1. bookVolume 57 (1999): Issue 2-3 (March 1999)
Journal Details
License
Format
Journal
eISSN
1869-4179
First Published
30 Jan 1936
Publication timeframe
6 times per year
Languages
German, English
access type Open Access

The Importance of Larger-Scale Facilities for the Disabled for Regional Economies

Published Online: 31 Mar 1999
Volume & Issue: Volume 57 (1999) - Issue 2-3 (March 1999)
Page range: 96 - 107
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eISSN
1869-4179
First Published
30 Jan 1936
Publication timeframe
6 times per year
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German, English
Abstract

Numerous studies into the impacts for regional economies emanating from infrastructure facilities — and especially from educational facilities — have demonstrated conclusively that such facilities are capable of generating both positive and stimulating effects on regional economies. Hitherto no comparable studies have been available for the field of social infrastructure, and in particular relating to facilities dedicated to helping, nursing and caring for people with disabilities. In the first empirical study of this type the focus is on the economic significance of larger-scale facilities for the disabled for the economy of the surrounding area, in this case based on the example of the Dominikus Ringeisen-Werk (DRW) in Bavaria. The key finding resulting from this study is that major facilities for the disabled of this type are indeed the source of a very considerable stimulus for the region in which they are located.

Einleitung

Die Erkenntnis, daß Behinderteneinrichtungen eine entscheidende Funktion in der Förderung, Pflege und Betreuung der in ihrem Einzugsgebiet lebenden behinderten Menschen zukommt, ist empirisch hinlänglich belegt. Entsprechende Studien liegen aus der Behinderten- und Sonderpädagogik vor.

Vgl. dazu z.B. Staatsinstitut für Frühpädagogik und Familienforschung (Hrsg.): Handbuch der integrativen Erziehung behinderter und nichtbehinderter Kinder. — München, Basel 1990; Ellger-Rüttgardt, Sieglind (Hrsg.): Bildungsund Sozialpolitik für Behinderte. — München, Basel 1990; Speck, Otto: System Heilpädagogik. — München, Basel 1996; Eberwein, Hans (Hrsg.): Behinderte und Nichtbehinderte lernen gemeinsam. Handbuch der Integrationspädagogik. — Weinheim, Basel 1990

Die Frage nach der ökonomischen Bedeutung von Behinderteneinrichtungen für den umliegenden Wirtschaftsraum ist bislang aber weder in den Sozialwissenschaften noch in den Wirtschaftswissenschaften empirisch näher untersucht worden.

So haben entsprechende Recherchen in verschiedenen, u.a. auch EDV-gestützten Forschungs- bzw. Literaturdokumentationen zu keinem positiven Ergebnis geführt

Daß sich die primär sozialwissenschaftlich ausgerichtete pädagogische Forschung nicht intensiver mit dieser Fragestellung beschäftigt hat, mag nicht weiter verwundern. Überraschend ist aber, daß sich die Volkswirtschaftslehre bislang nicht zumindest in einer ihrer Teildisziplinen (Regionalökonomie, Infrastrukturökonomie usw.) intensiver mit dem Stellenwert von größeren Behinderteneinrichtungen als regionalem Wirtschaftsfaktor beschäftigt hat. Dies überrascht um so mehr, da seit den 70er Jahren die regionalökonomische Bedeutung von Infrastrukturmaß- nahmen(-investitionen) im Bildungsund Verkehrsbereich verstärkt thematisiert worden ist.

Vgl. dazu z.B. Becker, Wolfgang: Ökonomische Bedeutung der Universität Augsburg für Stadt und Region. In: Beiträge zur Hochschulforschung (1992) H. 3, S. 255 ff.; Benson, Lutz: Regionalwirtschaftliche Effekte der Universität Trier. Eine Untersuchung der Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft während der Leistungserstellung. — Trier 1997. = Materialien zur Planung, Nr. 6; Blum, Ulrich: Regionale Wirkungen von Infrastrukturinvestitionen. — Karlsruhe 1982; Engelbrech, Gerhard Küppers, Georg Sonntag, Joachim: Regionale Wirkung von Hochschulen. — Bonn 1978; Fischer, Josef: Regionalwirtschaftliche Wirkungen öffentlicher Ausgaben. — Frankfurt a.M. 1979; Fürst, Dietrich: Die Wirkung von Hochschulen auf ihre Region. In: Akademie für Raumforschung und Landesplanung (Hrsg.): Wirkungsanalyse und Erfolgskontrollen in der Raumordnung. — Hannover 1984, S. 135 ff.; Hahn, Werner: Die regionalwirtschaftliche Bedeutung ausgewählter Fernstraßenprojekte. — München 1987. = IFO-Studien zur Verkehrswirtschaft, Nr. 17; Seeber, Jobst: Regionalwirtschaftliche Wirkungen von Hochschulen. — Oldenburg 1985; Willauschus, Axel: Wirtschaftliche Verflechtungen zwischen Hochschulen und Stadt. Eine empirische Analyse am Beispiel der Stadt Münster und ihren Hochschulen. — Baden-Baden 1979

Vor diesem Hintergrund wird im vorliegenden Beitrag aufgezeigt, auf welche Art und Weise Behinderteneinrichtungen mit dem wirtschaftlichen Umfeld verflochten sind, und am Beispiel des Dominikus-Ringeisen-Werkes (DRW) in Ursberg (Landkreis Günzburg, Bundesland Bayern) dargelegt, in welchem Umfang von einer größeren Behinderteneinrichtung in ihrer Funktion als soziale Infrastruktureinrichtung stimulierende Wirkungen auf das wirtschaftliche Umfeld ausgehen. Hierzu werden die aus dem Betrieb, Unterhalt und Ausbau dieser Einrichtung resultierenden Ausgaben-, Nachfrage- bzw. Beschäftigungseffekte quantifiziert und auf ihre regionale Relevanz hin analysiert.

Behinderteneinrichtungen und wirtschaftliches Umfeld

Behinderteneinrichtungen zählen neben Einrichtungen des Bildungs-, Gesundheits- und Kulturbereiches zur sozialen Infrastruktur einer Volkswirtschaft.

Vgl. dazu z.B. Göschel, Albrecht Kunert-Schroth, Heidrun Mittag, Klaus: Revision der sozialen Infrastruktur. Ein Rückblick auf die 80er Jahre. — Berlin 1992; Hedtkamp, Günter: Die Bedeutung der Infrastruktur in makroökonomischer Sicht. In: Oberhauser, Alois (Hrsg.): Finanzierungsprobleme der deutschen Einheit III: Ausbau der Infrastruktur und kommunaler Finanzausgleich. — Berlin 1995, S. 9 ff.; Schulze, Thomas: Infrastruktur als politische Aufgabe. — Frankfurt a.M. u.a. 1992; Simonis, Udo Ernst (Hrsg.): Infrastruktur. Theorie und Politik. — Köln, Gütersloh 1977

Die Bedeutung solcher Sozialeinrichtungen leitet sich originär aus ihrer Funktion als Institutionen zur Förderung, Betreuung und Pflege behinderter Menschen ab. Darüber hinaus kommt Behinderteneinrichtungen eine wichtige ökonomische Bedeutung als regionaler Wirtschaftsfaktor zu Zur Wahrnehmung und Erfüllung sozialpädagogischer Aufgaben werden Ressourcen in Anspruch genommen, was direkte und/oder indirekte Auswirkungen auf den umliegenden Wirtschaftsraum hat.

Vgl. dazu auch Becker, Wolfgang: Zur ökonomischen Bedeutung von Behinderteneinrichtungen für die umliegende Region. In: Zwierlein, Eduard (Hrsg.): Handbuch Integration und Ausgrenzung. Zur Lage der behinderten Menschen in der Gegenwart. - Neuwied, Berlin 1996, S. 503 ff.

Die ökonomischen Effekte reichen von der spezifischen Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen im Zusammenhang mit dem Betrieb und dem Unterhalt solcher Einrichtungen bis hin zu den aus der Bereitstellung von Arbeitsplätzen resultierenden Beschäftigungswirkungen. Neben direkten Beschäftigungs- effekten geht von Behinderteneinrichtungen eine Nachfrage nach (Konsum-)Gütern und Dienstleistungen aus, die in Abhängigkeit von der Höhe ihrer regionalen Wirksamkeit und ihrer branchenspezifischen Arbeitsproduktivität zusätzliche Arbeitsplatzpotentiale in der Region sichert. Als personalintensive Sozialeinrichtungen werden zudem über steuerliche Transferleistungen die Finanzausstattungen der umliegenden Kommunen erhöht.

Die regional bedeutsamen Ausgaben von Behinderteneinrichtungen lassen sich vereinfachend in folgende Gruppen einteilen:

Investitionsausgaben,

Sachausgaben,

Personalausgaben.

Investitionsausgaben stehen im Zusammenhang mit Aktivitäten, die Neubau-, Erhaltungs- bzw. Erweiterungs- maßnahmen betreffen. Ausgaben für Sachmittel (Materialeinkäufe, Verpflegung, Wirtschaftsbedarf usw.) beziehen sich auf den laufenden Betrieb. Aus der Nachfrage nach entsprechenden Gütern und Dienstleistungen resultieren Ausgabeneffekte, die in Abhängigkeit von der Höhe ihrer regionalen Wirksamkeit den Betrieben im wirtschaftlichen Umfeld zugute kommen. Diese Effekte setzen sich multiplikativ in mehreren Wirkungsrunden bis zur endgültigen regionalen Versickerung fort (Multiplikatoreffekte). Die regionalökonomische Bedeutung der Investitions- und Sachausgaben leitet sich auch daraus ab, daß die von den Betrieben im wirtschaftlichen Umfeld zu zahlende Gewerbesteuer die wichtigste Gemeindesteuer ist. Entscheidend ist hierbei der Gewerbesteueranteil, der im Zusammenhang mit der Abdeckung des Nachfragebedarfes einer Behinderteneinrichtung nach Investitionsgütern und Sachmitteln steht und in die Haushalte der Kommunen in der Region fließt.

Bei den Personalausgaben handelt es sich um die von einer Behinderteneinrichtung zu zahlenden Entgelte für den Einsatz des Produktionsfaktors Arbeit. Die Entlohnung der Arbeitskräfte im Pflege- und Verwaltungsbereich schafft Einkommen. Die gezahlten Löhne und Gehälter bilden für die Beschäftigten die finanziellen Grundlagen, um Verbrauchsgüter (z. B. Güter für den täglichen Bedarf) und Gebrauchsgüter (z.B. Wohnraum) nachfragen zu können. Je mehr (weniger) diese Bedürfnisse im umliegenden Wirtschaftsraum einer Behinderteneinrichtung befriedigt werden, um so größer (kleiner) ist die regionalökonomische Bedeutung dieser Nachfrageeffekte. In ihrer Funktion als personalintensive Infrastruktureinrichtungen erhöhen Behinderteneinrichtungen aber nicht nur das regional verfügbare Einkommen, sondern beeinflussen darüber hinaus auch das regionale Arbeitsplatzangebot. Da die Haushaltsbudgets von Behinderteneinrichtungen jährlich fortgeschrieben werden, leisten die kontinuierlich auftretenden Personalausgaben einen dauerhaften Beitrag zur Erhaltung von konjunkturell relativ unabhängigen Arbeitsplätzen im umliegenden Wirtschaftsraum. Die wirtschaftliche Bedeutung der Personalausgaben zeigt sich schließlich auch darin, daß ein bestimmter Anteil der von den Beschäftigten abzuführenden Lohn- bzw. Einkommensteuer im Rahmen des vertikalen Finanzausgleiches den umliegenden Gemeinden zugewiesen wird.

Generell gilt, daß im Rahmen des vertikalen Finanzausgleiches das Aufkommen der Lohnbzw. Einkommensteuer zu 15 % den Gemeinden und zu je 42,5 % Bund und Ländern zufließt

Da erfahrungsgemäß der überwiegende Teil der Beschäftigten in Behinderteneinrichtungen im regionalen Umfeld wohnt, fließt ein entsprechender Steueranteil in die kommunalen Haushalte.

Will man fundierte Aussagen über die regionale Bedeutsamkeit der induzierten Ausgaben-, Nachfrage- bzw. Beschäftigungseffekte treffen, dann bedarf es Informationen, die sich auf die Behinderteneinrichtung selbst und auf die umliegende Region beziehen. Wichtige Indikatoren auf der Ebene der einzelnen Behinderteneinrichtung sind Höhe und Struktur des Haushaltsbudgets sowie Zahl der Beschäftigten. Kennziffern zur Charakterisierung des umliegenden Wirtschaftsraumes beziehen sich vor allem auf die regionale Erwerbs- und Beschäftigtenstruktur sowie das regionale Bruttoinlandsprodukt. Werden die Strukturdaten einer Behinderteneinrichtung in Relation zu den Merkmalen des umliegenden Wirtschaftsraumes gesetzt, dann lassen sich daraus allgemeine Aussagen zur regionalökonomischen Bedeutung einer solchen Sozialeinrichtung ableiten. Präzisere Aussagen können aber nur auf der Basis weitergehender Analysen erfolgen, die sich vor allem auf gezielte Auswertungen von Verwaltungsunterlagen, amtlichen Statistiken usw. und eigens für diesen Zweck zu erhebender Daten z. B. über das regionale Ausgaben- bzw. Konsumverhalten der Beschäftigten beziehen. Von zentraler Bedeutung sind hierbei folgende Fragestellungen:

In welchem Umfang fließen die von einer Behinderteneinrichtung getätigten Neubau-, Erhaltungs- bzw. Erweiterungsinvestitionen in den umliegenden Wirtschaftsraum?

In welchen Größenordnungen bewegen sich die regionalökonomisch relevanten Sachausgaben, die aus dem Betrieb und dem Unterhalt einer Behinderteneinrichtung resultieren?

Welcher Anteil der Personalausgaben, die in Form von Löhnen und Gehältern an die Beschäftigten gezahlt werden, fließt als Konsumaus gaben in den umliegenden Wirtschaftsraum?

Die bisherigen Ausführungen haben die regionalökonomischen Zusammenhänge zwischen Behinderteneinrichtungen und wirtschaftlichem Umfeld auf einer allgemein-konzeptionellen Ebene aufgezeigt. Vor diesem Hintergrund erfolgt nun eine empirische Abschätzung des Stellenwertes größerer Behinderteneinrichtungen als regionaler Wirtschaftsfaktor am Beispiel des DRW.

Vgl. dazu im einzelnen auch Becker, Wolfgang; Rothenberger, Dieter: Ökonomische Bedeutung des DRW Ursberg für den umliegenden Wirtschaftsraum. Forschungsbericht der Universität Augsburg. — Augsburg 1997

Abschätzung der regionalökonomischen Bedeutung der Ausgaben-, Nachfrage- bzw. Beschäftigungseffekte des DRW

Das DRW in Ursberg (zur Lage vgl. Karte) ist mit mehr als 1 500 Mitarbeitern und ca. 1 200 Heimbewohnern die größte Behinderteneinrichtung Süddeutschlands. Als personal- und kostenintensive Infrastruktureinrichtung nimmt das Werk zur Wahrnehmung seiner Aufgaben erhebliche volkswirtschaftliche Ressourcen in Anspruch. Im Mittelpunkt der folgenden Ausführungen steht die Quantifizierung und Regionalisierung der sich hierbei einstellenden Ausgaben-, Nachfrage- bzw. Beschäftigungseffekte. Da die für die Untersuchung dieser Fragestellungen verfügbaren Projektmittel begrenzt waren

Der Universität Augsburg (Forschungsmittel im Rahmen der Typ-B-Forschung) und dem DRW sei an dieser Stelle für die Bereitstellung entsprechender Projektmittel gedankt

, mußten die regionalen Inzidenzanalysen auf diese thematisch zentralen Zusammenhänge konzentriert werden.

Im folgenden werden zunächst die empirischen Datengrundlagen und die methodische Vorgehensweise bei der Erhebung und Auswertung des umfangreichen Datenmaterials beschrieben. Dem schließt sich eine Charakterisierung der für die Abschätzung der regionalökonomischen Effekte relevanten Strukturmerkmale des DRW und des umliegenden Wirtschaftsraumes an. Schließlich werden die von dieser sozialen Infrastruktureinrichtung getätigten Investitions-, Sach- und Personalausgaben sowie die konsumtiven Ausgaben der Heimbewohner exemplarisch für das Haushaltsjahr 1991 quantifiziert und auf ihre regionalökonomische Bedeutsamkeit hin untersucht.

Lage des Untersuchungsraumes im größeren Raum

Empirische Datengrundlagen und methodische Vorgehensweise

Zur Bestimmung der vom DRW induzierten Regionaleffekte wurden entsprechende Verwaltungsunterlagen - insbesondere der Finanzbuchhaltung - ausgewertet. Da zu einzelnen Haushaltsjahren jeweils sehr umfangreiche Unterlagen Vorlagen, mußte wegen der begrenzten Projektmittel eine zeitliche Eingrenzung des Erhebungszeitraumes auf das Haushaltsjahr 1991 vorgenommen werden. Für dieses Haushaltsjahr wurden sämtliche Zahlungen berücksichtigt, die diesem aufwands- technisch zuzurechnen waren. Berücksichtigt wurden durchgehend die faktisch ausgabenwirksamen Vorgänge. Zusätzlich wurden die Konsumausgaben der Heimbewohner erfaßt, da auch von diesen überwiegend durch staatliche Transferleistungen finanzierten Ausgaben wichtige Impulse auf den umliegenden Wirtschaftsraum ausgehen.

Diese Vorgehensweise findet sich auch bei Untersuchungen zu den regionalökonomischen Wirkungen von Hochschulen, bei denen in der Regel die regionalen Effekte der Konsumausgaben der Studierenden ebenfalls Berücksichtigung finden. Vgl. hierzu z.B. Voigt, Eva: Die Universität als Wirtschaftsfaktor am Beispiel der TU Ilmenau. In: Raumforschung und Raumordnung, 54. Jg. (1996) H. 4, S. 283 ff.

Die in Kapitel 2 aus Sicht der Behinderteneinrichtung vorgenommene Differenzierung in Investitions-, Sach- und Personalausgaben fand insofern eine Erweiterung.

Die Ausgabenmuster des Haushaltsjahres 1991 wurde mit den Werten der Summen-Salden-Listen aus den Jahren 1990 bis 1995 verglichen. Dabei zeigte sich, daß das ausgewählte Untersuchungsjahr die Grundstrukturen der Ausgabenverteilung im Zeitverlauf adäquat widerspiegelt (vgl. Abb. 1).

Abbildung 1

Gesamtausgaben des DRW in den Jahren 1990 bis 1995

Die einzelnen Zahlungsbeträge wurden entsprechend der ausgabenspezifischen Differenzierungen in ein Regionalraster eingeordnet. Für die regionalen Inzidenzanalysen wurden folgende aggregierte Raumeinheiten gebildet:

Umliegender Wirtschaftsraum im engeren Sinne (UWE), bestehend aus der Gemeinde Ursberg sowie den Verwaltungsgemeinschaften Thannhausen und Krumbach (jeweils mit Eingemeindungen).

Umliegender Wirtschaftsraum im weiteren Sinne (UWW), bestehend aus (a) und dem Rest des Landkreises Günzburg.

Bei den untersuchten Investitions- und Sachausgaben des Jahres 1991 erfolgte die Regionalisierung anhand des Standortes der Leistungsersteller und damit der Empfänger der Zahlungen. Die räumliche Zuordnung der Personalausgaben wurde anhand der Wohnorte der Beschäftigten vorgenommen. Die Regionalisierung der konsumtiven Ausgaben der Beschüftigten des DRW erfolgte auf der Basis einer schriftlichen Befragung. Die Abschätzung der wirtschaftlichen Bedeutung der Konsumausgaben der Heimbewohner für den umliegenden Wirtschaftsraum wurde auf der Basis entsprechender Auswertungen sog. „Treuhandkonten‟ sowie von Interviews mit Betreuern vorgenommen.

Strukturmerkmale des DRW

Das DRW beschäftigte im untersuchten Haushaltsjahr 1991 rund 1 500 Mitarbeiter zur Förderung, Betreuung und Pflege von ca. 1 200 behinderten Menschen. Für die Wahrnehmung und Erfüllung ihrer sozialpädagogischen Aufgaben wurden in diesem Jahr Gesamtausgaben in Höhe von über DM 99,2 Mio. getätigt. Davon entfielen auf die Investitionsausgaben DM 11,4 Mio. (11,5%) und auf die Sachausgaben DM 19,5 Mio. (19,6 %). Die Personalausgaben beliefen sich auf DM 65,3 Mio., was einem Anteil an den Gesamtausgaben von 65,8 % entsprach. Damit machten die Personalausgaben fast zwei Drittel der Gesamtausgaben aus, was den personalintensiven Charakter der Tätigkeiten in Behinderteneinrichtungen widerspiegelt. Die konsumtiven Ausgaben der Heimbewohner bewegten sich in einer Größenordnung von rund DM 3 Mio. Sie vereinigten 3,1 % der gesamten mit dem DRW in Verbindung zu bringenden Ausgaben auf sich. Abbildung 2 zeigt die Anteile der einzelnen Ausgabenarten an den Gesamtausgaben des Jahres 1991.

Abbildung 2

Anteile der untersuchten Ausgabenarten an den Gesamtausgaben des Jahres 1991

Strukturmerkmale des umliegenden Wirtschaftsraumes

Die wichtigsten Strukturdaten zur Charakterisierung des umliegenden Wirtschaftsraumes im Untersuchungsjahr 1991 sind in Tabelle 1 zusammengestellt. Dabei ist zu beachten, daß Daten auf der kleinräumigen Analyseebene des umliegenden Wirtschaftsraumes im engeren Sinne (UWE) nur eingeschränkt Vorlagen. Für die dem UWE im einzelnen zugeordneten Gemeinden konnten spezielle Kennziffern - wie z B. das Bruttoinlandsprodukt und die Bruttowertschöpfung - nur im Analogieschluß unter Zugrundelegung spezifischer Annahmen ermittelt werden. Die arbeitsmarktbezogenen Strukturdaten - Beschäftig- tenzahlen insgesamt und differenziert nach Wirtschaftsbereichen - waren demgegenüber in einem für die Untersuchungszwecke ausreichendem Maße verfügbar. Hier konnten exaktere Berechnungen durchgeführt werden.

Strukturmerkmale des umliegenden Wirtschaftsraumes im engeren Sinne (UWE) und im weiteren Sinne (UWW) im Jahre 1991

Struktunnerkmale

Ursberg

Thannhausen

Krumbach

UWE

UWW

Zahl der Einwohner

Insgesamt

3 574

14 128

17 712

35 414

113 323

 weiblich

1 908

7 324

9 083

18 315

57 401

 männlich

1 666

6 804

8 629

17 099

55 922

Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten

Insgesamt

1 528

3 822

5 948

11 298

37 715

 weiblich

1 170

1 730

2 471

5 371

15 851

 männlich

358

2 092

3 477

5 927

21 864

Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nach Wirtschaftsbereichen

Insgesamt

Bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Ursberg und Krumbach sind aus datenschutzrechtlichen Gründen für die Wirtschaftsbereiche Produzierendes Gewerbe sowie Handel und Verkehr bestimmte Werte in den amtlichen Statistiken nicht ausgewiesen worden. Dies führt zu gewissen Abweichungen bei der Addition der sektoralen Werte

1 528

3 822

5 948

11 298

37 715

 Land- und Forstwirtschaft

31

75

106

460

 Produzierendes Gewerbe

38

2 571

3 045

5 654

20 742

 Handel und Verkehr

456

790

1 246

4 469

 Sonstige Dienstleistuntgen

1 486

764

1 702

3 952

12 044

Steueraufkommen in 1 000 DM

Insgesamt

1 287

11 867

18 655

31 809

116 977

 Gewerbesteuer (netto)

225

4077

7 151

II 453

47 508

 Einkommensteuer

890

6 283

9 243

16 416

56 232

Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen in Mio. DM

161,2

403,3

627,7

1 192,2

3 980,0

Bruttowertschöpfung in Mio. DM

Insgesamt

156,9

392,4

575,8

1 125,1

3 872,0

 Land- und Forstwirtschaft

3,2

7,7

10,9

123,5

 Produzierendes Gewerbe

3,9

264,0

312,6

580,5

1 641,5

 Handel und Verkehr

46,8

81,1

127,9

324,5

 Sonstige Dienstleistungen

152,6

78,4

174,7

405,7

1 782,5

Quellen: eigene Berechnungen unter Verwendung amtlicher Statitsiken

Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Gemeindedaten 1992. — München 1992, S. 370 ff.; IHK für Augsburg und Schwaben (Hrsg.): Landkreis Günzburg: Wirtschaftsdaten. — Augsburg 1997. = IHK-Analysen 2 (1997) Nr. 4, S. 5 ff.

Zahlen zur kommunalen Wirtschaftskraft sind geschätzt

Auf der großräumigen Analyseebene des umliegenden Wirtschaftsraumes im weiteren Sinne (UWW) lagen Daten zur Charakterisierung der regionalen Wirtschaftskraft vor. Wegen der Große des weiteren umliegenden Wirtschaftsraumes (Landkreis Günzburg) erwies es sich auf dieser Betrachtungsebene allerdings als wenig sinnvoll, Beziehungen zwischen der Höhe der räumlich wirksamen Ausgaben des DRW und Indikatoren der regionalen Wirtschaftskraft herzustellen.

Umliegender Wirtschaftsraum im engeren Sinne

Wie Tabelle 1 zeigt, wohnten im Jahre 1991 in der Gemeinde Ursberg 3 574 Menschen. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten

Im folgenden werden die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten durchgehend als Referenzgröße herangezogen

in Ursberg lag bei 1 528. Hervorzuheben ist der sehr hohe Anteil von weiblichen Beschäftigten (76,6 %) und von Beschäftigten in den sonstigen Dienstleistungsbereichen (Kreditinstitute, Steuerberater, Kliniken und Heime sowie Organisationen ohne Erwerbszweck u.ä.) mit 97 % Konsequenz dieser eindeutigen Branchenstrukturen sind die geringen Anteile des primären und sekundären Sektors in Ursberg, was für eine Gemeinde in einer eher ländlich strukturierten Region relativ ungewöhnlich ist. Abbildung 3 illustriert die deutlichen Unterschiede in der Verteilung der Beschäftigten, differenziert nach Wirtschaftsbereichen innerhalb des UWE

Abbildung 3

Beschäftigtenstruktur im UWE im Jahre 1991 differenziert nach Wirtschaftsbereichen - Anteile in %

Da auf der kleinräumigen Analyseebene keine originären Daten zur kommunalen Wirtschaftskraft Vorlagen, wurden die auf der administrativen Ebene der Landkreise verfügbaren Informationen zum Bruttoinlandsprodukt

Da das Bruttoinlandsprodukt auf Landkreisebene generell nur im Zwei-Jahres-Rhythmus erhoben wird, lagen Angaben für das Untersuchungsjahr 1991 nicht vor. Um dennoch über eine Berechnungsgrundlage zu verfügen, wurde für das Jahr 1991 der Mittelwert aus den Jahren 1990 und 1992 als Näherungswert verwendet

und zur Bruttowertschöpfung auf die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten umgerechnet, um damit zumindest annäherungsweise Unterschiede in der kommunalen Wirtschaftskraft herausarbeiten zu können.

Zu beachten ist hierbei, daß es sich bei den so gewonnenen Zahlen um Näherungswerte handelt, da nicht grundsätzlich davon ausgegangen werden kann, daß sich die Wirtschaftskraft einer Gemeinde genau proportional zur Zahl der Beschäftigten verhalt

Das Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen des Landkreises Günzburg betrag 1991 DM 3,98 Mrd., die Bruttowertschöpfung DM 3,87 Mrd. Bei einer Umrechnung auf Pro-Kopf- Größen und unter Berücksichtigung der Beschäftigtenzahlen ergab sich für den UWE ein Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen von rund DM 1,19 Mrd. sowie eine Bruttowertschöpfung von DM 1,13 Mrd. Bei der sektoralen Differenzierung auf Gemeindeebene zeigt sich, daß Ursberg im Jahre 1991 knapp 38 % der Bruttowertschöpfung des UWE bei den sonstigen Dienstleistungen erwirtschaftet hat, während der Anteil Ursbergs bei der Bruttowertschöpfung des produzierenden Gewerbes unter 1 % lag.

Umliegender Wirtschaftsraum im weiteren Sinne

Der Landkreis Günzburg - der umliegende Wirtschaftsraum im weiteren Sinne - ist entsprechend der in der Raumordnung verwendeten Systematik der Planungsregionen als eine „sonstige ländliche Region‟ einzustufen.

Vgl. hierzu und den folgenden Vergleichsdaten: Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft und Verkehr (Hrsg.): Die Arbeitsmarktregion Günzburg — Beschreibung und Analyse der regionalen Wirtschaft. — München 1994, S. 1 ff.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lag im Jahr 1991 im UWW - wie Tabelle 1 ebenfalls zu entnehmen ist - bei insgesamt 37 715 Personen, wovon 42 % Frauen waren. Auf den Wirtschaftsbereich Land- und Forstwirtschaft entfielen dabei 1,2 % auf das Produzierende Gewerbe 55 %, auf Handel und Verkehr 11,8 % und auf den Bereich der sonstigen Dienstleistungen 32 % Die regionalen Branchenstrukturen unterschieden sich dabei vom bayerischen Gesamtdurchschnitt durch einen weit höheren Anteil des produzierenden Sektors und einen geringeren Anteil von Handel und Verkehr sowie der sonstigen Dienstleistungen.

Wie bereits angeführt, lag das Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen im Landkreis Günzburg 1991 bei DM 3,98 Mrd., die Bruttowertschöpfung bei DM 3,87 Mrd. Rein rechnerisch entsprach dies einer Bruttowertschöpfung je Beschäftigten von DM 102 665. Die sektorale Differenzierung der Bruttowertschöpfung im UWW ergab, daß fast die Hälfte der Gesamtsumme von den sonstigen Dienstleistungsbereichen erwirtschaftet worden ist (46 %). Das produzierende Gewerbe deckte einen Anteil von 42,4 % ab, Handel und Verkehr 8,4 % sowie Land- und Forstwirtschaft 3,2 %

Zusammenfassend kann festgestellt werden, daß die Gemeinde Ursberg innerhalb des eher ländlich strukturierten Landkreises Günzburg hinsichtlich der Branchen- und Beschäftigtenstrukturen eine Sonderstellung einnimmt. Dies läßt sich an der für eine ländliche Region eher ungewöhnlich starken Tertiärisierung der wirtschaftlichen Aktivitäten festmachen. Thannhausen und Krumbach, die zusammen mit Ursberg den umliegenden Wirtschaftsraum im engeren Sinne bilden, weichen von der Struktur der höheren administrativen Ebene, dem Landkreis Günzburg, weit weniger stark ab.

Regionale Inzidenzanalyse der Ausgabeneffekte

Nach der Charakterisierung der wesentlichen Strukturmerkmale des DRW und des umliegenden Wirtschaftsraumes erfolgt nun eine Abschätzung der von dieser größten Behinderteneinrichtung Süddeutschlands induzierten regionalökonomischen Effekte. Hierbei wird für das Haushaltsjahr 1991 getrennt nach einzelnen Ausgabenarten und aggregiert für das gesamte Finanzvolumen eine Quantifizierung der ausgabenwirksamen Größenordnungen sowie eine Regionalisierung der monetären Ausgabenströme vorgenommen.

Ebene der Investitionsausgaben

Für das Jahr 1991 wurden auf der Basis der ausgewerteten Zahlungsbelege Investitionsausgaben

Die Investitionsausgaben setzten sich im einzelnen aus den Ausgaben für Neubaumaßnahmen, Einrichtung und Ausstattung, den Ausgaben für Instandhaltungs-, Renovierungsmaßnahmen u.ä. sowie den Ausgaben für nicht-aktivierungspflichtige Anschaffungen zusammen

in Höhe von insgesamt DM 11 354 326 ermittelt. Die räumlichen Verteilungsanalysen führten zu dem Ergebnis, daß im Untersuchungsjahr 24,3 %(DM 2,76 Mio.) der Investitionsausgaben nach Ursberg, Thannhausen und Krumbach. und damit in den Wirtschaftsraum im engeren Sinne geflossen sind.

Hierbei sind die investitionsgüterspezifischen Besonderheiten in ländlichen Gebieten, was z.B. das regionale Angebot von Firmen etwa im Baugewerbe anbelangt, zu beachten. So war ein adäquater Lieferant der nachgefragten Leistungen (z.B. zum Bau von Aufzügen und deren Wartung) im wirtschaftlichen Umfeld des DRW häufig nicht vorhanden. Daraus resultierten dann entsprechende Verschiebungen der Investitionsausgaben hin zu anderen Regionen, und zwar in der Regel in dichter besiedelte Gebiete wie z.B. den Augsburger Wirtschaftsraum

Rund ein Drittel (32,2 %) der investitionsbezogenen Ausgaben des DRW verblieb im Landkreis Günzburg. Auf den Wirtschaftsraum im weiteren Sinne entfiel damit ein Nachfragepotential in Höhe von DM 3,66 Mio. Bei Ausdehnung des Referenzgebietes auf den Regierungsbezirk Schwaben erhöht sich der entsprechende Anteil auf 69 % (DM 7,83 Mio.), wobei der Landkreis Augsburg und die Stadt Augsburg zusammen mit 24,8 % (DM 2,82 Mio.) den größten Anteil auf sich vereinigen konnten.

Ebene der Sachausgaben

Die Sachausgaben des DRW (Ausgaben für Materialeinkäufe, Lebensmittel, Versorgungs- und Entsorgungsleistungen, medizinischen und pflegerischen Sachaufwand sowie Wirtschaftsbedarf und Verwaltungsbedarf) beliefen sich im Jahre 1991 auf insgesamt DM 19,5 Mio. Die Regionalisierung dieses Ausgabenvolumens erbrachte, daß in diesem Jahr mit 24.2 %(DM 4,71 Mio.) der größte Teil der Sachausgaben in die Region Landkreis Augsburg und Stadt Augsburg geflossen ist. Der Anteil, der dem UWE zugute kam, lag bei 21,2 % (DM 4,12 Mio.). In den Landkreis Günzburg - den UWW - sind Sachausgaben in Höhe von ca. DM 5,4 Mio. geflossen, was einem Anteil von 27,8 % entspricht. Die übergeordnete Analyseebene, der Regierungsbezirk Schwaben, konnte einen Anteil von 62,6 % (DM 12,15 Mio.) auf sich vereinigen. Somit ergaben sich für die Sachausgaben vergleichbare regionale Anteilswerte wie bei den untersuchten Investitionsausgaben.

Für die untersuchten Arten von Sachausgaben konnten ähnliche Verteilungsmuster identifiziert werden. Deutlich zeigte sich der enge Zusammenhang zwischen regional verfügbarem Güterangebot und entsprechender Güternachfrage: Je höher (niedriger) der Versorgungsgrad mit Sachmitteln in Ursberg, Thannhausen bzw. Krumbach war, um so mehr (weniger) Zahlungen flossen in diesen Wirtschaftsraum. Dies erklärt u.a., warum z. B. die Ausgaben für medizinischen und pflegerischen Sachaufwand des Jahres 1991, die sich auf den Kauf von Spezialgeräten, Hilfsmitteln usw. bezogen, zu fast 70 % Betrieben in Baden-Württemberg zugute gekommen sind.

Ebene der Personalausgaben

Bei der Analyse der regionalökonomischen Bedeutung der Personalausgaben war zwei Gesichtspunkten Rechnung zu tragen. Zum einen definieren Personalausgaben für das DRW als Arbeitgeber die Kosten für den Produktionsfaktor Arbeit. Löhne und Gehälter stellen zum anderen für die Beschäftigten eine Einkommensquelle dar.

Bei der Betrachtung der Personalausgaben als Kosten für den Produktionsfaktor Arbeit ist von gezahlten Löhnen und Gehältern inklusive Lohnnebenkosten auszugehen. Für die Analyse der regional bedeutsamen Ausgabeneffekte der Beschäftigten sind hingegen die Nettoeinkommen maßgeblich. Damit kristallisierten sich zwei zentrale Fragestellungen bei der Abschätzung der regionalökonomischen Effekte der Personalausgaben heraus:

Wie sah die räumliche Verteilung der Personalausgaben des DRW im Jahre 1991 aus?

Welcher Anteil der Personalausgaben, die vom DRW in Form von Löhnen und Gehältern netto an die ca. 1500 Mitarbeiter ausgezahlt worden sind, ist als (Konsum-) Ausgaben in den umliegenden Wirtschaftsraum geflossen?

Die Beantwortung der ersten Fragestellung erfolgte auf der Basis sekundärstatistischer Auswertungen entsprechender Verwaltungsunterlagen. Für das Haushaltsjahr 1991 wurden Personalausgaben in Höhe von insgesamt DM 65 319 164 ermittelt. Hiervon flossen mit 55,7 % (DM 36,3 Mio.) über die Hälfte in den UWE.

Die räumliche Zuordnung der vom DRW im Jahre 1991 gezahlten Löhne und Gehälter erfolgte anhand der Wohnorte der Beschäftigten

Für den UWW wurde ein regionaler Ausgabenanteil von 80,7 % (DM 52,6 Mio.) ermittelt. Der Regierungsbezirk Schwaben konnte einen Betrag von insgesamt DM 62,5 Mio. auf sich vereinigen, was 95,7 % der Personalausgaben des Jahres 1991 ausmachte. Somit flossen so gut wie die gesamten Personalausgaben des DRW an Personen, die ihren Wohnsitz innerhalb des Regiemngsbezirkes Schwaben hatten.

Wie bereits angemerkt, ist aus Sicht der Beschäftigten des DRW entscheidend, was monatlich netto auf das Lohn- bzw. Gehaltskonto überwiesen wird. Reduziert man die Personalausgaben entsprechend um Steuern und Sozialversicherungsbeiträge, dann ergibt sich rein rechnerisch ein Nettobetrag von DM 36,5 Mio., der im Jahre 1991 den Beschäftigten des DRW faktisch an Einkommen zugeflossen ist.

Zur näheren Untersuchung der in Punkt (b) formulierten Frage nach dem Anteil der Personalausgaben, die als konsumtive Ausgaben in den umliegenden Wirtschaftsraum geflossen sind, wurde eine schriftliche Befragung der Beschäftigten durchgeführt. Die Auswertung der Befragungsergebnisse erbrachte, daß die Beschäftigten des DRW rund 80 % des monatlich verfügbaren Nettoeinkommens wieder ausgegeben hatten. Die Ausgaben für Wohnen und den täglichen Bedarf machten dabei über 50 % aus. Dies ist insofern ein wichtiges Ergebnis, da beide Ausgabenarten erfahrungsgemäß lokalen Versorgungscharakter haben und damit bedeutsame Ausgabeneffekte in Ursberg und dem umliegenden Wirtschaftsraum im engeren Sinne induzieren. Für den gesamten Personalbestand des DRW wurde unter Zugrundelegung von 1 519 Beschäftigten und einem durchschnittlichen monatlichen Ausgabenvolumen von DM 1 596 für das Jahr 1991 ein konsumtives Nachfragepotential von rund DM 29,1 Mio. ermittelt. Die regionalen Verteilungsanalysen erbrachten einen Ausgabenanteil von 59,2 % (DM 17,2 Mio.) für den UWE. Auf den UWW entfielen knapp 70 % (20,3 Mio.). Der Regierungsbezirk Schwaben konnte insgesamt fast 92 % (DM 26,7 Mio.) der Konsumausgaben der Beschäftigten im Jahr 1991 auf sich vereinigen.

Ebene der Konsumausgaben der Heimbewohner

Den im DRW betreuten Behinderten standen im Untersuchungsjahr finanzielle Mittel aus verschiedenen Quellen zur Verfügung. Der überwiegende Teil entfiel auf die sogenannten Barbeträge, die nach § 21 Abs. 3 Bundessozialhilfegesetz Teil der Hilfe zum Lebensunterhalt darstellen. Die Barbeträge machten auf alle Heimbewohner bezogen DM 1,9 Mio. aus. Hinzu kamen die Gehälter für Tätigkeiten in der Werkstatt für Behinderte in Höhe von DM 0,8 Mio. Unter Berücksichtigung sonstiger Einnahmen (z. B. Schenkungen) standen den Behinderten im Jahre 1991 insgesamt rund DM 3 Mio. an Finanzmitteln zur Verfügung, die auch vollständig für konsumtive Zwecke verausgabt worden sind.

Als Ergebnis der räumlichen Verteilungsanalysen zeigte sich, daß von den konsumtiven Ausgaben der betreuten Heimbewohner im Jahr 1991 insgesamt 44 % (DM 1,35 Mio.) in den UWE geflossen sind. Bezogen auf den UWW erhöht sich der Regionalanteil auf 47 % (DM 1,44 Mio.). Die konsumtiven Ausgaben lagen im Regierungsbezirk Schwaben als Ganzes betrachtet bei 59,5 % (DM 1,83 Mio.). Damit sind fast drei Fünftel der Konsumausgaben der Heimbewohner des DRW in Betriebe, die ihren Standort im Regierungsbezirk Schwaben hatten, geflossen.

Aggregation der untersuchten Ausgabenarten und Regionalisierung der monetären Gesamteffekte

Das gesamte vom DRW induzierte Ausgabenvolumen wurde rein rechnerisch aus der Aggregation der ermittelten Investitions-, Sach- und Personalausgaben sowie den konsumtiven Ausgaben der Heimbewohner ermittelt. Im Jahr 1991 wurde danach ein Betrag von insgesamt rund DM 99,2 Mio. verausgabt. Abbildung 4 zeigt die Ergebnisse der regionalen Verteilungsanalysen.

Abbildung 4

Regionalisierung der für das Jahr 1991 ermittelten Gesamtausgaben -Anteile in %

Sehr markant ist die starke räumliche Konzentration der vom DRW induzierten Gesamtausgaben auf den umliegenden Wirtschaftsraum im engeren Sinne. Im untersuchten Haushaltsjahr flossen 44,9 % der Gesamtausgaben nach Ursberg, Thannhausen und Krumbach, was einem Nachfragepotential von DM 44,6 Mio. entsprach. Nimmt man den Rest des Landkreises Günzburg hinzu, dann erhöht sich der Regionalanteil für den umliegenden Wirtschaftsraum im weiteren Sinne auf 63,6 % (DM 63,1 Mio.). Für den gesamten Regierungsbezirk Schwaben wurde ein Anteil von 85,0 % ermittelt, was einem Finanzvolumen von DM 84,3 Mio. entspricht. Die regionalen Verteilungsmuster unterstreichen in eindrucksvoller Weise die besondere Rolle des DRW als regionaler Wirtschaftsfaktor.

Multiplikatoranalyse der induzierten Einkommenseffekte

Die bislang vorgenommenen Abschätzungen der regionalen Primäreffekte des DRW - also der direkten Einkommenseffekte - erfolgten auf der Basis formaler Ausgabeninzidenzanalysen. Hierdurch konnten die dargestellten und regional sehr bedeutsamen Verflechtungsmuster zwischen DRW und umliegendem Wirtschaftsraum herausgearbeitet werden. Im Mittelpunkt der weiteren Ausführungen steht die Bestimmung der einkommensinduzierten Regionaleffekte in den nachfolgenden Wirkungsrunden - also der entsprechenden Sekundär- Tertiäreffekte usw.

Zu dieser Unterscheidung vgl. Freund, Ulrich; Zabel, Gerhard: Regionale Wirkungen der Wirtschaftsstrukturförderung. — Bonn 1978. In: Schriftenreihe „Raumordnung” des Bundesministers für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau, H. 23, S. 26

Sekundär-, Tertiäreffekte usw. resultieren daraus, daß die Ausgaben des DRW für Lieferanten, Beschäftigte usw. Einnahmen darstellen, die wiederum verausgabt werden und damit bei weiteren Wirtschaftssubjekten zur Einkommensbildung beitragen. Diese auch als indirekte Einkommenseffekte zu bezeichnenden Wirkungen setzen sich über weitergehende Inzidenzstufen fort (Multiplikatoreffekte)

Zu regionalen Multiplikatoreffekten allgemein vgl.: Regionalisierung raumwirksamer Mittel. Themenheft. = Informationen zur Raumentwicklung, Bonn (1995) H. 4/5; Comes, Stefan: Zur räumlichen Inzidenz ausgewählter öffentlicher Ausgaben. In: Raumforschung und Raumordnung, 39. Jg. (1981) H. 5/6, S. 235 ff.; Grote, Birgit Holthoff-Frank, Klaus: Regionale Einkommens-und Beschäftigungseffekte der Universität-Gesamthochschule-Siegen. — Siegen 1990. = Schriften zur Wirtschaftsforschung, Nr. 1

und entfalten ihre regionale Bedeutsamkeit in Abhängigkeit der Höhe der jeweils raumwirksamen Ausgaben einerseits und Merkmalen der regionalen Wirtschaftsstruktur andererseits. Das Konzept der regionalen Multiplikatoranalyse

Vgl. dazu im einzelnen Biehl, Dieter; Ullrich, Heinz; Wolf, Waltraud: Regionalisierung raumwirksamer Einnahmen und Ausgaben von Bund, Ländern und Gemeinden. — Hannover 1988; Willauschus, Axel: Wirtschaftliche Verflechtungen zwischen Hochschulen und Stadt, a.a.O. [siehe Anm. (3)], S. 93 ff.; Zimmermann, Horst: Regionale Inzidenz der öffentlichen Finanzströme. Methodische Probleme einer zusammenfassenden Analyse für einzelne Regionen. — Baden-Baden 1981

stellt hierbei eine Möglichkeit dar, die vom DRW induzierten Einkommenseffekte in ihrer gesamten räumlichen Bedeutsamkeit zu bestimmen. Der dabei zu errechnende Multiplikatorwert drückt das Verhältnis der induzierten Gesamtveränderungen der regionalen Einkommen zu den Ausgaben des DRW auf der Ebene der Primäreffekte aus. Interregionale Nachfrageinterdependenzen können allerdings so nicht erfaßt werden. Diese entstehen dadurch, daß die durch die Ausgaben des DRW in anderen Regionen entstehenden Einkommen zu Rückflüssen in den umliegenden Wirtschaftsraum führen. Zur Erfassung solcher komplexer Transferströme müssen regionale Input-Output-Analysen durchgeführt werden

Zur Methodik regionaler Input-Output-Analysen vgl. Hewings, Geoffrey J.; Jensen, Rodney C.: Regional, interregional and multiregional input-output analysis. In: Nijkamp, Peter (Ed.): Handbook of Regional and Urban Economics. Vol. I: 1982 Regional Economics. — Amsterdam u.a. 1986, S. 257 ff.; Müller, Heinz J.: Methoden zur regionalen Analyse und Prognose. — Hannover 1976; Kaufmann, Lothar: Wechselwirkungen zwischen Hochschule und Hochschulregion. Fallstudie Justus-Liebig-Universität, Bd. II. — Gießen 1982, S. 19 ff.

, was aber im vorliegenden Fall aufgrund der unzureichenden Datenlage nicht zu realisieren war. Gleiches gilt für die Abschätzung der sich aus den Rückflüssen von Steuergeldern und Sozialversicherungsbeiträgen in die Region einstellenden Effekte.

Die von den Gesamtausgaben des DRW im untersuchten Haushaltsjahr 1991 induzierten regionalen Einkommenseffekte lassen sich wie folgt berechnen: Yr=11c1tdsb1tim.A mit: Yr = Veränderung des regionalen Einkommens, c = marginale Konsumquote, td = durchschnittlicher Steuersatz der direkten Steuern, sb = durchschnittlicher Beitragssatz zur Sozialversicherung, ti = durchschnittliche Steuersatz der indirekten Steuern

In erster Linie bezieht sich dies auf die Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer)

m = marginale Importquote, A = Niveau der auf der Ebene der Primäreffekte in die Region fließenden Ausgaben.

Für die Ermittlung des jeweils maßgeblichen Multiplikatorwertes, der über den Quotienten auf der rechten Seite der Gleichung definiert ist, wurden verschiedene Datenquellen herangezogen. So konnte für die marginale Konsumquote auf den bei der Beschäftigtenbefragung ermittelten Wert von 0,8 zurückgegriffen werden. Dieser Wert ist nahezu identisch mit der bei der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) aus dem Jahre 1993 für die westlichen Bundesländer ermittelten Konsumquote von 0,81.

Vgl. dazu Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Wirtschaftsrechnungen — Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 1993. — Wiesbaden 1993. = Fachserie 15, H. 4

Die Werte für den durchschnittlichen Steuersatz der direkten Steuern (18,4 %) sowie für den durchschnittlichen Beitragssatz zur Sozialversicherung (28,4 %) wurden den Unterlagen der Finanzbuchhaltung des DRW entnommen. Auch diese Werte liegen sehr- nahe an den in den amtlichen Statistiken ausgewiesenen Durchschnittswerten.

Vgl. dazu ebenda; Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Wirtschaftsrechnungen — Finanzen und Steuern. — Wiesbaden 1989. = Fachserie 14, Reihe 7.1

Die Werte für die marginale Importquote konnten, differenziert nach Ausgabenarten, aus den Ergebnissen der sekundärstatistischen Analysen abgeleitet werden, ebenso wie der durchschnittliche Steuersatz für die indirekten Steuern. Auf der kleinräumlichen Analyseebene lagen aber keine detaillierten Informationen zur marginalen Importquote vor. Deshalb wurde von der vereinfachenden Annahme ausgegangen, daß die Wirtschaftssubjekte, die Empfänger der vom DRW getätigten Ausgaben waren, ähnliche Nachfragestrukturen wie das DRW hatten. Da die Betriebe im wirtschaftlichen Umfeld ebenso wie das DRW in Ermangelung eines adäquaten Angebots Güter und Dienstleistungen z.T. überregional nachgefragt haben müssen, scheint diese Annahme plausibel zu sein. Die zugrundegelegten Werte konnten so als Referenzgrößen zur Ermittlung der regionalen Einkommensmuhiplikatoren herangezogen werden. Der schließlich zu errechnende Gesamtmultiplikator wurde als gewogener Durchschnitt aus den ermittelten Einzelwerten gebildet.

In Tabelle 2 sind die regionalen Multiplikatorwerte - differenziert nach den untersuchten räumlichen Bezugsebenen - für die einzelnen Ausgabenarten und für die Gesamtausgaben des DRW des Jahres 1991 zusammengestellt. Es zeigt sich, daß die regionalen Multiplikatorwerte mit der Höhe der Aggregationsebene zunehmen.

Regionale Multiplikatorwerte für die untersuchten Ausgaben(-arten) des DRW im Jahre 1991

Ausgaben(-arten)

Umliegender Wirtschaftsraum im engeren Sinne (UWE)

Umliegender Wirtschaftsraum im weiteren Sinne (UWW)

Regierungsbezirk Schwaben

Investitionsausgaben

1,05

1,08

1,30

Sachausgaben

1,05

1,08

1,29

Personalausgaben

1,26

1,34

1,54

Ausgaben der Heimbewohner

1,15

1,16

1,24

Gesamtausgaben

1,19

1,25

1,46

Quelle: eigene Berechnungen

Die Werte für den jeweiligen Gesamtmultiplikator bringen die zum Teil erheblichen Unterschiede zwischen den betrachteten Raumeinheiten zum Ausdruck. So haben Ausgaben des DRW in Höhe von DM 1 Mio., die im Jahre 1991 in den umliegenden Wirtschaftsraum im engeren Sinne geflossen sind, im Rahmen der weiteren Wirkungsrunden zu einem zusätzlichen Einkommen von insgesamt DM 1,19 Mio. geführt. Bezogen auf den umliegenden Wirtschaftsraum im weiteren Sinne konnte rein rechnerisch ein Wert von DM 1,25 Mio. ermittelt werden. Der entsprechende Betrag für den Regierungsbezirk Schwaben bewegte sich in einer Größenordnung von fast DM 1,5 Mio.

Eine Einordnung der ermittelten Multiplikatorwerte im Verhältnis zu den Ergebnissen anderer regionalökonomischer Untersuchungen ist schwer möglich, weil - wie eingangs schon erwähnt-vergleichbare Studien aus dem Bereich der sozialen Infrastruktur nicht vorliegen. Generell kann aber festgestellt werden, daß die ermittelten Werte geringfügig unter den Werten liegen, die für den Bereich der Bildungsinfrastruktur (Universitäten, Fachhochschulen usw.) ermittelt worden sind.

Vgl. dazu Anm. (3)

In Tabelle 3 finden sich die Ergebnisse der Monetarisierung der regionalen Einkommenseffekte, die von den Gesamtausgaben des DRW imJahre 1991 in der ersten Wirkungsstufe und weiteren Wirkungsstufen bis zur regionalen Versickerung induziert worden sind. Es zeigt sich, daß die Veränderungen der regionalen Einkommensniveaus nach allen Wirkungsrunden deutlich höher ausfallen als die ermittelten Primüreffekte. Durch Sekundär-, Tertiär- effekte usw. ist in Ursberg, Thannhausen und Krumbach (UWE) ein zusätzliches Einkommen in Höhe von DM 8,5 Mio. entstanden. Für den Landkreis Günzburg als Ganzes (UWW) lag der zusätzliche Einkommenseffekt bei DM 15,8 Mio. Die im Jahre 1991 vom DRW getätigten Ausgaben haben im Regierungsbezirk Schwaben zu einer Zunahme der regionalen Einkommen von fast DM 40 Mio. geführt.

Einkommensbezogene Primäreffekte und Gesamteffekte der vom DRW im Jahr 1991 getätigten Ausgaben

Effekte

Umliegender Wirtschaftsraum im engeren Sinne (UWE)

Umliegender Wirtschaftsraum im weiteren Sinne (UWW)

Regierungsbezirk Schwaben

Einkommensbezogene Primäreftekte in DM Mio.

44,6

63,1

84,3

ErmittelteMultiplikatorwerte

1,19

1,25

1,46

Einkommensbezogene Gesamteffekte in DM Mio.

53,1

78,9

123,1

Quelle: eigene Berechnungen

Zusammenfassung und Fazit

Die regionalen Verteilungsanalysen haben in eindrucksvoller Weise aufzeigen können, daß vom DRW als der größten süddeutschen Behinderteneinrichtung wichtige Ausgaben-, Nachfrage- bzw. Beschäftigungseffekte auf den umliegenden Wirtschaftsraum im engerenweiteren Sinne ausgehen. Über die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen werden regional bedeutsame Effekte induziert. In Tabelle 4 sind die ermittelten Regionalanteile für das untersuchte Haushaltsjahr 1991, differenziert nach Ausgabenarten, in komprimierter Form zusammengestellt.

Räumliche Verteilung der für das Jahr 1991 ermittelten Ausgaben differenziert nach Ausgabenarten -Anteile in %

Raumeinheiten

Investitionsausgaben

Sachausgaben

Personalausgaben

Ausgaben der Heimbewohner

Aggregiertes Ausgabenvolumen

Ursberg

2.2

1,7

21,7

21,9

15,5

Thannhausen

12,9

6,9

20,3

8,6

16,4

Krumbach

9,2

12,6

13,7

13,5

13,0

UEW insgesamt

24,3

21,2

55,7

44,0

44,9

Rest Landkreis Günzburg

7,9

6,6

25,0

3,0

18,7

UWW insgesamt

32,2

27,8

80,7

47,0

63,6

Landkreis Neu-Ulm

3,0

1,3

1,6

2,1

1,7

Landkreis Dillingen

1,6

0,4

0,4

2,3

0,6

Landkreis Augsburg/Stadt Augsburg

24,8

24,2

6,8

4,4

12,2

Landkreis Unterallgäu/Stadt Memmingen

6,7

5,7

5,2

3,6

5,5

Rest Regierungsbezirk Schwaben

0,7

3,2

1,0

0,1

1,4

Rest Bundesland Bayern

18,4

20,0

2,5

27,6

8,5

Bundesland Baden- Württemberg

4,0

10,8

1,2

6,6

3,6

Rest Bundesrepublik Deutschland

8,6

6,1

0,6

3,3

2,7

Ausland

0,5

3,0

0,2

Summe

100

100

100

100

100

Quelle: eigene Berechnungen

Während von den Investitions- und Sachausgaben im Jahre 1991 im Durchschnitt lediglich rund 2 % nach Ursberg geflossen sind, entfielen auf die Personalausgaben und die konsumtiven Ausgaben der Heimbewohner für Ursberg Anteilswerte von rund 22 % Bezogen auf den umliegenden Wirtschaftsraum im engeren Sinne als Ganzes zeigten sich ähnliche räumliche Verteilungsmuster in etwas modifizierter Form: Bei den Personalausgaben und den konsumtiven Ausgaben der Heimbewohner ist im Jahre 1991 im Durchschnitt die Hälfte des Ausgabenvolumens nach Ursberg, Thannhausen und Krumbach geflossen, während die errechneten Anteile des umliegenden Wirtschaftsraumes im engeren Sinne bei den Investitionsund Sachausgaben bei durchschnittlich 23 % lagen. Dies ist angesichts des personalintensiven Dienstleistungs- Charakters des DRW und des daher sehr hohen Personalausgabenanteils an den untersuchten Gesamtausgaben (65,8 %) von besonderer Bedeutung.

Über 80 % der gesamten im Jahre 1991 in den UWE geflossenen Ausgaben sind Personalausgaben gewesen, was die herausragende Stellung des Werkes als regionaler Arbeitgeber unterstreicht. Das DRW war 1991 nahezu der einzige Arbeitgeber in Ursberg. Die dominante Stellung als kommunaler Arbeitgeber erklärt auch den hohen Anteil von beschäftigten Frauen. Die Förderung, Betreuung und Pflege behinderter Menschen gilt auch heute noch traditionell als klassisches Berufsfeld für weibliche Beschäftigte.

Die räumlichen Verteilungsmuster der ermittelten Gesamtausgaben für das

Jahr 1991 spiegeln ebenfalls die besondere Rolle des DRW als regionaler Wirtschaftsfaktor wider. Im Untersuchungsjahr flossen - ohne Berücksichtigung der empirisch schwer abzuschätzenden Steuerrückflüsse - rund 45 % der Gesamtausgaben und damit DM 44,6 Mio. nach Ursberg, Thannhausen und Krumbach. Bezogen auf den umliegenden Wirtschaftsraum im weiteren Sinne wurde ein Regionalanteil von insgesamt 63,6 % (DM 63,1 Mio.) ermittelt. Der gesamte Regierungsbezirk Schwaben konnte einen Ausgabenanteil von rund 85 % auf sich vereinigen (DM 84,3 Mio.).

Wie in Kapitel 3.3. dargelegt, lag das Bruttoinlandsprodukt im Jahre 1991 im UWE bei rund DM 1,2 Mrd. Die sonstigen Dienstleistungsbereiche deckten immerhin mehr als DM 405 Mio. ab. Vor diesem Hintergrund lassen sich für die vom DRW induzierten primären Ausgabenströme folgende Regionalanteile angeben: 8,8 % des Bruttoinlandsproduktes sowie 24,5 % der sektorspezifischen Bruttowertschöpfung des UWE waren im Jahre 1991 direkt - ohne Berücksichtigung von Multiplikatoreffekten in der Wertschöpfungskette - auf die wirtschaftlichen Aktivitäten des Werkes zurückzuführen. Damit war immerhin fast ein Zehntel der gesamten regionalen Wirtschaftskraft des UWE unmittelbar mit den wirtschaftlichen Tätigkeiten des DRW in Verbindung zu bringen.

Die Monetarisierung der regionalen Einkommenseffekte, die von den Gesamtausgaben des DRW im Jahre 1991 in den weiteren Wirkungsstufen induziert worden sind, erbrachte Veränderungen der regionalen Einkommensniveaus, die deutlich höher lagen als die Effekte, die sich in der ersten Wirkungsstufe eingestellt haben. Durch die Sekundär-, Tertiäreffekte usw. ist im UWE ein zusätzliches Einkommen in Höhe von DM 8,5 Mio. entstanden. Im UWW lag der zusätzliche Einkommenseffekt bei DM 15,8 Mio.

Mit der vorliegenden Studie konnte erstmals in dieser Form der empirisch fundierte Nachweis des besonderen Stellenwertes größerer Behinderteneinrichtungen als Wirtschaftsfaktor für die umliegende Region erbracht werden Gerade ländlich strukturierte Wirtschaftsräume können bei den bestehenden Problemen auf dem Arbeitsmarkt und den sich zunehmend verschärfenden Defiziten der kommunalen Haushalte von den kontinuierlichen und stabilisierenden Ausgaben-, Nachfrage- bzw. Beschäftigteneffekten größerer Sozialeinrichtungen in besonderer Weise profitieren. Es bleibt weitergehenden Arbeiten Vorbehalten, die gewonnenen Erkenntnisse aufzugreifen und vertiefende Analysen durchzuführen. Eine stärkere, empirisch fundierte Beschäftigung mit Fragen der regionalökonomischen Bedeutung größerer Sozialeinrichtungen ist gerade auch vor dem Hintergrund der Diskussionen über die Kosten des Systems der sozialen Sicherung im Zusammenhang mit Pflege- bzw. Rehabilitationsmaßnahmen dringend geboten.

Vgl. dazu Knappe, Eckhard; Hammerschmidt, Markus; Walger, Martin (Hrsg.): Behinderte und Rehabilitation. — Frankfurt a.M., New York 1991; Lampert, Heinz: Krise und Reform des Sozialstaates. Frankfurt a.M. 1997; Schmähl, Wilfried: Finanzierung sozialer Sicherung in Deutschland unter veränderten gesellschaftlichen und ökonomischen Bedingungen. In: Deutsche Rentenversicherung (1994) H. 6, S. 357 ff.

Verstärkte Forschungsaktivitäten in diesem Gebiet können dazu beitragen, sowohl bei den Trägern als auch in der Öffentlichkeit ein klareres Bewußtsein dahingehend zu schaffen, daß soziale Infrastruktureinrichtungen nicht nur zum Teil erhebliche Kosten verursachen, sondern ein wichtiger regionaler Wirtschaftsfaktor sind - und dies auf vielfältige Weise.

Lage des Untersuchungsraumes im größeren Raum
Lage des Untersuchungsraumes im größeren Raum

Abbildung 1

Gesamtausgaben des DRW in den Jahren 1990 bis 1995
Gesamtausgaben des DRW in den Jahren 1990 bis 1995

Abbildung 2

Anteile der untersuchten Ausgabenarten an den Gesamtausgaben des Jahres 1991
Anteile der untersuchten Ausgabenarten an den Gesamtausgaben des Jahres 1991

Abbildung 3

Beschäftigtenstruktur im UWE im Jahre 1991 differenziert nach Wirtschaftsbereichen - Anteile in %
Beschäftigtenstruktur im UWE im Jahre 1991 differenziert nach Wirtschaftsbereichen - Anteile in %

Abbildung 4

Regionalisierung der für das Jahr 1991 ermittelten Gesamtausgaben -Anteile in %
Regionalisierung der für das Jahr 1991 ermittelten Gesamtausgaben -Anteile in %

Regionale Multiplikatorwerte für die untersuchten Ausgaben(-arten) des DRW im Jahre 1991

Ausgaben(-arten)

Umliegender Wirtschaftsraum im engeren Sinne (UWE)

Umliegender Wirtschaftsraum im weiteren Sinne (UWW)

Regierungsbezirk Schwaben

Investitionsausgaben

1,05

1,08

1,30

Sachausgaben

1,05

1,08

1,29

Personalausgaben

1,26

1,34

1,54

Ausgaben der Heimbewohner

1,15

1,16

1,24

Gesamtausgaben

1,19

1,25

1,46

Räumliche Verteilung der für das Jahr 1991 ermittelten Ausgaben differenziert nach Ausgabenarten -Anteile in %

Raumeinheiten

Investitionsausgaben

Sachausgaben

Personalausgaben

Ausgaben der Heimbewohner

Aggregiertes Ausgabenvolumen

Ursberg

2.2

1,7

21,7

21,9

15,5

Thannhausen

12,9

6,9

20,3

8,6

16,4

Krumbach

9,2

12,6

13,7

13,5

13,0

UEW insgesamt

24,3

21,2

55,7

44,0

44,9

Rest Landkreis Günzburg

7,9

6,6

25,0

3,0

18,7

UWW insgesamt

32,2

27,8

80,7

47,0

63,6

Landkreis Neu-Ulm

3,0

1,3

1,6

2,1

1,7

Landkreis Dillingen

1,6

0,4

0,4

2,3

0,6

Landkreis Augsburg/Stadt Augsburg

24,8

24,2

6,8

4,4

12,2

Landkreis Unterallgäu/Stadt Memmingen

6,7

5,7

5,2

3,6

5,5

Rest Regierungsbezirk Schwaben

0,7

3,2

1,0

0,1

1,4

Rest Bundesland Bayern

18,4

20,0

2,5

27,6

8,5

Bundesland Baden- Württemberg

4,0

10,8

1,2

6,6

3,6

Rest Bundesrepublik Deutschland

8,6

6,1

0,6

3,3

2,7

Ausland

0,5

3,0

0,2

Summe

100

100

100

100

100

Strukturmerkmale des umliegenden Wirtschaftsraumes im engeren Sinne (UWE) und im weiteren Sinne (UWW) im Jahre 1991

Struktunnerkmale

Ursberg

Thannhausen

Krumbach

UWE

UWW

Zahl der Einwohner

Insgesamt

3 574

14 128

17 712

35 414

113 323

 weiblich

1 908

7 324

9 083

18 315

57 401

 männlich

1 666

6 804

8 629

17 099

55 922

Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten

Insgesamt

1 528

3 822

5 948

11 298

37 715

 weiblich

1 170

1 730

2 471

5 371

15 851

 männlich

358

2 092

3 477

5 927

21 864

Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nach Wirtschaftsbereichen

Insgesamt

Bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Ursberg und Krumbach sind aus datenschutzrechtlichen Gründen für die Wirtschaftsbereiche Produzierendes Gewerbe sowie Handel und Verkehr bestimmte Werte in den amtlichen Statistiken nicht ausgewiesen worden. Dies führt zu gewissen Abweichungen bei der Addition der sektoralen Werte

1 528

3 822

5 948

11 298

37 715

 Land- und Forstwirtschaft

31

75

106

460

 Produzierendes Gewerbe

38

2 571

3 045

5 654

20 742

 Handel und Verkehr

456

790

1 246

4 469

 Sonstige Dienstleistuntgen

1 486

764

1 702

3 952

12 044

Steueraufkommen in 1 000 DM

Insgesamt

1 287

11 867

18 655

31 809

116 977

 Gewerbesteuer (netto)

225

4077

7 151

II 453

47 508

 Einkommensteuer

890

6 283

9 243

16 416

56 232

Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen in Mio. DM

161,2

403,3

627,7

1 192,2

3 980,0

Bruttowertschöpfung in Mio. DM

Insgesamt

156,9

392,4

575,8

1 125,1

3 872,0

 Land- und Forstwirtschaft

3,2

7,7

10,9

123,5

 Produzierendes Gewerbe

3,9

264,0

312,6

580,5

1 641,5

 Handel und Verkehr

46,8

81,1

127,9

324,5

 Sonstige Dienstleistungen

152,6

78,4

174,7

405,7

1 782,5

Einkommensbezogene Primäreffekte und Gesamteffekte der vom DRW im Jahr 1991 getätigten Ausgaben

Effekte

Umliegender Wirtschaftsraum im engeren Sinne (UWE)

Umliegender Wirtschaftsraum im weiteren Sinne (UWW)

Regierungsbezirk Schwaben

Einkommensbezogene Primäreftekte in DM Mio.

44,6

63,1

84,3

ErmittelteMultiplikatorwerte

1,19

1,25

1,46

Einkommensbezogene Gesamteffekte in DM Mio.

53,1

78,9

123,1

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