1. bookVolume 57 (1999): Issue 5-6 (September 1999)
Journal Details
License
Format
Journal
eISSN
1869-4179
First Published
30 Jan 1936
Publication timeframe
6 times per year
Languages
German, English
access type Open Access

Regional Visions

Published Online: 30 Sep 1999
Volume & Issue: Volume 57 (1999) - Issue 5-6 (September 1999)
Page range: 432 - 436
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eISSN
1869-4179
First Published
30 Jan 1936
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6 times per year
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German, English
Abstracts

Regional visions – or leitbilder – mark out an orientational framework for working towards the desired state of development. Development visions for the region pick up key elements of the regional plan, which they then build upon from a development perspective. Circumstances permitting, the agencies of regional planning draw up these models and are involved in their implementation. In the mid nineties, following a particularly dynamic period of development, the Heilbronn-Franken Region underwent quite fundamental structural change. The region looked to interregional discussion for guidance and developed its ”Visions for the Heilbronn-Franken Region”. The requisite target orientations are brought together in the leitmotif ”Innovation and Networking: the Heilbronn-Franken Region and its Future Viability”.

Leitbild als Instrument

In vielen förmlichen Programmen und Plänen auf Regionalebene sind grundsätzliche Orientierungen über die räumliche Entwicklung enthalten, ohne dass diese jeweils als Leitbild bezeichnet wurden. Mitte der 80er Jahre wurden generell die informellen Instrumente, die weitgehend auf Konsens und Kooperation zwischen den regionalen Akteuren abzielen, als „neue“ Instrumente der Raumordnung „entdeckt“

Priebs, A.: Instrumente der Planung und Umsetzung. In: Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL) (Hrsg.): Methoden und Instrumente der räumlichen Planung. — Hannover 1998, S. 205–211

, dazu gehören beispielsweise Leitbilder, Teilraumgutachten oder Regionale Entwicklungskonzepte oder auch Regionalkonferenzen oder Projektmanagement. Im neuen Raumordnungsgesetz 1998 wurde der Begriff „Leitbild“ im § 19 Abs. 42 Nr. 1 ausdrücklich genannt.

Der Begriff des Leitbildes erlebte insbesondere in den 90er Jahren eine hohe Wertschätzung und wird heute in verschiedener Form verwendet: Er reicht von der einfachen häufig in einem Etikett verdichteten Zielvorstellung bis hin zu Strategien des Standortmarketings.

Becker, H.; Jessen, J.; Sander, R.: Ohne Leitbild? Städtebau in Deutschland und Europa.-Stuttgart, Zürich 1998, S. 10–17

Der Begriff ist nicht festgelegt, wird aber vorwiegend im Sinne eines anzustrebenden Sollzustandes bestimmt. Statt konkreter Maßnahmen und eines exakten Zeitrahmens werden eher generelle Grundaussagen getroffen. Ein Leitbild läßt sich nach Lendi „als zukünftiger Zustand, der durch zweckmäßiges Handeln und Verhalten erreicht werden soll“

Lendi, M.: Leitbild der räumlichen Entwicklung. In: Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL) (Hrsg.): Handwörterbuch der Raumordnung. — Hannover 1995, S. 624–629

definieren. Damit wird das Leitbild grundsätzlich als erreichbar und realisierbar angesehen, bleibt aber in der Regel unverbindlich und gehört damit zu den informellen Instrumenten der Raumordnung. Die erforderliche Abstraktheit grundsätzlicher Aussagen fördert den Einigungsprozess und erleichtert den Konsens

Hein, E.: Planungsformen und Planungsinhalte. In: Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL) (Hrsg.): Methoden und Instrumente räumlicher Planung. — Hannover 1998, S. 186–204

, da weder der zeitliche Ablauf noch die erforderlichen Schritte zum angestrebten Endzustand verbindlich beschlossen werden.

Mit der Erstellung eines Leitbildes ist kein Abschluss erreicht, das Leitbild ist vielmehr weiterzuentwickeln. Beispielsweise kann ein Leitbild in förmliche Regionalpläne integriert werden, oder es erfolgt in Regionalen Entwicklungskonzepten eine konkrete Ausdifferenzierung. Die Konkretisierung nimmt sukzessive zu von allgemeinen Leitmotiven hin zu entsprechenden Leitbildern, aus denen sich weiterführende Handlungsfelder, Ziele und Maßnahmen ableiten lassen.

Spitzer, H.: Einführung in die räumliche Planung. — Stuttgart 1995, S. 13a–15f

Der Raumordnungspolitische Orientierungsrahmen

Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau (Hrsg.). Raumordnungspolitischer Orientierungsrahmen. — Bonn 1993

nimmt auf Bundesebene das informelle Instrument von Leitbildern für die Siedlungsstruktur, Umwelt und Raumnutzung, Verkehr, Europa sowie Ordnung und Entwicklung auf. Bei grenzüberschreitenden Planungen hat sich die Entwicklung eines Leitbildes sowohl im Raum Berlin-Brandenburg als auch bei der Metropolregion Hamburg oder bei der gemeinsamen Landesplanung im Raum Bremen als erste konsensfördernde Arbeitsstufe bewährt. Ähnliches gilt für die Erarbeitung kleinräumiger Entwicklungskonzepte.

In Baden-Württemberg wurde durch den Innovationsbeirat der Landesregierung ein vorwiegend ökonomisch geprägter Entwurf eines Leitbildes vorgelegt

Innovationsbeirat der Landesregierung Baden-Württemberg (Hrsg.): Baden-Württemberg — Ein Land im Aufbruch. — Stuttgart 1998

, wie sich auch einzelne Regionen, so die Region Stuttgart, die Technologieregion Karlsruhe oder die Region Heilbronn-Franken, durch eigene Leitbilder Orientierung zu geben versuchen.

Ausgangslage

Die Entwicklung der Region Heilbronn-Franken, bestehend aus der Stadt Heilbronn, dem Landkreis Heilbronn, dem Hohenlohekreis, dem Landkreis Schwäbisch Hall und dem Main-Tauber-Kreis mit zusammen 861 000 Einwohnern (1999), war in der zweiten Hälfte der 80er Jahre und zu Beginn der 90er Jahre durch eine außerordentliche Dynamik beim Einwohner- und Beschäftigtenzuwachs und beim Wohnungsbau gekennzeichnet.

Wirtschaftsregion Heilbronn. Monographien deutscher Wirtschaftsgebiete. Hrsg. in Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer Heilbronn. — Heilbronn 1997

Für die räumliche Entwicklung war der Regionalplan 1995

Regionalverband Franken (Hrsg.): Regionalplan 1995. — Heilbronn 1995

durch den Regionalverband Franken vorgelegt worden. Insbesondere der Konjunktureinbruch ab 1993 mit erheblichen Rückgängen bei den Industriebeschäftigten der Region, die Strukturveränderungen durch die Globalisierung der Wirtschaft, der europäische Binnenmarkt und das veränderte ökologische Bewußtsein führten zu Fragen der möglichen künftigen Strukturveränderungen und gegebenenfalls erforderlichen neuen Orientierungen.

Einerseits gab das neue Raumordnungsgesetz

Raumordnungsgesetz (ROG). In: Bundesgesetzblatt, Jg. 1997, Teil I, Nr. 59, S. 2081 vom 18.8.1998

in § 1,2 als Leitlinie die nachhaltige Raumentwicklung vor und empfahl in § 13 Regionale Entwicklungskonzepte, die in der Regel auch ein Leitbild voranstellen, andererseits wurde innerregional teilräumlich eine Diskussion über ein mögliches Leitbild „Umwelttechnologieregion Heilbronn“

Zenke, U.: Regionale Innovationspotentiale und neue Leitbilder in Raum Heilbronn/Neckarsulm. In: Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg (Hrsg.): Arbeitsberichte Nr. 56, Stuttgart 1996

für die Stadt Heilbronn sowie den umliegenden Landkreis Heilbronn geführt, und parallel dazu war im Rahmen einer Gemeinschaftsinitiative für das regionale Standortmarketing eine „Standortanalyse und Entwicklungskonzeption für die Wirtschaftsregion Heilbronn“

Dr. Troje Beratung für Wirtschaftsförderung: Standortanalyse und Entwicklungskonzeption für die Wirtschaftsregion Heilbronn. — Hannover-Münden 1998

in Auftrag gegeben worden. Der Gutachter hatte u.a. empfohlen, in der Region innovative „Cluster“ zu fördern, um Netzwerke aufzubauen. Diese verschiedenen Ansätze galt es zusammenzuführen. Der Träger der Regionalplanung, der Regionalverband Franken, übernahm die Bearbeitung der „Leitbilder für die Region Heilbronn-Franken“, die von der Verbandsversammlung am 20.7.1999 beschlossen wurden.

Als schwierigster Punkt erwies sich bei der Bearbeitung die in der Region immer wieder diskutierte Heterogenität. Zwar wurde die Region Franken funktional als der Raum abgegrenzt, der überwiegend auf das Oberzentrum Heilbronn bezogen ist, aber der nördliche Main-Tauber-Kreis ist auf das Oberzentrum Würzburg im benachbarten Bayern orientiert. Der Raum Heilbronn/ Neckarsulm ist Teil des Verdichtungsraumes Stuttgart, während der überwiegende Teil der flächenmäßig größten Region Baden-Württembergs dünner besiedelt ist und damit dem Ländlichen Raum zugerechnet wird. Auf Grund der zahlreichen historischen Territorien in der Region mit häufig eigenen Residenzen bietet sich heute eine große kulturhistorische Differenzierung. Mehr als 250 Schlösser, Burgen, Klöster und einzelne Kirchen - oder deren Reste - prägen als kulturhistorische Solitäre die Landschaft und das kulturelle Angebot. Viele Traditionen finden in der territorialen Entwicklung ihren Ursprung. Die wirtschaftliche Dynamik wird zum einen stark bestimmt von den Schwerpunktbranchen Fahrzeug- und Maschinenbau sowie Elektrotechnik, zum anderen prägen in einzelnen Räumen der Schraubenhandel, eine Bausparkasse oder die Glasindustrie die Wirtschaftsstruktur.

Erarbeitung eines Leitbildes

In Anlehnung an Begriffe wie „Technologieregion Karlsruhe“, „Bioregion“ oder „Zukunftsregion“ konnte zunächst der Versuch unternommen werden, von einem Leitmotiv einzelne Ziele oder Maßnahmen abzuleiten.

Anknüpfungspunkt hätte dafür z.B. der bereits diskutierte Begriff „Umwelttechnologie“ sein können, der sich aber in den ländlich geprägten Räumen schon im Vorfeld als nicht konsensfähig erwies. Weder die geologische Formation der südwestdeutschen Triaslandschaft (Buntsandstein, Muschelkalk, Keuper), noch die naturräumlich-geographische Gliederung (z.B. Tallandschaften von Neckar, Kocher, Jagst, Main und Tauber, Hohenloher Ebene, Gäulandschaft), noch die historische territoriale Zersplitterung oder die verkehrliche Orientierung an den Autobahnen A 6 und A 81 oder eine dominante Landnutzung, wie Weinbau, drängten sich als zukunftsorientierte Leitidee auf. Ebenso wenig erschienen die raumordnerischen Kategorie ländliche Region mit Verdichtungsansätzen oder die institutionalisierten Bereichsabgrenzungen der Wirtschaftskammern und des Regionalverbandes als Basis geeignet. Die oben genannte Dr. Troje-Studie hatte wirtschaftsorientiert vorgeschlagen, als Schwerpunkt der gesamtregionalen Bestandsentwicklung die Bildung von „Clustern“, d.h. von innovationsorientierten Netzwerken mittelständischer Unternehmen, zu fördern. Auch dieser Vorschlag wurde nicht zuletzt wegen des sperrigen Begriffes „Cluster“ eher kritisch ablehnend aufgenommen.

Der Ansatz musste breiter gewählt werden. Auf der Basis einer Analyse der regional bedeutsamen Themenbereiche kristallisierten sich die Themen Natur, Kultur und Technik als für die Region besonders relevant heraus, die in den Leitbildern präsent sein sollten. Dem Regionalverband erschienen als dem Träger der Regionalplanung naturgemäß alle raumbezogenen Themen besonders geeignet, weil dafür ausreichendes Material vorlag, das nur aktualisiert werden musste, und mit dem mit breiter Mehrheit verabschiedeten Regionalplan 1995 konsensfähige regionale Zielsetzungen bekannt waren. Mit der Erarbeitung der Leitbilder sollte der Versuch unternommen werden, „die prägende Vielfalt der Teilräume zu stärken“

Raumordnungsgesetz (ROG) § 1,2 Abs. 5, siehe Anm. (10)

. Ebenso war klar, daß die nach der Agenda 21

Agenda 21. Dokumente der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung im Juni 1992 in Rio de Janeiro

erforderlichen ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekte abzuarbeiten waren und Eingang in die Leitbilder finden sollten.

Pragmatisch wurde versucht, für neun regional bedeutsame Themenfelder Leitbilder und Leitziele zu formulieren: Mobilität, Siedlung, Wirtschaft, Soziales, Bildung, Kultur, Erholung und Freizeit, Natur und Umwelt sowie Energie. Auf Wunsch des beim Regionalverband Franken gebildeten interfraktionellen Arbeitskreises wurden diese anschließend aus Gründen der Überschaubarkeit und besser erkennbaren Querschnittsorientierung sowie der inneren Vernetzung der Themenbereiche zu vier Leitbildern zusammengefaßt:

Leitbild Mobilität und Siedlung,

Leitbild Wirtschaft und Soziales,

Leitbild Bildung, Kultur und Freizeit sowie

Leitbild Umwelt und Energie.

Jedem dieser Leitbilder sind sechs bis neun Leitziele mit entsprechenden Erläuterungen zugeordnet.

Als Leitmotiv wurde im Entwurf als Arbeitstitel vorgeschlagen „Innovationen und Vernetzung: Zukunftsfähige Region Heilbronn-Franken“.

Leitmotiv und Leitbilder

Das Leitmotiv und die Leitbilder sollen ausdrücken, daß die Region Heilbronn-Franken bodenständig, werteorientiert und zugleich eine starke und dynamische Region ist, die sich positiv mit Fragen ihrer Zukunft und ihrer Rolle in der künftigen Entwicklung Deutschlands und Europas auseinander setzt. Regionale Traditionen und Zukunftsorientierung sind dabei aufeinander bezogen. Es muß ersichtlich werden, dass die Region strukturell eine große Vielfalt und Heterogenität kennzeichnet. Die Kombination von wirtschaftlich äußerst aktiven Räumen mit landwirtschaftlich genutzten Bereichen und naturnahen Landschaften bietet ökonomische, ökologische und soziale Vorteile und damit den Bewohnern der Region im Vergleich zu den großen deutschen Ballungszentren viel Raum für eine individuelle Lebensgestaltung und Refugien für Flora und Fauna.

Das Leitmotiv sollte die facettenreihe Vielfalt und das breite Spektrum der Potenziale abdecken, welche die Region aufweist, und zugleich die angestrebte Zielrichtung wiedergeben. Das Leitmotiv: „Innovation und Vernetzung: Zukunftsfähige Region Heilbronn-Franken“ basiert auf den Ergebnissen der Studie der Dr. Troje Beratung, in der u.a. die Vorzüge von „Innovativen Netzwerken“ für die wirtschaftliche Entwicklung von Regionen dargelegt werden. Innovation und Vernetzung als Leitmotiv stellen den anzustrebenden Zustand dar, was die wirtschaftliche Weiterentwicklung durch Innovationen und die dazu erforderlichen Kooperationen anbetrifft.

Der Vorschlag bringt darüber hinaus zum Ausdruck, daß die Region für Fragen der Zukunft gerüstet ist und sich laufend neuen Herausforderungen stellt. Die prägnante Formel „Zukunftsfähig“ belegt den offensiven Umgang der Region mit Fragen der wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Weiterentwicklung und ist gleichzeitig ein Hinweis auf die Agenda 21 im Sinne von „sustainable development“.

Die Zusammenfassung

Hein, E.: Leitbilder für die Region Heilbronn-Franken. = Informationen der Region Franken, Nr. 23, Heilbronn 1999, S. 3–4

der 20seitigen Ausführungen über die vier Leitbilder mit 24 Bildern und Grafiken soll hier wiedergegeben werden:

Leitbild Mobilität und Siedlung: Leistungsfähige Zentren und hohe Mobilität sichern die erreichte Lebensqualität in den Bereichen Wohnen, Arbeit, Freizeit. Mobilität ist umweltfreundlich zu entwickeln.

Die Mobilitätsansprüche von Wirtschaft und Gesellschaft erfordern eine gute Erreichbarkeit der Zentren und die bessere Anbindung aller Teilräume der Region. Trotz der guten Einbindung in das Autobahnnetz sind weitere Verbesserungen notwendig, wie der Ausbau der A 6 und eine bessere Anbindung an das Fernstraßennetz. Große Anstrengungen sind beim Schienenpersonenfernverkehr erforderlich, um Heilbronn und die Murrbahn einzubeziehen. Mit dem Stadtbahnkonzept im Raum Heilbronn ergibt sich eine gute Abstimmung von umweltfreundlichem ÖPNV und Siedlungsentwicklung.

Das Oberzentrum Heilbronn, die Mittelzentren und größeren Unterzentren sind die wichtigsten Arbeitsmarktzentren und stellen die speziellere Versorgung für die Bevölkerung, während die übrigen Unter- und Kleinzentren stärker die Wohn- und Grund Versorgung gewährleisten. Durch Kooperation der Zentren (Städtenetze) können die jeweiligen Leistungsschwerpunkte verstärkt zur Geltung gebracht werden und sich ergänzen.

Leitbild Wirtschaft und Soziales: Wirtschaft und Gesellschaft der Region müssen sich weiterhin im globalen Wettbewerb bewähren. Innovationen und Kooperationen erhöhen die Dynamik der Region, die weitere Arbeitsplätze schafft und sozialen Frieden sichert.

Weitere Arbeitsplätze müssen nachhaltig geschaffen werden. Durch mehr Innovationen und Kooperationen („innovative Netzwerke“), durch den Ausbau von Forschung und Entwicklung sowie durch umfassende Aus- und Weiterbildungskonzepte sollen diese Erfolgsfaktoren in der Region aktiv umgesetzt werden. Dafür müssen neben der ständigen Weiterentwicklung der regionalen Leitbranchen Automobilbau, Maschinenbau und Elektrotechnik sowie Verpackungstechnik und Glasindustrie, Handel, Banken und Handwerk auch neue Wirtschaftsfelder, etwa die Telekommunikation, Mikrotechniken, Software-Entwicklung oder Umwelttechnologien, aktiviert werden. Die Umwelttechnologie soll im Raum Heilbronn zum Leitthema werden.

Bei der regionalen Wirtschaftsförderung sind die Ansätze einer gestuften Kooperation weiterzuführen.

Die traditionelle ländliche Prägung der Region Heilbronn-Franken, insbesondere im Hohenloher Raum, wird auch in Zukunft in weiten Teilen erhalten bleiben und durch regionstypische Lebensmittel und Produkte, z.B. im Weinbau, durch Grünkern oder das „SchwäbischHällische Schwein“ ergänzt werden.

Leitbild Bildung, Kultur und Freizeit: Die Qualifizierung durch Aus- und Weiterbildung bleibt zentrales Anliegen der Region. Die Vielfalt an Kultur, Bildung und Freizeit in der Region ist mehr zu vernetzen und soll durch Großveranstaltungen („events“) stärker akzentuiert werden.

Das Angebot an wissenschaftlichen Hochschulen ist in den bestehenden Einrichtungen der Fachhochschule Heilbronn mit der Außenstelle in Künzelsau weiterzuentwickeln, und ergänzend sind neue Einrichtungen anzustreben.

Das breite Kultur- und Freizeitangebot in den Städten und Gemeinden, z.B. durch den Hohenloher Kultursommer, soll das Image einer „vitalen Kultur- und Freizeit-Region“ fördern und durch identitätsstiftende Spitzenprodukte, z.B. Festivals, ergänzt werden. Hierzu ist eine regionale Großveranstaltungshalle erforderlich.

Leitbild Umwelt und Energie: Die Umwelt soll als gesunder und charakteristischer Lebensraum für die Menschen sowie für die Tier- und Pflanzenwelt nachhaltig entwickelt werden. In der Region Heilbronn-Franken ist die verantwortungsbewusste Energienutzung zu fördern. Eine möglichst umweltverträgliche Endenergiegewinnung, u.a. durch regenerative Energie, ist anzustreben.

Die markanten landschaftlichen Strukturen, wie die Ebenen („Gäulandschaften“), die waldreichen Keuperberge mit ihren Naturparks und die Flußlandschaften von Neckar, Main, Kocher, Jagst und Tauber sowie die hochwertigen Weinbaugebiete in deren Umfeld sollen als Leitlinien der Kulturlandschaft bewahrt und weiterentwickelt werden.

Regional ist der imagefördernde Umgang mit dem Thema „Energie“ positiv aufzunehmen, beispielsweise entwirft die Stadt Heilbronn derzeit ein Leitbild als „Stadt der Energie“.

Der Einsatz regenerativer Energie, z.B. der Sonnenenergie in Neckarsulm oder Schwäbisch Hall, und energiespeichernder nachwachsender Rohstoffe ist volkswirtschaftlich sinnvoll zu fördern.

Diese vier Leitbilder „Mobilität und Siedlung“, „Wirtschaft und Soziales“, „Bildung, Kultur und Freizeit“ sowie „Umwelt und Energie“ sind in sich untereinander vernetzt und fügen sich zu einem Gesamtbild für eine zukunftsfähige Region Heilbronn-Franken zusammen. Die Leitbilder mit ihren einzelnen Leitzielen bilden gemeinsam das Fundament für ein integrierendes Leitmotiv der Region, das Innovation und Vernetzung in den Mittelpunkt stellt.

Diskussionsprozess

Die Entwurfsfassung der „Leitbilder für die Region Heilbronn-Franken“ wurde durch die Verwaltung des für die Regionalplanung verantwortlichen Regionalverbandes Franken 1998 in einen offenen Diskussionsprozess mit den regionalen Akteuren eingebracht. Dazu wurden die regionalen Institutionen, wie die Industrie- und Handelskammer, die Handwerkskammer, die neugegründete Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken Marketing GmbH oder die Bürgerinitiative pro Region Heilbronn-Franken e.V., die Kommunen der Region und die interessierte Öffentlichkeit, über die Volkshochschulen oder direkt über das Internet mit der Bitte um Anregungen und Änderungsvorschläge eingebunden. Der Diskussionsprozess sollte als Weg zum Ziel als wichtiger Schritt verstanden werden, die regionale Orientierung in den Köpfen der Akteure zu verankern und die Umsetzung in der Region zu befördern.

Die konstruktive Beteiligung von Kommunen, Kammern und Verbänden erfolgte durch eigene zustimmende, weiterführende oder kritische, teilweise ausführliche Beiträge, während die aktive Beteiligung von Bürgern trotz breiter Öffentlichkeitsarbeit eher zögerlich war, und beschränkte sich zumeist auf allgemeine Äußerungen oder nur einzelne Aspekte. Die Abstraktheit eines Leitbildes und die derzeit starke einseitige arbeitsmarktpolitische Orientierung des öffentlichen Bewusstseins dürften für die offene Leitbilddiskussion mit privaten Bürgern nicht förderlich gewesen sein.

Die eingegangenen Änderungsvorschläge, Anregungen und Hinweise wurden in einer Synopse zusammengestellt und konnten teilweise eingearbeitet werden. Hierbei erwies sich die institutionelle Verankerung beim Regionalverband Franken als günstig, weil trotz hoher Übereinstimmung im Grundsätzlichen formale Abstimmungen über Einzelfragen erforderlich waren. Im Juli 1999 wurden die Leitbilder der Region Heilbronn-Franken in der Verbandsversammlung des Regionalverbandes beschlossen und inzwischen veröffentlicht.

Ebenda Hein, E.: Leitbilder für die Region Heilbronn-Franken. = Informationen der Region Franken, Nr. 23, Heilbronn 1999, S. 3–4

Fazit

Die ersten Wirkungen, die sich aus der Erarbeitung eines regionalen Leitbildes in der Region HeilbronnFranken ableiten lassen, zeigen sich während des Diskussionsprozesses. Nicht die erkennbaren Schwächen und Defizite der überwiegend ländlich geprägten Region standen im Mittelpunkt, sondern vor allem mit Blick auf ein späteres Marketing wurden insbesondere die Vorzüge und die Vernetzung von interessanten regionalen Stärken betont. Die heterogene Raumstruktur und die historische Vielfalt wurden als sich ergänzende Aspekte des regionalen Raumes verstanden. Diese inhaltliche Orientierung auf die komplementären und damit stärkenden Wirkungen der Vielfalt der Region ist ein wichtiges Ergebnis der Leitbilddiskussion. Es ist zu erwarten, dass sich diese integrierenden Wirkungen weiterentwickeln.

Der Regionalverband Franken konnte als Träger der Regionalplanung die Arbeit an dem regionalen Leitbild inhaltlich und institutionell selbständig leisten und die regionale Diskussion dadurch wesentlich prägen. Die Leitbilddiskussion bietet damit einerseits eine gute Grundlage für die Fortführung der eigenen regionalplanerischen Arbeit, zum Beispiel für die Fortschreibung des Regionalplans, andererseits ist sie Basis für ein weiterführendes Regionalmarketing. Für diesen Zweck besteht die regionale „Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken Marketing GbmH“ unter Beteiligung des Oberzentrums Heilbronn, der vier Landkreise, der Wirtschaftskammern und des Regionalverbandes. Auf der Basis der Standortanalyse und Entwicklungskonzeption der Dr. Troje Beratung für Wirtschaftsförderung und der „Leitbilder für die Region Heilbronn-Franken“ soll die Marketing GmbH die regionalen Marketingaktivitäten fortführen.

Unter der Voraussetzung, dass ein regionaler Wille zur Erarbeitung eines regionalen Leitbildes bestand und von Seiten der Regionalplanung ein ausreichender institutioneller Rahmen vorhanden war, konnte die inhaltliche Erarbeitung des Leitbildes, die Moderation der Diskussion und deren Abschluss durch den Regionalverband erfolgen. Bei der Weiterentwicklung des Regionalmarketings wird der Regionalverband als Gesellschafter der Wirtschaftsregion Heilbronn Marketing GmbH an der Umsetzung mitwirken.

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