1. bookVolume 66 (2008): Issue 3 (May 2008)
Journal Details
License
Format
Journal
eISSN
1869-4179
First Published
30 Jan 1936
Publication timeframe
6 times per year
Languages
German, English
access type Open Access

Raumplanung als strategische Planung

Published Online: 31 May 2008
Volume & Issue: Volume 66 (2008) - Issue 3 (May 2008)
Page range: 1 - 1
Journal Details
License
Format
Journal
eISSN
1869-4179
First Published
30 Jan 1936
Publication timeframe
6 times per year
Languages
German, English

Liebe Leserinnen und Leser,

Das Lösen von raumbedeutsamen Problemen sowie die Sicherung und behutsame Weiterentwicklung unserer Lebensgrundlagen sind nach wie vor wichtige Aufgaben für die Raumplanung. Angesichts weiterhin hohen Flächenverbrauchs für Zwecke der Siedlungs- und Verkehrsentwicklung, auch in Regionen mit Bevölkerungsrückgängen, haben Begriff und Konzept der „Nachhaltigen Entwicklung“ weiter eine unverzichtbare Bedeutung. Die Bedeutung wird sogar weiter steigen. Denn der Klimawandel ist bereits in vollem Gange. Es gilt, sich mit dessen räumlichen Folgen zu beschäftigen. Anpassungs-und Minderungsmaßnahmen müssen entwickelt werden. Die räumliche Planung kann hier eine wichtige Rolle spielen, indem sie Maßnahmen des Klimaschutzes und der Minderung des Ausstoßes von Treibhausgasen durch ihre spezifischen Planungen unterstützt.

Der Langfristcharakter von Plänen und Programmen, das Denken in Nachhaltigkeitskategorien, die zukünftige Generationen ausdrücklich mit einschließen, und das zugegebenermaßen nicht einfach zu durchschauende System der räumlichen Planung in Deutschland führen zwar oft zu vermeintlichen Unvereinbarkeiten mit kurzfristig notwendigen und zu realisierenden raumbedeutsamen Maßnahmen. So wird die Raumplanung noch immer des öfteren als eine „Verhinderungsplanung“ gesehen. Muss beispielsweise die nachhaltige Sicherung von Biodiversität, von Flächen für den Hochwasserschutz oder für die Naherholung mit Argumenten der Sicherung von Arbeitsplätzen oder der Entlastung von Bürgerinnen und Bürger von Straßenverkehrslärm konkurrieren, entstehen häufig scheinbar unlösbare Raumnutzungskonflikte. Gleichwohl ist und bleibt es Aufgabe der Raumplanung, hier steuernd einzugreifen und im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung zu zukunftstauglichen Lösungen beizutragen.

Es kann sein, dass die z. T. relativ geringe Wertschätzung, die seitens Politik, Fachplanung, Wirtschaft und Bürgerschaft der räumlichen Planung entgegengebracht wird, manchmal einem missverstandenen oder vielleicht z. T. auch überholten Planungsverständnis geschuldet ist. Die Raumplanung selbst hat sich längst weiterentwickelt. Die klassischen, bewährten Instrumente der Landesentwicklungs-, Regional- und Bauleitplanung sind so sukzessive um neue, mehr prozessorientierte Instrumente erweitert worden. Hier sind einerseits informelle Planungsinstrumente zu nennen, die bereits seit Jahren kontinuierlich an Bedeutung gewinnen. Sie können häufig flexibel, problemorientiert und ohne rechtlich bindende Anforderungen eingesetzt werden. Kooperative Ansätze unter expliziter Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern und insbesondere von Planungsbetroffenen führen in aller Regel zu einer erhöhten Qualität und Akzeptanz der Planungen.

Andererseits hat sich in den vergangenen Jahren der Ansatz der „Strategischen Planung“ etabliert. In diesem Heft von RuR setzt sich Manfred Kühn intensiv damit auseinander. Zu Recht weist er darauf hin, dass der Begriff - zumindest im deutschsprachigen Raum - noch immer unscharf ist. Worin können also strategische Elemente der Raumentwicklung und -planung bestehen? Im Sinne einer Weiterentwicklung der informellen Instrumente besteht ein Mehrwert im Initiieren und Begleiten regionaler Diskurse zu Fragen der nachhaltigen Raumentwicklung. Und dies schließt das Schärfen des Bewusstseins dafür ein, dass Planung die Lebensgrundlagen und -chancen der nachfolgenden Generationen zu berücksichtigen hat.

Es wäre vermessen, mit „Strategischer Planung“ den allumfassenden Gestaltungsanspruch, der in den 1970er Jahren vorherrschend war, wiederbeleben zu wollen. Daher ist eine Konzentration auf wichtige und lösbare raumbezogene Themen unabdingbar. Etwas allgemeiner formuliert geht es einerseits um die Definition langfristiger Ziele oder gar Visionen, andererseits um die Ableitung kurz- und mittelfristig bearbeitbarer Maßnahmen und Projekte zur Realisierung der Ziele. Diese Planungsschritte sollten dann alle relevanten Akteure einbeziehen - ganz im Sinne einer Regional Governance.

Ob solche Instrumente wie das der „Strategischen Planung“ im Verbund mit den klassischen Instrumenten dazu beitragen, die Akzeptanz und Wirksamkeit der Raumplanung als kooperative Entwicklungsplanung zu erhöhen, bleibt zu hoffen. Denn angesichts der großen Herausforderungen für die Raumentwicklung in den kommenden Jahren und Jahrzehnten ist ein kraftvolles und abgestimmtes Handeln, eine starke Raumplanung gefragt. Und wir, die Schriftleiter von RuR, wollen unter anderem dazu beitragen, dass wir die Zeitschrift als Plattform für solche zukunftsorientierten Ansätze und Best Practices verstehen. Sie sind herzlich eingeladen, sich an der Diskussion zu beteiligen!◼

Ihre

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