1. bookVolume 66 (2008): Issue 4 (July 2008)
Journal Details
License
Format
Journal
eISSN
1869-4179
First Published
30 Jan 1936
Publication timeframe
6 times per year
Languages
German, English
access type Open Access

Was bietet Raumforschung und Raumordnung?

Published Online: 31 Aug 2008
Volume & Issue: Volume 66 (2008) - Issue 4 (July 2008)
Page range: 1 - 1
Journal Details
License
Format
Journal
eISSN
1869-4179
First Published
30 Jan 1936
Publication timeframe
6 times per year
Languages
German, English

Liebe Leserinnen und Leser,

Raumforschung und Raumordnung (RuR) ist eine interdisziplinäre wissenschaftliche Zeitschrift für die raumbezogene Forschung und Praxis. Sie widmet sich insbesondere den Bereichen Raumordnung, Landes-, Regional- und Stadtentwicklung und -planung sowie Landschafts- und Umweltplanung. Ihr Ziel ist der Erkenntnis- und Informationsaustausch in und zwischen Wissenschaft und Praxis. In diesem Sinne wendet sich RuR an Forschende, Lehrende und Studierende in den raumbezogenen Wissensgebieten sowie an Planungsfachleute oder administrative Ebenen und raumbezogene Fachbereiche. RuR veröffentlicht sowohl wissenschaftliche Beiträge, als auch Berichte aus Forschung und Praxis. Beide werden in einem Reviewverfahren nach internationalem Standard referiert.

Die Rubrik „Berichte aus Forschung und Praxis“ füllt in diesem Heft Christian Müller aus. Er beschäftigt sich mit der laufenden Novellierung des Raumordnungsgesetzes (ROG) 2008. Eine gründliche Überarbeitung nach mehr als zehn Jahren war nicht nur wegen der faktischen Veränderungen in der Planungslandschaft angezeigt. Vielmehr gab die sog. Föderalismusreform Anlass für eine Überarbeitung. Danach ist die Rahmengesetzgebungskompetenz der Raumordnung vollständig aufgegeben worden. Stattdessen ist die Raumordnung nunmehr Gegenstand der konkurrierenden Gesetzgebungskompetenz. Dies ermöglicht ihr einerseits eine stärkere inhaltliche Positionierung, andererseits werden die Länder „gezwungen“, sich intensiv mit der Zielkompetenz des Bundes auseinanderzusetzen.

Insgesamt übernimmt der Referentenentwurf aber weitgehend die etablierten Instrumente und Verfahrensweisen des gegenwärtigen Raumordnungsrechts und entwickelt sie z. T. ein Stückchen weiter. Leitlinie ist dabei, durch den Bund nur das Erforderliche zu regeln und den Ländern mehr Spielräume zur Ausgestaltung ihrer Landesentwicklung zu überlassen.

Unangetastet im Referentenentwurf des ROG bleibt bisher auch die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse als normative Leitvorstellung der Raumordnung, trotz einer kritischen Auseinandersetzung mit diesem Leitprinzip auf der Fachebene in den vergangenen Jahren. Im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) geht man davon aus, dass das novellierte Raumordnungsgesetz noch in diesem Jahr verkündet werden kann.

Die wissenschaftlichen Beiträge im aktuellen Heft beschäftigen sich u. a. mit planungspraktischen Fragen und Verfahren.

Stefan Greiving und Michael Höweler interessiert das „Baulandparadoxon“ im Bereich der Gewerbeflächenentwicklung. Trotz großer Flächenreserven geht die Inanspruchnahme von Freiraum weiter, weil die angebotenen Flächen nicht den Anforderungen der nachfragenden Unternehmen entsprechen. Als Alternative schlagen sie eine regionalplanerische Mengensteuerung in Kombination mit einem landesplanerischen Vertrag vor, eine Lösung, die beiden Zielsetzungen gerecht wird: Flächen sparen und nachfragegerecht Gewerbeflächen bereitstellen.

Nachfragegerecht Gewerbeflächen bereitstellen bedingt, die Faktoren zu kennen, die das Standortwahlverhalten von Betrieben beeinflussen. Balz R. Bodenmann und Kay W. Axhausen untersuchen am Beispiel des Wirtschaftsraums St. Gallen mittels eines log-linearen Modells den Einfluss des Alters, der Größe, der Branche sowie der Standortbedingungen auf das Standortwahlverhalten von Unternehmen. Für die Planungspraxis ist das Ergebnis ernüchternd: Die Standortbedingungen sind nur ein Faktor von mehreren, der betriebliche Standortentscheidungen, seien es Stilllegungen, Verlagerungen oder Neugründungen beeinflusst.

Noch relativ neu ist das Instrument des Regionalen Flächennutzungsplans. Er führt Flächennutzungs- und Regionalplanung in einer Planung zusammen. Kim Pollermann erörtert am Beispiel des Ruhrgebiets Grenzen und Möglichkeiten einer Evaluierung dieses Planungstyps.

Ein letzter Beitrag geht der Frage nach, wie die metropolenorientierte Raumentwicklungspolitik theoretisch fundiert werden kann und welche möglichen praktischen Ansätze sich daraus für die Umsetzung des Ziels der territorialen Kohäsion ableiten lassen. Patrick Küpper, 2. Preisträger des Werner-Ernst-Preises 2007, deckt dabei Lücken in der theoretischen Diskussion auf und stellt Widersprüche zwischen dem Konzept der Europäischen Metropolregionen und dem Ziel der territorialen Kohäsion fest.

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern wie immer eine anregende Lektüre und ein Stück Erkenntnisgewinn, sei es für die Forschung oder die Praxis. ◼

Ihre

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