1. bookVolume 58 (2000): Issue 4 (July 2000)
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Format
Journal
eISSN
1869-4179
First Published
30 Jan 1936
Publication timeframe
6 times per year
Languages
German, English
access type Open Access

Endogenous Development in Peripheral Regions: The Scope for Mobilising Endogenous Potentials in the West Pomerania Region

Published Online: 31 Jul 2000
Volume & Issue: Volume 58 (2000) - Issue 4 (July 2000)
Page range: 297 - 306
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eISSN
1869-4179
First Published
30 Jan 1936
Publication timeframe
6 times per year
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German, English
Abstract

Because of real difficulties in developing peripheral regions with public grants, the strategy of endogenous development arose. Its objective is to activate intraregional potentials with the aim of initiating additional development impulses. This approach is of particular interest for the ”young” East German regions, which — in spite of substantial public subsidies — are still lagging behind from a development point of view. This article investigates the prerequisites for and opportunities of activating endogenous potentials by using the region of West Pomerania as an example. The resultant recommendations for action show that the strategy of endogenous development is a major contribution to regional development.

Einleitung

Der westlich der Oder gelegene Teil Pommerns, seit 1532 Vorpommern genannt, erlebte 1990 -nach vierzig Jahren Negierung durch die DDR - seine Renaissance. Heute stellt sich Vorpommern als periphere Region dar, die von Fördermitteln abhängig ist. Die Frage, welchen Beitrag die Region selbst für ihre Entwicklung zu leisten vermag, wurde bisher vernachlässigt. Mit Hilfe der Strategie der endogenen Entwicklung soll im Folgenden dieser Frage nachgegangen werden.

Entwicklung und Struktur der Region Vorpommern
Die Entwicklung Vorpommerns bis 1989

Die Entwicklung Vorpommerns ist historisch durch wechselnde territoriale Zugehörigkeiten gekennzeichnet. Nachdem es als Teil des Herzogtums Pommern im Mittelalter eine intensive Zuwanderungs- und Stadtgründungsphase erlebte, entwickelte es sich danach langsamer als andere deutsche Regionen. Vom Dreißig- jährigen Krieg besonders verwüstet und von Hinter pommern abgetrennt, wurde es für 170 Jahre schwedische Provinz und von Mitteleuropa isoliert. Nach der Wiedervereinigung Vor- und Hinterpommerns als preußische Provinz in Folge des Wiener Kongresses setzte die Industrialisierung ein, die sich überwiegend auf die Provinzhauptstadt Stettin konzentrierte. In den übrigen Städten kam es zu vergleichsweise bescheidenen Industrieansiedlungen, während der ländliche Raum eine hohe Abwanderung in die Industrieregionen und nach Übersee verzeichnete.

Der Zweite Weltkrieg bedeutete erneut eine Zäsur für Pommern. Von Zerstörung und Vertreibung besonders betroffen, wurde die Provinz nach dem Krieg geteilt. Während Hinterpommern mit Stettin Polen zugeordnet wurde, verblieb Vorpommern in der sowjetisch besetzten Zone. Nachdem 1945 das Land Mecklenburg-Vorpommern gebildet worden war (vgl. Abb. 1), verschwand bereits zwei Jahre später die Bezeichnung Vorpommern aus dem Landesnamen, wodurch der dauerhafte Bestand der Grenze zu Polen politisch untermauert werden sollte.

Rutz, Werner; Scherf, Konrad; Strenz, Wilfried: Die fünf neuen Bundesländer. Historisch begründet, politisch gewollt und künftig vernünftig? — Darmstadt 1993, S. 50

Nach Gründung der DDR wurde Mecklenburg 1952 durch die Bezirke Rostock, Schwerin und Neubrandenburg abgelöst (vgl. Abb. 1). Die Bezeichnung Vorpommern spielte in der DDR fortan keine Rolle mehr und wurde nur noch im historischen Zusammenhang gebraucht.

Abbildung 1

Regionale Verwaltungsgrenzen auf dem Gebiet von Mecklenburg-Vorpommern in den Jahren 1945, 1952 und 1998

Die Entwicklung in den Nordbezirken der DDR war geprägt durch die Ansiedlung ausgewählter Industriezweige, um das strukturelle Gefälle zwischen dem industrialisierten Süden und dem agrarisch geprägten Norden abzubauen. Im Küstenbezirk Rostock wurden die neuen maritimen Strukturen der DDR geschaffen. Das größte Wachstum erfuhr die Bezirksstadt Rostock mit dem Bau des Überseehafens und der Werften. Aber auch der ehemalige vorpommersche Bezirksteil konnte von dieser Politik durch die Gründung von Werften, Zulieferern und einem Fischkombinat profitieren. Außerhalb des maritimen Sektors entstanden das erste Atomkraftwerk der DDR in Lubmin, das Werk für Nachrichtenelektronik in Greifswald, die Erdöl- und Erdgasförderung im Kreis Grimmen und das Faserplattenwerk in Ribnitz-Damgarten.

Albrecht, Gertrud; Albrecht, Wolfgang; Bütow, Martin: Vorpommern — Stiefkind der Entwicklung? In: Geogr. Rundschau, 48 (1996) H. 9, S. 497

Schließlich wurde der Bezirk Rostock aufgrund seiner langen Küste zum bedeutendsten Erholungsgebiet der DDR. Auch im Bezirk Neubrandenburg war das Wachstum auf die Bezirksstadt ausgerichtet. Unter den wenigen Industriebetrieben außerhalb Neubrandenburgs waren im ehemaligen vorpommerschen Bezirksteil die Metall- und Maschinenbaubetriebe in Eggesin, Ueckermünde und Torge- low zu nennen. Eine wichtige Rolle spielte in beiden Bezirken die Landwirtschaft. Der Übergang zu landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften vollzog sich in den Nordbezirken aufgrund der traditionellen Großgrundbesitzerstruktur wesentlich reibungsloser als in den südlichen Bezirken der DDR.

Vorpommern nach der Wende

Nach der Wende wurde Vorpommern mit der Bildung des Landes Mecklenburg-Vorpommern wieder zu einem politischen Begriff. Im Zuge der Länderbildung wurde anfangs sogar ein eigenes Land Vorpommern gefordert, wozu jedoch Größe und Wirtschaftskraft fehlten.

Rutz, Werner; Scherf, Konrad; Strenz, Wilfried; a.a.O. Die fünf neuen Bundesländer. Historisch begründet, politisch gewollt und künftig vernünftig? — Darmstadt 1993, S. 82

Damit war der Willensbildungsprozess in Vor-pommern jedoch noch nicht beendet. Der zur Vertretung vorpommerscher Interessen gegründete Kreis- und Städtetag Vorpommern machte sich gegenüber dem Land für eine weitere Regionalisierung stark. Dies betraf die Verfassung, die Kreisgebietsreform sowie die Bildung der Planungsregionen und hatte unterschiedlichen Erfolg. Während der Eigenart des vorpommerschen, aber auch des mecklenburgischen Landesteiles durch die Verfassung, die die Bildung von Landschaftsverbänden ermöglicht, Rechnung getragen wurde, konnte die Rekonstruktion der historischen Grenze zwischen den Landesteilen in der kommunalen Neuordnung nicht erreicht werden. So sind die Kreise Nordvorpommern und Demmin sowohl aus vorpommerschen wie auch mecklenburgischen Gebieten zusammengesetzt, was im Vorfeld der Kreisgebietsreform zum Teil Gegenstand heftiger Diskussionen war. Bei der Bildung der Planungsregionen gelang es, neben den drei mecklenburgischen Regionen mit den ehemaligen Bezirksstädten als Oberzentren eine vierte, vor- pommersche Region mit dem zweipoligen Oberzentrum Stralsund-Greifswald zu etablieren (vgl. Abb. 1). Da sich die Planungsregion an den Kreisgrenzen orientiert, konnte auch sie nicht mit der historischen vorpommerschen Grenze zur Deckung gebracht werden. Nachdem der Kreis- und Städtetag Vorpommern 1996 aufgelöst wurde, stellt der Regionale Planungsverband Vorpommern nun die einzige räumliche Organisationsform dar, in der Vorpommern verfasst ist (vgl. Abb. 2).

Abbildung 2

Kreisfreie Städte und Kreise der Region Vorpommern

Vorpommern ist mit 517 000 Einwohnern bei einer Größe von 6 765 km2 und einer Bevölkerungsdichte von 76 Ew./km2 eine der am dünnsten besiedelten Regionen Deutschlands. Die Strukturdaten der die Region bildenden kreisfreien Städte und Kreise zeigt Tabelle 1.

Fläche, Einwohner und Bevölkerungsdichte der kreisfreien Städte und Kreise der Region Vorpommern

KreisfreieFläche in km2Einwohner1998Bevölkerungsdichte Ein- wohner/km2
Hansestadt Greifswald5056 1561 123
Hansestadt Stralsund3961 7111 582
Kreis Nordvorpommern2 168119 71555
Kreis Ostvorpommern1 910115 15360
Kreis Rügen97476 92779
Kreis Uecker-Randow1 62487 44254

Quelle: Statistisches Landesamt Mecklenburg-Vorpommern, 1999, S. 362

Die Einwohnerzahl hat sich seit der Wende sowohl durch Abwanderung als auch durch Geburtenrückgang um 60 000 vermindert, was besonders in den kreisfreien Städten spürbar wurde. Analog zur Einwohnerzahl sank auch die Zahl der Erwerbstätigen seit 1990 von 244 000 auf 197 000

Statistisches Landesamt Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch Mecklenburg-Vorpommern 1999. — Schwerin 1999, S. 371 ff.

, während die Zahl der Arbeitslosen auf 50 000 angestiegen ist. Unter den Erwerbstätigen sind 4,9 % in der Landwirtschaft beschäftigt, was nahezu dem doppelten Bundesdurchschnitt entspricht. Weitere 28,3 % sind im Produzierenden Gewerbe tätig, während der Dienstleistungsbereich 66,8 % ausmacht. Mit 26 % aller Erwerbstätigen ist ein hoher Anteil im öffentlichen Dienst beschäftigt.

Statistisches Landesamt Mecklenburg-Vorpommern; a.a.O. Statistisches Landesamt Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch Mecklenburg-Vorpommern 1999. — Schwerin 1999

Der wirtschaftliche Strukturwandel wurde insbesondere in der Landwirtschaft deutlich, die abseits der Küste und der Städte weiterhin dominiert. Die staatlichen Betriebe wurden bei einem Abbau von 75 % der Arbeits- plätze in privatrechtliche Unternehmensformen überführt, wobei die Struktur der Großbetriebe erhalten blieb. Besonders betroffen war auch der maritime Sektor, der sich nach dem Wegfall des Handels mit der Sowjetunion neue Absatzmärkte suchen musste. Das größte produzierende Unternehmen der Region - die Stralsunder Volkswerft - konnte nach einer durchgreifenden Modernisierung erst im zweiten Versuch erfolgreich privatisiert werden. Gleichwohl blieben von einstmals 8 000 Mitarbeitern nur 1 200 übrig. Die Peene-Werft in Wolgast arbeitet statt mit 2 000 nur noch mit 400 Beschäftigten. Die Bauwirtschaft war anfangs Motor der Entwicklung, ist jedoch in den letzten Jahren aufgrund von Misswirtschaft und Auftragsrückgang in die Krise geraten. Stabilisierend wirken der private Dienstleistungsbereich, hier vor allem Handel, Finanz - und Versicherungswesen und der bisher ständig wachsende Tourismus, der sich allerdings nahezu auf die Küste beschränkt. Innovative Unternehmen der Medizintechnik und Biotechnologie sind vor allem in Greifswald aufgrund der Nähe zur Universität entstanden. Ein weiteres Standbein der Region ist der öffentliche Dienst. Stadt- und Kreisverwaltungen, Sonderbehörden und Gerichte, Universität, Fachhochschule, Marinetechnikschule, außeruniversitäre Forschungsinstitute und die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte bieten sichere Arbeitsplätze.

Die Unternehmensstruktur Vorpommerns ist durch kleine und mittlere Betriebe geprägt.

Bandelin, Jost; Braun, Gerald (Hrsg.): Mecklenburg-Vorpommern im Prozess der marktwirtschaftlichen Strukturanpassung. Eine empirische Bestandsaufnahme. — Marburg 1994, S. 489 ff.

Nach Schließung des Atomkraftwerkes, der Erdöl- und Erdgasförderung und des Faserplattenwerkes existieren mit der Volkswerft, dem Nachrichtenelektronikwerk von Siemens in Greifswald, den mit dem Rückbau des Atomkraftwerkes beauftragten Energiewerken Nord in Lubmin und einem Unternehmen der Versorgungstechnik in Torgelow nur noch vier Unternehmen mit über 500 Beschäftigten. Weitere bedeutende Unternehmen mit über 200 Beschäftigten finden sich in den für Vorpommern klassischen Bereichen der Bauwirtschaft und der land- und forstwirtschaftlichen Veredelung, wie der Geflügelverarbeitung in Grimmen, Getränkeherstellung, Brauerei und Möbelwerke in Stralsund, der Zuckerfabrik in Anklam sowie einzelner Bäckereien und Fleischereien in den größeren Städten. Im Kreis Uecker-Randow zählen auch noch die Metallverarbeitungsbetriebe in Ueckermünde und Eggesin dazu.

Bandelin, Jost; Braun, Gerald; a.a.O. Mecklenburg-Vorpommern im Prozess der marktwirtschaftlichen Strukturanpassung. Eine empirische Bestandsaufnahme. — Marburg 1994, S. 611

In Bezug auf die Wirtschaftskraft ist Vorpommern die schwächste Region des Landes Mecklenburg-Vorpommern, welches wiederum innerhalb Deutschlands bei 2,2 % der Bevölkerung nur mit 1,3 % zur Bruttowertschöpfung beiträgt.

Statistisches Landesamt Mecklenburg-Vorpommern; a.a.O. Statistisches Landesamt Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch Mecklenburg-Vorpommern 1999. — Schwerin 1999, S. 24

Während die Bruttowertschöpfung der drei mecklenburgischen Regionen prozentual jeweils knapp über deren Anteil an der Bevölkerung liegt, hat Vorpommern bei 28 % der Bevölkerung nur einen Anteil von 22 % an der Bruttowertschöpfung des Landes.

Zoll, Dietmar: Regionale Wirtschaftskraft in Mecklenburg-Vorpommern in den Bereichen Landwirtschaft und Produzierendes Gewerbe — erste Einschätzungen. In: Statistische Monatshefte Mecklenburg-Vorpommern (1993)10, S. 10–19, S. 17

Theorie und Strategie endogener Regionalentwicklung

Aufgrund der zunehmenden Schwierigkeiten, periphere Regionen mit den klassischen Instrumenten der Regionalpolitik, wie Ansiedlung staatlicher Einrichtungen, Verbesserung der Infrastruktur und Anreize für Investitionen durch Steuererleichterungen und Vergabe von Fördermitteln, zu entwickeln, entstand in den 80er Jahren die Theorie und Strategie endogener Regionalentwicklung als komplementäre und additive Entwicklungsstrategie.

Hahne, Ulf: Regionalentwicklung durch Aktivierung intraregionaler Potentiale. Zu den Chancen endogener Entwicklungsstrategien. — München 1985. = Schr, des Instituts für Regionalforschung der Universität Kiel. Bd. 8, S. 168

Die Theorie endogener Entwicklung geht von einer Erweiterung des klassischen Entwicklungsbegriffes aus und berücksichtigt neben ökonomischen auch ökologische, soziokulturelle und politische Aspekte. Die Grundlage bilden die endogenen Potenziale einer Region, die bisher nicht oder nur unzureichend genutzt werden.

Hahne, Ulf; a.a.O. Regionalentwicklung durch Aktivierung intraregionaler Potentiale. Zu den Chancen endogener Entwicklungsstrategien. — München 1985. = Schr, des Instituts für Regionalforschung der Universität Kiel, S. 48

Endogene Entwicklung beruht auf der Aktivierung dieser endogenen Potenziale, die als Gesamtheit aller Entwicklungsmöglichkeiten einer Region zu verstehen sind.

Ebd. Hahne, Ulf; Regionalentwicklung durch Aktivierung intraregionaler Potentiale. Zu den Chancen endogener Entwicklungsstrategien. — München 1985. = Schr, des Instituts für Regionalforschung der Universität Kiel, S. 52

Das endogene Potenzial setzt sich demnach wie folgt zusammen:

soziokulturelles Potenzial

Entscheidungspotenzial

Flächenpotenzial

Umweltpotenzial

Landschaftspotenzial

Infrastrukturpotenzial

Arbeitskräftepotenzial

Kapitalpotenzial

Nachfragepotenzial.

Unter den genannten Potenzialen kommt nach U. Hahne

Ebd. Hahne, Ulf; Regionalentwicklung durch Aktivierung intraregionaler Potentiale. Zu den Chancen endogener Entwicklungsstrategien. — München 1985. = Schr, des Instituts für Regionalforschung der Universität Kiel, S. 60

dem soziokulturellen Potenzial eine besondere Bedeutung zu. Es kann als mentale Einstellung der regionalen Bevölkerung zu regionalen Aktivitäten bezeichnet werden. Entscheidend dafür ist, dass sich sowohl die Bevölkerung als auch die Entscheidungsträger mit der Region als ihrem Lebens- und Wirtschaftsraum identifizieren, mithin ein regionales Bewusstsein vorhanden ist. Aus diesem Bewusstsein heraus können sich kreative Milieus entwickeln, die für den wirtschaftlichen Erfolg einer Region von entscheidender Bedeutung sind. Kreative Milieus sind Netzwerke regionaler Akteure aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft, die durch den Austausch von Wissen und Informationen aus unterschiedlichen Bereichen positive Effekte für die Region hervorbringen.

Fromhold-Eisebith, Martina: Das „kreative Milieu” — nur theoretisches Konzept oder Instrument der Regionalentwicklung? In: Raumforschung u. Raumordnung 57 (1999) H. 2/3, S. 169 ff.

Kern der Strategie endogener Regionalentwicklung ist es nun, unzureichend genutzte Potenziale zu erkennen und diese dann zu aktivieren. Nach U. Hahne

Hahne, Ulf; a.a.O. Regionalentwicklung durch Aktivierung intraregionaler Potentiale. Zu den Chancen endogener Entwicklungsstrategien. — München 1985. = Schr, des Instituts für Regionalforschung der Universität Kiel, S. 106 ff.

sind daher jene regionalen Potenziale zu identifizieren, die

besondere Engpässe der Entwicklung bezeichnen (Engpasskriterium),

spezifische Begabungen darstellen (Begabungskriterium) und

zur Vergrößerung innerregionaler Kreisläufe beitragen (Verflechtungskriterium).

Das Engpasskriterium geht von der unterschiedlichen Knappheit der einzelnen Potenziale aus, so dass ausgelastete Potenziale regionale Aktivitäten begrenzen und durch andere zu substituieren sind.

Das Begabungskriterium zielt darauf ab, jene regionalen Potenziale, die im interregionalen Wettbewerb eine besondere Stärke darstellen, zu entwickeln.

Schließlich geht es beim Verflechtungskriterium darum, die Potenziale in regionale Kreisläufe einzubringen, um Synergieeffekte zu erzielen. Da die Beschränkung auf eines dieser Kriterien zu unerwünschten Folgen führen kann

Ebd. Hahne, Ulf; Regionalentwicklung durch Aktivierung intraregionaler Potentiale. Zu den Chancen endogener Entwicklungsstrategien. — München 1985. = Schr, des Instituts für Regionalforschung der Universität Kiel, S. 128

, sollten alle drei Kriterien Anwendung finden, um Optionen für die Regionalentwicklung offenzuhalten.

Die endogenen Potenziale der Region Vorpommern
Das soziokulturelle Potenzial

Für die Ausbildung eines Regionalbewusstseins liegen in Vorpommern ungünstige Voraussetzungen vor. Aufgrund der Tatsache, dass Vorpommern historisch nie eigenständig und über vierzig Jahre aus dem Sprachgebrauch der DDR ganz verschwunden war, ist in der Bevölkerung ein regionales Bewusstsein mit Ausnahme einiger weniger historisch Interessierter nur geringfügig ausgeprägt. Belegt wird dies im Rahmen einer Umfrage zu den Identitätsebenen der Bevölkerung Mecklenburg-Vorpommerns. Bei einer von EMNID

EMNID (Hrsg.): Polit-Barometer Mecklenburg-Vorpommern September 1995. — Bielefeld 1995, S. 35

durchgeführten Erhebung gaben in Vorpommern nur 17 % der befragten Bürger an, sich zuerst als Vorpommer zu fühlen, während für 23 % der Mecklenburger Bevölkerung Mecklenburg, das historisch auf eine lange Eigenständigkeit zurückblicken kann, an erster Stelle steht.

Unter den Entscheidungsträgern der Region hat das Regionalbewusstsein erheblich nachgelassen. Nachdem die Bildung des Landes und der Regionen, die Verfassungsgebung und die Kreisgebietsreform abgeschlossen waren, fehlte es den Politikern offensichtlich an weiteren gemeinsamen Zielen. Auch in der Wirtschaft ist unter den Entscheidungsträgern kaum regionales Bewusstsein vorhanden. Hier spielt die lokale Verbundenheit eine weitaus größere Rolle. Kreative Milieus sind derzeit nicht auszumachen. Aufgrund der Umstrukturierung der regionalen Institutionen und dem raschen Wechsel der Führungskräfte fehlte es bislang an personeller Kontinuität, die für die Bildung von Netzwerken unabdingbar ist.

Die geringe Ausprägung des Regionalbewusstseins in Vorpommern stellt einen Engpass für die Entwicklung der Region dar. Jedoch existieren bereits Ansätze, diesen zu beheben. Regionale Institutionen, wie die Pommersche Evangelische Landeskirche, das im Aufbau befindliche Pommersche Landesmuseum, das Institut für Pommersche Geschichte und das NDR-Studio Vorpommern tragen zur Bildung vorpommerscher Identität unter der Bevölkerung bei.

Auch auf der institutionellen Ebene sind in jüngster Zeit Fortschritte zu verzeichnen. Im Rahmen der Planungsregion Vorpommern haben Kreise und Städte ihre regionalen Entwicklungsziele im Regionalen Raumordnungsprogramm abgestimmt.

Regionaler Planungsverband Vorpommern (Hrsg.): Regionales Raumordnungsprogramm Vorpommern. — Greifswald 1998

Die Pomerania als EU-geförderter Zusammenschluss vorpommerscher, brandenburgischer und polnischer Kommunen und Unternehmen initiiert grenzübergreifende Projekte

Albrecht, Gertrud; Albrecht, Wolfgang; Bütow, Martin; a.a.O. Regionaler Planungsverband Vorpommern (Hrsg.): Regionales Raumordnungsprogramm Vorpommern. — Greifswald 1998, S. 497 f.

und trägt damit auch zur Identitätsbildung bei.

Schließlich ist auf freiwilliger Basis begonnen worden, durch Stadt-Umland-Gespräche, die Durchführung einer Regionalkonferenz und den informellen Arbeitskreis Vorpommern, Planungen und Maßnahmen in der Region abzustimmen. Gerade in diesen freiwilligen Aktivitäten liegen die Ansätze zur Bildung kreativer Milieus.

Das Entscheidungspotenzial

Das regionale Entscheidungspotenzial muss ebenfalls als Engpass angesehen werden. Zahlreiche für die Region wichtige Entscheidungen - vor allem über Fördermittel - werden auf Landes-, Bundes- oder gar EU- Ebene gefällt. Die von Bund und Land eingerichteten Sonderverwaltungen, wie beispielsweise Arbeitsamtsbezirke und Umweltverwaltungen, berücksichtigen die Regionsgrenzen nicht und zerschneiden Vorpommern.

Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): Raumordnungsbericht Mecklenburg-Vorpommern. — Schwerin 1995, S. 290 ff.

Einziger regionalpolitischer Entscheidungsträger ist der Regionale Planungsverband Vorpommern, der jedoch ausschließlich für die Regionalplanung zuständig ist. So bleiben die Entscheidungskompetenzen in der Region weiterhin bei den Kreisen, Städten und Gemeinden, die jedoch zumeist kommunale und nur selten regionale Ziele verfolgen.

In der Wirtschaft sind - mit Ausnahme der zu überregionalen Konzernen gehörenden Betriebe - ebenfalls lokale Entscheidungskompetenzen vorherrschend. Besonders ungünstig ist auch die räumliche Einteilung der Industrie- und Handelskammerbezirke, die nicht nur Vorpommern, sondern sogar das zweipolige Ober-zentrum zerschneiden. Das nördliche Vorpommern mit Stralsund gehört zum Kammerbezirk Rostock, während das südliche Vorpommern einschließlich Greifswald dem Kammerbezirk Neubrandenburg zugeordnet wurde, so dass die Region hier deutlich unter dem Einfluss der ehemaligen Bezirksstädte steht.

Das Flächenpotenzial

Vorpommern ist vor allem geprägt durch landwirtschaftlich genutzte Flächen, die über zwei Drittel der Region einnehmen. Der Waldanteil beträgt hingegen nur 20 %. Viele große zusammenhängende Flächen stehen unter Naturschutz. Dagegen ist aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte nur 6,2 % der Fläche bebaut.

Statistisches Landesamt Mecklenburg-Vorpommern; a.a.O. Statistisches Landesamt Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch Mecklenburg-Vorpommern 1999. — Schwerin 1999, S. 385

Die für die Ansiedlung von Wohnen, Industrie und Gewerbe benötigte Fläche wird durch die kommunale Bauleitplanung ausgewiesen. Obwohl bei der Ausweisung der Wohnbauflächen neben dem kommunalen Entwicklungsbedarf auch ein Ersatzbedarf für beschädigte Bausubstanz und ein Nachholbedarf für die nach der Wende gewachsenen Ansprüche an die Wohnungsversorgung berücksichtigt wurden, steht hinreichend Wohnbauland zur Verfügung. Auch an Industrie- und Gewerbeflächen, die in der Regel in den zentralen Orten ausgewiesen wurden, besteht kein Mangel. Obwohl Vorpommern unter den vier Regionen des Landes mit 910 ha am wenigsten Gewerbegebiete erschlossen hat

Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern, Raumordnungsbericht; a.a.O. Raumordnungsbericht Mecklenburg-Vorpommern. — Schwerin 1995, S. 64

, sind diese Flächen noch längst nicht belegt. Insgesamt existieren in Vorpommern ausreichend preisgünstige Bauflächen, so dass das Flächenpotenzial eine besondere Begabung darstellt.

Das Umweltpotenzial

Das Umweltpotenzial Vorpommerns gliedert sich in verschiedene Teilpotenziale. In Bezug auf die Ausstattung mit oberflächennahen Rohstoffen ist die Region verhältnismäßig arm. Lediglich Kies, Sand, Ton und Torf sowie auf Rügen Kreide können rentabel abgebaut werden, während die Förderung von Erdöl und Erdgas wieder eingestellt wurde und die Nutzung von Erdwärme derzeit zu teuer ist.

Die Böden weisen mit Ausnahme der Küste und der sandigen Ueckermünder Heide Ackerzahlen zwischen 30 und 50 auf und sind damit für die Landwirtschaft gut geeignet.

Regionaler Planungsverband Vorpommern (Hrsg.): Regionales Raumordnungsprogramm Vorpommern, a. a. O. — Greifswald 1998, S. 79

Flüsse, Seen und Küstengewässer sind durch den Bau von Kläranlagen bedeutend sauberer geworden. Auch die Luft ist aufgrund der geringen Industrialisierung der Region relativ schadstoffarm. Die natürlichen Windverhältnisse bieten gute Möglichkeiten zur Ausnutzung der Windkraft, die derzeit rund 10 % des regionalen Energiebedarfes deckt. Schließlich verfügt Vorpommern über eine ökologische Artenvielfalt, die in anderen Regionen nicht mehr existiert.

Ebd. Regionaler Planungsverband Vorpommern (Hrsg.): Regionales Raumordnungsprogramm Vorpommern. — Greifswald 1998, S. 49

Mit dieser Umweltausstattung zählt Vorpommern zu den Regionen mit den gesündesten Lebensbedingungen in ganz Deutschland, so dass das Umweltpotenzial zu den spezifischen Begabungen der Region zählt und Ansätze für den Aufbau von Wirtschaftskreisläufen bietet.

Das Landschaftspotenzial

Vorpommern besitzt ein vielfältiges Natur- und Kulturraumpotenzial, das es für die einheimische Bevölkerung zu einem attraktiven Wohnstandort macht und für Touristen ein vielfältiges Angebot bietet. Die Region weist einschließlich ihrer Inseln eine längere und abwechslungsreichere Küste auf als alle mecklenburgischen Regionen zusammen. Das Binnenland ist nur gering besiedelt und zeichnet sich durch weite, leicht wellige Agrarflächen, die von Alleen durchzogen sind, und Wälder aus. Mit Peene, Recknitz und Uecker gibt es einige größere Flüsse, jedoch nur wenige Seen.

Als traditionelle Kulturlandschaft verfügt die Region über einen reichhaltigen Architekturbestand. Besonders ragen hier die Backsteingotik in den Städten, die Gutshäuser und Schlösser auf dem Lande und die Bäderarchitektur an der Küste heraus. Problematisch ist jedoch, dass gerade die denkmalwerte Bausubstanz häufig in einem schlechten Zustand ist und nur unter hohem finanziellen Aufwand erhalten werden kann.

Das Infrastrukturpotenzial

Unter den vier Regionen des Landes hatte Vorpommern nach der Wende die schlechtesten infrastrukturellen Voraussetzungen, da es keine Bezirksstadt gab, in die zu DDR-Zeiten bevorzugt Investitionen gelenkt wurden. Die Modernisierung und der Ausbau der Infrastruktur waren daher in den vergangenen Jahren Gegenstand vielfältiger Investitionen.

Um die Anbindung des Landes Mecklenburg-Vorpommern zu verbessern, konzentriert sich der Ausbau des Straßen- und Bahnnetzes auf den Neubau der Küstenautobahn A 20 Lübeck - Stettin und die Modernisierung der Bahnstrecke Lübeck - Stralsund. Die Linienführung der Autobahn ist für Vorpommern jedoch ungünstig, da sie an den vorpommerschen Städten Stralsund und Greifswald weit vorbeigeführt wird, so dass die Städte erst wieder durch Zubringer angebunden werden müssen. Die seeseitige Anbindung wurde vor allem durch den Ausbau des Fährhafens Sassnitz-Mukran auf Rügen verbessert, der hinter Rostock den zweithöchsten Umschlag des Landes verzeichnet.

Statistisches Landesamt Mecklenburg-Vorpommern; a.a.O. Statistisches Landesamt Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.); Statistisches Jahrbuch Mecklenburg-Vorpommern 1999. — Schwerin 1999, S. 253

Hinsichtlich der Anbindung an das Luftverkehrsnetz existieren in Vorpommern zwar mit Barth und Heringsdorf auf Usedom gleich zwei Regionalflughäfen; diese liegen jedoch abseits des zweipoligen Oberzentrums an den Rändern der Region.

Die technische Ver- und Entsorgung wurde durch den Bau und die Modernisierung von Leitungsnetzen, Klär-anlagen, Deponien und Windkraftanlagen verbessert. Mit der geplanten Errichtung von zwei Großgaskraftwerken auf dem Gelände des ehemaligen Atomkraftwerkes Lubmin wird Vorpommern wieder zum Energieexporteur werden.

Das soziale und kulturelle Angebot in der Region wird sich mit der Realisierung aller derzeit in der Umsetzung befindlichen Projekte stark verbessern. Mit dem Erhalt des Theaters Vorpommern, dem Bau von modernen Lichtspielhäusern und Erlebnisschwimmbädern, die auch zur touristischen Saisonverlängerung beitragen, wird in Stralsund und Greifswald auf dem Freizeitsektor eine Lücke geschlossen. Dagegen fehlt es immer noch an einer großen Sport- und Veranstaltungshalle im zweipoligen Oberzentrum.

Im Bildungsbereich wurde das Angebot der Universität Greifswald durch die technisch-betriebswirtschaftlich ausgerichtete Fachhochschule Stralsund, die 1992 gegründet wurde, sinnvoll ergänzt, so dass Vorpommern als einzige Region des Landes über Universität und Fachhochschule verfügt. Innovative Studiengänge wie Baltic Management Studies, Kommunikationstechnik und Multimedia, Biomedizin und Medizininformatik sowie die in Greifswald und Stralsund entstandenen Technologie- und Gründerzentren bieten Ansatzpunkte für Existenzgründungen in der Region.

Die touristische Infrastruktur und der Handel wurden ebenfalls stark ausgebaut. Neben der Erneuerung der Unterkünfte wurde das Freizeit-, Kur- und Rehabilitationsangebot in der Region verbessert. Der Handel hatte einen wesentlichen Anteil am Bauboom nach der Wende, so dass die Verkaufsfläche pro Einwohner in Vorpommern mittlerweile höher ist als in den alten Ländern. Dagegen gibt es beim Warenangebot - gerade in den Innenstädten - immer noch qualitative Mängel.

Mit dem Auf- und Ausbau der Infrastruktur wurden in Vorpommern zahlreiche regionale Wirtschaftskreisläufe in Gang gesetzt und anfänglich existierende Entwicklungsengpässe auf vielen Gebieten behoben. Manche Bereiche, wie die Bildung, stellen inzwischen sogar eine ausgesprochene regionale Begabung dar.

Das Arbeitskräftepotenzial

Wie in allen ostdeutschen Regionen war auch in Vorpommern die Freisetzung von Arbeitskräften nach der Wende sehr hoch. Vor allem unter der jüngeren Generation hat eine Abwanderung in die westdeutschen Ballungsregionen stattgefunden. Trotzdem beträgt die Arbeitslosenquote in der Region 20,2 %.

Ebd. Statistisches Landesamt Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch Mecklenburg-Vorpommern 1999. — Schwerin 1999, S. 377

Problematisch ist, dass es sich bei den von der Arbeitslosigkeit besonders betroffenen Berufsgruppen - in Landwirtschaft und Ernährung, Verwaltung und Sozialem, in jüngerer Zeit aber auch bei den Bauberufen

Ebd., Statistisches Landesamt Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch Mecklenburg-Vorpommern 1999. — Schwerin 1999, S. 143

- um Qualifikationen handelt, die im Gegensatz zur beschäftigungsintensiven Wirtschaft der DDR in weit geringerem Umfang nachgefragt werden. Zudem verfügen die Erwerbslosen häufig über eine ungünstige Altersstruktur. Beschäftigungsfördernde Maßnahmen, wie ABM oder Umschulungen, aber auch vorzeitige Altersruheregelungen, spielen daher nach wie vor eine wichtige Rolle. Auf der anderen Seite können auch Engpässe festgestellt werden. Beispielhaft seien hier die mangelnden betriebswirtschaftlichen Kenntnisse des Personals in kleinen und mittleren Unternehmen genannt.

Für die Zukunft ist jedoch von einer Entlastung des Arbeitsmarktes auszugehen. Zum einen soll sich parallel zur rückläufigen Bevölkerungsentwicklung - so wird in Vorpommern von einer weiteren Abnahme um 20 000 Einwohner bis 2010 ausgegangen

Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern, Raumordnungsbericht; a.a.O. Raumordnungsbericht Mecklenburg-Vorpommern. — Schwerin 1995, S. 43

- auch die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter um 30 000 verringern.

Regionaler Planungsverband Vorpommern, Regionales Raumordnungsprogramm; a.a.O. Regionaler Planungsverband Vorpommern (Hrsg.): Regionales Raumordnungsprogramm Vorpommern. — Greifswald 1998, S. 20

Zum anderen wird sich die Qualifikation der Erwerbstätigen durch die in der Region angebotenen Ausbildungsmöglichkeiten verbessern. Spezielle regionale Kenntnisse und Fähigkeiten, wie beispielsweise in der Landwirtschaft, beim Schiffbau, beim Rückbau von Atomkraftwerken und ansatzweise in der Biotechnologie, stellen bereits jetzt eine spezielle Begabung der Region dar.

Das Kapitalpotenzial

Das regionale Kapital verteilt sich auf das Geld- und Sachkapital privater und öffentlicher Haushalte und Unternehmen.

Die Einwohner der Region Vorpommern verfügen nur über ein geringes Geldvermögen. 1998 betrug es 9 555 DM/Ew.

Statistisches Landesamt Mecklenburg-Vorpommern; a.a.O. Statistisches Landesamt Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch Mecklenburg-Vorpommern 1999. — Schwerin 1999, S. 278)

und lag damit unter dem Durchschnitt des Landes mit 10 771 DM/Ew., womit Mecklenburg-Vorpommern wiederum den letzten Rang unter den Bundesländern einnimmt.

Ebd. Statistisches Landesamt Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch Mecklenburg-Vorpommern 1999. — Schwerin 1999, S. 440

Beim Sachkapital gab es einen großen Nachholbedarf, so dass die privaten Haushalte seit der Wende beispielsweise in Eigenheime, Kraftfahrzeuge und Haushaltsgeräte viel investiert haben. Jedoch stehen aufgrund der vergleichsweise geringen Einkommen und Ersparnisse weniger Mittel für Anschaffungen zur Verfügung. Dies belegt eine Kaufkraftanalyse, wonach die Region 1995 nur über 65,5 % der bundesdurchschnittlichen Kaufkraft verfügt hat.

Regionaler Planungsverband Vorpommern, Regionales Raumordnungsprogramm; a.a.O. Regionaler Planungsverband Vorpommern (Hrsg.): Regionales Raumordnungsprogramm Vorpommern. — Greifswald 1998, S. 98

Das Geldvermögen der öffentlichen Haushalte und der Unternehmen ist ebenfalls nur gering. Die Kreise und Städte Vorpommerns decken ihre Ausgaben überwiegend aus Landes- und Bundeszuweisungen, während nur 12 % der Haushaltsmittel aus eigenen Steuereinnahmen stammen.

Statistisches Landesamt Mecklenburg-Vorpommern; a.a.O. Statistisches Landesamt Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch Mecklenburg-Vorpommern 1999. — Schwerin 1999, S. 404

So belegen bei den Steuereinnahmen unter den deutschen Städten mit über 50 000 Einwohnern Greifswald mit 470 DM/Ew. den drittletzten und Stralsund mit 508 DM/Ew. den sechstletzten Rang. Auch die betriebliche Kapitaldecke ist meist äußerst dünn und führte daher schon häufig zu Insolvenzen, da Zahlungsengpässe nicht überbrückt werden konnten. Ähnlich wie die privaten Haushalte hatten auch die Unternehmen und öffentlichen Haushalte einen hohen Nachholbedarf bei den Investitionen in das Sachkapital. So wurde vor allem neue Technik angeschafft und in Gebäude investiert.

Das Kapitalpotenzial bildet einen wesentlichen Engpass bei der Entwicklung Vorpommerns, da weder die privaten und öffentlichen Haushalte noch die Unternehmen genug Kapital für Investitionen zur Verfügung haben.

Das Nachfragepotenzial

Die regionale Nachfrage ist aufgrund der vergleichsweise niedrigen Einnahmen und finanziellen Rücklagen der privaten und öffentlichen Haushalte und Unternehmen als gering einzustufen. Hinzu kommt, dass der Nachfrageboom im Zuge des Nachholbedarfes nach der Wende inzwischen weitgehend abgeebbt ist.

In der Region besteht daher insbesondere eine Nachfrage nach Kapital. Den Unternehmen, vor allem aber potenziellen Existenzgründern, fehlt es an günstigem Wagniskapital in der Startphase oder zur Überbrük- kung von Auftragsengpässen. Den Kommunen mangelt es trotz Fördermitteln an Geld für weitere Infrastrukturinvestitionen.

Weiter fällt auf, dass die Nachfrage nach Gütern, die in der Region produziert oder zumindest gehandelt werden, teilweise nicht in der Region gedeckt wird. So beziehen beispielsweise immer noch viele private Haus-halte Möbel, Elektrowaren, aber auch Schuhe und Bekleidung aus den Großstädten außerhalb der Region, da sie dort eine größere Auswahl und bessere Qualität vermuten. In der Landwirtschaft kann Vorpommern die Nachfrage nach Schweinefleisch derzeit in der Region nicht befriedigen und ökologisch erzeugte Lebensmittel werden paradoxerweise aus den westdeutschen Ländern eingeführt. Auch in der maritimen Wirtschaft existiert ein Nachfragepotenzial. Obwohl es in Vorpommern zwei Werften gibt, haben die meisten Zulieferer ihren Standort außerhalb der Region.

Wenngleich die mangelnde Nachfrage insgesamt einen Engpass der Entwicklung bildet, so zeigen diese Beispiele, dass bei der Befriedigung der regionalen Nachfrage noch ungenutzte Potenziale vorhanden sind und regionale Wirtschaftskreisläufe aufgebaut werden können.

Handlungserppfehlungen zur Entwicklung der Region Vorpommern

Auf der Grundlage der Potenzialanalyse können nun Handlungsempfehlungen zur Aktivierung der endogenen Potenziale gegeben werden. Zur Behebung der Engpässe beim soziokulturellen Potenzial und dem Entscheidungspotenzial wird empfohlen, den Landschaftsverband Vorpommern gemäß Art. 75 der meck- lenburg-vorpommerschen Verfassung zu gründen. Neben der Pflege geschichtlicher und landschaftlicher Besonderheiten sollte dieser für das Theater, die Museen und Volkshochschulen sowie das Regionalmarketing und die regionale Wirtschaftsförderung zuständig sein.

Die Rolle des Regionalen Planungsverbandes sollte mit der Erarbeitung eines Regionalen Entwicklungskonzeptes weiterentwickelt werden mit dem Ziel, regionale Projekte zu formulieren und umzusetzen. Gerade die gemeinsame Durchführung solcher Projekte wird zur Identität der Region beitragen.

Schließlich ist darauf hinzuwirken, dass die regionale Zuständigkeit der Sonderbehörden und Kammern dahingehend geändert wird, dass deren Grenzen Vorpommern nicht länger zerschneiden, sondern mit der Region zur Deckung gebracht werden. Insbesondere die wirtschaftlichen Interessen der Unternehmen in der Region könnten in einer zu bildenden Industrie- und Handelskammer Vorpommern wesentlich besser abgestimmt und vertreten werden.

Wenngleich ein kreatives Milieu nicht verordnet werden kann

Fromhold-Eisebith, Martina; a.a.O. Fromhold-Eisebith, Martina: Das „kreative Milieu” — nur theoretisches Konzept oder Instrument der Regionalentwicklung? In: Raumforschung u. Raumordnung 57 (1999) H. 2/3, S. 173

, so sollte über die vorhandenen Ansätze hinaus versucht werden, den Nährboden dafür zu bereiten. Dabei kommt den Hochschulen der Region eine besondere Rolle zu, da sie die Führungskräfte der Zukunft ausbilden. Um persönliche und vertrauliche Beziehungen aufzubauen, sollten Hochschulen, Wirtschaft und Verwaltung stärker in Kontakt treten. Möglichkeiten bieten Praktika und Examensarbeiten, aber auch Kontaktbörsen. Auf diese Weise wird nicht nur der Bezug zwischen Wissenschaft und Praxis hergestellt, sondern es werden auch Netzwerke aufgebaut, aus denen kreative Effekte hervorgehen können.

Flächen-, Umwelt- und Landschaftspotenzial bilden die Stärken Vorpommerns. Sie sind daher behutsam weiterzuentwickeln.

Die Infrastruktur der Region ist vor allem dort auszubauen, wo sie zur regionalen Wertschöpfung beiträgt. So ist die Errichtung einer großen Veranstaltungshalle in Stralsund oder Greifswald erforderlich, um Sport- und Kulturveranstaltungen in der Region durchzuführen.

Zur effektiven Anbindung des zweipoligen Oberzentrums an das Luftverkehrsnetz sollten die vorhandenen Regionalflughäfen zugunsten eines neuen Regionalflughafens, der zwischen Stralsund und Greifswald zu errichten ist, herabgestuft werden.

Im Bildungsbereich sollte das gute Angebot durch Studiengänge in den für Vorpommern bedeutenden Wirtschaftszweigen Landwirtschaft, Schiffbau und Seehandel sowie Bauwesen und Denkmalpflege optimiert werden.

Zur Aktivierung des brachliegenden Arbeitskräftepotenzials könnte eine Börse zwischen Arbeitsamt, Weiterbildungsträgern und Unternehmen den temporären Austausch von Fachkräften sowie die Konzipierung von Fortbildungsveranstaltungen organisieren.

Zur Förderung von Existenzgründungen sollte Wagniskapital bereitgestellt werden. Dazu ist es erforderlich, in der Region eine leistungsfähige Regionalbank zu errichten, die diese Aufgabe übernehmen kann. Diese Möglichkeit wurde im Zuge der Sparkassenreform nur teilweise realisiert. Zwar wurde eine Sparkasse Vorpommern mit Nordvorpommern, Ostvorpommern und Greifswald gegründet, jedoch blieb in Stralsund, auf Rügen und in Uecker-Randow die kleinteilige Struktur erhalten. Ziel muss es daher sein, die Sparkasse Vorpommern um die noch fehlenden drei Gebiets-körperschaften zu erweitern.

Die Analyse des Nachfragepotenzials der Region hat gezeigt, dass die regionale Nachfrage stärker als bisher auf regionale Produkte umgeleitet werden könnte. So sollten in der Landwirtschaft Erzeugerbetriebe verstärkt auch die Veredelung und Vermarktung ihrer Produkte übernehmen.

Nachfrageorientierte Maßnahmen im Bereich des Handels stellen die Aufwertung der Innenstädte mit einem qualitativ diversifizierten Angebot und die Errichtung von Nachbarschaftsläden zur Grundversorgung im ländlichen Raum dar.

Im Ergebnis zeigen die Analyse der endogenen Potenziale sowie die daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen, dass die Aktivierung dieser Potenziale einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Region Vorpommern leisten kann.

Abbildung 1

Regionale Verwaltungsgrenzen auf dem Gebiet von Mecklenburg-Vorpommern in den Jahren 1945, 1952 und 1998
Regionale Verwaltungsgrenzen auf dem Gebiet von Mecklenburg-Vorpommern in den Jahren 1945, 1952 und 1998

Abbildung 2

Kreisfreie Städte und Kreise der Region Vorpommern
Kreisfreie Städte und Kreise der Region Vorpommern

Fläche, Einwohner und Bevölkerungsdichte der kreisfreien Städte und Kreise der Region Vorpommern

KreisfreieFläche in km2Einwohner1998Bevölkerungsdichte Ein- wohner/km2
Hansestadt Greifswald5056 1561 123
Hansestadt Stralsund3961 7111 582
Kreis Nordvorpommern2 168119 71555
Kreis Ostvorpommern1 910115 15360
Kreis Rügen97476 92779
Kreis Uecker-Randow1 62487 44254
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