicht haltbar sind. Es wird vorschnell der Kommunalverwaltung attestiert, dass ihr Handeln „im Konflikt zu Marketinggrundsätzen steht“, und viele Wirtschaftsförderer einem „marktorientierten Denken und Handeln gegenüber nicht aufgeschlossen seien.“ (S. 44) Aus der Sicht von Unternehmen mag diese Aussage zuweilen zutreffen. Sie verkennt aber die Tatsache, dass kommunale Wirtschaftsförderung als eine der Allgemeinheit dienende Aufgabe angesehen werden und somit nicht unbedingt den (Maximal-)Forderungen der Unternehmen entsprechen muss. Was kommunale Wirtschaftsförderung anbelangt, lässt sich viel eher verallgemeinern, dass gerade vor dem Hintergrund der Globalisierung diese oftmals zur „Chefsache“ erklärt worden ist und die Städte und Gemeinden sich europaweit einen Wettbewerb um das beste Dienstleistungskonzept zur Anwerbung und Betreuung bestehender Unternehmen liefern. Auch darf nicht vergessen werden, und darauf weist der Autor zu Recht hin, dass die Akquisition neuer Unternehmen zweitrangig gegenüber der Betreuung bestehender Betriebe anzusehen ist. Trotz der zweifelsohne heute mobileren Unternehmensstrukturen sind Betriebsverlagerungen - vor allem durch das von der EU auferlegte generelle Beihilfenverbot - eher als zweitrangig anzusehen. Zur Entwicklung und Sicherung des Wirtschaftsstandortes kommt es heute entscheidend darauf an, die vorhandenen Betriebe zu betreuen, deren Wachstum zu sichern und ihnen bei Notlagen beratend zur Seite stehen. Ein Buch mit dem Titel „Strategieentwicklung im kommunalen Standortmarketing“ hätte diesen Punkt stärker berücksichtigen müssen. So gesehen ist die Dissertation weniger als Leitfaden für eine Strategieentwicklung im kommunalen Standortmarketing als vielmehr als Plädoyer für den Einsatz computergestützter Standort-Analyse-Systeme zu verstehen. Der Autor kann überzeugend nachweisen, dass gerade für kleinere Gemeinden und Wirtschaftsfördergesellschaften derartige computergestützte Analysen ein wichtiges und vergleichsweise preiswertes Instrument darstellen, dem eigenen Standort ein eigenes Profil zu verpassen und ihn somit erfolgversprechend in Europa zu platzieren.

Raymond Salier (München)

Liebig, Wolfgang: Desktop-GIS mit ArcView GIS. Leitfaden für Anwender. 2., neubearb. und erw. Aufl. - Heidelberg: H. Wichmann Verlag 1999. 425 S., Abb., Tab., Anh., Index

Der Anlass zu diesem Leitfaden war für den Autor das Fehlen einer vollständigen Beschreibung von ArcView GIS in deutscher Sprache. Inzwischen ist mit der Auslieferung der deutschen Version von ArcView GIS 3.1 zwar auch eine deutschsprachige Dokumentation erschienen, die jedoch den Nachteil hat, dass die Screenshots aus der englischsprachigen Version stammen. Dem Autor erschien es auch wichtig, neben der Bedienung der ArcView GIS-Benutzeroberfläche sowohl Grund-kenntnisse über Geo-Informationssysteme als auch Kenntnisse über das Programmieren mit ArcView GIS zu vermitteln.

Das Buch gliedert sich in 10 Kapitel. Nach der Einleitung (Kap. 1) wird in Kap. 2 „Geo-Informationssysteme (GIS)“ auf 15 Seiten dargestellt, was ein GIS ist, welche Funktionen es umfasst, welche Daten es verarbeitet und welche Hard- und Software benötigt werden. Es schließt ab mit einigen Beispielen für Bearbeitungs- und Analysewerkzeuge. Kap. 3 „ArcView GIS-Einführung“ (20 S.) beschreibt die Programmkomponenten, den Aufbau und die Bedienung von ArcView GIS und bietet mit einem praktischen Einführungsbeispiel die Möglichkeit, sich am PC in einer ersten Sitzung mit der GIS-Software anzufreunden. Dem Thema „Projekte“ ist Kap. 4 (14 S.) gewidmet. Ein Projekt bezeichnet in ArcView GIS die Arbeitsorganisation und Verwaltung von GIS-Dokumenten wie Views („Karten“), Tabellen, Diagrammen und Scripts und wird in einer Projektdatei gespeichert.

Auf rund 120 Seiten behandelt Kap.5 „Views und Themen“ die zentralen Elemente: Ein View ist eine elektronische Karte mit all den Vorteilen der elektronischen Verarbeitungsmöglichkeiten, und ein Thema besteht immer aus (raumbezogenen) Daten einer Objektklasse (Punkte, Linien, Flächen). Hier werden die unterschiedlichen Auswahlverfahren, wie z. B. logische oder raumbezogene Abfragen, beschrieben, die die analytische Komponente eines GIS ausmachen. Ebenso wird vorgeführt, wie man Objekte in ein Thema einfügt, wie man Objekte bearbeitet, wie man eine Legende für Objektthemen erstellt, wie man Grafiken und Text in einem View bearbeitet, wie man eine Geocodierung (z. B. von Adressdateien) durchführt, wie man Rasterdaten (z.B. ein Satellitenbild) in ein View lädt und wie man Pufferzonen um Objekte erzeugt.

Zu jedem Objekt in einem Thema gibt es einen Datensatz, der dieses Objekt beschreibt; die Gesamtheit dieser Datensätze in einem Thema ist die Tabelle. Damit befasst sich Kap. 6 „Tabellen“ (35 S.), insbesondere was das Verwalten von Tabellen und das Arbeiten mit Datensätzen und Tabellenwerten (Auswählen, Sortieren, Berechnen, Verbinden, Verknüpfen, Hinzufügen) betrifft. Nummerische Tabellenwerte können in ArcView GIS in Diagrammen visualisiert werden. Es liegt also nahe, in einem weiteren Kapitel (Kap. 7 „Diagramme“, 27 S.) die diesbezüglichen Werkzeuge und die damit erzielbaren Ergebnisse vorzustellen. Nach diesen analysebezogenen Ausführungen folgt mit Kap. 8 „Layouts“ (30 S.) die Behandlung des Werkzeugsatzes, mit dem raumbezogene Daten präsentiert und mit dem Karten erstellt werden können.

Der Leser, der bis zu diesem Kapitel mit einer abschließenden Übung vorgedrungen ist, sollte jetzt bestens über ArcView GIS informiert sein. Der didaktisch hervorragende Leitfaden hat ihm auch vermittelt, wie mächtig das Werkzeug ist, das er mit ArcView GIS (in der aktuellen Version 3.1) besitzt.

Die beiden letzten Kapitel wenden sich eher an den fortgeschrittenen Anwender. So führt Kap. 9 „ArcView GIS-Programmierung“ (57 S.) in die objektorientierte Programmiersprache Avenue ein, mit der man unter anderem die gesamte Benutzeroberfläche von ArcView GIS ändern kann, und Kap. 10 „Erweiterungen für ArcView GIS“ (63 S.) informiert ausführlich über zusätzliche Programm-Module, die in ArcView GIS zugeladen werden können. Dabei handelt es sich einerseits um solche Module, die in dem Software-Paket selbst enthalten sind und zum anderen um optionale Erweiterungen, die man bei ESRI kaufen kann. In einem Anhang (19 S.) wird eine Übersicht über die ArcView GIS-Funktionen gegeben.

Autor und Verlag gebührt Dank für diesen gelungenen umfassenden Leitfaden.

Volkmar Kroesch (Bonn)

Jürgen Aring: Suburbia - Postsuburbia - Zwischenstadt. Die jüngere Wohnsiedlungstätigkeit im Umland der großen Städte Westdeutschlands und Folgerungen für die regionale Planung und Steuerung. - Hannover 1999. = Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL) (Hrsg.): Arbeitsmaterial, Nr. 262

Spätestens seit Tom Sieverts' „Zwischenstadt“ ist die Diskussion um die Entwicklungstendenzen und -perspektiven der Stadtregionen neu entbrannt. Diese Diskussion ist zwangsläufig facettenreich und berührt politische, ökonomische, planerische und administrative Fragestellungen gleichermaßen. Jürgen Aring hat sich mit der vorliegenden Arbeit der schwierigen Herausforderung gestellt, das komplexe Wirkungsgefüge der jüngeren Wohnsiedlungsentwicklung im Umland der großen Städte Westdeutschlands zu analysieren, wobei er sich im empirischen „Kern“ der Arbeit auf drei umfangreiche Fallstudien aus den Verdichtungsräumen München, Dortmund und Stuttgart stützen kann. Bei seiner Analyse der aktuellen Entwicklungen in der „Zwischenstadt“ bzw. in „Postsuburbia“ geht Aring konsequent von der Überzeugung aus, dass der Siedlungsdruck auf das Umland der großen Städte durch inneres Wachstum und durch Zuwanderung auf absehbare Zeit fortbestehen wird und damit der planerische bzw. politische Gestaltungsbedarf eher zunehmen wird. Er versteht seine Arbeit deswegen nicht zuletzt als einen Beitrag zur Modernisierung des Planungssystems. Dabei konzentriert er sich vor allem auf die Frage, welche Weichenstellungen erforderlich sind, „damit die Wohnsiedlungsentwicklung im Umland der großen Städte sozialer, umweltschonender und ästhetisch befriedigender verlaufen kann“.

Der Aufbau der Arbeit ist klar und folgerichtig. Einer einleitenden Standortbestimmung, in der die Tendenzen und Kontexte der Umlandurbanisierung sowie der Stand der wissenschaftlichen und planerischen Diskussion aufgearbeitet werden, folgt eine intensive Auseinandersetzung mit den Triebkräften und Konzepten der Umlandurbanisierung im historischen Kontext der jeweiligen städtebaulichen und raumordnerischen Leitbilder sowie wohnungsbaupolitischen Rahmenbedingungen von der Industrialisierung bis zur Gegenwart. Auch einer intensiven Auseinandersetzung mit US- amerikanischen Entwicklungen geht Aring nicht aus dem Wege. Einen breiten Teil nimmt der empirische Teil mit den angesprochenen Fallstudien ein, deren Ergebnisse eingehend diskutiert werden. In den beiden abschließenden Kapiteln geht Aring dann auf die aus seiner Sicht für eine zukunftsfähige Gestaltung der Stadtregionen erforderlichen institutionellen und planerischen Innovationen ein.

Aring gelingt es, Erkenntnisse aus Theorie, Empirie und politisch-planerischer Praxis zu verbinden und auf städtebauliche, regionalplanerische, demographische, immobilienwirtschaftliche, politische und verwaltungsorganisatorische Aspekte gleichermaßen einzugehen. So sachlich und präzise die Auseinandersetzung mit den theoretischen Grundlagen und den empirischen Ergebnissen erfolgt, so deutlich wird das Engagement des Verfassers für einen veränderten Umgang mit den „postsuburbanen“ Entwicklungen in den Stadtregionen. Er verweist immer wieder darauf, dass der Blick in der politischen und planerischen Diskussion zu sehr eingeengt sei auf „die alte Stadt“, d.h. die mittelalterlichen Kerne und die Gründerzeitviertel, während der Stadtrand und die traditionell als „suburban“ bezeichneten Räume, in denen der größte Teil der stadtregionalen Bevölkerung lebt, konzeptionell ausgespart bleibe und in der umgangssprachlichen Diskussion meist mit negativen Bezeichnungen („Siedlungsbrei“ usw.) umschrieben werde.

Besonders kritisch geht Aring mit der von ihm ausgemachten (regional-)planerischen Praxis ins Gericht, in den Verdichtungsräumen eine Politik der Baulandverknappung zu betreiben und dabei ökologische Begründungen heranzuziehen. Aus Arings Sicht ist gerade die Verknappung (und die dadurch bewirkte Verteuerung) von Bauflächen im Kernbereich der Stadtregionen für fatale Fehlentwicklungen verantwortlich. Sie führe zu Ausweichstrategien der privaten Haushalte, die den Siedlungsdruck in weit außerhalb der Verdichtungskerne gelegene Gebiete verlagern, wo die präferierten Wohnformen und die angestrebte Eigentumsbildung zu erschwinglichen Preisen realisiert werden könne.

Auf der Grundlage seiner theoretischen Überlegungen sowie seiner empirischen Ergebnisse entwickelt Aring im wesentlichen zwei Argumentationslinien für die Weiterentwicklung regionaler Planung und Steuerung:

Da die institutionellen Rahmenbedingungen nach Arings Überzeugung nicht mehr den stadtregionalen Problemen und Handlungserfordernissen gerecht werden, plädiert er für eine stärkere Herausbildung der Region als Handlungseinheit bzw. als „institutionelles Dach über Kernstadt und Umland“. Dabei fordert er eine klare Teilung in „primärkommunale“ und „sekundärkommunale“ Kompetenzen, wie sie z.B. in den nordeuropäischen Ländern üblich ist.

Da Aring den Eindruck hat, dass die herkömmliche Regionalplanung mit der Bewältigung der Wachstumsprozesse in den Stadtregionen überfordert ist (was er aber nicht als Vorwurf verstanden wissen will), hält er die Modernisierung der Regionalplanung in Richtung eines „Diensüeisters für die Region“ für erforderlich, wozu er sieben Thesen zur Diskussion stellt.

Auch wenn diese sieben Thesen noch nicht im einzelnen durch konkrete umsetzungsreife Vorschläge unter-mauert sind, wird die auch aus der Sicht des Rezensenten unausweichliche und notwendige Diskussion um das Selbstverständnis der Regionalplanung im 21. Jahrhundert nicht an Arings Überlegungen vorbeikommen. Gerade seine Hinweise auf die bislang zu geringe Berücksichtigung der Wirkungen planerischer Festlegungen auf den Bodenmarkt und damit auf die Entscheidungen privater Haushalte treffen eine offene Flanke der Regionalplanung.

Arings Arbeit lässt Souveränität im Umgang mit städtebaulichen Leitbildern, mit den Gesetzen des Marktes sowie mit politischen und administrativen Rahmenbedingungen gleichermaßen erkennen. Sie zeigt interessante Wirkungsgefüge und Funktionszusammenhänge auf, die eine Bereicherung der planerischen Diskussion sind. Sie ist nicht nur wissenschaftlich fundiert und praxisnah, sondern auch in einem angenehm lesbaren Stil verfasst. Mit ihren interessanten und anregenden, manchmal auch provozierenden Überlegungen zur Gestaltung von „Postsuburbia“ sollte sie zur Pflichtlektüre für alle Planerinnen und Planer, aber auch für diejenigen in der politischen Verantwortung werden, die an einer aktiven und zukunftsorientierten Gestaltung unser Stadtregionen interessiert sind.

Axel Priebs (Hannover/Kiel)

Hasse, Jürgen: Mediale Räume. - Oldenburg: Bibliotheks- und Informationssystem der Universität Oldenburg 1997. 207 S., Abb., Tab., Lit. = Wahrnehmungsgeographische Studien zur Regionalentwicklung, H. 16

Das Thema der vorliegenden Arbeit sind Räume, die als Schnittstellen zwischen der Leiblichkeit des Menschen und seiner Umwelt begriffen sind. Sie umgeben den Menschen wie die Schalen einer russischen Puppe. Diese Räume, die als imaginäre Schnittstellen im Mensch-Umwelt-Verhältnis lebendig werden, wenn der Mensch in sie eintritt, haben Macht über ihn, indem oder insofern sie etwas für ihn bedeuten. Diese Räume präsentieren sich sowohl „materiell-möbliert” als auch „immateriell-medial”; Letzteres, indem der Raum als ein „Vermittler“ oder „Träger” von Bedeutungen oder von das Befinden und das Handeln - steuernden „Informationen“ zu betrachten ist. Mediale Räume spannen sich zwischen Betrachter und reeller Welt als eine immaterielle Form einer realen Welt auf.

Obwohl „immateriell”, ist der „mediale Raum” mithin doch keine Fiktion; und obwohl diese mediale „räumliche“ Beziehung zur Umwelt hochgradig immateriell, kontingent und situationsgebunden - also „subjektiv“ - erscheint, ist sie dennoch keine Angelegenheit reiner subjektiver Beliebigkeit.

Der Autor befasst sich - vor allem kritisch - mit einer ganzen Reihe thematisch unterschiedlicher medialer Räume, unter anderem mit „Schein-Räumen”, „Reise-Räumen”, „Natur-Räumen”, „Flucht-Räumen” oder „Bewegungs-Räumen”. Theoretischer Ausgangspunkt der Abhandlung ist die erkenntnisbezogene „Leibphänomenologie” von Hermann Schmitz. Auf deren Basis und reflektiert in einem kultur- und gesellschaftskritischen Rahmen - wird die Bedeutung medialer Räume für die Wahrnehmung von gebauter und natürlicher Umwelt diskutiert. In allen Beispielsräumen werden überraschende Ansichten vor Augen geführt. Im Beispiel der „Schein-Räume” etwa wird nicht nur dargelegt, wie dank neuer Technologien Gegenwelten in Form virtueller Realität beschleunigt in das Hier-und-Jetzt der Lebens- und Arbeitswelt einsickern, bis hin zum (noch relativ einfachen) Beispiel der virtuell vorproduzierten „Räume“ der Freizeit- und Unterhaltungsindustrie. Im Rahmen der Behandlung dieses „Schein-Raumes” wird z.B. auch dargelegt, warum eine bewusst angestrebte „Verlangsamung” - als Entgegnung der technisch ermöglichten radikalen Beschleunigung gesellschaftlicher Prozesse - nur dann durchzusetzen ist, wenn zuvor eine zusätzliche, d.h. noch stärkere und „aufsattelnde“ Beschleunigung „investiert“ wird.

Die von Räumen ausgehende Macht resultiert also nicht nur aus der Funktion von Grenzen oder aus Regeln der Zugänglichkeit, sondern Macht drückt sich eben auch durch „Räume“ in Form medialer Wirkungsrahmen aus. Mediale Wirkungen sind hochgradig symbolisch vermittelt, d.h. in ihrer Genese zwischen biografischen und gesellschaftlichen Symbolsystemen angesiedelt. Diese symbolische Vermitteltheit gilt auch für die Macht, die - medial via „Raum“ - von realen Umweltelementen und -ensembles ausgeht. Mediale Räume sind vielfältig codiert und sind daher in ihrer Wirkung, d.h. auch in Hinblick auf ihre spezifischen Inhalte und Formen, nur vor dem Hintergrund biografisch gewachsener Empfindsamkeit entzifferbar.

Der vorliegende Band beschäftigt sich zu einem großen Teil mit der Frage der Beziehung zwischen medialen Räumen und der ästhetischen Erfahrung des Individuums. Diese Fragestellung ist auch deshalb von besonderer Bedeutung, weil die Wahrnehmung des Menschen unter ästhetischen Aspekten zunehmend durch Symbolik im medialen Raum, die ökonomisch codiert ist, geprägt wird. Diese spezifische ästhetische Codierung des medialen Raumes, deren Symbolik allein dazu dient, der Individuen habhaft zu werden, wird als eine Art Kolonisierung des Individuums betrachtet.

Für Leser, die bereit sind, sich in die recht anspruchsvolle Wissenschaftssprache des Autors einzulesen, bietet dieser Band eine erkenntnisreiche und anregende Lektüre.

Gerhard Stiens (Bonn)

Danielzyk, Rainer; Deppe, Henriette Carola; Mose, Ingo (Hrsg.) Von der eigenständigen zur nachhaltigen Regionalentwicklung. Dokumentation der Tagung vom 26. bis 28. Juni 1997. - Bremen: Internationale Agentur für nachhaltige Projekte GmbH 1997. 88 S., Abb., Tab., Lit. = Positionen, H. 5

Das vorliegende Heft enthält das Ergebnis einer Veranstaltung an der Universität Bremen, mit der dem Unbehagen über das inflationär gebrauchte Modewort „Nachhaltigkeit” entsprochen wurde sowie der Klärungsbedürftigkeit des Verhältnisses zwischen „eigen-ständiger” und „nachhaltiger” Regionalentwicklung. Der Titel des Heftes steht also weniger für eine Anpassung an vom Zeitgeist geprägte Formulierungen, sondern drückt eher die Frage aus, ob und was durch das neue Leitbild einer „nachhaltigen Raumentwicklung” tatsächlich qualitativ gewonnen wird. Und nebenher wird auch gefragt, was mit den vorher präferierten Leitbildern geschah, warum sich die mit ihnen verknüpften Hoffnungen nicht erfüllten (wichtig auch deshalb als Frage, weil schon jetzt verschiedene Elemente der relativ neuen Konzepte regionaler Entwicklung, die seit längerem erörtert, erforscht und ansatzweise umgesetzt werden, als nicht mehr zeitgemäß betrachtet werden).

Im ersten, eher theoretisch-konzeptionell orientierten Teil des Heftes werden u.a. grundsätzliche Überlegungen aus der Perspektive einer ökologisch orientierten Ökonomie geboten (hier angereichert mit Erfahrungen aus der Beratungs- und Forschungspraxis des Wuppertal-Instituts). Außerdem werden bestimmte Erfordernisse begründet, wie das einer stärkeren Prozessorientierung „nachhaltiger” Entwicklungsstrategien oder das einer intensiveren Beteiligung der regionalen Akteure bzw. der Bevölkerung vor Ort. Und schließlich werden verschiedene Aspekte erörtert, wie die Betonung der zeitlichen Dimension, u.a. die Berücksichtigung der Handlungspielräume nachfolgender Generationen, oder die Produktivität der Inanspruchnahme der verschiedenen Arten von Ressourcen (Rohstoffe, Flächen usw.) oder die nötige Quantifizierung der Zielsetzungen und deren regionale Differenzierung (etwa im Rahmen von Stoffstrom-Modellen) oder schließlich das unbedingte Erfordernis, in jedem Fall regionaler Entwicklung globale Bezüge zu berücksichtigen.

Gesondert werden - unter Berücksichtigung alternativer Ansätze der Regionalentwicklung - die künftigen Entwicklungschancen der Region Bremen behandelt. Diese Diskussion erbrachte auch allgemeinere Feststellungen, beispielsweise, dass angesichts der Rahmensetzungen durch die Globalisierung dem Konzept einer tatsächlich „eigenständigen Regionalentwicklung” in Deutschland kaum Chancen der Verwirklichung eingeräumt werden könnten: Deren Elemente seien zu sehr mit der Vorstellung einer relativ „autarken” Region verkoppelt, einer Vorstellung, die in Zeiten wachsender Verflechtungen und Komplexität, die mit der Globalisierung von Ökonomie und Politik einhergingen, als unrealistisch einzuschätzen sei.

Der letzte Teil befasst sich mit der praktischen Umsetzung alternativer Konzepte der Regionalentwicklung, und zwar anhand tatsächlich schon existierender regionaler Projekte, so mit Fällen explizit „nachhaltiger Regionalentwicklung” in Deutschland und Österreich oder mit Fällen eines ausdrücklich „partizipativen Ansatzes”.

Es ist der vorliegenden Publikation positiv besonders anzurechnen, dass bei aller Sympathie der Herausgeber für die behandelten Beispiele alternativer Regionalentwicklung auch zuwiderlaufende Aspekte einbezogen wurden, wie der Sachverhalt, dass die gegenwärtigen Tendenzen der Raumentwicklung in der Bundesrepublik Deutschland - vor allem die absolut dominierende Orientierung auf die Wettbewerbsfähigkeit von Regionen - nicht, wie schon erwähnt, nur dem Leitbild einer tatsächlich „eigenständigen” Regionalentwicklung entgegenstehen, sondern dass sie auch konträr zu einer ökologisch „nachhaltigen” Entwicklung verlaufen (etwa angesichts der weiterlaufenden Suburbanisierung bzw. Siedlungsdispersion in den ländlichen Raum hinein).

Es wird demgegenüber aber auch das Erfordernis betont, zu untersuchen und zu belegen, dass mit einer nachhaltigen Wirtschaftsweise wegen ihrer großen Effizienz und Ressourcenproduktivität auch eine besondere Leistungs- und damit Wettberwerbsfähigkeit einhergeht.

Gerade für Leser, die aus Zeitgründen nicht in der Lage sind, sich über Fragen der zurzeit diskutierten Konzepte der Regionalentwicklung ausführlich - die vielfältige Literatur vergleichend - zu informieren, bietet diese Publikation einen komprimierten und dennoch differenzierten Überblick.

Gerhard Stiens (Bonn)

Kühn, Manfred: Grundzüge einer nachhaltigen Siedlungsstruktur- und Stadtentwicklung. Hrsg.: Institut für Regionalentwicklung und Struktur- planung/IRS. - Erkner (bei Berlin) 1997. 125 S.; Kt., Abb., Tab., Lit. = Materialien des IRS, Graue Reihe, Nr. 13

In Anbetracht der Vielzahl der Veröffentlichungen zum Themenfeld der nachhaltigen Stadt- und Regionalentwicklung will die vorliegende Studie keine weitere Grundsatzdarlegung raumbezogener Nachhaltigkeit liefern. Es werden dagegen vor allem spezielle Aspekte einer auf Nachhaltigkeit orientierten Strategie behandelt, die sich auf die siedlungsstrukturelle Entwicklung der Städte und ihrer Teilgebiete unter besonderer Berücksichtigung der spezifischen Rahmenbedingungen in den neuen Ländern bezieht. Zwar wird auch hier mit den wesentlichen Grundlagen, Zielen und Leitbildern nachhaltiger Stadt- und Regionalentwicklung begonnen, doch nur als Beginn einer Überführung in die Darstellung kommunaler Handlungsfelder, die in der Lokalpolitik und -Verwaltung tätigen Akteuren Orientierungshilfen bieten sollen. Die Studie versucht darüber hinaus, zurzeit erkennbare Zielkonflikte und Widersprüche, die zwischen ökologischen, ökonomischen und sozialen Zielen und Leitbildern bestehen, aufzuzeigen und Ansätze für mögliche Lösungen zu entwickeln.

Hauptsächlich werden aber die Besonderheiten herausgearbeitet, mit denen eine nachhaltige Stadt- und Siedlungsentwicklung in den neuen Ländern zu tun hat. Die Siedlungsstrukturen in West- und Ostdeutschland unterscheiden sich immer noch in einigen wesentlichen Aspekten deutlich voneinander, weshalb eine nachhaltige Siedlungsentwicklung in den neuen Ländern von raumspezifischen Ausgangsbedingungen, Problem-stellungen und Perspektiven auszugehen hat. Einerseits sind zwar charakteristische siedlungsstrukturelle Potenziale für eine nachhaltige Entwicklung vorhanden. Hierzu gehören etwa: die noch relativ kompakten historischen Stadtzentren; die noch vorhandene kleinräumige Nutzungsmischung und die noch große Bedeutung des Wohnens in den Altstädten bzw. Stadtzentren; die in Relation zu Westdeutschland noch geringere Zersiedlung des Stadtumlandes; für Umnutzungen verfügbare Konversionsflächen usw. Andererseits aber bestehen im Rahmen des aktuellen Transformationsprozesses auch spezifische Restriktionen. Diese drohen, die Eigenarten ostdeutscher Stadt- und Siedlungsstrukturen infrage zu stellen sowie eine nachhaltige Entwicklung zu erschweren bzw. ihr zuwiderzulaufen. Unter vielen anderen Hemmnissen und Problemen gehören dazu: der Grad und das Ausmaß des baulichen Verfalls der Altstädte; die „edge-city”-Bildungen an den Autobahnabfahrten; konterkarierende Fördermaßnahmen und Abschreibungsbedingungen, die die Außenent-wicklungen in starkem Maße fördern; die Tendenzen und Gefahren sozialer Entmischung in den Großwohn-siedlungen usw.

Der vorliegende Band enthält zudem im Anhang wichtige einschlägige Beschlüsse, Erklärungen und Grundsatzpapiere jüngeren Datums aus dem nationalen und internationalen Kontext. Solche Originaldokumente bezüglich nachhaltiger Stadt- und Siedlungsstrukturentwicklung werden zwar vielfach zitiert, vermutlich aber wenig tatsächlich gelesen. Mit dieser Sammlung wird erneut Gelegenheit zu nachholender Lektüre geboten. Außerdem werden Modellprojekte („Best practices”) aus den neuen Ländern aufgeführt.

Es handelt sich insgesamt um einen Band, der fachthematisch und raumspezifisch einschlägige Informationen in solider und zugleich komprimierter Form präsentiert.

Gerhard Stiens (Bonn)

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