1. bookVolume 61 (2003): Issue 6 (November 2003)
Journal Details
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Format
Journal
eISSN
1869-4179
First Published
30 Jan 1936
Publication timeframe
6 times per year
Languages
German, English
access type Open Access

Die regional rates of return on public university financing

Published Online: 30 Nov 2003
Volume & Issue: Volume 61 (2003) - Issue 6 (November 2003)
Page range: 436 - 446
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eISSN
1869-4179
First Published
30 Jan 1936
Publication timeframe
6 times per year
Languages
German, English
Abstract

This article examines the short-term regional economic effects of universities. The methodology used differs substantially from previous studies as it focuses on the additional resources attracted to the region by the establishment of universities. The effects of the attracted resources are therefore related to the basic financing provided by the federal state (Land). We call these relations the regional rates of return on university financing. We demonstrate the regional rates of return using the experience of the Otto-von-Guericke-University Magdeburg and the college of higher education Magdeburg-Stendal as examples. The results indicate that the financing of universities is an effective means to create both jobs and economic prosperity. In turn, the reduction of public funding for universities causes substantial opportunity costs for the region, even in the short term.

Einleitung

Die Finanzierung von Hochschulen durch die Länder ist häufig mit der Erwartung verknüpft, dass regionalökonomische Wirkungen von ihnen ausgehen. Obwohl die Existenz solcher Wirkungen unbestritten ist, herrscht oftmals Unklarheit über deren Art und Ausmaß. Angesicht knapper Ressourcen stellt sich den Ländern zunehmend die Frage, welche Effekte die Hochschulen auf die umliegenden Regionen tatsächlich haben und ob diese Effekte den erheblichen Mitteleinsatz rechtfertigen. Diese Frage stellt sich nicht nur der Politik, die letztlich die Hochschulressourcen bereitstellen muss, sondern zunehmend auch den Hochschulen selbst. Die wachsende Finanznot der Bundesländer hat in den vergangenen Jahren immer wieder zu erheblichen Sparmaßnahmen im Hochschulbereich geführt. Dies verwundert auf den ersten Blick, denn der Anteil der Ausgaben für das Hochschulwesen (gemessen am BIP) ist im OECD-Vergleich in Deutschland relativ gering. Gleichzeitig gehört es zum Fundus der gesicherten Erkenntnisse aller gesellschaftlichen Gruppen, dass Deutschland existenziell auf hochwertige Forschung und Lehre angewiesen ist. Daraus sollte eigentlich eine Stärkung der Hochschulen folgen, aber tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Ein Grund dafür dürfte in der Tatsache zu finden sein, dass die Hochschulfinanzierung Ländersache ist und die Länder sich einem erheblichen Spardruck ausgesetzt sehen, dem zu folgen deshalb schwer fällt, weil die Bundesländer nur in wenigen Bereichen autonom über ihre Ausgaben entscheiden können. Die Hochschulen sind ein solcher Bereich und geraten deshalb fast zwangsläufig in das Visier der Finanzminister. Dazu kommt, dass Einsparungen bei den Hochschulen zumindest kurzfristig scheinbar folgenlos bleiben. Positive Effekte erwartet man von Universitäten und Fachhochschulen eher in der langen Frist. Die Folge ist, dass Hochschulen ein Sparpotential darstellen, das den Wählern leicht vermittelt werden kann, weil Einsparungen nicht zu unmittelbar spürbaren Einschränkungen der Versorgung mit öffentlich bereitgestellten Gütern führen - ganz anders als beispielsweise bei Theatern, Kindertagesstätten und ähnlichen Einrichtungen.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage, welche unmittelbaren, direkten und kurzfristige Effekte eine Hochschule für die sie beherbergende Region hat, erheblich an Bedeutung - sowohl für die Politik, die über Sparmaßnahmen zu entscheiden hat, als auch für die Hochschulen, die um ihre Legitimation kämpfen. Es kann deshalb nicht überraschen, dass die regionalökonomische Bedeutung von Hochschulen in der Vergangenheit vielfach empirisch untersucht worden ist. Die jüngsten Studien beziehen sich auf die Universität Bielefeld (Niermann 1996), die Wissenschaftseinrichtungen in Hamburg (Clermont 1997), die Wissenschaftseinrichtungen in Bremen (Pfähler et al. 1999), die Universität Potsdam (Gloede et al. 1999) und die Universität Gesamthochschule Kassel (Blume/Fromm 2000). Alle diese Untersuchungen zeigen sämtliche Nachfrageeffekte, die regional im Laufe eines Jahres aufgrund der Einrichtungen entstehen, d.h. sie untersuchen die Wirkungen, die von den Ausgaben des Landes für eine Hochschule ausgehen.

Blume und Fromm (1999, S. 419) merken an, „dass auch eine alternative Mittelverwendung denkbar wäre. Große öffentliche Infrastruktureinrichtungen (wie z.B. ein Gefängnis oder ein Theater) weisen von der Seite der Leistungserstellung im Hinblick auf die Personal-, Sach- und Bauausgaben sicherlich ähnliche Wirkungen wie eine Hochschule auf. Unterschiede ergeben sich im Wesentlichen durch die Fähigkeit der Hochschule, Studenten und Drittmittel zu attrahieren (…)“. Dieser Punkt ist nach unserer Auffassung von zentraler Bedeutung. Wenn es um die Entscheidung geht, welche öffentlichen Projekte zum Gegenstand von Sparentscheidungen werden sollen, dann bedarf es einer Differentialbetrachtung, die die tatsächlichen Opportunitätskosten einer Sparentscheidung aufzeigt. Etwas plakativ formuliert: Es gilt herauszufinden, ob es einen Unterschied macht, ob ein Land in eine Hochschule investiert oder in den Bau einer Kantine. Dazu müssen die ökonomischen Effekte identifiziert werden, die nur deshalb zustande kommen, weil Ressourcen in Hochschulen und nicht in andere Projekte gesteckt werden. Diesen Punkt lassen die bisherigen Studien unbeantwortet. Im Unterschied dazu ist der vorliegende Beitrag durch folgendes Vorgehen gekennzeichnet:

Wir wählen einen methodischen Ansatz, der sich wesentlich von bisherigen Studien unterscheidet, indem ausschließlich die spezifischen Effekte untersucht werden, die sich für das Land zusätzlich infolge der Hochschulfinanzierung ergeben. Dabei wird ausschließlich auf kurzfristige Effekte abgestellt, die nur deshalb entstehen, weil die Hochschulen existieren und produzieren. Alle Effekte, die durch die Produktionsergebnisse einer Hochschule (Ausbildungs- und Forschungsleistungen, also Vermehrung von Humankapital und Wissen) entstehen, werden nicht berücksichtigt. Die zusätzlichen Regionaleffekte werden sodann ins Verhältnis zur Grundfinanzierung durch das Land gesetzt. Die so berechneten Verhältniszahlen nennen wir die regionalen Rates of Return der Hochschulfinanzierung. Mit den regionalen Rates of Return schlagen wir eine Berechnungsmethode für die Regionaleffekte von Hochschulen vor, die mehrere Vorteile bietet: Erstens liefert sie die gesamte gewonnene Information in konzentrierten Kennzahlen, die plastisch veranschaulichen, welche zusätzlichen Effekte die Hochschule einer Region zu geben vermag. Zweitens ermöglichen die regionalen Rates of Return die Identifizierung des spezifischen Vorteils der Hochschulfinanzierung und damit einen Vergleich zu alternativen Investitionsobjekten. Drittens können sie auch zum Vergleich von Hochschuleinrichtungen selber verwandt werden, um ihre Wirksamkeit aus regionalwirtschaftlichen Aspekten vergleichen zu können.

Wir untersuchen eine Universität und eine Fachhochschule gleichzeitig in einer Region und mit einer einheitlichen Methode, sodass strukturelle Unterschiede erkennbar werden, ohne dass räumliche oder politische Differenzen die Ergebnisse verzerren.

Wir wählen einen Betrachtungszeitraum über sechs Jahre hinweg. Im Gegensatz zu anderen Studien, die eine Momentaufnahme liefern, können dadurch verzerrende Einmaleffekte erkannt werden. Darüber hinaus werden Entwicklungstrends deutlich.

Unser Ansatz folgt der Einsicht, dass Universitäten und Fachhochschulen mit ihren Ausbildungs- und Forschungsleistungen letztlich handelbare Güter produzieren. Die Produktion solcher Güter führt normaler-weise zu Ressourcenzuflüssen, die aus dem Handel resultieren. Hochschulen geben ihre Produkte jedoch zum Preis Null ab, weil sie auf die Erhebung von Studiengebühren verzichten und auch Forschungsresultate in aller Regel ohne Entgelt zur Verfügung stellen. Dennoch löst der Handel mit den Hochschulprodukten Ressourcenflüsse in die Hochschulregion aus und genau diese gilt es zu identifizieren und zu quantifizieren. Dass der Einsatz der von den Hochschulen produzierten Güter in der Region ebenfalls wertschöpfend wirkt, soll dabei nicht vergessen werden, ist aber nicht Gegenstand dieser Untersuchung.

Der Artikel ist wie folgt organisiert: Abschnitt 2 beschreibt das methodische Vorgehen der Untersuchung. Abschnitt 3 zeigt die regionalökonomischen Effekte am Beispiel der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und der Hochschule Magdeburg-Stendal (FH). In Abschnitt 4 werden die regionalökonomischen Effekte ins Verhältnis zu den Aufwendungen des Landes bei der Finanzierung der Hochschulen gesetzt und die regionalen Rates of Return ermittelt. Abschließend wird in Abschnitt 5 ein Fazit gezogen.

Methodisches Vorgehen

Ziel der vorliegenden Untersuchung ist die Bemessung der regionalen Rates of Return der Hochschulfinanzierung als Verhältnis von direkten Effekten zur Grundfinanzierung der Hochschulen. Als direkte Effekte der Hochschulfinanzierung gelten dabei alle regionalökonomischen Wirkungen, die auf reale Ressourcenzuflüsse von außerhalb der Hochschulregion zurückgehen. Sie kommen der Region ausschließlich deshalb zugute, weil sie Hochschulen vorhält. Die Entstehung der direkten Effekte ist dabei unabhängig vom Output der Hochschulen, das heißt, sie fielen auch dann an, wenn alle erbrachten Leistungen der Hochschulen außerhalb des Landes genutzt würden.

Man stelle sich vor, dass aile Absolventen das Land verlassen und keinerlei verwertbare Forschungsergebnisse erzielt werden

Ausgangspunkt der methodischen Überlegungen ist eine Situation, in der das Land vollständig darauf verzichtet, Hochschulen vorzuhalten, so dass der Ressourcenzufluss gleich null ist. Diese Situation wird mit empirisch ermittelten Ist-Werten verglichen. Vier Hauptquellen für Ressourcenzuflüsse lassen sich identifizieren:

Einkommen von Studierenden, die außerhalb Sachsen-Anhalts ihre Hochschulzugangsberechtigung (HZB) erworben haben: Diese Einkommen fließen dem Land als Ressource zu, werden zu einem hohen Teil im Land verwendet und führen damit zu Nachfrage, die ohne Hochschulfinanzierung nicht vorhanden wäre.

Einkommen der Studierenden mit Elternwohnsitz in Sachsen-Anhalt: Diese Einkommen sind ebenfalls zu berücksichtigen, weil dann, wenn es keine Hochschulen in Sachsen-Anhalt gäbe, diese Studierenden das Land verlassen und die entsprechenden Einkommen anderen Regionen zufließen würden.

Forschungsförderungsmittel, die nicht aus dem Landeshaushalt finanziert werden: Diese Drittmittel fließen dem Land zu, werden zum Teil im Land ausgabewirksam und schaffen damit Nachfrage, die ohne Hochschulen dem Land nicht zur Verfügung steht.

Bundes- und EU-Mittel, die zweckgebunden dem Hochschulbereich zugewiesen werden: Diese Ressourcen fließen dem Land nur dann zu, wenn es entsprechende Vorleistungen erbringt, d.h. Hochschulen unterhält.

Abbildung 1

Zusätzliche Effekte für das Land aufgrund der Hochschulfinanzierung

Quelle: eigene Darstellung

Zur Vereinfachung der Darstellung fassen wir im Folgenden die Positionen a) und b) zusammen zu Studentischen Budgets und die Positionen c) und d) zu Drittmitteln, wobei sich letztere in Ausgaben für Drittmittelbeschäftigte, Sachmittel und Investitionen aufteilen.

Die direkten Effekte der Hochschulfinanzierung werden am Beispiel der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (OvGU)

Die Medizinische Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität mit dem Universitätsklinikum wurde in der Untersuchung nicht berücksichtigt

und der Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) für die Jahre 1996-2001 untersucht. Vom sehr kleinen FH-Standort Stendal

Auf den Standort Stendal entfallen unter 7 % der Studierenden der gesamten Hochschule

abgesehen, befinden sich beide Hochschulen in Magdeburg und somit mitten in Sachsen-Anhalt. Da der aus den Hochschulen erwachsende Nutzen vor allem aus der Sicht des Landes interessant ist, das die Hochschulen finanziert, wurde das gesamte Bundesland als Bezugs- und Untersuchungsregion gewählt. Das aufwändige Vorgehen zur Bestimmung der regionalen und sektoralen Inzidenz der Ausgaben von Studierenden und von Drittmitteln erfolgt weitgehend in Anlehnung an Blume / Fromm (1999) und ist ausführlich in Rosner/Weimann (2003) dargestellt. Die wichtigsten Schritte fasst Abbildung 2 zusammen.

Abbildung 2

Ablauf zur Bestimmung der sektoral und regional disagregierten Nachfrageeffekte durch die Hochschulen

Quelle: eigene Darstellung

Die sektoral und regional differenzierten Ausgabepositionen bilden den Ausgangspunkt für die weitere Untersuchung der regionalökonomischen Wirkungen im Rahmen einer offenen Input-Output-Analyse.

Zum Verfahren der Input-Output-Analyse vgl. z.B. Holub/Schnabl (1985), Clermont (1997), Strassert (1968), Niermann (1996), Fleissner et al. (1993)

Unsere Berechnungen stützen sich auf die Input-Output-Tabelle für das Jahr 2000 des Statistischen Bundesamtes (2002), die für Sachsen-Anhalt unter äußerst konservativen Annahmen regionalisiert wurde (Rosner/Weimann 2003, S. 50-52).

Insgesamt können mit der Input-Output-Analyse Umsatz-, Wertschöpfungs- und Einkommenseffekte ermittelt werden. Die Bestimmung der Beschäftigungseffekte erfolgt rekursiv auf Grundlage sektoral differenzierter Umsatzmultiplikatoren.

Die Umsatzeffekte geben sämtliche Umsätze an, die aufgrund von Mittelzuflüssen durch die Hochschulen nach Sachsen-Anhalt entstehen. In regionalökonomischen Untersuchungen werden sie oft als zentrale Größe dargestellt. Gleichwohl greift die reine Betrachtung von Umsätzen zu kurz, denn Umsätze führen erst nach Abzug von Vorleistungsbezügen, Importen und Steuern zu Wertschöpfung - und in der Folge zu Einkommen. Vor diesem Hintergrund wurden auch Einkommens- und Wertschöpfungseffekte ermittelt.

Die Wertschöpfungseffekte geben den Teil der Umsätze an, der nach Abzug von Vorleistungen, Steuern und Importen verbleibt. Volkswirtschaftlich ist die Wertschöpfung der bedeutendste Indikator, da er widerspiegelt, in welchem Umfang neue Werte geschaffen wurden. Verwandt wird die Wertschöpfung für die Entlohnung der Produktionsfaktoren, also für Löhne und Gehälter, für Kapitalentlohnung und für Unternehmerlohn. Grundsätzlich entsteht durch die Wertschöpfung also Einkommen.

Die Einkommenseffekte weichen in der vorliegenden Untersuchung aus zwei Gründen von der Wertschöpfung ab: Erstens wurde unterstellt, dass die Drittmittelbeschäftigten (wie die Hochschulen insgesamt) nichts produzieren, weshalb ihre Arbeitsleistung nicht in den Wertschöpfungs-, wohl aber in den Einkommenseffekten berücksichtigt ist. Zweitens wurde der Arbeitgeberanteil an den Beiträgen zur Sozialversicherung von der Wertschöpfung abgezogen, um die Einkommenseffekte (hier definiert als Bruttoeinkommen der Haushalte) zu bemessen. Hat eine Hochschule besonders viele Drittmittelbeschäftigte, so übersteigen die Einkommenseffekte die Wertschöpfungseffekte, denn die extern finanzierten Drittmittelbeschäftigten tragen zwar zur Erhöhung der Einkommenseffekte, nicht jedoch zu den Wertschöpfungseffekten bei. Erbringt die Hochschule dagegen vor allem Leistungen der Lehre (insbesondere Fachhochschulen), so können die Wertschöpfungseffekte die Einkommenseffekte übersteigen.

Schließlich werden die von den Hochschulen ausgehenden Beschäftigungseffekte bestimmt. Für den regionalen Arbeitsmarkt sind Hochschulen oft von großer Bedeutung. Diese Bedeutung entsteht wesentlich durch die direkten Beschäftigungseffekte, d.h. durch die Arbeitgeberrolle der Hochschulen. Grundsätzlich hätte ein Land als Zuwendungsgeber aber auch die Möglichkeit, Personal für andere Zwecke anzustellen, wodurch sich ähnliche Arbeitsplatzeffekte ergeben würden. Vor diesem Hintergrund werden nur solche direkten Beschäftigungseffekte untersucht, die auf Mittelzuflüsse von außerhalb des Landes zurückgeführt werden können. Dadurch wird der spezifische Vorteil der Hochschulfinanzierung gegenüber alternativen Ausgabemöglichkeiten des Landes deutlich.

Nach der Bestimmung der Umsatz-Wertschöpfungs-, Einkommens- und Beschäftigungseffekte der Hochschulen werden diese ins Verhältnis zu den Aufwendungen des Landes gesetzt. Die so berechneten regionalen Rates of Return der Hochschulfinanzierung ermöglichen politischen Entscheidungsträgern einen direkten Vergleich alternativer Mittelverwendungsmöglichkeiten.

Mittelzuflüsse und regionalökonomische Effekte durch die Hochschulen im nördlichen Teil Sachsen-Anhalts

Empirisch wurden die regionalen Rates of Return am Beispiel der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (OvGU) und der Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) berechnet. Im Folgenden werden zunächst die regionalwirtschaftlichen Effekte, die zwischen 1996 und 2001 auf diese Mittelzuflüsse zurückzuführen sind, für beide Hochschulen zusammen dargestellt. Es lassen sich strukturelle Unterschiede zwischen Universität und Fachhochschule ausmachen, die im Wesentlichen darauf zurückzuführen sind, dass Fachhochschulen vor allem Lehraufgaben haben, während Universitäten Lehre und Forschung abdecken.

Die detaillierten Einzelergebnisse für die beiden untersuchten Hochschulen können gerne per Email bei den Autoren angefordert werden

Allein aufgrund der Existenz von OvGU und FH wurden Ressourcenzuflüsse nach Sachsen-Anhalt (LSA) ausgelöst, die sich von 144,6 Mio. DM in 1996 um 94,2 Mio. DM auf 238,8 Mio. DM in 2001 erhöht haben (Tab. 1). Dabei ist der kontinuierliche Zuwachs um insgesamt 65 % vor allem auf die stark gestiegenen Studierendenzahlen zurückzuführen.

Mittelzuflüsse nach Sachsen-Anhalt durch die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und die Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) (in DM)

Mittelzuflüsse

1996

1997

1998

1999

2000

2001

Studierende Budgets Summe reg. Ausgaben

97 088 242 76 354 899

107 233 713 84 940 280

121 109 336 95 936 493

144 333 543 114 374 922

165 543 324 130 806 209

183 173 079 143 011 676

Drittmittel-Beschäftigte Personalkosten Bruttoeinkommen Summe reg. Konsumausgaben

18 865 119 15 673 097 7 286 723

18 001 991 14 863 552 6 829 319

17 814 342 14 695 271 6 740 230

19 878 665 16 440 878 7 578 589

20 664 098 17 126 599 7 926 477

23 846 802 19 792 341 9 184 655

Sachmittel Sachmittelausgaben gesamt regional wirksame Nachfrage

12 503 226 3 610 932

9 160 347 2 645 508

8 792 732 2 539 341

6 947 863 2 006 542

6 925 547 2 000 098

7 976 144 2 303 510

Investitionen Investitionen gesamt Summe der reg. Ausgaben

16 140 207 11 503 794

19 703 751 14 289 310

17 544 912 12 692 833

17 487 736 12 482 378

19 642 306 13 570 859

23 758 534 15 807 825

Gesamt Mittelzuflüsse nach LSA Summe der reg. Ausgaben

144 596 794 98 756 347

154 099 802 108 704 418

165 261 322 117 908 897

188 647 807 136 442 432

212 775 275 154 303 643

238 754 560 170 307 666

Quelle der Daten: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Hochschule Magdeburg-Stendal (FH), Staatshochbauamt Magdeburg, Landesregierung Sachsen-Anhalt, Deutsches Studentenwerk, eigene Berechnungen

Von den Mittelzuflüssen des Jahres 2001 entfallen 7 % (170,5 Mio. DM) auf die OvGU und 29% (68,3 Mio. DM) auf die FH. Infolge der gestiegenen Studierendenzahlen konnte die FH die von ihr ausgelösten Mittelzuflüsse verdoppeln; die OvGU verzeichnete einen Zuwachs um 65 %. Die größeren Wachstumsraten der FH sind dadurch zu erklären, dass es sich um eine neu gegründete Fachhochschule handelt, die im Gegensatz zur Universität noch nicht auf einem bestehenden Sockel aufbauen konnte.

Die Mittelzuflüsse des Jahres 2001 führten zu regional wirksamer Nachfrage im Umfang von 170,3 Mio. DM. Diese Nachfrage geht zu 84 % auf die Studierenden zurück. Die regionalen Ausgaben aus externen Mittelzuflüssen sind bei der FH zu 93 % auf die Studierenden zurückzuführen, während der Vergleichswert der OvGU bei 80 % liegt. Die Differenz ergibt sich aus der Tatsache, dass die FH hauptsächlich Lehrleistungen erbringt, während die Universität Lehr- und Forschungsleistungen produziert. Entsprechend war sie auch erfolgreicher bei der Einwerbung von forschungsbezogenen Drittmitteln.

Durch die zusätzlich attrahierten Mittelzuflüsse in 2001 bewirkten die beiden Hochschulen Umsätze in Sachsen-Anhalt in Höhe von 258,2 Mio. DM. Daraus resultierte eine Wertschöpfung in Höhe von 120,2 Mio. DM und ein Beitrag zum Einkommen der privaten Haushalte in Höhe von 127,8 Mio. DM (Tab. 2). Der rasante Anstieg der regionalökonomischen Effekte ist eng mit der Zunahme der Studierendenzahlen verbunden.

Nachfrageeffekte, Wertschöpfung und Einkommen der Haushalte in Sachsen-Anhalt durch Studierende, Drittmittelbeschäftigte und Verausgabung extern eingeworbener Mittel an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und der Hochschule Magdeburg-Stendal (in DM)

1996

1997

1998

1999

2000

2001

Mittelzuflüsse nach LSA

144 596 794

154 099 802

165 261 322

188 647 807

212 775 275

238 754 560

Summe der reg. Ausgaben

98 756 347

108 704 418

117 908 897

136 442 432

154 303 643

170 307 666

Summe der direkten, indirektenund induzierten Umsatzeffekte

183 575 863

163 756 739

177 688 054

205 797 780

233 552 200

258 174 944

Wertschöpfung in LSA

69 486 860

76 040 667

82 690 248

95 530 936

108 719 783

120 238 948

Bruttoeinkommen der Haushalte

79 332 215

83 713 229

89 332 629

102 418 571

114 645 800

127 796 149

Quelle: eigene Berechnungen

Die sektorale Gliederung der Umsatzeffekte zeigt Tabelle 3. Dabei fällt auf, dass der Sektor Grundstücks- und Wohnungswesen, Vermietung und Erbringung von überwiegend unternehmensnahen Dienstleistungen mit 70,4 Mio. DM in 2001 besonders stark von der Existenz der Hochschulen profitiert. In diesem Sektor sind die Mietzahlungen der Studierenden und der Drittmittelbeschäftigten enthalten, die vorrangig in der Stadt Magdeburg anfallen. Allein diese Zahl verdeutlicht die Bedeutung der Hochschulen für den regionalen Wohnungsmarkt. Zwischen den beiden Hochschulen sind bei der sektoralen Verteilung der Umsatzeffekte kaum Unterschiede festzustellen, denn sie gehen vorrangig auf die Studierenden zurück, deren Konsumstruktur durch die Wahl der Hochschule nicht beeinflusst ist.

Sektorale Verteilung der direkten, indirekten und induzierten Nachfrageeffekte durch Studierende und Drittmittelausgaben der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und der Hochschule Magdeburg-Stendal (in DM)

Wirtschaftsabteilung

1996

1997

1998

1999

2000

2001

A Land- und Forstwirtschaft

1 669 250

1 815 323

1 999 607

2 361 044

2 683 491

2 954 371

B Fischerei und Fischzucht

14 925

16 320

18 013

21 333

24 224

26 607

C Bergbau, Gewinnung von Steinen und Erden

1 411 437

1 547 014

1 708 444

2 015 946

2 296 822

2 525 521

D Verarbeitendes Gewerbe

30 469 409

33 952 875

36 483 829

43 753 608

48 326 457

52 724 177

E Energie- und Wasserversorgung

5 898 708

6 478 472

7 220 644

8 545 833

9 775 477

10 729 390

F Baugewerbe

9 602 052

9121541

9 219 653

9 110 554

11 255 137

13 736 899

G Handel, Instandhaltung, Reparatur

22 867 824

26 425 726

27 960 539

30 644 117

34 653 896

38 182 732

H Gastgewerbe

3 639 565

3 961 131

4 378 550

5 160 378

5 878 128

6 473 898

I Verkehr, Nachrichtenübermittlung

16 974 751

18 569 678

20 630 361

24 329 225

27 603 143

30 374 713

J Kredit- und Versicherungsgewerbe

4 410 563

4 830 308

5 351 531

6 295 335

7191271

7 912 464

K Grundstücks- und Wohnungswesen, Vermietung, unternehmensnahe Dienstleistungen

40 144 300

43 485 909

47 692 999

55 876 276

63 698 827

70 355 423

L Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung

643 681

677 892

741 346

852 423

966 429

1 066 059

M Erziehung und Unterricht

704 324

768 654

853 568

1 009 561

1 149 960

1 264 425

N Gesundheits-, Veterinär- u. Sozialwesen

1 048 323

1 127 450

1 228 817

1439 410

1 623 837

1 804 102

O Sonstige öffentliche und persönliche Dienstleistungen

9 570 114

10 479 134

11 642 976

13 722 538

15 673 084

17 217 581

P Dienstleistungen priv. Haushalte

454 028

499 315

557 176

660 199

752 017

826 581

Gesamt

149 523 253

163 756 739

177 688 054

205 797 780

233 552 200

258 174 944

Quelle: eigene Berechnungen

Die Beschäftigungseffekte aufgrund von Mittelzuflüssen nach Sachsen-Anhalt sind eng mit den Umsatzeffekten verbunden (Tab. 4). In 2001 wird der Wohnungssektor nur vom Bereich Handel, Instandhaltung und Reparatur von KfZ und Gebrauchsgütern übertroffen, in dem 403 Beschäftige auf die Existenz der Hochschulen zurückzuführen sind. Der besonders hohe Wert von 340 Beschäftigten im Bereich Erziehung und Unterricht erklärt sich durch die 325 direkt Drittmittelbeschäftigten aus externen Mittelzuflüssen, von denen die überwiegende Zahl (291) an der OvGU arbeitet (FH: 34).

Branchenspezifische direkte, indirekte und induzierte Beschäftigungseffekte der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und der Hochschule Magdeburg-Stendal (FH)

Sektor

1996

1997

1998

1999

2000

2001

A Land- und Forstwirtschaft

8

9

9

10

12

13

B Fischerei und Fischzucht

0

0

0

0

0

0

C Bergbau, Gewinnung von Steinen und Erden

3

3

3

3

4

4

D Verarbeitendes Gewerbe

103

112

119

140

151

162

E Energie- und Wasserversorgung

21

22

25

28

32

35

F Baugewerbe

106

99

98

96

116

138

G Handel, Instandhaltung, Reparatur

266

302

313

336

373

403

H Gastgewerbe

79

85

92

106

118

127

I Verkehr, Nachrichtenübermittlung

105

113

123

143

159

171

J Kredit- und Versicherungsgewerbe

23

25

27

31

35

38

K Grundstücks- und Wohnungswesen, Vermietung, unternehmensnahe Dienstleistungen

196

208

224

257

287

311

L Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung

6

7

7

7

9

10

M Erziehung und Unterricht

282

282

291

320

299

340

N Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen

14

15

16

19

20

23

O Sonstige öffentliche und persönliche Dienstleistungen

90

96

105

121

135

146

P Dienstleistungen privater Haushalte

48

51

56

65

72

78

Gesamt

1 352

1 429

1 507

1 683

1 824

1 998

Quelle: eigene Berechnungen

Aufwendungen des Landes und die regionalen Rates of Return der Hochschulfinanzierung

Den Effekten der Hochschulen sind die Aufwendungen des Landes gegenüber zu stellen (Abb. 3). Für beide Hochschulen wurden in 1996 166,8 Mio. DM aufgewandt, während es in 2000 188,4 Mio. DM waren. Die Steigerung der Gesamtaufwendungen des Landes um 13 % entfällt fast vollständig auf die im Aufbau befindliche FH, deren Haushaltsmittel im Betrachtungszeitraum kontinuierlich um insgesamt 77 % auf 42,7 Mio. DM anwuchsen. Unterdessen verzeichnet die OvGU seit 1998 einen jährlichen Rückgang der Landeszuweisungen, so dass das nominale Budget des Jahres 2001 nur noch 2 % über dem Ausgangswert des Jahres 1996 liegt. Der Rückgang der Mittelzuweisungen an die OvGU ist in erster Linie auf das gesunkene Investitionsvolumen zurückzuführen, während sich die anderen Ausgabepositionen konstant entwickelten.

Abbildung 3

Aufwendungen des Landes für die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und die Hochschule Magdeburg-Stendal (FH), Mittelzuflüsse in das Land durch die Hochschulen und daraus entstehende regionale Effekte (in DM)

Quelle: eigene Berechnungen

Abbildung 3 zeigt neben den Aufwendungen des Landes auch die daraus resultierenden zusätzlichen regionalwirtschaftlichen Effekte im Zeitablauf. Die aus eigener Kraft der Hochschulen generierten Mittelzuflüsse nach Sachsen-Anhalt sind seit dem Jahr 1999 größer als die Aufwendungen des Landes für die Hochschulen. Parallel dazu sind auch die Wertschöpfungsund Einkommenseffekte angestiegen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Hochschulen in der Tat handelbare Güter produzieren.

Wie verhalten sich die berechneten regionalwirtschaftlichen Effekte in Relation zu den Mittelaufwendungen des Landes? Dieses Verhältnis wird durch die regionalen Rates of Return der Hochschulfinanzierung abgebildet (Abb. 4).

Abbildung 4

Regionale Rates of Return des Landes für die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und die Hochschule Magdeburg-Stendal (FH). Zusätzliche regionalökonomische Effekte je eingesetzter Geldeinheit:

Quelle: eigene Berechnungen

Im Ergebnis zeigt sich, dass eine DM, die in 2001 vom Land in die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und in die Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) investiert wurde, einen zusätzlichen Mittelzufluss nach Sachsen-Anhalt in Höhe von 1,27 DM bewirkte. Lediglich aus diesen Zuflüssen entstanden im Land:

Umsätze in Höhe von 1,37 DM,

Bruttoeinkommen der privaten Haushalte in Höhe von 0,68 DM und

Wertschöpfung in Höhe von 0,64 DM.

Diese Werte verdeutlichen die Nachfrageeffekte, die durch die Hochschulfinanzierung induziert werden. Sie liegen deutlich über den Mittelaufwendungen des finanzierenden Landes zum Unterhalt der Einrichtungen und verdeutlichen damit, dass öffentliche Wissenschaftseinrichtungen aus regionalwirtschaftlicher Sicht besonders rentable Investitionen darstellen. Selbst wenn alle Absolventen nach ihrem Studium die Region verlassen, die Hochschule keine Forschungsergebnisse produziert und keinen Wissenstransfer in die (regionale) Wirtschaft leistet, wären die Ergebnisse von diesem Umstand nicht direkt betroffen, da Humankapital- und Kapazitätseffekte in der vorliegenden Berechnung unberücksichtigt bleiben. Die zusätzliche Betrachtung solcher Effekte würde die regionalen Rates of Return weiter deutlich erhöhen. Die Resultate legen nahe, dass Hochschulen eine besonders hohe Selbstfinanzierungsquote aufweisen.

Da die Fachhochschule hauptsächlich Lehrleistungen erbringt, die besonders starke direkte regionalwirtschaftliche Effekte nach sich ziehen, liegen ihre regionalen Rates of Return deutlich über denen der OvGU. Gleichwohl kann daraus nicht gefolgert werden, dass Fachhochschulen insgesamt produktiver sind, da die Forschungsleistungen, die in wesentlich stärkerem Maße von der Universität erbracht werden, nicht in die Berechnungen eingehen. Gerade Forschungsleistungen sind notwendige Bedingung für weitere erhebliche Mittelzuflüsse in die Region, die vor allem durch die Ansiedlung weiterer Wissenschaftseinrichtungen entstehen, beispielsweise Max-Planck- oder Fraunhofer-Institute.

Die regionalwirtschaftlichen Effekte der Hochschulen werden in erster Linie durch die Studierenden hervorgerufen, da sie den überwiegenden Teil der Mittelzuflüsse generieren. Bei alleiniger Betrachtung der studentischen Ausgaben im Rahmen der Input-Output-Analyse zeigt sich, dass zehn zusätzliche Studierende eine Zunahme um einen Beschäftigten in Sachsen-Anhalt bewirken. Ergänzend attrahieren die Hochschulen Ressourcenzuflüsse durch die Programm- und Forschungsförderung, wodurch ebenfalls Beschäftigungseffekte im Land entstehen, ohne dass damit Kosten für den Landeshaushalt verbunden sind.

Die Relation aus allen Beschäftigungseffekten, die auf zusätzliche Mittelzuflüsse zurückzuführen sind, und aus den Aufwendungen des Landes zeigt, dass die beiden Hochschulen in 2001 je investierte 94 284 DM einen zusätzlichen Arbeitsplatz geschaffen haben.

Der Wert errechnet sich aus den eingesetzten Mitteln des Landes im Verhältnis zu den Beschäftigungseffekten aus extern attrahierten Mitteln der Hochschulen. Bei der FH lag dieser Wert bei 81.747 DM, bei der OvGU bei 101 352 DM.

Darin nicht einbezogen sind die ca. 1 700 direkt Beschäftigten der beiden Hochschulen aus Landesmitteln. Rechnet man diese noch hinzu, so belaufen sich die Kosten eines Arbeitsplatzes, der durch die Hochschulen geschaffen wird, auf lediglich 50 941 DM pro Jahr, ohne dass dabei berücksichtigt wäre, dass die Hochschulen Humankapitai produzieren, über Ausgründungen Arbeitsplätze schaffen, durch Wissenstransfer zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der (regionalen) Unternehmen und zur Ansiedlung von Forschungsinstituten beitragen.

Fazit

Drei wesentliche Innovationen für die Untersuchung der regionalwirtschaftlichen Effekte von Hochschulen werden in diesem Beitrag vorgestellt: die regionalen Rates of Return der öffentlichen Hochschulfinanzierung, die empirische Untersuchung von Hochschulen über einen längeren Zeitraum und der direkte Vergleich einer Universität mit einer Fachhochschule.

Mit den regionalen Rates of Return bemessen wir den spezifischen regionalökonomischen Vorteil der öffentlichen Finanzierung von Hochschulen. Dies geschieht, indem die Aufwendungen des Landes ins Verhältnis zu den Effekten gebracht werden, die aus zusätzlich attrahierten Mittelzuflüssen in die Region entstehen. Mit dieser Methode wird gezeigt, dass Hochschulen aus eigener Kraft größere regionalökonomische Effekte erzielen, als Mittel zu ihrer Finanzierung notwendig sind. Gleichzeitig bietet sie die Voraussetzung zum Vergleich alternativer Projekte der öffentlichen Hand, sodass Investitionsentscheidungen optimiert werden können. Darüber hinaus zeigen die empirischen Ergebnisse, dass Investitionen im Hochschulbereich eine besonders effektive und kostengünstige Form der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik darstellen. Vor allem mit Blick auf den wirtschaftlichen Aufholprozess der neuen Bundesländer ist diese Erkenntnis von größter Bedeutung. Die Frage, ob Hochschulen bei gleichem Mitteleinsatz größere Effekte hervorrufen als Förderprogramme, muss an dieser Stelle der weiteren Forschung überlassen bleiben.

Durch den Untersuchungszeitraum über sechs Jahre wird deutlich, dass Hochschulen in der Aufbauphase kontinuierlich zunehmende Effekte aufweisen. Trotz kaum gestiegener Aufwendungen des Landes konnten zunehmend mehr Studierende und Drittmittel in die Region gezogen werden. Offenkundig benötigen Hochschulen im Aufbauprozess Zeit, um ihre regionalökonomische Wirksamkeit voll entfalten zu können. Diese steigt kontinuierlich mit der Zahl der Studierenden und dem Volumen der eingeworbenen Drittmittel.

Erstmalig werden eine Universität und eine Fachhochschule mit derselben Methode untersucht, wodurch strukturelle Unterschiede in der regionalökonomischen Wirkungsweise deutlich werden. Im Vergleich zeigt sich, dass die Fachhochschule in Relation zum Mitteleinsatz größere direkte Effekte als die Universität generiert. Da indirekte Effekte (z.B. Ansiedlung von Unternehmen und Forschungsinstituten, Ausgründungen, Forschungskooperationen) in dieser Untersuchung unberücksichtigt bleiben, darf daraus jedoch nicht der Schluss gezogen werden, dass Fachhochschulen grundsätzlich eine größere regionalökonomische Bedeutung haben. Gerade die indirekten Effekte, die in starkem Maße angebotsseitig wirken, werden vorrangig von Universitäten produziert.

Insgesamt zeigt die Untersuchung, dass Sparmaßnahmen im Hochschulsektor nicht nur langfristig negative Folgen für eine Region haben können, weil sie zu einer schlechteren Humankapitalversorgung und geringeren Wissenstransfers führen, sondern auch kurzfristig erhebliche Opportunitätskosten verursachen.

Abbildung 1

Zusätzliche Effekte für das Land aufgrund der HochschulfinanzierungQuelle: eigene Darstellung
Zusätzliche Effekte für das Land aufgrund der HochschulfinanzierungQuelle: eigene Darstellung

Abbildung 2

Ablauf zur Bestimmung der sektoral und regional disagregierten Nachfrageeffekte durch die HochschulenQuelle: eigene Darstellung
Ablauf zur Bestimmung der sektoral und regional disagregierten Nachfrageeffekte durch die HochschulenQuelle: eigene Darstellung

Abbildung 3

Aufwendungen des Landes für die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und die Hochschule Magdeburg-Stendal (FH), Mittelzuflüsse in das Land durch die Hochschulen und daraus entstehende regionale Effekte (in DM)Quelle: eigene Berechnungen
Aufwendungen des Landes für die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und die Hochschule Magdeburg-Stendal (FH), Mittelzuflüsse in das Land durch die Hochschulen und daraus entstehende regionale Effekte (in DM)Quelle: eigene Berechnungen

Abbildung 4

Regionale Rates of Return des Landes für die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und die Hochschule Magdeburg-Stendal (FH). Zusätzliche regionalökonomische Effekte je eingesetzter Geldeinheit:Quelle: eigene Berechnungen
Regionale Rates of Return des Landes für die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und die Hochschule Magdeburg-Stendal (FH). Zusätzliche regionalökonomische Effekte je eingesetzter Geldeinheit:Quelle: eigene Berechnungen

Branchenspezifische direkte, indirekte und induzierte Beschäftigungseffekte der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und der Hochschule Magdeburg-Stendal (FH)

Sektor

1996

1997

1998

1999

2000

2001

A Land- und Forstwirtschaft

8

9

9

10

12

13

B Fischerei und Fischzucht

0

0

0

0

0

0

C Bergbau, Gewinnung von Steinen und Erden

3

3

3

3

4

4

D Verarbeitendes Gewerbe

103

112

119

140

151

162

E Energie- und Wasserversorgung

21

22

25

28

32

35

F Baugewerbe

106

99

98

96

116

138

G Handel, Instandhaltung, Reparatur

266

302

313

336

373

403

H Gastgewerbe

79

85

92

106

118

127

I Verkehr, Nachrichtenübermittlung

105

113

123

143

159

171

J Kredit- und Versicherungsgewerbe

23

25

27

31

35

38

K Grundstücks- und Wohnungswesen, Vermietung, unternehmensnahe Dienstleistungen

196

208

224

257

287

311

L Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung

6

7

7

7

9

10

M Erziehung und Unterricht

282

282

291

320

299

340

N Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen

14

15

16

19

20

23

O Sonstige öffentliche und persönliche Dienstleistungen

90

96

105

121

135

146

P Dienstleistungen privater Haushalte

48

51

56

65

72

78

Gesamt

1 352

1 429

1 507

1 683

1 824

1 998

Nachfrageeffekte, Wertschöpfung und Einkommen der Haushalte in Sachsen-Anhalt durch Studierende, Drittmittelbeschäftigte und Verausgabung extern eingeworbener Mittel an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und der Hochschule Magdeburg-Stendal (in DM)

1996

1997

1998

1999

2000

2001

Mittelzuflüsse nach LSA

144 596 794

154 099 802

165 261 322

188 647 807

212 775 275

238 754 560

Summe der reg. Ausgaben

98 756 347

108 704 418

117 908 897

136 442 432

154 303 643

170 307 666

Summe der direkten, indirektenund induzierten Umsatzeffekte

183 575 863

163 756 739

177 688 054

205 797 780

233 552 200

258 174 944

Wertschöpfung in LSA

69 486 860

76 040 667

82 690 248

95 530 936

108 719 783

120 238 948

Bruttoeinkommen der Haushalte

79 332 215

83 713 229

89 332 629

102 418 571

114 645 800

127 796 149

Sektorale Verteilung der direkten, indirekten und induzierten Nachfrageeffekte durch Studierende und Drittmittelausgaben der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und der Hochschule Magdeburg-Stendal (in DM)

Wirtschaftsabteilung

1996

1997

1998

1999

2000

2001

A Land- und Forstwirtschaft

1 669 250

1 815 323

1 999 607

2 361 044

2 683 491

2 954 371

B Fischerei und Fischzucht

14 925

16 320

18 013

21 333

24 224

26 607

C Bergbau, Gewinnung von Steinen und Erden

1 411 437

1 547 014

1 708 444

2 015 946

2 296 822

2 525 521

D Verarbeitendes Gewerbe

30 469 409

33 952 875

36 483 829

43 753 608

48 326 457

52 724 177

E Energie- und Wasserversorgung

5 898 708

6 478 472

7 220 644

8 545 833

9 775 477

10 729 390

F Baugewerbe

9 602 052

9121541

9 219 653

9 110 554

11 255 137

13 736 899

G Handel, Instandhaltung, Reparatur

22 867 824

26 425 726

27 960 539

30 644 117

34 653 896

38 182 732

H Gastgewerbe

3 639 565

3 961 131

4 378 550

5 160 378

5 878 128

6 473 898

I Verkehr, Nachrichtenübermittlung

16 974 751

18 569 678

20 630 361

24 329 225

27 603 143

30 374 713

J Kredit- und Versicherungsgewerbe

4 410 563

4 830 308

5 351 531

6 295 335

7191271

7 912 464

K Grundstücks- und Wohnungswesen, Vermietung, unternehmensnahe Dienstleistungen

40 144 300

43 485 909

47 692 999

55 876 276

63 698 827

70 355 423

L Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung

643 681

677 892

741 346

852 423

966 429

1 066 059

M Erziehung und Unterricht

704 324

768 654

853 568

1 009 561

1 149 960

1 264 425

N Gesundheits-, Veterinär- u. Sozialwesen

1 048 323

1 127 450

1 228 817

1439 410

1 623 837

1 804 102

O Sonstige öffentliche und persönliche Dienstleistungen

9 570 114

10 479 134

11 642 976

13 722 538

15 673 084

17 217 581

P Dienstleistungen priv. Haushalte

454 028

499 315

557 176

660 199

752 017

826 581

Gesamt

149 523 253

163 756 739

177 688 054

205 797 780

233 552 200

258 174 944

Mittelzuflüsse nach Sachsen-Anhalt durch die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und die Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) (in DM)

Mittelzuflüsse

1996

1997

1998

1999

2000

2001

Studierende Budgets Summe reg. Ausgaben

97 088 242 76 354 899

107 233 713 84 940 280

121 109 336 95 936 493

144 333 543 114 374 922

165 543 324 130 806 209

183 173 079 143 011 676

Drittmittel-Beschäftigte Personalkosten Bruttoeinkommen Summe reg. Konsumausgaben

18 865 119 15 673 097 7 286 723

18 001 991 14 863 552 6 829 319

17 814 342 14 695 271 6 740 230

19 878 665 16 440 878 7 578 589

20 664 098 17 126 599 7 926 477

23 846 802 19 792 341 9 184 655

Sachmittel Sachmittelausgaben gesamt regional wirksame Nachfrage

12 503 226 3 610 932

9 160 347 2 645 508

8 792 732 2 539 341

6 947 863 2 006 542

6 925 547 2 000 098

7 976 144 2 303 510

Investitionen Investitionen gesamt Summe der reg. Ausgaben

16 140 207 11 503 794

19 703 751 14 289 310

17 544 912 12 692 833

17 487 736 12 482 378

19 642 306 13 570 859

23 758 534 15 807 825

Gesamt Mittelzuflüsse nach LSA Summe der reg. Ausgaben

144 596 794 98 756 347

154 099 802 108 704 418

165 261 322 117 908 897

188 647 807 136 442 432

212 775 275 154 303 643

238 754 560 170 307 666

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