1. bookVolume 64 (2006): Issue 6 (November 2006)
Journal Details
License
Format
Journal
eISSN
1869-4179
First Published
30 Jan 1936
Publication timeframe
6 times per year
Languages
German, English
Open Access

60 Jahre Akademie für Raumforschung und Landesplanung

Published Online: 30 Nov 2006
Volume & Issue: Volume 64 (2006) - Issue 6 (November 2006)
Page range: 498 - 511
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eISSN
1869-4179
First Published
30 Jan 1936
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German, English

Die Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL) besteht im Jahre 2006 seit sechs Jahrzehnten. Als eine selbstständige und rechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts, als eine außeruniversitäre und unabhängige raumwissenschaftliche Einrichtung mit Servicefunktion für die grundlagen- und anwendungsbezogene Forschung und vor allem auch als ein einzigartiges personelles interdisziplinäres Netzwerk erforscht sie die Wirkungen des menschlichen Handelns auf den Raum und analysiert sie die Möglichkeiten einer nachhaltigen Raumentwicklung. Das Jubiläum gibt Anlass zu einem Rückblick auf ihr bisheriges Wirken in Wissenschaft und Praxis und ebenso zu einem vorsichtigen Blick auf ihre zukünftigen Aufgaben.

Dabei können die Ergebnisse von sechzig Jahren intensiven Forschens und Beratens in unzähligen Arbeitsgremien, Publikationen und Veranstaltungen hier nur beispielhaft dargestellt werden und muss ein großer Teil der Entwicklungsgeschichte und des vielfältigen Aktivitätenspektrums ausgeblendet bleiben. So kann nicht auf die Vorläuferin der ARL, die Reichsarbeitsgemeinschaft, eingegangen werden. Auch müssen wichtige Felder und Themen ausgeblendet bleiben, zu denen die ARL regelmäßig Vorhaben in Angriff genommen hat und das auch weiterhin tun wird (z. B. Fragen der Ausbildung für die Raumplanung, zur Entwicklung der Agglomerationen und der ländlichen Räume oder zum Zentrale-Orte-Konzept) oder die erst in jüngerer Zeit ins Blickfeld genommen wurden (z. B. Europäische Metropolregionen, Territoriale Kohäsion und Europäische Agenda).

Siehe hierzu z.B.: Venhoff, M.: Die Reichsarbeitsgemeinschaft für Raumforschung (RAG) und die reichsdeutsche Raumplanung seit ihrer Entstehung bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges 1945. – Hannover 2000. = ARL-Arbeitsmaterial, Nr. 258; Hinüber, H. v.: Historische Wurzeln und wichtige Etappen der Entwicklung. In: Grundriss der Landes und Regionalplanung. Hrsg.: ARL. – Hannover 1999, S. 7 ff.; ARL (Hrsg.): 50 Jahre ARL in Fakten. – Hannover 1996; ARL: Bibliographie der ARL – Veröffentlichungen 1946 – 1996. – Hannover 1996; Ritter, E.-H.; Scholich, D.: Raumordnung, Landes- und Regionalplanung – Ausgewählte Ergebnisse der Forschungstätigkeit der Akademie für Raumforschung und Landesplanung. Raumforsch, u. Raumordnung 57 (1999) H. 2/3, S. 155–167

Der Beitrag konzentriert sich deshalb auf wichtige Etappen der Raumentwicklung in Deutschland und Europa und skizziert ausgewählte Initiativen der ARL während dieser Phasen.

Ein kurzer geschichtlicher Abriss von 1946 bis 2006

Bereits im Herbst 1945 hatte der Oberpräsident der Provinz Hannover als zuständige Stelle für Institutionen mit Reichsaufgaben angeordnet, dass die Reichsarbeitsgemeinschaft für Raumforschung (RAG) ihre wissenschaftliche Tätigkeit fortführen und ihren Beitrag zum Wiederaufbau und zur Neugestaltung Deutschlands leisten solle. Daraufhin nahm 1946 die RAG, einer Forderung der Alliierten Kontrollkommission folgend und mit Zustimmung des Oberpräsidenten, später auch der Niedersächsischen Landesregierung, die Bezeichnung Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL) an und begann noch im gleichen Jahr unter Nutzung der erhalten gebliebenen Ressourcen mit der wissenschaftlichen Arbeit in ihren ersten interdisziplinären Forschungsausschüssen.

1949 wurde die ARL in das Königsteiner Abkommen aufgenommen, das als Staatsabkommen der Länder der Bundesrepublik Deutschland bis 1977 Grundlage für die gemeinsame Finanzierung der überregionalen Forschungseinrichtungen war. Mit Genehmigung der ARL-Satzung durch die Niedersächsische Landesregierung wurden ihr 1953 die Rechte einer juristischen Person des Öffentlichen Rechts verliehen.

Unter dem Titel Raumforschung

ARL: 25 Jahre Raumforschung in Deutschland. – Bremen 1960

veröffentlichte die ARL 1960 erstmals eine wichtige Standortbestimmung, in der die ganze Breite und Tiefe des Arbeitsgebiets dargestellt und zugleich ein Überblick über den Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis unter besonderer Berücksichtigung der Arbeiten der ARL gegeben wurden. Im gleichen Jahr wurden auch die ersten Länderbände zum Deutschen Planungsatlas

Die ARL-Reihe „Deutscher Planungsatlas“ umfasst die Bände I Nordrhein-Westfalen (1982), II Niedersachsen und Bremen (1961), III Schleswig-Holstein (1960), IV Hessen (1960), V Bayern (1960), VI Baden-Württemberg (1969), VII Rheinland-Pfalz (1965), VIII Hamburg (1978), IX Berlin (1962) und X Saarland (1976) mit teilweise zahlreichen Einzellieferungen.

vorgelegt. Hatten im Vordergrund der Akademiearbeit zunächst Fragen der Entwicklung von Wirtschaft, Bevölkerung und Siedlungsstruktur gestanden, traten nun zunehmend auch Untersuchungen zur Methodik der Raumforschung und zum Instrumentarium der räumlichen Planung hinzu, die ab 1960 systematisch und auch immer ausführlicher in den Jahresberichten und später den Tätigkeitsberichten und durch das Vademecum dokumentiert wurden.

Seit 1961 wird in jährlichem Rhythmus die Öffentlichkeit eingeladen, sich im Rahmen der Wissenschaftlichen Plenarsitzungen (WP) an den Auseinandersetzungen der ARL mit aktuellen Fragen der Raumentwicklung, Raumplanung und raumwissenschaftlichen Forschung zu beteiligen und an ihren Erkenntnissen und Arbeitsergebnissen teilzuhaben. In Ergänzung der damaligen Forschungsausschüsse

Die Ausschüsse bestanden von 1946 bis 1972. Die von den Ausschüssen behandelten Fragestellungen umfassten das gesamte raumwissenschaftliche Spektrum, z.B.: Klimafragen in der Landesplanung (1946), Raum und Verkehr (4957), Recht und Verwaltung (1966), Methoden der empirischen Regionalforschung (1971). Siehe ausführlich ARL (Hrsg.): 50 Jahre ARL in Fakten, a. a. O., S. 43–56

wurden ab 1963 sieben Landesarbeitsgemeinschaften (LAG) eingerichtet. Die LAGs sind Foren für regional orientierte Forschung und für den Informationsaustausch auf Länderebene. Daneben erbringen sie Dienstleistungen für Politik und Verwaltung in den betreffenden Ländern. Fragen der Landes- und Regionalentwicklung werden von zeitlich befristeten Arbeitsgruppen der LAG behandelt. Derartige regionale Forschungs- und Beratungsplattformen bietet keine andere raumwissenschaftliche Einrichtung in Deutschland an. Sie decken das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland ab, sind Regionsgrenzen und Landesgrenzen übergreifend gebildet und übernehmen wichtige Funktionen bei den transnationalen Kooperationen.

Mit ihrem Handwörterbuch der Raumforschung und Raumordnung legte die ARL 1966 erstmals eine systematische Darstellung des gesamten Gebiets der raumbezogenen Wissenschaft und Praxis im deutschsprachigen Raum vor. Dieses einzigartige Kompendium fand schon damals breite Beachtung, was bereits 1970 unter erheblicher Erweiterung und Aktualisierung eine Neuauflage als dreibändiges Werk erforderlich machte. Es erfreut sich auch heute großer Nachfrage

ARL (Hrsg.): Handwörterbuch der Raumforschung und Raumordnung. – 1. Aufl., Hannover 1966. Die zweite Auflage erschien 1970, die dritte unter dem geänderten Titel „Handwörterbuch der Raumordnung“ 1995. Für die 2005 erschienene vierte Auflage wurde das Handwörterbuch völlig neu bearbeitet.

. Als weiteres Grundlagenwerk wurde 1969 eine Loseblattsammlung Daten zur RaumplanungZahlen, Richtwerte, Übersichten veröffentlicht. Auch diese wichtige Publikation musste bald völlig neu konzipiert werden und wurde zwischen 1981 und 1989 als ebenfalls dreibändiges Werk erneut aufgelegt.

ARL (Hrsg.): Daten zur Raumplanung. Zahlen – Richtwerte – Übersichten. – Hannover 1969. Auch diese wichtige Publikation musste bald völlig neu konzipiert werden und wurde zwischen 1981 und 1989 als vierbändiges Werk (Teil A 1981, B 1983, C 1989, D 1987) erneut aufgelegt.

Ab 1973 wurden nach breiter Erörterung in den Organen der ARL die bis dahin zum Teil langjährig bestehenden und an übergreifenden, vorwiegend sektoral bearbeiteten Themen ausgerichteten Forschungsausschüsse durch Arbeitskreise (AK) ersetzt. AKs bearbeiten – zeitlich befristet auf zwei bis drei Jahre – ausgewählte, thematisch begrenzte Fragestellungen, die in der Regel durch eine Nähe zur problemorientierten Grundlagenforschung gekennzeichnet sind. Sie sind interdisziplinär und mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft wie Praxis besetzt. Auch Arbeitsgremien in dieser Form und thematischen Breite bietet keine andere raumwissenschaftliche Einrichtung in Deutschland an. Bei transnationalen Problemstellungen setzt die ARL Europäische Arbeitskreise ein. Ad-hoc-Arbeitskreise erarbeiten kurzfristig politikorientierte Empfehlungen zu aktuellen Fragen und Problemen der Raumentwicklung, Raumplanung und Raumpolitik sowie zu forschungspolitischen Grundsatzfragen. Mit dieser Neuordnung war die Einrichtung von Sektionen verbunden, in denen die Aufgabenstellungen, Ergebnisse und gemeinsamen Anliegen der Arbeitskreise diskutiert und dem Präsidium Empfehlungen für die Bearbeitung neuer Vorhaben gegeben wurden. Kennzeichnend für diese Zeit war eine deutliche Hinwendung zu praxisnahen Forschungsthemen.

1977 fand die ARL als Serviceeinrichtung von überregionaler Bedeutung und gesamtstaatlichem wissenschaftspolitischem Interesse Aufnahme in die gemeinsame Bund-Länder-Finanzierung (sog. Blaue Liste), durch die das Königsteiner Abkommen abgelöst wurde. Die Servicefunktion umfasst Forschungs- und Transferleistungen.

Mit der Veröffentlichung ihrer Handbücher Grundriss der Raumordnung (1982) und Grundriss der Stadtplanung (1983) konnte die ARL die Reihe ihrer systematischen Darstellungen im Rahmen der Grundlagenwerke noch wesentlich ergänzen. Später, im Jahre 1999 kam als drittes Handbuch noch der Grundriss der Landesund Regionalplanung hinzu. 2006 beschloss das Präsidium, bei der Überarbeitung diese drei bisherigen Bände in einem neuen Grundriss der Raumplanung zusammenzufassen. Dazu wird eine Redaktionsgruppe Anfang 2007 ihre Arbeit aufnehmen.

In der Forschungsarbeit der ARL wurden seit der Mitte der 1980er Jahre immer deutlichere Aktivitäten hin zu einer stärkeren Politikberatung erkennbar. Dem diente auch ihr 1986 veröffentlichtes Memorandum Anforderungen an die Raumordnungspolitik in der Bundesrepublik Deutschland, das auf die Notwendigkeit einer Stärkung der Raumordnung zur Bewältigung der Zukunftsaufgaben aufmerksam machte und auf den neuen Handlungsbedarf hinwies.

Seit 1989 wurden ein spezielles Forschungsprogramm für Europa vorgelegt und zugleich die europäischen Forschungskooperationen

Siehe z.B. ARL (Hrsg.): Europabezogene Forschung. In: ARL-Jahresbericht 93. – Hannover 1993, S. 64–71

ausgebaut, zunächst in einer deutsch-französischen (DFAG) (ab 1989), dann auch in einer deutsch-polnischen (DPAG) (ab 1991) und in einer deutsch-tschechoslowakischen Arbeitsgemeinschaft (DCSAG, seit 1992). Die DFAG wurde 1993 zu einer erweiterten DFAG und 1995 mit Aufkommen der INTERREG-Programme der EU zur Westeuropäischen Arbeitsgemeinschaft fortentwickelt. Nach der politischen Trennung wurde aus der DCSAG die Deutsch-Tschechisch-Slowakische Arbeitsgemeinschaft und 1995 die Europa-Arbeitsgemeinschaft für den mittel- und südosteuropäischen Raum (EAG MSO). Gleichzeitig wurde die DPAG zur Europa-Arbeitsgemeinschaft für Ostseeraum räumlich ausgeweitet.

Näheres siehe bei ARL (Hrsg.): 50 Jahre ARL in Fakten, a.a.O., S. 100–102, und bei Maier, J.; Scholich, D.: Raumforschung und Raumentwicklung in Mittel- und Südosteuropa. Arbeitsergebnisse von Forschungskooperationen der ARL. EUREG – Europ. Z. f. Regionalentwicklung (1998) H. 7, S. 33–39

Seit 1995 erschienen zudem Bände der Reihe Planungsbegriffe in Europa. Dazu gehören u. a. das DeutschPolnische (1995 und 2001), das Deutsch-TschechischSlowakische (1997), das Deutsch-Schwedische (2001) und das Deutsch-Niederländische Handbuch der Planungsbegriffe (2001).

1990 wurde die Tätigkeit der ARL vom Wissenschaftsrat im Rahmen seiner routinemäßigen Überprüfung der Institute der „Blauen Liste“ sehr erfolgreich evaluiert. Bund und Ländern wurde daraufhin die Fortsetzung der gemeinsamen Förderung empfohlen. Mit einem ebenso erfolgreichen Ergebnis für die ARL verlief die Evaluierung 1999. Die nächste Gesamtüberprüfung, dann erstmalig durch den Senatsausschuss Evaluierung der Leibniz-Gemeinschaft, findet Anfang März 2007 statt.

Unmittelbar nach der Öffnung der Grenze 1990 wurde die DDR in die Arbeit der ARL einbezogen, und mit der deutschen Vereinigung wurden auch in den neuen Ländern zunächst Regionale (RAGs) und ab 1993 Landesarbeitsgemeinschaften (LAGs) eingerichtet.

Siehe hierzu ausführlich Beyer, B.-B.; Scholich, D. (1999): Aktivitäten im Prozess der deutschen Vereinigung. Tätigkeit der ARL in den ostdeutschen Ländern. ARL-Nachrichten 1/1999, S. 18–27

1995 trat die ARL der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (Leibniz-Gemeinschaft) bei, einem Zusammenschluss von zurzeit rund 80 wissenschaftlich, rechtlich und wirtschaftlich eigenständigen Forschungsinstituten und Serviceeinrichtungen für die Forschung in Deutschland. Die Gemeinschaft koordiniert gemeinsame Interessen der Mitgliedseinrichtungen und vertritt diese in der Öffentlichkeit. Die Institute und Serviceeinrichtungen haben sich in Sektionen fachlich organisiert. Die ARL ist Mitglied der Sektion B „Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften“ und gehört dem Interdisziplinären Verbund Serviceeinrichtungen (IVS) an. In den Sektionen entstehen zunehmend kleinere Netzwerke zur Bündelung fachlicher Kompetenzen. Einen solchen Verbund haben die raumwissenschaftlichen Einrichtungen ARL, Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL), Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) und Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (1RS) geschaffen und 2000 in einem Kooperationsvertrag besiegelt. Diese 4R-Einrichtungen nehmen bei bestimmten Aufgaben und Vorhaben gemeinsam eine wichtige Netzwerkfunktion innerhalb der raumwissenschaftlichen Forschung in Deutschland wahr. Zu den Aufgaben und Vorhaben zählen gemeinsame Veröffentlichungen, Arbeitsgruppen, Veranstaltungen und Stellungnahmen. Auch werden die Forschungsprogramme noch stärker als bisher schon untereinander abgeglichen. Zudem haben die Partner neben der Bearbeitung von Forschungsvorhaben, z. B. im Rahmen des Paktes für Forschung und Innovation, die Aktivitäten auf europäischer Ebene und die gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit intensiviert, z.B. durch die Herausgabe des German Annual of Spatial Research and Policy (gemeinsam mit dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung – BBR), dessen erster Band (2006) den Titel „Restructuring Eastern Germany“ trägt. ARL und BBR geben auch gemeinsam die wissenschaftliche Zeitschrift Raumforschung und Raumordnung (RuR) heraus, über die Klaus Becker ebenfalls in diesem Heft berichtet.

Es ist dem damaligen Arbeitskreis „Regionalplanung 2000“ zu verdanken, dass es seit 1996 mit dem Informations- und Initiativkreis (IIK) eine neue Form von Arbeitsgremien gibt. IIKs diskutieren spezifische räumliche oder fachliche Erfahrungen, Probleme und Meinungen aus Wissenschaft und Praxis und leisten Beiträge dazu, stärker grundsätzliche Fragestellungen im jeweiligen Kontext zu strukturieren. Sie unterstützen das Präsidium der ARL, indem sie neue Forschungsinitiativen anstoßen und sich an der inhaltlichen Vorbereitung von Gremien, Veranstaltungen und anderen Vorhaben beteiligen. Nach dem IIK Regionalplanung ist ein zweites Gremium zu Fragen der Braunkohlenplanung eingerichtet worden.

Durch ihre spezifische Struktur (personelles Netzwerk) und Arbeitsweise (interdisziplinäre Gruppenarbeit) sowie ihre Transferinstrumente bietet die ARL seit jeher ausgezeichnete Voraussetzungen für die Nachwuchsförderung. Im Rahmen ihrer Grundsätze zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses hält sie dazu spezielle Angebote bereit. Die Grundsätze sind ein Baustein des Konzepts „Qualitätssicherung in der ARL“ (www.ARL-net.de). Von besonderer Bedeutung ist hier das 1998 eingerichtete Junge Forum, das wie alle ARL-Gremien interdisziplinär zusammengesetzt ist. Ihm gehören Mitglieder aus Wissenschaft und Praxis auf dem Gebiet von Raumforschung und Raumentwicklung an.

Die ARL ist System- und strukturbedingt übergreifend vernetzt. Dabei ist auf der Grundlage der personellen Kooperationen immer auch die institutionelle Zusammenarbeit gesucht und weiterentwickelt worden. Mit einer Reihe von Partnereinrichtungen wurden Kooperationsverträge abgeschlossen, um institutionelle Beziehungen weiter zu festigen, den Erfahrungsaustausch zu systematisieren und leichter gemeinsame Vorhaben durchzuführen, z. B. im Rahmen der 4R-Vernetzung. 1998 wurde auf diese Weise auch das Centre of Excellence in Bratislava eingerichtet, getragen von der Slowakischen Technischen Universität, der ARL sowie den Universitäten Grenoble und Newcastle upon Tyne. Dessen Hauptaufgabe ist es, die Forschungslandschaft in Europa weiter zu vernetzen und die Staaten Mittelund Südosteuropas fachlich zu integrieren.

Auf Initiative der ARL wurde 2001 mit der Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung das Kompetenzzentrum für Raumforschung und Regionalentwicklung in der Region Hannover gegründet. Es bündelt mit der ARL, der Universität Hannover und weiteren außeruniversitären Einrichtungen aus Forschung, Verwaltung und Wirtschaft ein für den norddeutschen Raum einzigartiges Potenzial am Wissenschaftsstandort Hannover und bildet ein interdisziplinäres Netzwerk und Forum für den Dialog zwischen Wissenschaft, Praxis und Öffentlichkeit. Zurzeit besteht es aus gut zwanzig Einrichtungen. Ziele und Aufgaben des Netzwerkes sind der wechselseitige Wissenstransfer, der Austausch von Informationen und Erkenntnissen, die gemeinsame Forschung, Aus- und Weiterbildung, Politikberatung, Öffentlichkeitsarbeit und Profilierung des Standorts sowie die Erschließung, Bündelung und Nutzbarmachung des raumwissenschaftlichen und raumentwicklungspolitischen Know-hows. Regelmäßige Vorhaben sind ein jährliches Fachforum, eine Ringvorlesung im Sommersemester an der Universität Hannover, Weiterbildungsangebote und die Veröffentlichungsreihe „Stadt und Region als Handlungsfeld“.

Die Art und Weise, wie raumwissenschaftliches Wissen in der Netzwerkstruktur der ARL organisiert, im Diskurs zwischen Wissenschaft und Praxis weiterentwickelt und transferiert wird, hat in den sechzig Jahren in Wissenschaft, Verwaltung, Politik und Wirtschaft sowie mehr und mehr auch bei Privatpersonen eine beständige Nachfrage gefunden. Dafür ausschlaggebend ist, dass die ARL durch ihr Expertennetzwerk und die disziplinübergreifenden, kooperativen Arbeitsstrukturen ein kreatives, partnerschaftliches und integrierendes Milieu bietet und dadurch die Innovation und Leistungsbereitschaft der Mitwirkenden fördert. Darüber hinaus ist von Bedeutung, dass die ARL bei den Inhalten der Forschung und Beratung besonders auch auf Aktualität, Originalität und Zeitverlässlichkeit achtet. Diese Gesichtspunkte sind entscheidend mitverantwortlich für die Bereitschaft zur unentgeltlichen, ehrenamtlichen Mitwirkung in der ARL. Das Ausmaß der unentgeltlichen Tätigkeit wurde erstmals für die Jahre 2002 und 2005 ermittelt und dabei aufgezeigt, dass die Ergebnisse unter dem Gesichtspunkt des Kosten-Leistungs-Verhältnisses eine besondere Bedeutung für die Forschung besitzen.

Siehe hierzu Zimmermann, H. (Hrsg.): Ehrenamt – Wie viel Wissenschaft ist unentgeltlich? Grundsatzfragen und empirische Untersuchung am Beispiel der Akademie für Raumforschung und Landesplanung. – Hannover 2005. = ARL-Arbeitsmaterial, Nr. 315

Zu den Aufgaben der ARL zählt seit jeher die Beratung von Politik und Verwaltung. Sie verfügt mit ihrem personellen Netzwerk über die dafür notwendigen Kompetenzen. So wird sie traditionell in die Diskussions- und Erarbeitungsprozesse von neuen Leitbildern und Handlungsstrategien für die Raumentwicklung in Deutschland und seinen Teilräumen ein gebunden. Beispielsweise hat die ARL in den 1990er Jahren maßgeblich an der Erarbeitung des Raumordungspolitischen Orientierungsrahmens (ORA) und Handlungsrahmens (HRA) und des Europäischen Raumentwicklungskonzepts – EUREK – mitgewirkt. Die Überlegungen und Empfehlungen eines Ad-hoc-Arbeitskreises sind u. a. über die Zusammenarbeit mit der MKRO und den Beirat für Raumordnung in die Aufstellung des ORA und HRA eingeflossen. Dabei hat die ARL zugleich als Mittler zwischen dem Bund und den Ländern gewirkt. Auch in die Leitbilddiskussion 2005/2006 war die ARL frühzeitig einbezogen.

Darüber hinaus wurden alle wichtigen raumordnungsrechtlichen Prozesse unterstützt, wie die aktuelle und grundlegende Novellierung des Raumordnungsgesetzes (ROG).

Siehe ARL (Hrsg.): Europäisches Raumentwicklungskonzept. – Hannover 2001. = Forsch.- u. Sitzungsberichte, Bd. 216; sowie ARL (Hrsg.) (2003): Änderung der Rahmengesetzgebungskompetenz zur Raumordnung. – Hannover 2003. = ARL-Positionspapier Nr. 56; ARL (Hrsg.) (2006): Zur Vereinfachung und Beschleunigung von Zulassungsverfahren für Verkehrsprojekte. – Hannover 2006. = ARL-Positionspapier Nr. 64

Thematische Arbeitsschwerpunkte der ARL von 1946 bis 2006

Die Forschungsfelder der ARL orientieren sich schwerpunktmäßig auf der einen Seite an Fragestellungen, die sich aus veränderten Rahmenbedingungen, materiellen Herausforderungen für die Raumentwicklung ergeben. Neue Themen werden umgehend durch Forschungsschwerpunkte besetzt, um Raumpolitik und raumplanerische Praxis frühzeitig zu sensibilisieren. Beispiele sind die Umweltvorsorge, die nachhaltige Raumentwicklung oder der demographische Wandel. Auf der anderen Seite geht es um Problemstellungen, wie sie aus der Praxis der räumlichen Gesamtplanung, insbesondere von den Akteuren in Bund, Ländern, Regionen und Gemeinden an die raumwissenschaftliche Forschung gestellt werden. Beispiele sind die raumordnungspolitischen Paradigmenwechsel, das Verhältnis Raumplanung – Fachplanungen oder die raumordnungsrechtlichen Grundlagen. All diesen Fragestellungen ist in aller Regel ein ausgeprägter Querschnittscharakter gemeinsam, weil sich die Aufgabenbereiche und ihre Wahrnehmung in Bund, Ländern und Regionen der Sache nach in allen Forschungsfeldern wiederfinden.

Ritter, E.-H.; Scholich, D.: Raumordnung, Landes- und Regionalplanung,, a.a.O., S. 155

Versucht man, aus der Vielfalt der im Laufe von sechzig Jahren in den Forschungsausschüssen, Arbeitskreisen und Arbeitsgemeinschaften bearbeiteten Themen, erschienenen Publikationen und durchgeführten Veranstaltungen wichtige Schwerpunktsetzungen zu benennen, so lassen sich bei notwendiger Vereinfachung ein gutes Dutzend grundlegender Felder abstecken, von denen einige bis heute aktuell sind:

1946 bis 1956: Schaffung raumplanerischer Grundlagen

Im ersten Jahrzehnt von 1946 bis 1956 war Raumplanung noch schwach institutionalisiert. Gleichzeitig musste sich die Raumplanung mit dem Regelsystem der sozialen Marktwirtschaft, mit schnellem Siedlungswachstum und dem wachsenden Stadt-Land-Gegensatz auseinandersetzen.

Fürst, D.: Entwicklung und Stand des Steuerungsverständnisses in der Raumplanung. DISP 163 (2005), S. 19

Auch deshalb überwogen Untersuchungen zu den Grundlagen und Rahmenbedingungen für die übergemeindliche Raumplanung.

Es ging beispielsweise um die regionale Verwaltungsgliederung, um regionale Bevölkerungsprobleme und Wanderungsfragen, um Großstadtprobleme sowie Stadt- und Verkehrsplanung. Ferner spielten regionale Fragen der Ernährungs- und Agrarwirtschaft sowie Standortfragen der Planung von Obstbau- und Intensivkulturen eine Rolle. Und es ging um die Zukunft der regionalen Wirtschaftsstruktur, um Tragfähigkeitsuntersuchungen, um die Nutzung von Lagerstätten oder um die Lenkung von Industrieansiedlungen. Ebenso standen Landschaftspflege und Landschaftsgestaltung, Wasserwirtschaft und Landeskultur sowie Klimafragen auf der frühen Agenda der ARL. Darüber hinaus kam es in dieser frühen Zeit bereits zu einer ersten Beschäftigung mit grundsätzlichen Fragen des Landesplanungsrechts.

Die Untersuchungen schlugen sich in zahlreichen Publikationen nieder, z.B.: ARL (Hrsg.): Probleme der Landschaftspflege. – Bremen 1950. = Forsch.- u. Sitzungsberichte, Bd. 1 (2. Lieferung); Dörpmund, H. (1950): Die Mittel der Industriestandortlenkung und die Grenzen ihrer Anwendbarkeit. ARL. – Bremen 1950. = ARL-Abhandlungen, Bd. 17; ARL (Hrsg.): Raum und Wirtschaft. Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, Gemeindetypisierung. – Bremen 1952. = Forsch.- u. Sitzungsberichte, Bd. 3; Isenberg, G. (1953): Tragfähigkeit und Wirtschaftsstruktur. – Bremen 1953. = ARL-Abhandlungen, Bd. 22. Näheres siehe bei ARL (Hrsg.): 50 Jahre ARL in Fakten, a.a.O., S. 45 ff., und bei ARL (Hrsg.): Bibliographie der ARL, a.a.O., S. 1 f. und 176 f.

1956 bis 1966: Professionalisierung der Raumplanung

Im zweiten Jahrzehnt von 1956 bis etwa 1966 schritt die Institutionalisierung und Professionalisierung der Raumplanung voran und es kam zu einer ersten Blütezeit von Raumordnung und Landesplanung, gespeist vor allem durch eine allgemeine Hochschätzung der Planung als Steuerungsinstrument, in einigen Ländern sogar als Grundstock der politischen Zukunftsentwicklung. Die Diskussionen um das Raumordnungsgesetz und seine Verabschiedung 1965 machen dies besonders deutlich. Hinzu kamen die Komplettierung der Planungsgesetzgebung der Länder und der Aufbau von Ausbildungsgängen an Hochschulen.

Die ARL-Forschungsthemen hießen nun beispielsweise Raum und Bevölkerung, Raum und gewerbliche Wirtschaft, Raum und Verkehr, Raum und Natur, Raum und Energie, Raum und Fremdenverkehr oder Raum und Landespflege, ferner ging es um Grundsatzfragen der Raumforschung und Landesentwicklung, um historische Raumforschung und um Stadtforschung sowie um die Weiterentwicklung von Recht und Verwaltung.

Die Forschungstätigkeit führte zu u.a. folgenden Veröffentlichungen: ARL (Hrsg.): Die Landwirtschaft in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. – Bremen 1959. = Forsch.- u. Sitzungsberichte, Bd. 11; ARL (Hrsg.): Verkehrsprobleme in Ballungsräumen. – Bremen 1959. = Forsch.- u. Sitzungsberichte, Bd. 12; ARL (Hrsg.): Die Entwicklung der Bevölkerung in den Stadtregionen. – Hannover 1963. = Forsch.- u. Sitzungsberichte, Bd. 22; Hohberg, H.: Das Recht der Landesplanung. – Hannover 1966. = ARL-Abhandlungen, Bd. 47.

1966 bis 1976: Zwischen Planungseuphorie und Planungsfeindlichkeit

Das Jahrzehnt von etwa 1966 bis 1976 war zunächst noch weiter von der Euphorie der politischen Planung gekennzeichnet. Die Raumplanung war als Wegbereiter für einen oftmals großzügigen Ausbau der Siedlungsund Infrastrukturen gefragt. Die Verdichtungsräume wuchsen, während sich in ländlichen Gebieten die Gefahr „passiver Sanierung“ mehrte. Es entstand ein zunehmendes Entwicklungsgefälle zwischen Stadt und Land, womit sich wichtige, wenn auch extrem schwierige Aufgaben für die gesamträumliche Planung ergaben. Das Jahrzehnt führte aber ebenso zur Entwicklung immer anspruchsvollerer Planüngstheorien und zur Verfeinerung von Planungsmethoden. Auch wenn diese Beschäftigung nicht frei von modischen Pendelschwüngen und Übertreibungen blieb, muss doch im Rückblick festgestellt werden, dass es seitdem und bis heute nicht mehr zu einer ähnlich intensiven Auseinandersetzung mit diesen unentbehrlichen Planungsgrundlagen gekommen ist. Entsprechendes gilt für die Intensität raumwissenschaftlicher Diskussionen über Planung und den gesellschaftlichen Umbau auf der Basis von Planung. Hintergrund waren u. a. Themen der sozialen Gleichheit, des Disparitätenabbaus, der aktiven Sanierung und der Einheitlichkeit der Lebensverhältnisse. Weitere große Herausforderung war die Ölkrise (Ölpreisschock von 1973).

Fürst, D.: Entwicklung und Stand, a.a.O., S. 20

Ab der Mitte des Jahrzehnts setzte wieder eine wachsende Planungsfeindlichkeit (Raumplanung in der Krise) ein. Die Raumplanung in einigen Ländern legte den Rückwärtsgang ein und zog sich aus der Steuerung der Siedlungsentwicklung zurück. Die Forschungsthemen der ARL hießen in dieser Zeit beispielsweise: Methoden der empirischen Sozialforschung; Verhältnis von Theorie und Praxis in der Stadtplanung (zugleich eine wichtige Vorarbeit für das Handbuch „Grundriss der Stadtplanung“); Modelle für die Landschaftsnutzung und ebenso Modelle für die Freizeitplanung; Raumordnung als Entwicklungsplanung – Verbundplanung – Bodenordnung; Soziale Entwicklung und regionale Bevölkerungsprognose; Leitvorstellungen zur Entwicklung ländlicher Räume; Regionalpolitische Konzeption ausgeglichener Funktionsräume.

Die Ergebnisse der Arbeitsgremien haben ebenso wie zahlreiche Veranstaltungen zu zahlreichen Veröffentlichungen geführt, z. B.: Lauschmann, E.: Grundlagen einer Theorie der Regionalpolitik. – Hannover 1970. = ARL-Abhandlungen, Bd. 60; ARL (Hrsg.): Methoden der empirischen Regionalforschung (1.Teil). – Hannover 1973. = Forsch.- u. Sitzungsberichte, Bd. 87; ARL (Hrsg.): Ausgeglichene Funktionsräume – Grundlagen für eine Regionalpolitik des mittleren Weges (1. Teil). – Hannover 1975. = Forsch.- u. Sitzungsberichte, Bd. 94; ARL (Hrsg.): Methoden der empirischen Regionalforschung (2. Teil). – Hannover 1975. = Forsch.- u. Sitzungsberichte, Bd. 105; ARL (Hrsg.): Ausgeglichene Funktionsräume – Grundlagen für eine Regionalpolitik des mittleren Weges (2. Teil). – Hannover 1976. = Forsch.- u. Sitzungsberichte, Bd. 116.

1976 bis 1986: Wachsendes Selbstbewusstsein der Gemeinden, Erstarken der Fachplanungen, ökologische Orientierung

Um die Mitte der 1970er Jahre erreichte mit dem Erlöschen des Machbarkeitsglaubens die Skepsis gegenüber jeder vorausschauenden Planung ihren vorläufigen Höhepunkt. Gleichzeitig waren eine Zunahme des Selbstbewusstseins der Gemeinden (insbesondere als Folge der kommunalen Gebietsreformen) und auch ein Erstarken der Fachplanungen zu beobachten. Zunächst reagierte die ARL darauf mit Veranstaltungen zur Planung unter veränderten Verhältnissen, zur Neubestimmung von Standort und Stellenwert der Raumordnung oder zur Gewinnung der Kommune als Partner der Raumordnung und Landesplanung. Das waren die Themen der Wissenschaftlichen Plenarsitzungen 1975, 1976 und 1979. Das Umdenken brachte besonders anschaulich auch die konstruktive Kontroverse über ausgeglichene Funktionsräume versus funktionsräumlicher Arbeitsteilung zutage.

Zu den Ergebnissen der beiden ARL-Arbeitskreise siehe Anm. 17 und 20

Mit dem schnell wachsenden Umweltbewusstsein der Gesellschaft eroberten sich dann aber Umweltpolitik und Umweltplanung als neue Aufgaben einen Spitzenplatz im öffentlichen Interesse. Die Arbeit der ARL, in der ja ebenso wie in der Raumplanungspraxis der Schutz der natürlichen Ressourcen schon vorher seinen festen Platz hatte, fand nun mit der ökologischen Orientierung einen neuen Schwerpunkt. Schon frühzeitig wurden Veranstaltungen zur ökologischen Orientierung der Raumplanung und zur Umweltvorsorge durch Raumordnung gewidmet. Es handelt sich um die Themen der Wissenschaftlichen Plenarsitzungen 1978 und 1983. Arbeitskreise beschäftigten sich mit Modellen für die ökologische Raumplanung oder mit der wechselseitigen Beeinflussung der Grundsätze, Ziele und Erkenntnisse von Raumordnung und Umweltschutz. Zugleich ging es um die verfahrensmäßigen Instrumente der Raumplanung zur Berücksichtigung von Umwelterfordernissen, wozu auch der schon ab 1984 erarbeitete und bis heute ungemein aktuell gebliebene Vorschlag gehörte, eine Flächenhaushaltspolitik einzuführen.

ARL (Hrsg.): Flächenhaushaltspolitik. Ein Beitrag zum Bodenschutz. – Hannover 1987. = Forsch.- u. Sitzungsberichte, Bd. 173; ARL (Hrsg.): Flächenhaushaltspolitik. Feststellungen und Empfehlungen für eine zukunftsfähige Raum- und Siedlungsentwicklung. – Hannover 1999. = Forsch.- u. Sitzungsberichte, Bd. 208; ARL (Hrsg.): Flächenhaushaltspolitik. Ein Beitrag zur nachhaltigen Raumentwicklung.-Hannover 2004. = ARL-Positionspapiere, Nr. 58

Mit ihren Arbeiten hat die ARL schon frühzeitig die politischen und fachlichen Diskussionen sowohl um die Einführung der Eingriffs- und Ausgleichsregelungen im Bundesnaturschutzgesetz als auch der Umweltverträglichkeitsprüfung im Raumordnungsverfahren maßgeblich mitbestimmt.

Wichtige Veröffentlichungen in dieser Arbeitsphase der ARL sind beispielsweise: ARL (Hrsg.): Zur Bedeutung rückläufiger Einwohnerzahlen für die Planung. – Hannover 1987. = Forsch.- u. Sitzungsberichte, Bd. 122; Böventer, E. v.: Standortentscheidung und Raumstruktur. – Hannover 1979. = ARL-Abhandlungen, Bd. 76; Hübler, K.-H. et al.: Zur Problematik der Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse. – Hannover 1980. = ARL-Abhandlungen, Bd. 80; ARL (Hrsg.): Funktionsräumliche Arbeitsteilung. Teil I: Allgemeine Grundlagen. – Hannover 1981. = Forsch.- u. Sitzungsberichte, Bd. 138; ARL (Hrsg.): Gleichwertige Lebensbedingungen durch eine Raumordnungspolitik des mittleren Weges. Indikatoren, Potentiale, Instrumente. – Hannover 1983. = Forsch.- u. Sitzungsberichte, Bd. 140; ARL (Hrsg.): Funktionsräumliche Arbeitsteilung. Teil II: Ausgewählte Vorrangfunktionen in der Bundesrepublik Deutschland. – Hannover 1984. = Forsch.- u. Sitzungsberichte, Bd. 153.

Speziell auf der Ebene der Regionalplanung hielten konsensorientierte, partizipatorische Ansätze, Regionalmanagement, Moderation, Regionalbewusstsein etc. Einzug. Die Regionalplanung erlebte damit erneut einen Aufschwung. Regionalisierung, endogene Entwicklung und gleichwertige Lebensverhältnisse – auch als Reaktion auf die zunehmende Globalisierung der Wirtschaft – rückten ins Blickfeld von Raumpolitik und -planung.

1986 bis 1996: Europäische Orientierung der Raum – planung, Wiederherstellung der deutschen Einheit, Veränderung des Planungsverständnisses

Im fünften Jahrzehnt ihrer Tätigkeit ab der Mitte der 1980er Jahre begannen sich mit teilweise massiven Veränderungen der Rahmenbedingungen für die Raumplanung auch die Akzente der Arbeit der ARL in Forschung, Praxis und Politikberatung abermals zu verschieben. Einerseits rückte, vor allem geprägt durch die Diskussion um die Schaffung des europäischen Binnenmarkts, die europäische Orientierung der Raumplanung in den Vordergrund. Dabei lenkte die europäische Sichtweise den Blick zunehmend auch auf die wachsenden Probleme der in der Regel aufgrund ihrer Randläge benachteiligten Grenzregionen, auf die Chancen und Notwendigkeiten, aber auch beschränkten Möglichkeiten einer Staatsgrenzen überschreitenden Zusammenarbeit

Die Ergebnisse des Arbeitskreises „Staatsgrenzen übergreifende Raumplanung“ fanden ein zustimmendes und breites Echo: ARL (Hrsg.): Grenzübergreifende Raumplanung. Erfahrungen und Perspektiven der Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten Deutschlands. – Hannover 1992. = Forsch.- u. Sitzungsberichte, Bd. 188.

und darüber hinaus auch auf globale raumpolitische Fragestellungen, die mit der europäischen Einigung verbunden waren. Hinzu kam, dass die Regelungsdichte der EU einen Stand erreicht hatte, der sich zunehmend auf die Entwicklungsmöglichkeiten der Bundesrepublik Deutschland und ihrer Teilräume auswirkte. So hat sich die ARL durch die kurzfristige Einsetzung einer Ad-hoc-Arbeitsgruppe „Verfahrensmäßige Instrumente der Raumplanung zur Berücksichtigung von Umwelterfordernissen“ umgehend mit der so genannten Projekt-UVP der EU und ihrer Umsetzung in das deutsche Raumplanungsrecht und -System beschäftigt.

Zu den Ergebnissen siehe ARL (Hrsg.): Umweltverträglichkeitsprüfung im Raumordnungsverfahren nach Europäischem Gemeinschaftsrecht. – Hannover 1986. = Forsch.- u. Sitzungsberichte, Bd. 166, und ARL (Hrsg.): Umweltverträglichkeitsprüfung im Raumordnungsverfahren – verfahrensrechtliche und inhaltliche Anforderungen. – Hannover 1986. = ARL-Arbeitsmaterial Nr. 122

Auch mit den weiteren EU-Richtlinien hat sich die ARL aus raumwissenschaftlicher Sicht und mit Blick vor allem auch auf die raumplanerische Umsetzung befasst. Beispiele sind die FFH-Richtlinie, die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), das Integrierte Küstenzonenmanagement (IKZM) und die UVP-Richtlinie für Pläne und Programme (SUP).

Andererseits erfuhr die Raumordnungspolitik mit der Wiederherstellung der deutschen Einheit eine deutliche Aufwertung. Dabei ging es der ARL nicht nur um praktische Hilfestellungen beim Aufbau der Landes- und Regionalplanung in den neuen Ländern und um den Aufbau eigener Forschungsstrukturen

Siehe Beyer, B.-B.; Scholich, D.: Aktivitäten, a. a. O. (Anm. 9)

, sondern es veränderten sich zugleich die Forschungsthemen: Neben die europäische trat nun die gesamtdeutsche Perspektive der räumlichen Entwicklung. Es kam zu einer neuen Gewichtung von Räumen und Regionen, zu neuen Perspektiven für raumfinanzpolitische Entscheidungen (insbesondere aus der Sicht der Regionalpolitik des Bundes und des Länderfinanzausgleichs), zur Prüfung der Fortentwicklung des Föderalismus und der Leitlinien der räumlichen Entwicklung in Deutschland, zu neuen raumordnungspolitischen Akzenten für die Wohnungs- und Siedlungspolitik, vor allem in Ostdeutschland, und zu einer Neubewertung der großräumigen Verkehrsachsen.

Die Ergebnisse der zu diesen und weiteren Themen eingesetzten Arbeitsgremien hat die ARL veröffentlicht. Siehe z. B.: ARL (Hrsg.): Probleme der Raumordnung, Umwelt- und Wirtschaftsentwicklung in den neuen Bundesländern. – Hannover 1991; ARL (Hrsg.): Konzeptionelle Überlegungen zur räumlichen Entwicklung in Deutschland. – Hannover 1992; ARL (Hrsg.): Agglomerationsräume in Deutschland. Ansichten, Einsichten, Aussichten. – Hannover 1996. = Forsch.- u. Sitzungsberichte, Bd. 199

Mit dem Föderalismus-Thema hat sich die ARL im Rahmen ihrer kontinuierlichen Politikberatung schon früher, regelmäßig und auch erst jüngst anlässlich der Einsetzung der so genannten Föderalismuskommission auseinandergesetzt und dezidierte Vorschläge für die Politik und Verwaltung unterbreitet.

Siehe u.a.: Timmer, R.: Analyse und Bewertung raumbedeutsamer Faktoren in Norddeutschland. Teil 111: Politisch-administrative Leistungsfähigkeit. – Hannover 1985. = ARL-Arbeitsmaterial Nr. 74; ARL (Hrsg.): Materialien zur Fortentwicklung des Föderalismus in Deutschland. – Hannover 1993. = ARL-Arbeitsmaterial Nr. 200; Färber, G. (Hrsg.): Das föderative System in Deutschland. Bestandsaufnahme, Reformbedarf und Handlungsempfehlungen aus raumwissenschaftlicher Sicht. – Hannover 2005. = Forsch.- u. Sitzungsberichte, Bd. 224

Auch die Auswirkungen der Änderungen des Grundgesetzes auf das Rechtsin strumentarium der Raumplanung, wie sie sich aus den jüngsten Vereinbarungen zur Föderalismusreform ergeben, boten Anlass zu sehr sorgfältiger Befassung in den Arbeitsgremien der ARL. So hat die ARL mit aller gebotenen Eindringlichkeit auf die schwerwiegenden Konsequenzen aufmerksam gemacht, die sich aus der Befugnis der Länder zur „abweichenden Gesetzgebung“ ergeben können.

Siehe ARL (Hrsg.): Zur Modernisierung der bundesstaatlichen Ordnung (Bereich Raumordnung). – Hannover 2006. = ARL-Positionspapier Nr. 65

Mit der sich alsbald immer deutlicher abzeichnenden Veränderung des Planungsverständnisses, insbesondere mit der Hinwendung der Raumplanung einerseits zu stärkerer Entwicklungsorientierung, andererseits zu stärkerer Umsetzungs- und Projektorientierung, erhielt auch die Weiterentwicklung des raumplanerischen Instrumentariums in den Arbeiten der ARL ein neues Gewicht. Schon seit den 1970er Jahren war es bei den Forschungsinitiativen der ARL darum gegangen, das Instrumentenarsenal der Raumplanung, ihre Verfahren und Konzepte auf ihre Zukunftsfähigkeit hin zu untersuchen und daraus Vorschläge für sinnvolle und notwendige Fortentwicklungen abzuleiten. Beispiele sind die Arbeiten zu Entwicklungs- und Siedlungsachsen.

Siehe ARL (Hrsg.): Zur Problematik von Entwicklungsachsen. – Hannover 1976. = Forsch.- u. Sitzungsberichte, Bd. 113; ARL (Hrsg.): Kleinräumige Siedlungsachsen – Zur Anwendung linearer Siedlungsstrukturkonzepte. – Hannover 1980. = Forsch.- u. Sitzungsberichte, Bd. 133

Arbeitskreise der ARL befassten sich zudem mit Zielen und Grundsätzen der Raumordnung und stellten dabei ebenso das Konzept der Zentralen Orte auf den Prüfstand wie die zu dieser Zeit besonders intensiv diskutierte planerische Orientierung der Gemeinden an der Eigenentwicklung. Anfang der 1990er Jahre war der Ausspruch „von der Regionalplanung zum Regionalmanagement“ in aller Munde. Als weitere Stichworte aus dieser Diskussion sind bis heute beispielsweise der ORA von 1993 und der HRA von 1995, Regionale Entwicklungskonzepte (REK) und ihre Umsetzung durch operationelle Handlungsprogramme

Siehe u.a.: ARL (Hrsg.): Regionale Entwicklungskonzepte (REK). Von der Konzeption zum praktischen Handeln. Stellungnahme des Ad-hoc-Arbeitskreises „Regionale Entwicklungskonzepte“. – Hannover 1996. Mit REKs hat sich die ARL auch weiterhin beschäftigt, dann vor allem auch in den LAGs. Einen systematischen Überblick hierzu bietet: Gorsler, D.: Informelle räumliche Planung. Stand der aktuellen Forschung und Forschungsbedarf. – Hannover 2002. = ARL-Arbeitsmaterial Nr. 286

ebenso in Erinnerung geblieben wie prozesshaftes Planungshandeln (Raumplanung wurde stärker als Prozess verstanden) mit weichen, informellen Instrumenten (Runde Tische, Regionalkonferenzen, regionale Netzwerke etc.). Mit ihrem Arbeitskreis Regionalplanung 2000 hat die ARL dabei wieder einmal Pionierarbeit geleistet.

Siehe ARL (Hrsg.): Zukunftsaufgabe Regionalplanung. Anforderungen – Analysen – Empfehlungen. – Hannover 12995. = Forsch.- u. Sitzungsberichte, Bd. 200

1996 bis 2006: Nachhaltige Raumentwicklung, räumliche Konsequenzen des demographischen Wandels, Weiterentwicklung der Regionalplanung

In den beiden letzen Jahrzehnten fällt es zunehmend schwerer, aus der erheblich gewachsenen Breite und Tiefe der in der ARL behandelten Forschungsthemen noch einzelne herausgehobene Schwerpunktsetzungen zu bestimmen. Gleichwohl dürfte hier zunächst die Fortentwicklung der Ökologisierung der Planung hin zur nachhaltigen Raumentwicklung deutlich herausragen. Mitte der 1990er Jahre wurde der bereits früher von der ARL in das allgemeine und besonders in das politische Bewusstsein gebrachte Gedanke der geordneten und konsequenten Flächenhaushaltspolitik erneut aufgegriffen und vertieft. In Analogie zur öffentlichen Finanzwirtschaft sollten die Entwicklungen der Flächennutzungen sowie die Auswirkungen raumwirksamer und raumbeanspruchender Maßnahmen auf die wichtigsten Landschaftsfunktionen erfasst, die Flächeninanspruchnahmen örtlich und überörtlich bilanziert und vor allem auch bewertet werden.

Diese Arbeiten waren wichtige Grundlagen für weitere ökologisch ausgerichtete Forschungsarbeiten der ARL

Etwa zur Freiraumsicherung und zum Schutz der natürlichen Ressourcen: Forschungs- und Sitzungsberichte, Bd. 126 (1993), zum Verhältnis Wassergütewirtschaft-Raumplanung: Forschungsund Sitzungsberichte, Bd. 192 (1994), oder zu den räumlichen Aspekten umweltpolitischer Instrumente: Forschungs- und Sitzungsberichte, Bd. 201 (1995). Das Verhältnis Wasserwirtschaft – Raumplanung hat die ARL dann im Zusammenhang mit der WRRL erneut untersucht.

, insbesondere auch zur nachhaltigen Raumentwicklung. Zum Querschnittsthema der Nachhaltigkeit hat die ARL Mitte der 1990er Jahre ein Verbundforschungsprojekt gestartet. Bei derartigen Projekten werden die Arbeitsprogramme verschiedener Forschungsgremien aufeinander abgestimmt, arbeiten die Gremien parallel oder bauen auf den Ergebnissen von Vorgängergruppen auf. Es handelt sich in der Regel um Arbeitskreise, die eine Thematik mehr grundlegend untersuchen, und um LAG-Arbeitsgruppen, die sich mit konkreten räumlichen Ausprägungen der jeweiligen Thematik beschäftigen. Aber auch Veranstaltungen können Teil eines Verbundforschungsprojekts sein.

In der Bearbeitung von Nachhaltigkeitsfragen rücken nach einer grundlegenden Forschungsphase

Wichtige Bausteine des Projekts waren die Arbeitskreise „Nachhaltige Raumentwicklung“, „Operationalisierung der Nachhaltigkeit in der Regionalplanung“ und „Landbewirtschaftung und nachhaltige Entwicklung ländlicher Räume“. Zu den Ergebnisse siehe: ARL (Hrsg.): Nachhaltige Raumentwicklung. Szenarien und Perspektiven für Berlin-Brandenburg. – Hannover 1998. = Forsch.- u. Sitzungsberichte, Bd. 205; ARL (Hrsg.): Nachhaltigkeitsprinzip in der Regionalplanung. Handreichung zur Operationalisierung. – Hannover 2000. = Forsch.- u. Sitzungsberichte, Bd. 212; ARL (Hrsg.): Landbewirtschaftung und nachhaltige Entwicklung ländlicher Räume. – Hannover 2002. = Forsch.- u. Sitzungsberichte, Bd. 214. Eine Zwischenbilanz zur Nachhaltigkeitsforschung in der ARL findet sich bei Wolfram, K.: Raumbezogene Nachhaltigkeitsforschung. Bewertende Synopse der ARL-Forschung und Forschungsbedarf. – Hannover 2002. = ARL-Arbeitsmaterial Nr. 288.

nunmehr die Umsetzung und praktische Bewährung der Forschungsergebnisse sowie der Transfer des gewonnenen Wissens in den Vordergrund. Letzteres gilt in Richtung der Politik und der Anwender in den Planungsstellen der Städte und Regionen wie auch einer breiteren Öffentlichkeit. Hierzu wurde ausgehend von der Wissenschaftlichen Plenarsitzung 2002 in Potsdam

Ritter, E.-H.; Zimmermann, H. (Hrsg.): Nachhaltige Raumentwicklung – mehr als eine Worthülse? – Hannover 2003. = Forsch.- u. Sitzungsberichte, Bd. 219

eine durchgängige Umsetzungskonzeption entwickelt. Im Rahmen der Forschungen geht es dabei zurzeit vorrangig um die praktischen Beiträge der Wasserwirtschaft zu einer nachhaltigen Raumentwicklung. Auch bei diesem Thema konnte die ARL an zahlreiche frühere Arbeiten anknüpfen. Der Wasserthematik nimmt sich seit Ende 2005 ein neuer Arbeitskreis an. Das Thema stand dann auch im Zentrum der Wissenschaftlichen Plenarsitzung 2006 in Rostock-Warnemünde. Darüber hinaus besteht seit einigen Jahren eine vielschichtige, enge und ertragreiche Zusammenarbeit zwischen der ARL und dem Rat für Nachhaltige Entwicklung.

Raumordnung und Landesplanung zählen bekanntlich zu den am stärksten verrechtlichten Planungsarten. Die Zwänge zur Verfahrensbeschleunigung, Flexibilisierung und Entbürokratisierung haben deshalb auch die räumliche Gesamtplanung erreicht. Seit über zwei Jahrzehnten hat sich die ARL immer wieder mit den Möglichkeiten und Grenzen einer Vereinfachung und Straffung von Planaufstellungs- und Planänderungsverfahren und einer Erhöhung der Flexibilität des Planvollzugs befasst und dazu wichtige Änderungsvorschläge unterbreitet. Unmittelbare Folgen derartiger Diskussionen waren beispielsweise das Aufkommen informeller Aktionsmuster, insbesondere auf der regionalen Ebene, und namentlich die Aufstellung von Regionalen Entwicklungskonzepten (REK) und stärker umsetzungsorientierten Handlungsprogrammen. In letzter Zeit hat sich die ARL nachdrücklich gegen Bestrebungen ausgesprochen, zwecks Deregulierung und Beschleunigung das Raumordnungsverfahren (ROV) abzuschaffen, da dieses als wichtiges und nach wie vor unverzichtbares Koordinations- und Abstimmungsinstrument der räumlichen Planung und zugleich als Garant von mehr Rechts- und Investitionssicherheit erhalten bleiben muss.

ARL (Hrsg.): Zur Vereinfachung und Beschleunigung von Zulassungsverfahren für Verkehrsprojekte. – Hannover 2006. = ARL-Positionspapier Nr. 64

In dem Zusammenhang gewannen Governance-Ansätze an Bedeutung für raumplanerische Steuerungserfordernisse, insbesondere auf der regionalen Ebene (Regional Governance). Dabei fällt privaten Akteuren etwa aus der Wirtschaft oder zivilgesellschaftlichen Organisationen vermehrtes Gewicht in den Prozessen der Raumplanung zu. Es gilt, die Raum- und Siedlungsentwicklung gemeinsam aktiv zu gestalten.

Damit einher gingen erneute Bestrebungen zur Modernisierung des Staates im Sinne eines Wandels zum „aktivierenden“ bzw. „Gewährleistungsstaat“

Fürst, D.: Entwicklung und Stand, a.a.O. (Anm. 13), S. 23

, massiv befördert durch die zunehmende Privatisierung von staatlichen Leistungen (z.B. Bahn, Post). Die ARL hat sich auch diesen Zusammenhängen gewidmet, z. B. im Rahmen von Forschungsgremien wie dem Arbeitskreis zur räumlichen Relevanz neuer Formen des Angebots von Gütern und Dienstleistungen und dem Ad-hoc-Arbeitskreis zur Netzstruktur der DB-AG aus der Sicht der Raumordnung

Zu den Ergebnissen siehe: Fürst, D.; Kujath, H.). (Hrsg.): Raumplanerische Herausforderungen durch Veränderungen in Handel, Logistik und Tourismus. – Hannover 2004. = Forsch.- u. Sitzungsberichte, Bd. 222; Heinze, G. W., et al.: Überregional bedeutsames Schienennetz in Deutschland aus raumordnerischer Sicht. Raumforsch. u. Raumordnung 60 (2002) H. 5/6, S. 291–302

oder von Kooperationsprojekten mit Partnern z. B. in der Schweiz und in Deutschland. Zu Letzteren sind die Deutsch-Schweizerischen Workshops „Deregulierter Staat – deregulierte Raumordnung?“ 2001 in Zürich und Hannover sowie der ARL/RWI-Workshop „Liberalisierung statt Regulierung“ 2004 in Hannover beispielhaft zu nennen.

Seit einiger Zeit ist zugleich mit der Notwendigkeit nachhaltiger Raumentwicklung insbesondere der tiefgreifende demographische, soziale und ökonomische Strukturwandel immer deutlicher in den Mittelpunkt der Akademiearbeiten gerückt.

Mit den demographischen Veränderungen hat sich die ARL allerdings immer schon intensiv befasst; siehe z.B.: Schwarz, K.: Analyse der räumlichen Bevölkerungsbewegung. – Hannover 1969. = ARL-Abhandlungen, Bd. 58; ARL (Hrsg.): Beiträge zur Frage der räumlichen Bevölkerungsbewegung. – Hannover 1970. = Forsch.- u. Sitzungsberichte, Bd. 55; ARL (Hrsg.): Bevölkerungsverteilung und Raumordnung. Referate und Diskussionsbericht anlässlich der Wissenschaftlichen Plenarsitzung 1969 in Darmstadt. – Hannover 1970. = Forsch.- u. Sitzungsberichte, Bd. 58.

Der langfristige Rückgang, die kontinuierliche Alterung und die fortschreitende Internationalisierung der Bevölkerung in Deutschland und in vielen anderen europäischen Ländern haben sich räumlich sehr differenziert ausgewirkt und werden das auch in der Zukunft – vermutlich noch verschärft – tun. Deutschland, insbesondere Ostdeutschland, ist hiervon in besonderem Maße betroffen. Gerade unter dem Aspekt einer nachhaltigen Raumentwicklung ergibt sich ein umfassender, regional unterschiedlicher Anpassungsbedarf der Siedlungs-, Wirtschafts- und Infrastrukturen. Insbesondere die Tragfähigkeit dünn besiedelter, ländlicher Regionen ist gefährdet. Aber auch städtische Regionen sind mit starken Einwohnerrückgängen konfrontiert. Zu diesem zweiten aktuellen Verbundforschungsprojekt „Räumliche Auswirkungen des demographischen Wandels“ gehören neben größeren Veranstaltungen

Zum Beispiel die gemeinsame wissenschaftliche Jahrestagung von ARL und BBR im Sommer 2004 in Magdeburg; siehe: Strubelt, W.; Zimmermann, H. (Hrsg.): Demographischer Wandel im Raum: Was tun wir? Gemeinsamer Kongress 2004 von ARL und BBR. Räumliche Konsequenzen des demographischen Wandels, Teil 5. – Hannover 2005. = Forsch.- u. Sitzungsberichte, Bd. 225

und Grundlagenstudien

Rosenfeld, M. T. W.; Schlömer, C. (Hrsg.): Bestimmungsfaktoren der künftigen räumlich-demographischen Entwicklung in Deutschland. Nichtdemographische Einflussfaktoren der Regionalentwicklung in Deutschland. Räumliche Konsequenzen des demographischen Wandels, Teil 4. – Hannover 2004. = ARL-Arbeitsmaterial Nr. 312

ein gleichnamiger zentraler Arbeitskreis und Forschungsaktivitäten mehrerer LAG-Arbeitsgruppen. Die Ergebnisse dieser breit angelegten Arbeiten werden fortlaufend unter dem gemeinsamen thematischen Dach „Räumliche Konsequenzen des demographischen Wandels“ veröffentlicht.

Bislang liegen vor: Müller, B.; Siedentop, S. (Hrsg.): Schrumpfung – Neue Herausforderungen für die Regionalentwicklung in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Räumliche Konsequenzen des demographischen Wandels, Teil 1. – Hannover 2003. = ARL-Arbeitsmaterial Nr. 303; Wiechmann, T.; Fuchs, O. (Hrsg.): Planung und Migration. Determinanten, Folgen und raumplanerische Implikationen von sozialräumlicher Mobilität. Räumliche Konsequenzen des demographischen Wandels, Teil 2. – Hannover 2004. = ARL-Arbeitsmaterial Nr. 307; Spiegel, E. (Hrsg.): Landesentwicklung bei Bevölkerungsrückgang – Auswirkungen auf die Raum- und Siedlungsstruktur in Baden-Württemberg. Räumliche Konsequenzen des demographischen Wandels, Teil 3. – Hannover 2004. = ARL-Arbeitsmaterial Nr. 310; Rosenfeld, M. T. W.; Schlömer, C. (Hrsg.) (2004): Bestimmungsfaktoren, Teil 4, a.a.O. (Anm. 38); Strubelt, W.; Zimmermann, H. (Hrsg.): Demographischer Wandel im Raum, Teil 5, a.a.O. (Anm. 37); Gans, P.; Schmitz-Veltin, A. (Hrsg.): Demographische Trends in Deutschland. Folgen für Städte und Regionen. Räumliche Konsequenzen des demographischen Wandels, Teil 6. – Hannover 2006. = Forsch.- u. Sitzungsberichte, Bd. 226; Back, H.-J. (Hrsg.): Konsequenzen aus der demographischen Entwicklung für Regionen in Nordwestdeutschland. Räumliche Konsequenzen des demographischen Wandels, Teil 7. – Hannover 2006. = ARL-Arbeitsmaterial Nr. 328. Weitere Teile sind in Vorbereitung.

Derzeit ist der Blick vor allem auf periphere ländliche Räume und auf infrastrukturelle Gesichtspunkte gerichtet. Darüber hinaus wurden die von den unterschiedlichen Forschungsgremien der ARL erarbeiteten Ergebnisse kürzlich aus verschiedenen Blickwinkeln zusammengefasst.

ARL (Hrsg.): Folgen des demographischen Wandels für Städte und Regionen in Deutschland – Handlungsempfehlungen. – Hannover 2006. = ARL-Positionspapiere Nr. 62

Umfassend und grundlegend hat sich die ARL in den letzten Jahrzehnten auch immer wieder mit der inhaltlichen, methodischen und instrumentellen Weiterentwicklung der Regionalplanung als wichtigem Bindeglied zwischen kommunaler Bauleitplanung und staatlicher Landesplanung befasst. Denn Regionalplanung ist mit Zunahme der räumlichen Konflikte und wegen der tiefgreifenden strukturellen Veränderungen zur wichtigsten Planungsebene oberhalb der Städte und Gemeinden geworden. Das gilt vor allem für die Verdichtungsräume. In zahlreichen Forschungsgremien, Regionalplanertagungen und anderen Aktivitäten sind regelmäßig wertvolle Empfehlungen zur Steigerung der Effizienz sowie der Integrations- und Koordinationsleistungen der regionalen Planung und Politik erarbeitet und Vorschläge zu wichtigen Teilaspekten (z.B. Integration der Landschaftsplanung, mehrNachhaltigkeitin Regionalplänen, regionalplanerische Kerninhalte, Partizipation in der Regionalplanung, Öffentlichkeitsarbeit für die Regionalplanung, großflächiger Einzelhandel als Herausforderung, Ausbildung für die Regionalplanung, Regionaler Flächennutzungsplan) unterbreitet worden. Auf den Arbeitskreis „Regionalplanung 2000“ wurde bereits hingewiesen. Dessen Ergebnisse wurden anlässlich der Wissenschaftlichen Plenarsitzung 1995 in Chemnitz vorgestellt und diskutiert. Aus diesem Arbeitskreis hat sich der IIK Regionalplanung entwickelt, der in den letzten Jahren zahlreiche Stellungnahmen veröffentlicht hat.

Siehe z.B.: ARL (Hrsg.): Zur Anwendung der Umweltverträglichkeitsprüfung für Pläne und Programme der Raumplanung (Plan-UVP). – Hannover 1999. = ARL-Positionspapiere Nr. 33; ARL (Hrsg.): Für eine Modernisierung der Regionalplanung. – Hannover 2001. = ARL-Positionspapiere Nr. 39; ARL (Hrsg.): Mehr Nachhaltigkeit in Landes und Regionalplänen. – Hannover 2003. = ARL-Positionspapiere Nr. 54; ARL (Hrsg.): Gesellschaftliche Bedeutung und Zukunft der Regionalplanung. – Hannover 2005. = ARL-Positionspapiere Nr. 61; ARL (Hrsg.): Die regionale Ebene zukunftsfähig machen! Zu den Verwaltungsreformdiskussionen in den Ländern. – Hannover 2006. = ARL-Positionspapiere Nr. 63; ARL (Hrsg.): Großflächiger Einzelhandel als Herausforderung. Raumordnungspolitischer Handlungsbedarf zur Sicherung der Lebensqualität durch verbrauchernahe Grundversorgung im Einzelhandel. – Hannover 2006: = ARL-Positionspapiere Nr. 67. Mitglieder des IIK waren auch maßgeblich am Arbeitskreis „Regionaler Flächennutzungsplan“ beteiligt. Siehe ARL (Hrsg.) (2000): Regionaler Flächennutzungsplan. Rechtlicher Rahmen und Empfehlungen zur Umsetzung. – Hannover 2000. = Forschern Sitzungsberichte, Bd. 213

Ausblick auf zukünftige Schwerpunkte der Forschungsarbeit der ARL

Die aus den tiefgreifenden Herausforderungen (Globalisierung, Transformation, europäische Integration, Liberalisierung, Deregulierung, Finanzschwäche der öffentlichen Hand, räumliche Disparitäten, Wettbewerb der Regionen, demographischer Wandel u. a. m.) resultierenden Konsequenzen, denen sich Raumentwicklung und Raumplanung ausgesetzt sehen, werden sich langfristig noch verschärfen. Auch werden die schon traditionellen Raum- bzw. Flächennutzungskonflikte, vor allem in den Agglomerationen, und das Postulat gleichwertiger Lebensverhältnisse von langfristiger Bedeutung sein. Mit dem ARL-Positionspapier Nr. 69 „Gleichwertige Lebensverhältnisse: eine wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe neu interpretieren!“ hat die Akademie erst kürzlich einen wichtigen Diskussionsanstoß gegeben. Auch ist mit Blick auf die teilweise massiv veränderten Bedingungen für die Raumentwicklung bislang kein glaubwürdiger Aufbruch in Richtung Nachhaltigkeit zu erkennen.

Das Wissen um raumstrukturelle Interdependenzen ist offenbar nicht nur im politischen Raum wenig ausgeprägt, wie z. B. die Hilferufe nach raumwissenschaftlicher Unterstützung bei Hochwasserkatastrophen, großen Chemieunfällen und anderen akuten Notfällen mit erheblichen räumlichen Konsequenzen zeigen. Mit der Zunahme der räumlichen Konflikte wird sich deshalb der Bedarf nach strategisch orientierten raumwissenschaftlichen Forschungen in der Zukunft noch deutlich erhöhen.

Vor diesem Hintergrund wird die ARL ihrer Aufgabe gemäß auch in der Zukunft zahlreiche raumwissenschaftliche und raumpolitische Felder besetzen, um die wissenschaftlichen Diskussionen voranzubringen und um Raumpolitik und raumplanerische Praxis frühzeitig für wichtige raumrelevante Zusammenhänge zu sensibilisieren. Die ARL wird sich darüber hinaus auch weiterhin um Problemstellungen kümmern, die aus der raumplanerischen Praxis an die raumwissenschaftliche Forschung insgesamt und die Akademie im Besonderen herangetragen werden. Dabei wird eine schon bisher oft gemachte Erfahrung auch in der Zukunft Bestand haben: Es geht nicht immer darum, auf eine Herausforderung oder eine Problemstellung mit Neuerungen zu antworten. Nicht überall muss das Rad neu erfunden oder alter Wein in neue Schläuche gegossen werden. Vielmehr ist vielfach nur längst Vorhandenes und teilweise auch Bewährtes in Erinnerung zu rufen oder dessen korrekte und konsequente Anwendung anzumahnen.

Man muss kein Prophet sein, um festzustellen, dass die ARL ihren derzeitigen Querschnittsthemen

Räumliche Konsequenzen des demographischen Wandels

Gleichwertige Lebensverhältnisse

Nachhaltige Raumentwicklung

Entwicklung der Agglomerationen/Metropolregionen

Entwicklung ländlicher Räume und

Europäische Raumentwicklung

auch künftig verstärkte Aufmerksamkeit widmen wird. Dahinter verbergen sich u. a. die nachfolgend kurz skizzierten Teilthemen:

Migration, Interkulturalität, Integration

In das Themenfeld des demographischen Wandels spielen auch Fragen der Migration, Interkulturalität und Integration hinein. Fehlende bzw. unzureichende Integrationsbemühungen und eine sich weiter öffnende Schere zwischen Arm und Reich erzeugen sozialen Sprengstoff. Die damit verbundenen Gefahren werden in ihren räumlichen Dimensionen und Entwicklungsaspekten weitgehend unterschätzt. Darüber hinaus steckt Forschungspotenzial in den räumlichen Auswirkungen veränderter Lebensformen, multilokaler Lebensführung und neuer Haushaltsstrukturen.

Generationenverantwortung

Der Umgang mit den Ressourcen, z.B. den Flächen und Rohstoffen, und dessen Folgen für künftige Generationen beschäftigt zurzeit augenfällig nur einen eher kleinen Kreis von Fachleuten und auch nur am Rande die breite Öffentlichkeit. Die Nutzung der Ressourcen ist abhängig von Verhaltensweisen der Menschen, die sich wiederum ausrichten an tatsächlichen Situationen in Stadt und Land. Die jetzt lebenden dürfen den nachfolgenden Menschen nicht deren Optionen nehmen, sondern müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein. Das Leitbild der Nachhaltigkeit ist ein richtiger Hebel für Generationenverantwortung. Es bleibt aber uninteressant, wenn es nicht bald gelingt, konkrete Querschnittsbeziehungen/Abhängigkeiten der verschiedenen Politikfelder der Gesellschaft zu verdeutlichen.

Raumgerechtigkeit

Dahinter verbirgt sich zwar eher eine Metapher, die aber in allen Politikbereichen gebraucht werden. Sie machen es möglich, komplexe und schwierige Sachverhalte zu veranschaulichen und für deren politische Gewichtigkeit zu sensibilisieren; so auch in der Raumpolitik. Gleichwertige Lebensverhältnisse oder Metropolregionen sind solche Metaphern. Künftig wird dazu auch die zentrale Frage der Raumgerechtigkeit gehören. Wenn Leitziele wie die gleichwertigen Lebensverhältnisse und die nachhaltige Raumentwicklung nicht zur Disposition stehen sollten, und davon sollte ausgegangen werden, dann kann die Fokussierung der künftigen Raumentwicklungspolitik auf erfolgversprechende Räume wie die Metropolregionen zwar ein vielversprechender Ansatz (Stärken stärken) sein, aber nicht der alleinige. Sich nur an Wachstum und Wettbewerb zu orientieren, wäre nicht nur ökonomisch unklug, sondern auch falsch. Das würde auch angesichts der Finanzschwäche der öffentlichen Haushalte die räumlichen Disparitäten weiter verschärfen. Die raumwissenschaftliche Forschung muss Raumpolitik und Planungspraxis unterstützen, indem sie sich mit Fragen z.B. nach Mindeststandards, Raumgerechtigkeit und Gleichverteilung von Entwicklungschancen auseinandersetzt.

Umgang mit langfristigen Risiken

Gefährdungen beispielsweise durch Hochwasser und Klimaveränderungen bergen hohe Schadensrisiken für Städte und Regionen. Ein zentraler Beitrag der Raumplanung liegt in der Vorsorge, die an den Ursachen der Gefährdungen ansetzt oder durch entsprechende Anpassungsmaßnahmen zur Schadensminimierung beiträgt (integrierte Siedlungs- und Verkehrsentwicklung, vorsorgende Siedlungsplanung, Anpassung der Raumnutzungen an zukünftige Klimabedingungen). In diesem Zusammenhang ist auch das Thema der Flächeninanspruchnahme zu Lasten der Freiräume keineswegs auf einem zukunftsweisenden Weg.

Europäische Dimension der Raumentwicklung

Es ist gerade auch die Aufgabe der raumwissenschaftlichen Forschung, die Perspektiven des gemeinsamen Wirtschafts- und Kulturraums Europa auszuloten und zum Wohle der Teilräume (territoriale Kohäsion, gleichwertige Lebensverhältnisse) zu nutzen. Wichtige raumwissenschaftliche Forschungsfragen ergeben sich z. B. in Bezug auf die Herausforderungen der europäischen Raumentwicklung für die räumliche Planung, die Verknüpfung der nationalen Planungssysteme und Rechtsgrundlagen, die Analyse der unterschiedlichen Planungskulturen, die Weiterentwicklung transnationaler Leitbilder der Raumentwicklung und auf das Verhältnis von Metropolregionen als „neue europäische Liga“ auf der einen und schwach strukturierten ländlichen Räumen auf der anderen Seite.

Raumentwicklung im aktivierenden Staat

Im Rahmen der Staats- und Verwaltungsmodernisierung und der Föderalismusreform ergeben sich mit Blick auf die Institutionen, Instrumente und Verfahren der Raumentwicklung vielfältige Forschungsfelder: Selbstreflexion raumplanerischer Konzepte, Verfahren und Strategien, Good Regional/Metropolitan Governance in Stadt-Umland- und Metropolregionen, Regionalmanagement, Öffentlichkeitsbeteiligung, Bürgerengagement, Public-Privat-Partnership etc. Die Beschäftigung mit Fragen der Staats- und Verwaltungsmodernisierung schließt aber auch die anderen, vor allem die raumwirksamen Politikbereiche ein, z. B. die Finanzpolitik (Neuordnung der Finanzen, Finanzausgleich etc.).

Regionalmonitoring und Regionalmanagement

Mehr denn je werden Maßnahmen zur Umsetzung von großräumigen Leitideen in konkretes öffentlichrechtliches bzw. privates Handeln auf regionaler und daraus abgeleitet örtlicher Ebene gebraucht. Dafür müssen die Themen der Zukunft gefunden, die dafür notwendigen und geeigneten Indikatoren und Instrumente bestimmt und die erforderlichen Kontroll- bzw. Evaluationsmethoden erarbeitet werden. Beim Regionalmonitoring stehen wir allerdings erst am Anfang. Darauf aufbauend muss ein transparentes Regionalmanagement entwickelt werden. Die raumwissenschaftliche Forschung muss ihren Teil dazu beitragen, dass Planungspraxis und Raumpolitik sensibilisiert werden, damit die durchaus vorhandenen raumplanerischen Ansätze mit der notwendigen Stringenz angewendet werden.

Vernetzung der raumwissenschaftlichen Forschungsfelder

Raumplanung muss nicht nur ihre eigenen Kenntnisse laufend weiterentwickeln, sondern auch die anderer raumbedeutsamer Disziplinen koordinierend einbeziehen. Noch immer sind allerdings die Grenzen zwischen den raumbedeutsamen Disziplinen so stark, dass die für Raumentwicklung elementare Interdisziplinarität nicht im notwendigen Maße gegeben ist. Fachverwaltungen nehmen keine Rücksicht auf andere Belange und erschweren so die bestmögliche Verzahnung raumentwicklungspolitischer Interessen. Aus diesem Grunde wird derzeit das Potenzial „Interdisziplinarität“ nicht hinreichend ausgeschöpft. Auch hier muss die raumwissenschaftliche Forschung ihre Erfahrungen noch stärker einbringen.

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