1. bookVolume 58 (2000): Issue 2-3 (March 2000)
Journal Details
License
Format
Journal
eISSN
1869-4179
First Published
30 Jan 1936
Publication timeframe
6 times per year
Languages
German, English
access type Open Access

Vorweg

Published Online: 31 Mar 2000
Volume & Issue: Volume 58 (2000) - Issue 2-3 (March 2000)
Page range: 87 - 88
Journal Details
License
Format
Journal
eISSN
1869-4179
First Published
30 Jan 1936
Publication timeframe
6 times per year
Languages
German, English

Das Prinzip der Nachhaltigkeit ist kein Thema, das bisher nicht in unserer Zeitschrift behandelt worden ist. Allerdings ist mit der Aufnahme des Prinzips Nachhaltigkeit in das novellierte Raumordnungsgesetz, eine Entwicklung eingetreten, die diesem Prinzip, über das allenthalben und allerorten gepflegte Reden hinaus, einen wichtigen politischen und gesellschaftlichen Stellenwert gegeben hat. Nachhaltigkeit als Prinzip der räumlichen Entwicklung ist damit nicht über oder neben Gleichwertigkeit getreten, sondern ist eine umfassende wichtige Facette der räumlichen Entwicklung. Es wird damit signalisiert, Dass Raumordnung sich nicht nur um die Abwehr von unliebsamen Entwicklungen oder um die Förderung von notwendigen Infrastrukturmaßnahmen, ihre raumordnerische Begründung zu kümmern hat, sondern dass die räumliche Entwicklung einzubetten ist in Perspektiven, die über den unmittelbaren Gegenwartsbezug hinausgehen. Eine solche Problematisierung lädt allerdings auch zu unverbindlichen Sonntagsreden ein, zu feurigen Stellungnahmen, die letztendlich ohne Wirkung bleiben. Wir möchten in unserer Zeitschrift einen anderen Weg gehen. Wir möchten die wissenschaftlichen Beschäftigungen mit diesem Thema vorstellen, die den ernsthaften Versuch machen, einerseits das Prinzip der Nachhaltigkeit mit einer wissenschaftlichen Fundierung und es andererseits als ein wichtiges Element der Politikgestaltung mit mehr als nur einem konzeptionellen Rahmen zu versehen. Aus diesem Grunde wollen wir in diesem Heft mit einer Dokumentation der Ansätze zur Nachhaltigkeit in der räumlichen Entwicklung, die an verschiedenen Universitäten gepflegt worden sind, beginnen. Wir stellen deshalb Ansätze aus Sonderforschungsbereichen der Universitäten vor, die beantragt, genehmigt oder bereits im Laufen sind. Wir werden dies nicht nur in diesem Heft, sondern wir werden es auch in den folgenden tun. Wir möchten die ganze „scientific community“ aufrufen, diesen Anstoß aufzunehmen und auch beizutragen zur Durchdringung und Durchsetzung dieses Gedankens, damit er mehr wird als nur eine unverbindliche Richtlinie oder ein unverbindliches Konzept, auf das sich jeder -und meist ohne Folgen - berufen kann. Wir hoffen auf viele weitere Beiträge.

Der zweite Schwerpunkt dieses Heftes zum Thema „Regionale Zukünfte“ enthalt die überarbeiteten und dabei gekürzten Beiträge, die im Rahmen des vom Förderkreis für Raum- und Umweltforschung e. V. 1999 zum achten Mal veranstalteten internationalen Nachwuchswettbewerbs ausgezeichnet wurden. Stefanie Albert hat sich eines besonders aktuellen Themas gewidmet: Sie setzt sich mit einem neuen Instrument zur planerischen Bewältigung der Entwicklungsprozesse in verdichteten Regionen auseinander, nämlich dem „Regionalen Flächennutzungsplan“, wie er mit dem Raumordnungsgesetz des Bundes - ROG - von 1998 ermöglicht wurde. Mutig und innovativ, aber auch mit Augenmaß und Realitätssinn, entwickelt die Autorin aus einem theoretischen Ansatz Vorschläge für Planungsorganisation und -praxis. Andreas Maier umreißt in seinem Beitrag den Diskussionsstand zum Thema „Nachhaltige Entwicklung” und verschränkt die vielfältigen Rahmenbedingungen und Handlungsspielräume in sowohl entwicklungs- wie auch umweltpolitischer Sicht. Hervorzuheben sind die originelle Anwendung des Produktzyklusmodells auf die Regionalentwicklung, die Entwicklungsszenarien für die Weiterentwicklung schwacher Ansätze und die hohe Praxisrelevanz. Andreas Rösch setzt sich mit der Frage auseinander, ob und wie mit Mitteln der Raumplanung kreative Milieus gefördert werden können. Anregend sind die Überlegungen des Verfassers zur Übertragung der Stufen des „Lebenszyklus“ von Milieus auf die Raumanalyse und die Vorschläge zur Förderung kreativer Milieus durch eine „milieuorientierte Regionalpolitik“, überwiegend als theoretischer Ansatz, jedoch empirisch durchsetzt. Thorsten Wiechmann befasst sich mit dem Begriff der Region und der dazu verstärkt geführten Diskussion. Seine politikwissenschaftliche Analyse verbindet er mit der Aufgabe der Regionalplanung im Spannungsfeld zwischen administrativen Institutionen und planerischen Notwendigkeiten und fordert zu einer neuen sozioökonomisch orientierten Sichtweise auf. Jens Kollatzsch und Tobias Eisold erörtern vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Veränderungen in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft Ansatzpunkte für eine stärkere Koordinierung zwischen kommunaler und unternehmerischer Planung unter dem Vorzeichen der Forderung nach nachhaltiger Raumentwicklung und zeigen weiteren Forschungsbedarf auf. Corinna Clemens beschreibt in ihrem Wettbewerbsbeitrag mit dem Begriffskonzept der „Inszenierung” den Mechanismus, mit dem Regional bewusstsein geweckt werden kann, regionalwirtschaftliche und regionalpolitische Themen aufgegriffen und von bestimmten Akteuren vorangetrieben werden können. Dabei gelangt sie zu originellen Anregungen zum Zusammenspiel von teilraumbezogenen Inszenierungen und formlichen Planungen. Raymund Saller liefert eine vergleichende Analyse gegenwärtiger Strukturen und Entwicklungstrends in ausgewählten Stadtregionen, problematisiert den Bezugsrahmen und die Standortbedingungen für die Bildung von Stadtregionen und lotet Probleme und Ansatzpunkte für eine verstärkte kommunale Kooperation aus; er spricht sich für eine variable Abgrenzung der Stadtregionen und eine Förderung einer freiwilligen Zusammenarbeit aus, die Wettbewerb nicht ausschließt.

Mit der Veröffentlichung dieser sieben Arbeiten, die aus den zahlreichen eingereichten Wettbewerbsbeiträgen von der Jury als besonders beachtlich ausgewählt und mit Geld- und Sachpreisen bedacht wurden, erhalten die jungen engagierten Autorinnen und Autoren wie in den Vorjahren erneut die verdiente Gelegenheit, ihre Überlegungen der Fachöffentlichkeit vorzustellen.

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